BYD verkauft den Racco, ein eigens für Japans Kleinstwagen-Norm entwickeltes Elektroauto, künftig auch in Sri Lanka und Macau. In beiden Ländern gilt wie in Japan Linksverkehr, nach diesem Merkmal sucht BYD auch die nächsten Märkte aus. Mit rund 12.100 Euro Einstiegspreis kostet der Kleinstwagen knapp die Hälfte eines VW ID. Polo.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Für den BYD Racco nannte BYD-Vizepräsident Liu Xueliang am Sonntag die ersten Auslandsmärkte.[1] Anlass war eine Feier im BYD-Autohaus im japanischen Hiratsuka: Seit dem Markteintritt im Januar 2023 lieferte der Konzern in Japan 10.000 Autos aus. In Macau laufen bereits Reservierungen, in Sri Lanka folgt die Vorstellung am 9. Oktober.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach Macau und Sri Lanka sollen weitere Länder mit Linksverkehr je nach Nachfrage folgen.
  • Gut zwei Monate nach dem Verkaufsstart liegen knapp 2.000 Bestellungen für den Racco vor.
  • Für 10.000 Auslieferungen in Japan brauchte BYD fast vier Jahre, im Ausland verkaufte der Konzern allein im September 180.700 Autos.
  • Die geplante EU-Klasse für kleine Elektroautos belohnt nur Montage in der EU.

Warum verkauft BYD ein Auto für Japans Kleinstwagen-Norm im Ausland?

Weißes Modellauto auf Podest mit grünem „RECHTSLENKER“-Anhänger
Der Racco erfüllt Japans Kei-Car-Norm: 3,40 m Länge, 1,48 m Breite, 47 kW. BYD verkaufte in vier Jahren nur 10.000 Stück in Japan

Der Racco hält die japanischen Grenzen für Kei-Cars auf den Zentimeter ein: 3,40 Meter Länge, 1,48 Meter Breite, 47 Kilowatt Leistung. Rabatte bei Steuer und Versicherung bringen diese Maße allein in Japan, deshalb rechnet sich ein Modell für eine einzige Norm nur über die Stückzahl.

Genau daran hapert es. Für 10.000 Auslieferungen brauchte BYD in Japan knapp vier Jahre. Ins Ausland verkaufte der Konzern allein im September 180.700 Fahrzeuge und schaffte die japanische Vierjahresmenge damit in weniger als zwei Tagen. Der Racco kam zwei Wochen nach dem Start Ende Juli auf gut 1.000 Bestellungen, inzwischen sind es laut Liu Xueliang knapp 2.000. Für eine eigens entwickelte Karosserie bleibt das eine kleine Serie.

Der Ausweg liegt in der Lage des Lenkrads. BYD fertigt den Racco als Rechtslenker und will ihn laut Konzern vor allem dort anbieten, wo wie in Japan links gefahren wird.

Warum beginnt BYD ausgerechnet in Sri Lanka?

Sri Lanka hob zum 1. Februar 2025 ein fast fünfjähriges Importverbot für Pkw auf. Zugelassen sind nur Rechtslenker. Zu den gefragtesten Importen zählen gebrauchte Kleinwagen aus Japan wie der Suzuki Wagon R, ein Modell aus der Kei-Klasse.

Mit diesen Gebrauchtimporten konkurriert der Racco als Neuwagen in derselben Größe, nur mit Elektroantrieb. Ein Vertriebsnetz steht bereits: Seit Ende 2025 verkauft der Generalimporteur John Keells CG Auto in Sri Lanka die BYD-Kleinwagen Atto 1 und Atto 2. Mit jedem weiteren Markt verteilen sich die Kosten der Sonderentwicklung auf mehr Autos.

BYD hat ein Auto für eine einzige Norm gebaut und sucht nun jedes Land, in dem das Lenkrad rechts sitzt. So wird aus Maßarbeit eine Serie.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen
BYD Racco: vom Kei-Car zum Exportmodell
Was der Kleinstwagen für Japan leistet und wohin er als Nächstes geht
12.100 €
Einstiegspreis des Racco in Japan
2.000
Bestellungen gut zwei Monate nach dem Verkaufsstart
10.000
ausgelieferte BYD-Autos in Japan seit Januar 2023
180.700
BYD-Exporte weltweit allein im September 2026

Japans Kei-Norm und Europas geplante Kleinwagenklasse

Stand 5. Oktober 2026
Länge
Kei-Carhöchstens 3,40 Meter
EU-VorschlagElektroautos bis 4,20 Meter
Vorteil
Kei-CarRabatte bei Steuer und Versicherung
EU-VorschlagAnrechnung mit Faktor 1,3 auf die CO₂-Flottenziele
Herkunft
Kei-Carbeliebig, der Racco kommt aus Changzhou
EU-Vorschlagnur bei Montage in der EU

Was bedeutet der Racco für Europas Kleinwagenpläne?

Die EU-Kommission schlug im Dezember 2025 eine eigene Fahrzeugklasse für kleine, bezahlbare Elektroautos bis 4,20 Meter Länge vor.[2] Hersteller sollen solche Autos bei den CO₂-Flottenzielen 1,3-fach anrechnen dürfen, allerdings nur bei Montage in der EU. Der Racco passt in die Länge, als Import aus dem chinesischen Changzhou aber nicht ins Förderprinzip. Für ein Kleinwagenmodell aus dem ungarischen Szeged, wo BYD noch 2026 mit der Montage beginnen will, sähe die Rechnung anders aus.

Pläne für Europa nannte BYD nicht, in der EU fahren ohnehin nur Irland, Malta und Zypern links. Im Linksverkehr-Land Großbritannien verkaufte BYD Anfang 2026 die meisten Elektroautos. Am Preis müssen sich Europas Hersteller trotzdem messen lassen: Der VW ID. Polo startet bei 25.000 Euro. Chinesische Automarken kamen in Europa schon im Juli auf einen Rekordanteil von 11,2 Prozent der Neuzulassungen.

Für Flottenverantwortliche im DACH-Raum heißt das:

  • Die EU-Kleinwagenklasse verfolgen, nationale Förderprogramme können daran anknüpfen.
  • Bei Kleinwagen nach dem Montageort fragen, er entscheidet über die Superkredite.
  • Den Wertverlust von Elektroautos vor dem Kauf chinesischer Modelle einrechnen.
  • Großbritannien und Irland beobachten, dort käme ein Rechtslenker zuerst an.

Quellen

[1] Nikkei: „BYD verkauft das Kei-Elektroauto Racco im Ausland, zuerst in Sri Lanka und Macau“ (japanisch)

[2] Europäische Kommission: „Taking action for a clean and competitive automotive sector“ (englisch)

Mehr Newshunger?

4,6 17 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?