Torf aus Lettland füllt die Erdsäcke in deutschen Gartencentern, rund 298.000 Tonnen kamen 2025 von dort. Bis August 2025 holten die lettischen Betriebe nur 29 Prozent der geplanten Menge aus ihren Mooren, Mitte August 2026 standen sie bei 60 bis 65 Prozent. Ein Rohstoff, den Deutschland loswerden wollte, wird gerade knapp.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür Gärtnereien, Baumschulen und Gemüsebetriebe ist Torf ein Betriebsmittel, für das Klima eine offene Rechnung: Entwässerte Moorböden setzten in Deutschland 2024 nach Zahlen des Umweltbundesamts rund 52 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente frei. Wir halten den Torfausstieg für richtig und den bisherigen Weg dorthin für halbherzig, weil Verbote im Inland nur den Abbau ins Baltikum verlagert haben. Dieser Beitrag folgt dem Torf vom Hochmoor über die Fehnkolonien Ostfrieslands bis in den Blumensack.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Rohstoff: Ein Hochmoor wächst etwa einen Millimeter im Jahr, für einen Kubikmeter Torf auf einem Quadratmeter braucht die Natur rund tausend Jahre.
- Die Abhängigkeit: Deutschland führte 2025 rund 1,13 Millionen Tonnen Torf ein, die Hälfte davon aus Lettland, Litauen und Estland.
- Das verfehlte Ziel: Die Torfminderungsstrategie von 2022 sah torffreie Hobbyerden bis 2026 vor, 2025 bestanden diese Erden im Schnitt noch zu 33 Prozent aus Torf.
- Der Anlass: Nach der verregneten Saison 2025 brachten die lettischen Moore bis Mitte August 2026 erst 60 bis 65 Prozent der geplanten Menge, die Vorräte der Branche sind fast aufgebraucht.
Angeberwissen in fünf Fragen
1 Um wie viel wächst ein Hochmoor ungefähr in einem Jahr? Aufklappen ↓
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2 Aus welchem Land kam 2025 die größte Torfmenge nach Deutschland? Aufklappen ↓
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3 Welche Stadt im Emsland entstand 1631 als Fehnkolonie im Moor? Aufklappen ↓
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4 Welches Land beendete 2021 den kommerziellen Torfabbau seines staatlichen Torfkonzerns und importiert seither Torf aus Lettland? Aufklappen ↓
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5 Wie hoch war der Torfanteil in Hobbyerden aus deutscher Produktion 2025 im Schnitt? Aufklappen ↓
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Was ist Torf und wie wächst ein Moor?
Torf ist abgestorbene Pflanzenmasse, die im nassen, sauerstoffarmen Moor nicht verrottet. Ab 30 Prozent organischer Substanz sprechen Bodenkundler von Torf. Ein Hochmoor wächst nur etwa einen Millimeter im Jahr, für einen Kubikmeter Torf auf einem Quadratmeter vergehen rund tausend Jahre.
Am Anfang steht meist ein verlandender See. Schilf, Seggen, Erlen und Weiden sterben ab, sinken ins Wasser und lagern sich zu einem Niedermoor ab, dessen Torf dunkelbraun bis schwarz und stark zersetzt ist. Grundwasser speist diese Moore, entsprechend nährstoffreich bleibt ihr Boden.
Bei kühlem, dauerfeuchtem Klima wächst das Moor über den Grundwasserspiegel hinaus. Von da an speist allein der Regen das neue Hochmoor. Torfmoose der Gattung Sphagnum wachsen oben weiter und sterben unten ab, wie das Bayerische Landesamt für Umwelt beschreibt. Viele dieser Moore begannen nach der letzten Eiszeit zu wachsen und sind nach rund 12.000 Jahren an manchen Stellen meterdick.
Im Hochmoor liegen die Schichten wie in einem Archiv übereinander. Oben liegt der helle Weißtorf, in dem die Pflanzenstruktur noch zu erkennen ist und der in großen Mengen in Blumenerde und Kultursubstrate wandert. Darunter folgen Brauntorf und der stark zersetzte, kompakte Schwarztorf. Bleibt Torf über Jahrmillionen unter Druck und Hitze liegen, entsteht daraus Braunkohle, die nächste Stufe der Inkohlung, die unsere Stoffgeschichte zur Kohle bis zum Anthrazit verfolgt.
| Torfart | Herkunft | Merkmale | Hauptverwendung |
|---|---|---|---|
| Weißtorf | obere Schicht im Hochmoor | hell, wenig zersetzt, Torfmoos noch erkennbar | Blumenerde, Kultursubstrate |
| Schwarztorf | untere Schicht im Hochmoor | dunkel, kompakt, stark zersetzt | Substrate, früher Brennstoff |
| Niedermoortorf | grundwassergespeiste Moore | dunkelbraun bis schwarz, nährstoffreich | kaum im Gartenbau, oft entwässertes Grünland |
Weltweit bedecken Moore nach Zahlen der Welternährungsorganisation FAO rund 3 Prozent der Landfläche in 178 Ländern. Auf dieser kleinen Fläche lagert doppelt so viel Kohlenstoff wie in der Biomasse aller Wälder der Erde. Zwischen 11 und 15 Prozent der Moore sind entwässert oder geschädigt und verursachen fast 5 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen.
Deutschland besitzt rund 1,8 Millionen Hektar Moorböden, gut 5 Prozent der Landesfläche. Diese Böden speichern genauso viel Kohlenstoff wie die deutschen Wälder. Nach der Nationalen Moorschutzstrategie sind 92 Prozent davon entwässert, meist für Acker und Grünland. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie verortet rund drei Viertel der deutschen Hochmoore in Niedersachsen, etwa 210.000 Hektar.
Als Rohstoff ist Torf nur auf dem Papier üppig vorhanden. Der US Geological Survey schätzt die weltweiten Reserven auf 13 Milliarden Tonnen bei einer Förderung von 17 Millionen Tonnen im Jahr 2025. Auf 60 Prozent der globalen Moorfläche wächst Torf zwar weiter, das gesamte Moorvolumen schrumpft aber um 0,05 Prozent im Jahr.
Torf wächst so langsam, dass jeder Abbau für menschliche Zeiträume endgültig ist. Für den Gartenbau zählt vor allem der helle Weißtorf aus der obersten Schicht der Hochmoore.
Wer entdeckte Torf und wie begann der Abbau im Moor?

Torf heizte Nordeuropa schon in der Antike. Plinius der Ältere beschrieb Germanen, die Torf trockneten und damit heizten. Der Abbau im großen Stil begann im 17. Jahrhundert, als Unternehmer in den Niederlanden und in Ostfriesland ganze Moore abgruben und Fehnkolonien gründeten.
Plinius bereiste die Küsten Germaniens zwischen 47 und 57 nach Christus. Er notierte, dass die Bewohner ihren Brennstoff aus dem Moor stachen und ihn „mehr durch den Wind als durch die Sonne“ trockneten, wie das Wissensmagazin scinexx die Stelle wiedergibt. Für die Menschen an der Küste blieb Torf noch viele Jahrhunderte die wichtigste Wärmequelle.
In den Niederlanden wurde Torf zum Treibstoff einer Weltmacht. Bis ins 20. Jahrhundert blieb er der wichtigste Brennstoff des Landes, die Historiker der Maison des Sciences de l’Homme verweisen auf die These, das Goldene Zeitalter habe auf billigem Torf beruht. Die Torfstecher gruben bis zu acht Meter tief, und wo sie fertig waren, blieben Seen zurück, etwa nördlich von Rotterdam.
Auch in Ostfriesland und im Emsland begann der Abbau im großen Stil. Am 4. April 1631 belehnte der Bischof von Münster seinen Drosten Dietrich von Velen mit dem Gut Papenburg, das dieser im Jahr zuvor gekauft hatte, um im Moor eine Fehnkolonie anzulegen. Vier Emder Bürger erhielten 1633 das Recht, bei Timmel ein Stück Hochmoor abzugraben, um Emden mit Brennstoff zu versorgen. Aus dieser Fläche entstand Großefehn, der Abbau begann im April 1634.
Kanäle entwässerten das Moor und dienten zugleich als Transportwege, auf denen Torfschiffe den Brennstoff in die Städte brachten. Im 19. Jahrhundert brannte im Nord- und Ostseeraum in etwa jeder zweiten Feuerstelle Torf, schon 1731 pries eine Schrift den Rohstoff als „Teutschlands neu entdeckte Goldgrube“.
| Jahr | Ort | Ereignis |
|---|---|---|
| 47 bis 57 n. Chr. | Küste Germaniens | Plinius beschreibt Torf als Brennstoff |
| 1631 | Papenburg | Gründung als Fehnkolonie |
| 1633 | Großefehn | Emder Bürger erhalten das Abbaurecht |
| 1771 | Teufelsmoor | Findorff wird Moorkommissar |
| 1909 | Wiesmoor | Torfkraftwerk geht in Betrieb |
| 1945 | Weihenstephan | Patent auf die Einheitserde aus Weißtorf und Löss |
| 1959 | Deutschland | Floragard bringt das Torfkultursubstrat TKS auf den Markt |
Im Teufelsmoor bei Bremen trieb der Staat die Besiedlung voran. König Georg III. ernannte Jürgen Christian Findorff 1771 zum Moorkommissar, und Findorff gründete auf 140 Quadratkilometern Moorland 42 Dörfer zwischen Wümme und Hamme. Auf Kanälen brachten Torfschiffer den gestochenen Torf nach Bremen.
Das 20. Jahrhundert verwandelte den Brennstoff in ein Industrieprodukt. In Wiesmoor ging 1909 eines der ersten Dampfturbinenkraftwerke Norddeutschlands ans Netz, befeuert mit Torf, und heizte ab 1925 Gewächshäuser für Gurken und Tomaten. Georg Klasmann gründete 1913 die Heseper Torfwerk GmbH, aus der nach der Fusion mit der C. Deilmann AG 1990 Klasmann-Deilmann wurde, das heute eigene Abbauflächen in Litauen und Lettland betreibt.
Den Weg in den Gartenbau ebnete die Forschung in Weihenstephan. Hans Fruhstorfer erhielt 1945 das Patent auf die Einheitserde aus Weißtorf und Löss, und Franz Penningsfeld, ab 1947 Leiter des Instituts für Bodenkunde und Pflanzenernährung, trieb die Torfkultursubstrate voran. Floragard brachte 1959 mit TKS das erste industriell hergestellte Substrat auf Torfbasis auf den Markt. Seither steckt Torf in den meisten Blumentöpfen.
Vom 17. bis ins 20. Jahrhundert diente Torf in Norddeutschland vor allem als Brennstoff, Ostfrieslands Fehnkolonien entstanden für den Abbau. Seit Einheitserde und TKS in den 1940er- und 1950er-Jahren steckt der Rohstoff vor allem im Gartenbau.
Wie hat Torf die Weltkarte verändert?

Torf hat keine Grenzen verschoben, wohl aber Landschaften umgestaltet und Abhängigkeiten geschaffen. Staaten kolonisierten ihre eigenen Moore, Irland erzeugte damit Strom. Heute verbieten reiche Länder den Abbau daheim und kaufen im Baltikum und in Kanada ein, während China als neuer Großkunde auftritt.
Statt ferne Kolonien zu erobern, erklärten die Landesherren in Ostfriesland, im Emsland und im Teufelsmoor das eigene Ödland zum Siedlungsgebiet. Die Siedler erhielten Moorland in Erbpacht und verkauften den gestochenen Torf in die Städte. Die Moorkolonisation schob die Siedlungsgrenze in die nassen Niederungen hinein und legte damit die Grundlage für die Entwässerung, deren Emissionen heute in Deutschlands Klimabilanz stehen.
Irland: vom Torfstaat zum Torfimporteur
Irland machte seine Moore zur nationalen Sache. Der junge Staat gründete 1934 das Turf Development Board, das 1946 in den staatlichen Konzern Bord na Móna überging. Zwischen 1950 und 1967 gingen in Irland Torfkraftwerke mit zusammen gut 400 Megawatt ans Netz, gespeist aus Soden- und Frästorf aus den Midlands.
Das Ende kam vor Gericht. Am 20. September 2019 entschied Richter Garrett Simons am irischen High Court auf Klage der Umweltgruppe Friends of the Irish Environment, dass Torf auf Flächen über 30 Hektar nur mit Baugenehmigung abgebaut werden darf. Bord na Móna setzte die Ernte 2020 aus und verkündete am 15. Januar 2021 das endgültige Ende. Seither renaturiert der Konzern unter dem Motto „Brown to Green“ seine Moore, der Plan dafür ist mit 115 Millionen Euro veranschlagt.
Der Bedarf der irischen Gärtnereien verschwand damit nicht. Am 18. September 2021 legte in Drogheda das erste Schiff mit rund 3.600 Tonnen Torf aus Lettland an, Importeur war die irische Tochter von Klasmann-Deilmann. Vor dem Agrarausschuss des Parlaments warnte der Branchenverband Growing Media Ireland im Juni 2026, rund 18.000 Arbeitsplätze im irischen Gartenbau seien akut gefährdet. Seit 2019 hat dort kein Betreiber eine neue Abbaugenehmigung erhalten.
| Land | Regel für den Torfabbau | Folge |
|---|---|---|
| Irland | Genehmigungspflicht ab 30 Hektar seit dem Urteil von 2019, Ende der Ernte bei Bord na Móna 2021 | Import aus Lettland seit September 2021 |
| Schweiz | Abbau seit der Rothenturm-Initiative 1987 faktisch verboten | über 500.000 Kubikmeter Import im Jahr |
| Niedersachsen | keine neuen Abbaugenehmigungen seit Dezember 2023 | bestehende Genehmigungen laufen teils bis 2060 |
| Großbritannien | Verkaufsverbot von Torferde an Hobbygärtner 2022 angekündigt | bis Oktober 2026 kein Gesetz |
| Finnland | Torfverbrennung soll sich bis 2030 halbieren | Gartenbautorf überholt 2025 den Energietorf |
Verbieten daheim, kaufen im Baltikum
Andere Länder folgen demselben Muster, die Schweiz sogar früher als Irland. Die Eidgenossenschaft stoppte den Abbau 1987 nach der Rothenturm-Initiative, die 58 Prozent der Stimmen bekam, und importiert seither nach Zahlen des Bundesamts für Umwelt jedes Jahr über 500.000 Kubikmeter Torf. Niedersachsen erteilt seit Dezember 2023 keine neuen Abbaugenehmigungen mehr, und schon 2023 kamen nach einer Antwort der Landesregierung rund 40 Prozent des Torfs der dortigen Erdenwerke aus Importen.
Großbritannien kündigte 2022 an, ab 2024 keine Torferde mehr an Hobbygärtner verkaufen zu lassen. Die Frist verstrich ohne Gesetz, und im Februar 2026 sagte das Umweltministerium Defra nur zu, Optionen für einen Zeitplan vorzulegen. Finnland will die Verbrennung von Torf bis 2030 halbieren und stützt die betroffenen Regionen mit mehr als 465 Millionen Euro aus dem EU-Fonds für einen gerechten Übergang. 2025 übertraf dort erstmals der Torf für Gartenbau, Einstreu und andere Zwecke den Energietorf, wie der Verband Bioenergia meldet.
Neue Kunden, alte Lieferanten
Ein Torfkartell nach dem Vorbild der OPEC existiert nicht. Die Marktmacht liegt bei wenigen Förderländern rund um die Ostsee und bei Kanada, das nach dem US Geological Survey 95 Prozent der US-Importe liefert. Lettland schickte 2024 nach demselben Bericht 15 Prozent seiner Torfexporte nach Deutschland und schon 14 Prozent nach China.
In China wuchs die geschützte Anbaufläche unter Folie und Glas binnen fünf Jahren von 0,7 auf 3 Millionen Hektar, rechnet der niederländische Substratverband VPN vor. Jeder Kubikmeter, der nach Asien geht, fehlt in Europa, und die lettischen Produzenten berichten zugleich von kriegsbedingten Logistikproblemen gerade auf den asiatischen Routen. Jedes Abbauverbot in Westeuropa vergrößert die Abhängigkeit von den Ostseemooren, um deren Torf nun auch China konkurriert.
Warum ist Torf für die Weltwirtschaft so wichtig?

Der Torfhandel ist klein, wirkt aber weit über seine Größe hinaus. Die sechs größten Exportländer setzten 2024 zusammen rund 1,3 Milliarden Euro um, doch an diesem Rohstoff hängt die Anzucht von Gemüse, Zierpflanzen und Bäumen in ganz Europa. Deutschland führte 2025 rund 1,13 Millionen Tonnen ein.
Gemessen an Öl oder Kupfer wirkt der Torfhandel winzig. Der US Geological Survey schätzt die Weltförderung 2025 auf 17 Millionen Tonnen, Kanada als größter Exporteur erlöste 2024 nach UN-Handelsdaten umgerechnet rund 407 Millionen Euro. Seine Bedeutung gewinnt der Rohstoff durch die Vorleistung: Fast jede Jungpflanze aus einer deutschen Gärtnerei beginnt ihr Leben in einem Substrat, das ganz oder teilweise aus Torf besteht.
Die deutsche Substratbranche setzte 2025 nach Zahlen des Industrieverbands Garten (IVG) und der Gütegemeinschaft Substrate rund 7,9 Millionen Kubikmeter Erden und Substrate ab. Als Ausgangsstoffe setzten die Werke 4,3 Millionen Kubikmeter Torf ein, rund 400.000 Kubikmeter weniger als im Vorjahr, dazu 4,4 Millionen Kubikmeter andere organische Stoffe. Rund 2,1 Millionen Kubikmeter gingen in den Export, Deutschland ist also zugleich Verarbeiter und Exporteur.
Den Rohstoff dafür kauft Deutschland zur Hälfte im Ausland. Nach UN-Handelsdaten kamen 2025 rund 1,13 Millionen Tonnen Torf im Wert von umgerechnet 131 Millionen Euro ins Land. Größter Lieferant war Lettland mit knapp 298.000 Tonnen, dicht gefolgt von den Niederlanden mit knapp 297.000 Tonnen sowie Litauen und Finnland. Lettland, Litauen und Estland zusammen stellten die Hälfte der Menge.
Die Niederlande sind Drehscheibe und Verarbeiter zugleich. Das Land führte 2024 rund 1,29 Millionen Tonnen Torf ein und nur 0,77 Millionen Tonnen aus, die heimische Substratindustrie verbraucht jedes Jahr rund 4 Millionen Kubikmeter Torf. Die Ware reist meist per Schiff: Allein aus dem lettischen Hafen Liepāja laufen jedes Frühjahr vier bis fünf Frachter mit je knapp 3.000 Tonnen Torf nach Deutschland, Dänemark und in andere Länder aus. Papenburg an der Ems gilt als wichtigster Torfhafen Niedersachsens.
Eine Börse für Torf existiert nicht. Die Preise handeln Abbaubetriebe und Erdenwerke in Lieferverträgen aus, sichtbar werden sie nur in den Außenhandelsstatistiken. Lettland erlöste 2025 nach Zahlen seines Statistikamts im Schnitt rund 155 Euro je Tonne exportierter Torfprodukte, kanadischer Torf erzielte 2024 rechnerisch rund 330 Euro je Tonne. Bis Mai 2026 fielen die lettischen Preise um 25 bis 30 Prozent unter das Hoch von 2025, meldet der lettische Torfverband, während sich die Kosten der Exportlogistik etwa verdreifacht haben.
| Land | Torfexport 2024 | Torfimport 2024 | Rolle |
|---|---|---|---|
| Kanada | 407 Mio. € | gering | Hauptlieferant der USA |
| Lettland | 326 Mio. € | gering | größter Lieferant Deutschlands |
| Estland | 185 Mio. € | gering | exportiert über 95 Prozent seiner Substrate |
| Niederlande | 173 Mio. € | 156 Mio. € | Drehscheibe und Substratproduzent |
| Deutschland | 151 Mio. € | 94 Mio. € | Verarbeiter, Exporteur von Substraten |
| Litauen | 97 Mio. € | gering | drittgrößter Lieferant Deutschlands 2025 |
| USA | gering | 428 Mio. € | größter Importeur der Welt |
| China | gering | 131 Mio. € | wachsender Großkunde |
Wie abhängig der Gartenbau ist, zeigt der Torfanteil in den Profisubstraten. Er lag 2025 bei 61 Prozent, nur 6 Prozent der Profisubstrate kamen ganz ohne Torf aus. Der niederländische Substratverband VPN verweist auf eine Prognose der Universität Wageningen, nach der sich der weltweite Bedarf an Substraten bis 2050 gegenüber 2020 vervierfachen könnte.
Für Deutschland ergibt sich daraus eine doppelte Abhängigkeit. Die Gemüse- und Zierpflanzenbetriebe hängen am Torf, und der Torf hängt am Wetter im Baltikum. Fällt dort eine Ernte aus, spüren das zuerst die Erdenwerke, wenige Monate später die Gärtnereien und am Ende die Kunden im Gartencenter.
Deutschland verarbeitet Torf zu Substraten und kauft den Rohstoff dafür zur Hälfte im Ausland, vor allem im Baltikum. Börse und Preisindex fehlen, die Preise entstehen in Lieferverträgen.
In welchen Produkten steckt Torf und was verschwindet ohne ihn?

Torf steckt in Blumenerde, in den Anzuchttöpfen für Salat und Tomaten, in der Deckerde der Champignonzucht und im Substrat für Heidelbeeren. Ohne Torf verschwände kaum ein Produkt ganz, doch Jungpflanzen und Pilze ließen sich in der heutigen Menge und Qualität nicht ohne Weiteres erzeugen.
Am sichtbarsten ist Torf im Sack. Das Statistische Bundesamt zählte 2024 rund 4,6 Millionen Kubikmeter Erden für Hobbygärtner, 77 Prozent davon enthielten Torf. Zusammen steckten darin 1,4 Millionen Kubikmeter des Rohstoffs. In die Mischung kommen Zusätze wie Kalk, Dünger und Netzmittel, die das Substratbuch des IVG als eigenen Kostenfaktor führt.
Weniger sichtbar, aber wichtiger ist der Profibereich. Gemüsejungpflanzen wachsen in Erdpresstöpfen, kleinen Würfeln aus gepresstem Substrat, die ohne Topf stabil bleiben müssen. Im Projekt ToGeP testen Betriebe seit 2023, wie viel Torf sich dort ersetzen lässt: Mischungen mit 30, 35 und 50 Prozent Ersatzstoff funktionierten ohne Qualitätsverlust. Ein etwas kleinerer Topf mit 3,7 statt 4 Zentimetern Kantenlänge spart zusammen mit 30 Prozent Ersatz rund die Hälfte des Torfs.
Champignons wachsen unter einer Schicht Deckerde, die Feuchtigkeit halten muss. Im Projekt MykoDeck brachten zwei vollständig torffreie Rezepturen zwar ähnliche Erträge, doch die Deckerde trocknete schneller aus, und die Pilze bildeten Klumpen. Die britische Regierung plante für Pilz-Deckerde und kleine Anzuchtballen Ausnahmen bis 2030, zusammen machten beide 2021 dort 42 Prozent des Profitorfs aus.
Bei Kulturheidelbeeren im Topf liegt der Torfanteil schon heute nur bei rund einem Drittel. Der Statusbericht des Agrarministeriums von 2025 weist auf eine Tücke hin: Sinkt der Ertrag durch weniger Torf, kann der CO₂-Fußabdruck je Kilogramm Beeren sogar steigen.
Zwei Nischen leben vom Torf als Aroma- und Heilstoff. Die Whiskybrennerei Bruichladdich auf Islay räucherte das Malz für ihren Octomore 08.3 so stark über Torffeuer, dass die Gerste 309,1 ppm Phenol enthielt, ein Rekord für Scotch. In Oberschwaben baute ein Zweckverband für die Moorbäder in Bad Buchau, Bad Waldsee und Bad Wurzach vor der Corona-Pandemie jedes Jahr rund 3.000 Kubikmeter Badetorf ab.
| Produkt | Rolle des Torfs | Ersatz heute |
|---|---|---|
| Blumenerde für Hobbygärtner | Strukturstoff, speichert Wasser | gut möglich, 30 Prozent der Erden waren 2025 torffrei |
| Profisubstrate für Zierpflanzen | Basis für 61 Prozent des Volumens | schrittweise, nur 6 Prozent torffrei |
| Erdpresstöpfe für Gemüse | hält den Würfel stabil | bis 50 Prozent Ersatz im Test ohne Verlust |
| Deckerde für Champignons | hält Feuchtigkeit gleichmäßig | torffreie Rezepturen trocknen schneller aus |
| Substrat für Heidelbeeren | liefert die nötige Struktur | Anteil schon bei rund einem Drittel |
| Rauchmalz für Whisky | Aroma durch Torfrauch | kein Ersatz für den typischen Geschmack |
Kritisch wird ein Lieferausfall deshalb nicht beim Blumensack, wo torffreie Erden längst im Regal stehen, sondern bei den Betrieben, die mit ihrem Substrat Lebensmittel erzeugen. Fällt der Torf aus, müssen Jungpflanzengärtnereien und Pilzzüchter mitten in der Saison auf neue Rezepturen umstellen, mit anderer Bewässerung und Düngung.
Zum Stillstand käme die Produktion selten, teurer und unsicherer würde sie fast immer. Gemüse, Topfpflanzen und Pilze kommen auch deshalb verlässlich in die Regale, weil ihr Substrat seit Jahrzehnten gleich reagiert. Diese Berechenbarkeit fehlt den Ersatzstoffen noch.
Wie setzt sich der Preis eines Sacks Blumenerde zusammen?

Ein 40-Liter-Sack torfhaltiger Blumenerde kostete im Test der Stiftung Warentest 2025 rund 8 bis 8,50 Euro. Im Preis stecken 19 Prozent Umsatzsteuer auf den Nettobetrag, bei 8,25 Euro also rund 1,32 Euro. Den Rest teilen sich Rohstoffe, Aufbereitung, Transport und Handel, die Anteile legt niemand offen.
Torffreie Säcke lagen im selben Test bei 7 bis 10 Euro, allerdings in Größen zwischen 10 und 45 Litern. Der torffreie Sack Grow by Obi mit 45 Litern kostete 10 Euro, die torffreie Flora Self Nature mit 35 Litern 8 Euro. Pro Liter gerechnet bleibt torffreie Erde damit meist die etwas teurere Wahl.
Beim Staat ist der Anteil eindeutig. Torf und Blumenerde stehen nicht in der Liste der ermäßigt besteuerten Waren in Anlage 2 des Umsatzsteuergesetzes, deshalb gilt der Regelsatz von 19 Prozent. Auf die Topfpflanze im selben Einkaufswagen fallen dagegen nur 7 Prozent Umsatzsteuer an, weil lebende Pflanzen in der Liste stehen. Von einem Sack für 8,25 Euro bleiben dem Handel und der Industrie so rund 6,93 Euro.
Welche Kosten im Rest stecken, beschreibt das Substratbuch des Industrieverbands Garten ohne Prozentzahlen. Die Hersteller kaufen Torf und Ersatzstoffe ein, dazu Kalk, Dünger und Netzmittel. Die Aufbereitung durch Mahlen, Sieben und Mischen braucht viel Energie und automatisierte Anlagen. Hinzu kommen Qualitätssicherung, Zertifizierung, Löhne und vor allem der Transport.
Beim Transport entscheidet das Gewicht. Grüngutkompost wiegt nach dem IVG-Substratbuch rund 600 Kilogramm je Kubikmeter, Holzfaser rund 100 Kilogramm. Für dasselbe Volumen kostet der Kompost deshalb etwa das Sechsfache an Fracht. Gerade der wichtigste Torfersatz wird damit auf langen Wegen zum Kostentreiber.
| Preisbaustein | Anteil am Sack für 8,25 Euro | Wer kassiert |
|---|---|---|
| Umsatzsteuer 19 Prozent | rund 1,32 Euro | Staat |
| Torf und Ersatzstoffe | nicht veröffentlicht | Abbaubetriebe im Baltikum und in Deutschland, Kompostwerke, Sägewerke |
| Kalk, Dünger, Netzmittel | nicht veröffentlicht | Zulieferer |
| Aufbereitung, Energie, Löhne | nicht veröffentlicht | Erdenwerk |
| Fracht per Schiff und Lkw | nicht veröffentlicht | Reedereien, Spediteure |
| Verpackung, Marge, Handel | nicht veröffentlicht | Hersteller, Bau- und Gartenmärkte |
Torf misst die Branche beim Export in Tonnen, im Laden in Litern. Welchen Anteil der Torf am Sackpreis hat, legen die Erdenwerke nicht offen. Für den Torf spricht aus Sicht der Produzenten ohnehin weniger der Preis als seine gleichmäßige Qualität: Einen gleichwertigen Ersatz habe die Forschung auch nach 30 Jahren nicht gefunden, sagt Ingrīda Krīgere vom lettischen Torfverband.
Nach der Missernte 2025 kündigten Hersteller wie Stender deutliche Preissteigerungen an, bis Mai 2026 gaben die lettischen Torfpreise wieder nach. Ob die Gartencenter gesunkene Einkaufspreise weitergeben, hat bisher niemand systematisch erhoben.
Beim Aufpreis für torffreie Erde gehen die Angaben auseinander. Das Thünen-Institut beziffert ihn im Projekt MITODE auf durchschnittlich 20 Prozent, der Bund der Steuerzahler schätzte im September 2025 rund ein Drittel. Ein Währungseffekt entfällt bei baltischem Torf, weil Lettland, Litauen und Estland in Euro abrechnen.
Wer verdient an Torf und wer zahlt drauf?

Am Torf verdienen vor allem Lettland, Estland und Litauen sowie die großen Substrathersteller. Die Rechnung zahlen das Klima, weil entwässerte Moore CO₂ freisetzen, und Gärtnereien in Ländern wie Irland, die ihren Rohstoff plötzlich importieren müssen.
Lettland hat aus seinen Mooren ein Exportgeschäft gemacht. Die Torfausfuhr wuchs von 130 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 342 Millionen Euro im Jahr 2024, 2025 meldete der lettische Torfverband 325 Millionen Euro. Die UN-Handelsdaten weisen für 2024 etwas weniger aus, umgerechnet 326 Millionen Euro. Eine Studie von KPMG Baltics beziffert die Bruttowertschöpfung der Branche für 2023 auf 126,2 Millionen Euro, 0,37 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Branche sichert mehr als 5.100 direkte und indirekte Arbeitsplätze und zahlte 80,9 Millionen Euro Steuern.
Von den Mooren profitieren auch ausländische Konzerne. Der dänische Familienbetrieb Pindstrup produziert seit 1998 in Lettland und übernahm 2025 mit Compaqpeat drei weitere Werke. Klasmann-Deilmann baut in Lettland und Litauen ab. Daneben fördert der lettische Produzent Laflora im Schnitt 115.000 Tonnen im Jahr auf gut 2.000 Hektar und exportiert rund 90 Prozent in mehr als 40 Länder.
Der klassische Ressourcenfluch, der ölreiche Staaten ärmer macht, trifft Lettland nicht. Mit 0,37 Prozent der Wirtschaftsleistung bleibt die Branche dafür zu klein, und die Lizenzen verteilen sich auf 57 Firmen. Der Fluch des Torfs steckt in der Klimabilanz: Nach dem Territorialprinzip der Klimaberichte zählen die Emissionen aus dem Abbau in dem Land, in dem gegraben wird, nicht dort, wo die Erde im Beet landet.
| Land | Rolle beim Torf | Ergebnis |
|---|---|---|
| Lettland | größter Exporteur Europas | 325 Mio. € Export 2025, Emissionen bleiben in der eigenen Bilanz |
| Estland | Exporteur | über 95 Prozent der Substrate gehen ins Ausland |
| Irland | früher Torfstaat | Abbau beendet, 18.000 Jobs im Gartenbau gefährdet |
| Finnland | Förderland im Umbau | weniger Energietorf, mehr Gartenbautorf |
| Deutschland | Verarbeiter | Abbau sinkt, Emissionen wandern mit dem Import ins Baltikum |
Die größte Last liegt in Deutschland woanders als beim Abbau. Entwässerte Moorböden setzten 2024 nach dem Umweltbundesamt rund 52,2 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente frei, etwa 8 Prozent der deutschen Emissionen, 82 Prozent davon aus landwirtschaftlich genutzten Flächen. Der Torfabbau im Inland verursachte nach Rechnung des IVG rund 0,7 Millionen Tonnen. Das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie kommt für die Produkte der dortigen Erdenwerke auf 2,2 bis 2,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente im Jahr.
Am härtesten trifft der Ausstieg ohne Plan die Abnehmer. In Irland trug der Gartenbau 2025 rund 644 Millionen Euro zur Agrarproduktion bei, Growing Media Ireland sieht die Stellen in Produktion und Handel akut gefährdet und rechnet vor, dass schon 600 Hektar Abbaufläche genügen würden. Importierter Torf kommt seit 2021 unter anderem aus Lettland, die Emissionen des Abbaus fallen dort an.
Niedersachsen verbietet neue Torfgruben, und Deutschland kaufte 2025 trotzdem 298.000 Tonnen Torf in Lettland.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Lettland erlöst mit Torfexporten über 300 Millionen Euro im Jahr und behält dafür die Emissionen in der eigenen Bilanz. Für Deutschland ist der Abbau der kleinere Posten, entwässerte Äcker und Wiesen auf Moorboden wiegen ein Vielfaches schwerer.
Wie mächtig ist die Torf-Lobby?

Die Torf-Lobby ist klein, aber wirksam. Der Industrieverband Garten gab 2025 laut Lobbyregister höchstens 190.000 Euro für Interessenvertretung aus. Ein bundesweites Verbot von Torf in Blumenerde existiert nicht, und das Agrarministerium hat das Ziel torffreier Hobbyerde bis 2026 ohne neue Jahreszahl umformuliert.
Der IVG vertritt die Hersteller von Erden, Substraten und Gartenprodukten. Im Lobbyregister des Bundestags meldet der Verband für 2025 Ausgaben zwischen 180.001 und 190.000 Euro, 0,76 Vollzeitstellen für die Interessenvertretung und Mitgliedsbeiträge von gut 1,24 Millionen Euro bei 166 Mitgliedern. Mitglied ist der Erdenverband seinerseits im Zentralverband Gartenbau und im Markenverband.
Die Branche setzt auf freiwillige Ziele. Gemeinsam mit der Gütegemeinschaft Substrate hat sich der IVG verpflichtet, bis 2030 mindestens 30 Prozent Ersatzstoffe in Profisubstraten und 70 Prozent in Erden für Hobbygärtner einzusetzen. Im Statusbericht des Ministeriums von 2025 stellt der Verband zugleich klar, eine komplette Torffreiheit sei langfristig nicht zu erreichen. Das Profiziel ist mit 39 Prozent Ersatzstoffen 2025 schon übertroffen, bei Hobbyerden fehlen bis 70 Prozent nur noch wenige Punkte, die Selbstverpflichtung beschreibt also im Wesentlichen den heutigen Stand.
Ihr wichtigstes Argument hat die Branche in ein Siegel gefasst. Das Zertifikat Responsibly Produced Peat, kurz RPP, erlaubt Abbau nur auf bereits geschädigten Flächen und verlangt danach möglichst eine nasse Nachnutzung. Die Zertifizierungsstelle führt 163 Zertifikate für zusammen gut 36.000 Hektar, 32 davon in Deutschland. Nach der IVG-Statistik stammte 2024 knapp die Hälfte des verarbeiteten Torfs aus solchen Flächen. Klimaneutral macht das Siegel den Torf nicht: Klasmann-Deilmann beziffert den CO₂-Fußabdruck seiner Produkte für 2025 auf 60,9 Kilogramm CO₂-Äquivalente je Kubikmeter, von der Gewinnung bis zur Entsorgung.
Der Staat setzt bisher auf Ziele, Förderung und Appelle. Die Torfminderungsstrategie von 2022 sah das Ende des Torfs in Hobbyerden bis 2026 vor, im Erwerbsgartenbau eine weitgehende Reduktion bis 2030. Im Dezember 2025 sprach das Agrarministerium nur noch davon, Hobbyerden sollten „in absehbarer Zeit vollständig torffrei“ werden, und förderte ein Projekt dazu mit rund 750.000 Euro.
| Instrument | Jahr | Ziel | Stand Oktober 2026 |
|---|---|---|---|
| Bund-Länder-Zielvereinbarung Moorbodenschutz | 2021 | 5 Mio. t CO₂-Äquivalente weniger bis 2030 gegenüber 2019, keine neuen Abbaugenehmigungen | Moor-Emissionen 2024 bei 52,2 Mio. t |
| Torfminderungsstrategie des Agrarministeriums | 2022 | Hobbyerde bis 2026 torffrei, Profi bis 2030 weitgehend | Hobbyerde 2025 mit 33 Prozent Torf |
| Selbstverpflichtung von IVG und GGS | Statusbericht 2025 | bis 2030 70 Prozent Ersatz in Hobbyerde, 30 Prozent in Profisubstrat | Profisubstrat 2025 mit 61 Prozent Torf |
| Niedersächsisches Naturschutzgesetz | 2023 | keine neuen Torfabbaugenehmigungen | Verfassungsbeschwerde 2025 nicht zur Entscheidung angenommen |
| EU-Wiederherstellungsverordnung | 2024 | 30 Prozent der entwässerten Agrarmoore bis 2030 in Wiederherstellung | Umsetzung in nationalen Plänen |
Am weitesten geht Niedersachsen. Seit dem 20. Dezember 2023 verbietet das Landesnaturschutzgesetz neue Genehmigungen für den Torfabbau. Eine Verfassungsbeschwerde dagegen nahm das Bundesverfassungsgericht am 16. Dezember 2025 nicht zur Entscheidung an, weil die Beschwerdeführerin zuerst die Fachgerichte hätte anrufen müssen. Umweltminister Christian Meyer sah das Verbot bestätigt, der IVG hielt dagegen, das Gericht habe ausdrücklich nicht in der Sache entschieden, und bezweifelte die Emissionszahlen des Ministeriums.
Wie hart der Streit geführt wird, zeigt die Esterweger Dose im Emsland. Das Land Niedersachsen hat Klasmann-Deilmann im Dezember 2025 vor dem Landgericht Osnabrück verklagt und wirft dem Unternehmen laut taz vor, mehr als 160.000 Kubikmeter Torf zu viel abgebaut zu haben, gefordert werden über 4,5 Millionen Euro. Klasmann-Deilmann hatte die fehlenden Mengen 2023 mit einer ungewöhnlich starken Schrumpfung des Moors in den Dürresommern ab 2018 erklärt, ein Gutachter habe 2020 bestätigt, die vorgeschriebenen Resttorfmengen seien nahezu vollständig eingehalten. Ein Urteil steht aus.
Die Europäische Union verschärft den Rahmen von außen. Die Wiederherstellungsverordnung von 2024 verlangt Maßnahmen auf 30 Prozent der entwässerten, landwirtschaftlich genutzten Moorböden bis 2030, auf 40 Prozent bis 2040 und auf 50 Prozent bis 2050, ein Teil davon muss wiedervernässt werden. Für einzelne Landwirte und private Eigentümer bleibt die Wiedervernässung freiwillig.
Für Hobbyerde hat Deutschland bis heute nur Ziele und Förderprogramme, kein Verbot. Nur Niedersachsen erteilt keine neuen Abbaugenehmigungen mehr und verlagert den Abbau damit ins Baltikum.
Wie kommen wir vom Torf los?

Bei Hobbyerden ist der Ausstieg am weitesten, 30 Prozent davon waren 2025 schon torffrei. Von den Profisubstraten für Gemüse, Zierpflanzen und Pilze kommen nur 6 Prozent ohne Torf aus. Die Ersatzstoffe aus Kompost, Holz und Rinde wären in Deutschland vorhanden, zur Aufbereitung fehlen die Anlagen.
Die Sektoren bewegen sich in sehr unterschiedlichem Tempo. Bei Hobbyerden fiel der Torfanteil nach IVG-Zahlen von 41 Prozent im Jahr 2023 auf 33 Prozent 2024 und blieb 2025 auf diesem Niveau. In Profisubstraten sank der Torfanteil im selben Zeitraum von 73 auf 61 Prozent. Am weitesten sind die Kommunen: In einer im Juli 2026 veröffentlichten repräsentativen Umfrage gaben bereits 56 Prozent an, keine torfhaltigen Erden mehr zu verwenden.
Der wichtigste Ersatzstoff ist Grüngutkompost aus Rasenschnitt, Laub und Gehölzschnitt. Er machte 2024 rund 36 Prozent der Erden für Hobbygärtner aus, 603 Kompostanlagen in Deutschland tragen nach der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe das RAL-Gütezeichen. Wegen seines Gewichts lohnt sich Kompost aber nur auf kurzen Wegen.
Holzfasern und Rindenhumus ergänzen die Mischung. Holzfasern entstehen aus Restholz, sind leicht und lockern die Erde, 2024 steckten rund 724.000 Kubikmeter davon in Hobbyerden. Das Thünen-Institut kommt im Projekt MITODE zu dem Ergebnis, dass Restholz, Rinde und Grüngutkompost in Deutschland ausreichen würden, um Torf vollständig zu ersetzen. Der Engpass liege bei der Verarbeitung, nicht beim Rohstoff.
Kokos bleibt eine Nische mit eigenem Risiko. Die Fasern und das feine Mark aus der Hülle der Kokosnuss kommen per Schiff aus Indien und Sri Lanka und stellten 2024 nur 2 Prozent der Hobbyerden. Nach einem Bericht des Fachdienstes Hort News konnte Sri Lanka den Bedarf bis Herbst 2025 zwei Jahre in Folge nicht decken, in Indien brachte Trockenheit kleinere Kokosnüsse. Mit Kokos statt Torf stopft der Gartenbau ein Loch und reißt ein neues auf.
| Ersatzstoff | Anteil in Hobbyerden 2024 | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Grüngutkompost | 36 Prozent | regional verfügbar, nährstoffreich | schwer, teuer im Transport |
| Holzfasern | 16 Prozent | leicht, lockert die Erde | Aufbereitung braucht Anlagen |
| Rindenhumus | 7 Prozent | Reststoff aus Sägewerken | begrenzte Menge |
| Kokos | 2 Prozent | gleichmäßige Struktur | lange Lieferwege, Ernteausfälle |
| Torfmoos aus Anbau | noch keine Marktmenge | wächst auf wiedervernässten Mooren nach | Ertrag deckt die Kosten noch nicht |
Die eleganteste Lösung wächst im Moor selbst. Auf wiedervernässten Flächen lassen sich Torfmoose anbauen und ernten, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe nennt Erträge von 3 bis 7 Tonnen Trockenmasse je Hektar und Jahr. Für eine Kostendeckung reicht das bisher nicht. Um 3 Millionen Kubikmeter Weißtorf im Jahr zu ersetzen, wären nach der Torfminderungsstrategie 35.000 bis 40.000 Hektar Torfmoosfläche nötig, 2022 wuchsen Torfmoose auf netto rund 20 Hektar.
Die Rechnung des Greifswald Moor Centrums fällt optimistischer aus. Mit einem Preisaufschlag von 10 Prozent beim Endkunden wäre Torfmoos nach dem Faktenpapier von 2021 konkurrenzfähig, und jeder wiedervernässte Hektar spart nach der FNR 15 bis 25 Tonnen CO₂-Äquivalente im Jahr. Klasmann-Deilmann setzte 2025 bereits 30 Prozent alternative Ausgangsstoffe ein und will bis 2030 auf 50 Prozent kommen, ausdrücklich ohne Szenario für einen vollständigen Torfausstieg.
Ein verbindliches Enddatum fehlt. Die Industrie rechnet laut Torfminderungsstrategie damit, dass der Torfabbau in Deutschland bis 2040 weitgehend endet. Die Schweiz zeigt mit Absichtserklärungen der Branche, wie Etappen je Kultur aussehen können: Jungpflanzensubstrat für Gemüse und Kräuter soll dort bis 2028 höchstens 40 Prozent Torf enthalten, Substrat für Beeren bis 2030 höchstens 25 Prozent. Solche Zwischenziele je Kultur fehlen in Deutschland bisher.
Hobbyerde kann schon heute ohne Torf auskommen, im Profibereich dauert der Umstieg bis in die 2030er-Jahre. Rohstoffe für den Ersatz sind da, Aufbereitungsanlagen und verbindliche Zwischenziele fehlen.
Was bedeutet die Torfknappheit 2026 für Deutschland?

Für Deutschland bedeutet die zweite schwache Ernte in Folge knappe Vorräte und höhere Kosten für Gärtnereien, während das politische Ziel für 2026 ohnehin verfehlt ist. Hobbygärtner können ausweichen, torffreie Erde steht im Regal. Profibetriebe müssen ihre Versorgung absichern und Ersatzstoffe jetzt testen.
Starkregen ließ im Baltikum 2025 die Ernte einbrechen, bis August holten die lettischen Betriebe nur 29 Prozent der geplanten Menge aus den Mooren, der Hersteller Stender sprach von der schlechtesten Torfernte seit zehn Jahren. Der niederländische Substratverband verglich die Lage mit 1998, dem Jahr der letzten schweren Torfknappheit. Im Mai 2026 kündigten die lettischen Produzenten an, mehr abzubauen, um ihre Lager aufzufüllen.
Die Saison 2026 begann gut und kippte im Juli. Mitte August stand Lettland bei 60 bis 65 Prozent der geplanten Menge, in einigen Regionen nur bei rund 40 Prozent, weil der Niederschlag im Juli deutlich über der Norm lag, wie Ingrīda Krīgere vom lettischen Torfverband berichtet. Endgültige Zahlen für die Saison hat der Verband noch nicht veröffentlicht.
Am 22. September 2026 unterzeichneten zwei lettische Verbände und 18 Unternehmen, darunter Klasmann-Deilmann Latvia und Pindstrup Latvia, ein Memorandum zur Nachhaltigkeit der Branche. Das Papier nennt 14 Themenfelder, 30 Ziele und mehr als 65 Indikatoren bis 2050, vor allem zu Klimadaten und Treibhausgasbilanzen. Bessere Daten helfen der Klimabilanz, an der Fördermenge ändert ein solches Memorandum zunächst nichts.
Die Politik reagiert langsam. Das Agrarministerium nennt kein neues Zieljahr und setzt auf Förderung und Information. Unserer Einschätzung nach reicht das nicht: Solange Erden für Hobbygärtner wie 2025 im Schnitt ein Drittel Torf enthalten und der Profibereich ohne verbindliche Etappen arbeitet, bleibt der Torfausstieg auf halbem Weg stehen.
| Szenario | Annahme | Folge für Deutschland bis Frühjahr 2027 |
|---|---|---|
| Optimistisch | Die Nachernte bis Saisonende holt den Rückstand weitgehend auf | Lager füllen sich, Substratpreise bleiben stabil, Hobbyerde wird weiter torfärmer |
| Realistisch | Das Baltikum erntet rund zwei Drittel der geplanten Menge | knappe Profisubstrate zur Frühjahrssaison, Betriebe mischen mehr Ersatzstoffe bei |
| Pessimistisch | Ein nasser Herbst und hohe Frachtkosten treffen auf Nachfrage aus Asien | Lieferengpässe für Gemüse- und Zierpflanzenbetriebe, spürbar höhere Preise im Gartencenter |
Für Verbraucher sind die Folgen überschaubar. Torffreie Erde ist im Mittel rund 20 Prozent teurer als torfhaltige. Laut einer Verbraucherumfrage der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe vom September 2025 kennen 44 Prozent der Hobbygärtner die Klimafolgen von Torf, gut ein Viertel hält den Rohstoff noch für nachwachsend.
Für Unternehmen steht die Versorgungssicherheit auf dem Spiel. Gärtnereien und Baumschulen beziehen Substrate, die 2025 zu 61 Prozent aus Torf bestanden. Das Bundesprojekt FiniTo hat am 29. September 2026 zum Abschluss eine zweiteilige Checkliste veröffentlicht, mit der Betriebe pH-Wert, Nährstoffe, Wasserhaltevermögen und Gießwasser vor dem Umstieg auf torfreduzierte Substrate prüfen.
Was Sie jetzt tun können, hängt von Ihrer Rolle ab. Als Hobbygärtner greifen Sie zu Erde mit der Angabe „torffrei“, die Stiftung Warentest kürte 2025 eine torffreie Erde zum Testsieger. Als Unternehmer sichern Sie Substratmengen für 2027 früh vertraglich, wie der VPN empfiehlt, und testen auf einer Teilfläche Mischungen mit 30 Prozent Ersatzstoff, die sich im Projekt ToGeP ohne Qualitätsverlust bewährt haben.
Die Knappheit von 2025 und 2026 zeigt, wie verletzlich ein Gartenbau ist, der die Hälfte seines Torfs importiert. Betriebe, die heute Ersatzstoffe testen, sind bei der nächsten Missernte vorbereitet.
Glossar: 16 wichtige Fachbegriffe zu Torf
Deckerde
Deckerde heißt die Schicht, mit der Pilzzüchter das vom Pilzgeflecht durchwachsene Substrat ihrer Champignonbeete abdecken. Die Schicht muss Wasser gleichmäßig halten, damit sich die Fruchtkörper bilden. Torf erfüllt diese Aufgabe bisher am zuverlässigsten, torffreie Mischungen trocknen im Versuch schneller aus.
Erdpresstopf
Erdpresstöpfe sind kleine Würfel aus gepresstem Substrat, in denen Gärtnereien Salat, Kohl und andere Gemüsejungpflanzen anziehen. Der Würfel ersetzt den Plastiktopf und wandert samt Pflanze aufs Feld. Damit er stabil bleibt, enthält die Mischung bislang viel Torf.
Fehnkolonie
Fehnkolonien sind Siedlungen, die ab dem 17. Jahrhundert in den Hochmooren Ostfrieslands, des Emslands und der Niederlande entstanden. Siedler gruben Kanäle, stachen Torf und verschifften ihn als Brennstoff in die Städte. Papenburg und Großefehn gehören zu den bekanntesten Gründungen.
Frästorf
Frästorf entsteht, wenn Maschinen die oberste Schicht eines entwässerten Moors in dünnen Lagen abfräsen. Das lockere Material trocknet auf der Fläche in Sonne und Wind und wird anschließend eingesammelt. Regen unterbricht diesen Ablauf, weshalb nasse Sommer die Ernte stark verringern.
Grüngutkompost
Grüngutkompost entsteht aus Rasenschnitt, Laub, Strauch- und Baumschnitt, die Kompostwerke über Wochen verrotten lassen. Gütegesicherte Ware trägt in Deutschland das RAL-Gütezeichen. In Erden für Hobbygärtner ist Grüngutkompost inzwischen der wichtigste Bestandteil, wegen seines Gewichts aber teuer im Transport.
Hochmoor
Hochmoore wachsen über den Grundwasserspiegel hinaus und werden allein vom Regen gespeist. Der Boden von Hochmooren ist nährstoffarm und sauer, Torfmoose prägen die Pflanzenwelt. Aus Hochmooren stammt der Torf für Blumenerde, in Deutschland liegen die meisten davon in Niedersachsen.
Inkohlung
Inkohlung bezeichnet den geologischen Vorgang, bei dem Pflanzenreste über Jahrmillionen unter Druck und Wärme zu Kohle werden. Torf bildet die erste Stufe, darauf folgen Braunkohle, Steinkohle und Anthrazit. Mit jeder Stufe steigt der Kohlenstoffgehalt.
Moorbodenschutz
Moorbodenschutz umfasst alle Maßnahmen, die den Kohlenstoff in Moorböden halten, vor allem höhere Wasserstände auf entwässerten Flächen. Bund und Länder haben sich 2021 auf ein gemeinsames Ziel geeinigt, die Emissionen aus Moorböden bis 2030 gegenüber 2019 um 5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente zu senken.
Niedermoor
Niedermoore entstehen in Senken und verlandenden Seen, wo Grundwasser den Boden dauerhaft nass hält. Niedermoortorf ist dunkel, stark zersetzt und nährstoffreicher als Hochmoortorf. Viele Niedermoore in Deutschland wurden für Grünland und Acker entwässert und setzen heute Treibhausgase frei.
Responsibly Produced Peat (RPP)
Responsibly Produced Peat (RPP) ist ein Zertifikat für Torfabbau auf bereits geschädigten Flächen. Schutzwürdige Moore bleiben ausgeschlossen, nach dem Abbau soll die Fläche möglichst wieder nass genutzt werden. Die Zertifizierungsstelle führt Flächen in Deutschland, im Baltikum und in Finnland.
Schwarztorf
Schwarztorf stammt aus den unteren, älteren Schichten eines Hochmoors und ist stark zersetzt. Das Material ist dunkel, dicht und speichert viel Wasser. Früher diente Schwarztorf vor allem als Brennstoff, heute geht ein großer Teil in Substrate, oft gemischt mit Weißtorf.
Sphagnum
Sphagnum ist der wissenschaftliche Name der Torfmoose, die Hochmoore aufbauen. Die Moose wachsen an der Spitze weiter, sterben unten ab und speichern ein Vielfaches ihres Gewichts an Wasser. Auf wiedervernässten Flächen lassen sich Torfmoose gezielt anbauen und als Torfersatz ernten.
Substrat
Substrat nennt der Gartenbau jede Mischung, in der Pflanzen in Topf, Container oder Anzuchtplatte wurzeln. Profisubstrate werden genau auf eine Kultur abgestimmt, etwa in Nährstoffgehalt und pH-Wert. Blumenerde für Hobbygärtner ist die bekannteste Form, im Fachjargon heißt sie Consumer-Erde.
Territorialprinzip
Territorialprinzip heißt die Regel der internationalen Klimaberichterstattung, nach der jedes Land die Emissionen auf seinem Staatsgebiet meldet. Für Torf bedeutet das: Die Emissionen aus dem Abbau zählen im Förderland, auch wenn die Erde in deutschen Beeten verbraucht wird.
Weißtorf
Weißtorf ist der helle, kaum zersetzte Torf aus der obersten Schicht eines Hochmoors. Die Struktur der Torfmoose ist darin noch gut zu erkennen. Weißtorf ist luftig und nährstoffarm, Hersteller stellen ihn mit Kalk und Dünger gezielt auf eine Kultur ein, deshalb gilt er im Gartenbau als besonders gefragter Rohstoff für Kultursubstrate.
Wiedervernässung
Wiedervernässung bedeutet, entwässerte Moorflächen durch geschlossene Gräben und höhere Wasserstände wieder dauerhaft nass zu machen. Mit dem höheren Wasserstand stoppt die Zersetzung des gespeicherten Torfs, und das Moor kann langfristig wieder wachsen. Die EU-Wiederherstellungsverordnung verlangt solche Maßnahmen auf einem Teil der entwässerten Agrarmoore.
FAQ: Torf sollte 2026 aus der Blumenerde verschwinden, ein Drittel blieb

Ist Torf in Blumenerde in Deutschland verboten?
Nein, Torf in Blumenerde ist in Deutschland nicht verboten. Die Bundesregierung wollte Erden für Hobbygärtner bis 2026 torffrei sehen, setzt aber nur auf freiwillige Ziele und Förderung. Niedersachsen genehmigt seit Dezember 2023 keinen neuen Torfabbau, bestehende Genehmigungen laufen weiter.
Woran erkenne ich torffreie Blumenerde?
Torffreie Blumenerde erkennen Sie an der ausdrücklichen Angabe „torffrei“ auf dem Sack. Begriffe wie „torfreduziert“ oder „torfarm“ bedeuten, dass die Erde weiterhin Torf enthält. 2024 enthielten nach dem Statistischen Bundesamt noch 77 Prozent der Erden für Hobbygärtner Torf.
Ist torffreie Erde schlechter als Erde mit Torf?
Torffreie Erde ist nicht grundsätzlich schlechter. Im Test der Stiftung Warentest vom Juli 2025 schnitt eine torffreie Erde am besten ab. Kompost und Holzfasern speichern Wasser und Nährstoffe allerdings anders als Torf, deshalb lohnt ein Blick auf Gießverhalten und Düngung.
Wächst Torf nach?
Torf wächst nach, aber extrem langsam. Ein Hochmoor legt nur etwa einen Millimeter im Jahr zu, für einen Meter Torf vergehen rund tausend Jahre. Für menschliche Zeiträume gilt Torf deshalb nicht als nachwachsender Rohstoff, obwohl ihn gut ein Viertel der Hobbygärtner dafür hält.
Warum schadet Torfabbau dem Klima?
Torfabbau schadet dem Klima, weil das Moor dafür entwässert wird und der gespeicherte Kohlenstoff als CO₂ entweicht. Moore speichern weltweit doppelt so viel Kohlenstoff wie die Biomasse aller Wälder. In Deutschland setzten entwässerte Moorböden 2024 rund 52 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente frei.
Wie viel Torf verbraucht Deutschland im Jahr?
Deutschland verarbeitete 2025 rund 4,3 Millionen Kubikmeter Torf zu Erden und Substraten, meldet der Industrieverband Garten. Etwa die Hälfte des Rohstoffs stammt aus dem Ausland, 2025 kamen nach UN-Handelsdaten rund 1,13 Millionen Tonnen Torf ins Land, vor allem aus Lettland, den Niederlanden und Litauen.
Quellen
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OgreNet / LETA | Kūdras ieguvei šogad labvēlīgi apstākļi, plāno kompensēt pērnā gada zaudējumus (19.05.2026) | https://www.ogrenet.lv/aktuali/kudras-ieguvei-sogad-labveligi-apstakli-planots-kompenset-perna-gada-zaudejumus-20268 | besucht am 05.10.2026
OgreNet | Kūdras nozare cer atgūt iepriekšējos gados zaudēto (12.06.2026) | https://www.ogrenet.lv/viedokli/kudras-nozare-cer-atgut-ieprieksejos-gados-zaudeto-20602 | besucht am 05.10.2026
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Latvijas Kūdras asociācija | Kūdras krājumi un ieguve | https://www.latvijaskudra.lv/lv/statistika/krajumi_un_ieguve/ | besucht am 05.10.2026
Latvijas Kūdras asociācija | Latvijas eksports un imports | https://www.latvijaskudra.lv/lv/statistika/latvijas_eksports_un_imports/ | besucht am 05.10.2026
Latvijas Kūdras asociācija | Nomaksātie nodokļi (KPMG-Baltics-Studie) | https://www.latvijaskudra.lv/lv/statistika/nomaksatie_nodokli/ | besucht am 05.10.2026
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Industrieverband Garten | Weniger Emissionen im Substrat (30.06.2026) | https://ivg.org/2026/06/30/weniger-emissionen-im-substrat/ | besucht am 05.10.2026
Statistisches Bundesamt | Pressemitteilung Nr. 429 vom 01.12.2025 | https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_429_42351.html | besucht am 05.10.2026
Stiftung Warentest | Blumenerde im Test: Die Beste ist torffrei (09.07.2025) | https://www.test.de/Blumenerde-im-Test-Die-Beste-ist-torffrei-4696481-0/ | besucht am 05.10.2026
Bund der Steuerzahler | Torffrei, aber teuer: Mehr Geld fürs Moor (30.09.2025) | https://www.schwarzbuch.de/aufgedeckt/steuergeldverschwendung-alle-faelle/details/torffrei-aber-teuer-mehr-geld-fuers-moor | besucht am 05.10.2026
Bundesministerium der Justiz | Umsatzsteuergesetz, Anlage 2 | https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/anlage_2.html | besucht am 05.10.2026
Lettisches Verkehrsministerium | Liepājas ostas darbības stabilitāti nodrošina kravu veidu dažādība (16.05.2024) | https://www.sam.gov.lv/lv/jaunums/liepajas-ostas-darbibas-stabilitati-nodrosina-kravu-veidu-dazadiba | besucht am 05.10.2026
BMEL | Torffrei gärtnern, Klima schützen: Die Torfminderungsstrategie (07/2022) | https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/torfminderungsstrategie.pdf | besucht am 05.10.2026
BMEL / FNR | Statusbericht Torfminderung im Gartenbau (03/2025) | https://veranstaltungen.fnr.de/fileadmin/Projekte/2025/torffrei/Statusbericht_Torfminderung_2025_bf.pdf | besucht am 05.10.2026
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe | Torffrei gärtnern, Klima schützen: BMLEH fördert Alternativen zu torfhaltiger Blumenerde (08.12.2025) | https://torfersatz.fnr.de/presse/pressearchiv/aktuelle-nachricht/torffrei-gaertnern-klima-schuetzen-bmleh-foerdert-alternativen-zu-torfhaltiger-blumenerde-im-hobbygartenbau-mit-750000-euro | besucht am 05.10.2026
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe | Checklisten helfen Gartenbaubetrieben beim Umstieg auf torfreduzierte Substrate (29.09.2026) | https://torfersatz.fnr.de/aktuelles/pressemitteilungen/aktuelle-nachricht/checklisten-helfen-gartenbaubetrieben-beim-umstieg-auf-torfreduzierte-substrate | besucht am 05.10.2026
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe | Torfminderung in Kommunen 2026 (15.07.2026) | https://torfersatz.fnr.de/presse/pressearchiv/aktuelle-nachricht/torfminderung-in-kommunen-2026-torfausstieg-in-der-praxis-angekommen-strategische-verankerung-bleibt-ausnahme | besucht am 05.10.2026
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe | Hobbygartenbau: Bewusstsein für torffreies Gärtnern wächst (23.02.2026) | https://torfersatz.fnr.de/presse/pressearchiv/aktuelle-nachricht/hobbygartenbau-bewusstsein-fuer-torffreies-gaertnern-waechst | besucht am 05.10.2026
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe | Grüngutkompost | https://torfersatz.fnr.de/torfminderung/torfalternativen/gruengutkompost | besucht am 05.10.2026
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe | Torfmoose als Torfersatzstoff | https://torfersatz.fnr.de/moorbodenschutz/torfmoose-als-torfersatzstoff | besucht am 05.10.2026
Greifswald Moor Centrum | Faktenpapier Torfmoosanbau (02/2021) | https://greifswaldmoor.de/files/dokumente/Infopapiere_Briefings/202101_Faktenpapier_Torfmoosanbau.pdf | besucht am 05.10.2026
Bundesumweltministerium | Bund-Länder-Zielvereinbarung zum Klimaschutz durch Moorbodenschutz (2021) | https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Naturschutz/blzv_moorbodenschutz_bf.pdf | besucht am 05.10.2026
Bundesverfassungsgericht | Beschluss 1 BvR 2681/24 vom 16.12.2025 | https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2025/12/rk20251216_1bvr268124.html | besucht am 05.10.2026
Niedersächsisches Umweltministerium | Bundesverfassungsgericht erklärt Klage gegen niedersächsisches Verbot neuer Torfabbaugenehmigungen für unzulässig (04.02.2026) | https://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/pressemitteilungen/bundesverfassungsgericht-erklart-klage-gegen-niedersachsisches-verbot-neuer-torfabbaugenehmigungen-fur-unzulassig-248429.html | besucht am 05.10.2026
taz | Raubbau im Naturschutzgebiet: Torfdiebe sollen zahlen (27.01.2026) | https://taz.de/Raubbau-im-Naturschutzgebiet/!6147409/ | besucht am 05.10.2026
Klasmann-Deilmann | Großflächige Renaturierung in der Esterweger Dose (02.01.2023) | https://klasmann-deilmann.com/de/grossflaechige-renaturierung-in-der-esterweger-dose/ | besucht am 05.10.2026
Klasmann-Deilmann | Deliverability | https://klasmann-deilmann.com/en/company/deliverability/ | besucht am 05.10.2026
Pindstrup | Our story | https://www.pindstrup.com/our-story/ | besucht am 05.10.2026
Laflora | Laflora | https://laflora.lv/en/we/laflora | besucht am 05.10.2026
Deutscher Bundestag | Lobbyregister, Eintrag R001198 Industrieverband Garten | https://www.lobbyregister.bundestag.de/suche/R001198 | besucht am 05.10.2026
Responsibly Produced Peat | Issued RPP certificates | https://www.responsiblyproducedpeat.org/en/issued-rpp-certificates | besucht am 05.10.2026
Europäische Union | Verordnung (EU) 2024/1991 über die Wiederherstellung der Natur | https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202401991 | besucht am 05.10.2026
Ministerium für Arbeit und Wirtschaft Finnland | Just Transition Fund to mitigate effects of reduced peat energy use in Finland | https://tem.fi/en/-/just-transition-fund-to-mitigate-effects-of-reduced-peat-energy-use-in-finland-proposed-programme-now-out-for-comments | besucht am 05.10.2026
Europäische Kommission | EU Cohesion Policy: More than €465 million for a just climate transition in Finland (21.12.2022) | https://ec.europa.eu/regional_policy/whats-new/newsroom/21-12-2022-eu-cohesion-policy-more-than-eur465-million-for-a-just-climate-transition-in-finland_en | besucht am 05.10.2026
ERR | Bericht zur Torfernte 2025 in Estland (20.09.2025) | https://www.err.ee/1609804626/ | besucht am 05.10.2026
scotchwhisky.com | Octomore 08.3 is world’s peatiest Scotch (09.08.2017) | https://scotchwhisky.com/magazine/latest-news/15546/octomore-08-3-is-world-s-peatiest-scotch/ | besucht am 05.10.2026
Schwäbische Zeitung | Torfabbau im Reicher Moos unter Vor-Corona-Niveau (12.12.2023) | https://www.schwaebische.de/regional/allgaeu/bad-wurzach/nur-geringer-torfabbau-moorbaeder-nehmen-langsamer-zu-als-geplant-2116903 | besucht am 05.10.2026
