Das Geschäftsmodell von Binance kommt ohne Hauptsitz und ohne veröffentlichten Geschäftsbericht aus. Trotzdem wickelte die Plattform 2025 Geschäfte über umgerechnet 30,3 Billionen Euro ab, mehr als jede andere Kryptobörse. Seit dem 1. Oktober 2026 prüfen die europäische Wertpapieraufsicht ESMA und die BaFin, ob Binance Kunden in der EU überhaupt noch bedienen darf.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBinance steht seit dem 1. Oktober 2026 unter Beobachtung der europäischen Aufsicht: Nach einem Bericht der Financial Times untersuchen ESMA und die Behörden in Deutschland, Frankreich und Griechenland, wie die größte Kryptobörse der Welt ihre Kunden in der EU weiter bedient, obwohl sie dort seit Juli keine Lizenz nach der Kryptoverordnung MiCA mehr besitzt. Zwei Wochen zuvor hatte Binance für umgerechnet 89 Millionen Euro Aktien des Stablecoin-Herausgebers Circle gekauft und in New York reichte die Bundesanwaltschaft eine Einziehungsklage wegen iranischer Ölgelder auf Binance-Konten ein. Diese Analyse rechnet nach, woran der Weltmarktführer verdient, warum ein Token namens BNB die Kunden an die Plattform bindet und was das Modell für Anleger in Deutschland bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- Binance meldete für 2025 ein Handelsvolumen von umgerechnet 30,3 Billionen Euro, davon 6,3 Billionen Euro im Kassahandel, und mehr als 300 Millionen registrierte Nutzer.
- Rund 90 Prozent des Umsatzes stammen laut Gründer Changpeng Zhao aus Transaktionsgebühren. Einen Geschäftsbericht veröffentlicht das Unternehmen nicht, eine Dr.-Web-Überschlagsrechnung kommt für 2025 auf eine Größenordnung von 9 Milliarden Euro.
- Der Kryptowert BNB senkt die Gebühren um ein Viertel und öffnet den Zugang zu Gratis-Token, ein Teil des Angebots wird regelmäßig vernichtet. Seine Marktkapitalisierung lag Anfang Oktober 2026 bei rund 93 Milliarden Euro.
- Für Geldwäsche- und Sanktionsverstöße zahlte Binance 2023 in den USA rund 3,8 Milliarden Euro. Gründer Zhao saß vier Monate in Haft und wurde im Oktober 2025 von Präsident Trump begnadigt.
- In Deutschland hatte Binance nie eine BaFin-Lizenz. Seit dem 1. Juli 2026 sind für EU-Kunden Einzahlungen, neue Kassa-Orders und Staking gesperrt, Auszahlungen bleiben möglich.
Fünf Fragen zur größten Kryptobörse
1 Welcher Anteil des Umsatzes stammte laut Gründer Changpeng Zhao 2022 aus Transaktionsgebühren? Aufklappen ↓
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2 Wie hoch ist die Grundgebühr im Kassahandel, wenn ein Normalkunde mit BNB bezahlt? Aufklappen ↓
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3 Wann öffnete Binance seine Börse? Aufklappen ↓
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4 Wo erhielt Binance im Dezember 2025 die volle Zulassung für sein globales Geschäft? Aufklappen ↓
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5 Welchen Anteil am Kassahandel der zehn größten Kryptobörsen hatte Binance im zweiten Quartal 2026 laut CoinGecko? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Binance und wie fing alles an?
Hinter Binance steht Changpeng Zhao, genannt CZ, ein in China geborener Kanadier und früherer Entwickler von Börsensoftware. Er gründete die Kryptobörse im Juli 2017 zusammen mit Yi He und finanzierte den Start über den Verkauf eines eigenen Tokens.
Zhao kam 1977 in der Provinz Jiangsu zur Welt und wanderte 1989 als Zwölfjähriger mit seiner Familie nach Vancouver aus. Er studierte Informatik an der McGill University in Montreal, programmierte danach Handelssoftware für einen Zulieferer der Börse Tokio und arbeitete vier Jahre bei Bloomberg Tradebook an Systemen für den Terminhandel. 2005 zog er nach Shanghai und gründete Fusion Systems, eine Firma für extrem schnelle Hochfrequenzhandelssysteme. Das Handwerk, das Binance später groß machte, lernte Zhao im klassischen Börsengeschäft.
Von Bitcoin hörte Zhao 2013 an einem Pokertisch. Zhao erzählt, er habe kurz darauf seine Wohnung in Shanghai verkauft, um Bitcoin zu kaufen. Er arbeitete als Entwicklungschef bei der Wallet-Firma Blockchain.info und als Technikchef bei der chinesischen Börse OKCoin. Beide Stationen zeigten ihm, woran die frühen Kryptobörsen scheiterten: langsame Handelssysteme, häufige Ausfälle und eine dünne Liquidität. Seine Idee war eine Börse, die technisch so robust läuft wie ein Handelsplatz der Wall Street, aber nur Kryptowerte gegeneinander tauscht.
Das Startkapital brachten die künftigen Kunden selbst auf. Im Sommer 2017 verkaufte Binance in einem sogenannten Initial Coin Offering den eigenen Token BNB und nahm umgerechnet rund 13,4 Millionen Euro ein. Von insgesamt 200 Millionen BNB gingen 100 Millionen an die Käufer, 80 Millionen an das Gründerteam und 20 Millionen an frühe Investoren. Zwei Wochen nach dem Verkauf, am 14. Juli 2017, öffnete die Börse. BNB diente von Anfang an als Rabattmarke, die Gebühren in BNB fielen niedriger aus. Die Finanzierung über einen eigenen Token wurde zum Muster, das Binance bis heute prägt.
Zwei Monate nach dem Start verbot China am 4. September 2017 Coin-Verkäufe und den Betrieb von Kryptobörsen. Binance zog weiter, zuerst nach Japan, danach nach Malta, und erklärte später, gar keinen Hauptsitz zu brauchen. Ein Sprecher sagte im Dezember 2025 dem Fachdienst Cointelegraph, ein Hauptsitz wirke auf das Unternehmen „ein bisschen altmodisch“. Diese Ortlosigkeit war anfangs Flucht vor der Regulierung und wurde später zur Struktur: Binance betreibt Dutzende Landesgesellschaften, aber keine Konzernzentrale, an der Aufsicht und Anleger die Zahlen des Gesamtkonzerns ablesen könnten.
Mitgründerin Yi He ist bis heute die zweite prägende Figur. Zunächst verantwortete sie Marketing und Kundengewinnung, leitete später den Investmentarm und ist seit Dezember 2025 neben Richard Teng gleichberechtigte Vorstandschefin. Teng kümmert sich um Behörden, Recht und institutionelle Kunden, Yi He um Produkte und Privatkunden. Zhao selbst ist seit seinem Schuldbekenntnis in den USA kein Manager mehr, hält aber laut Forbes rund 90 Prozent der Anteile und bleibt damit der Eigentümer des Konzerns.
- 2017Token-Verkauf über 13,4 Mio. €, Start der Börse am 14. Juli, Umzug nach Chinas Verbot im September
- 2018Binance führt im Januar die Ranglisten nach Handelsvolumen an
- 2019Start von Binance Futures mit unbefristeten Terminkontrakten
- 2020Kauf des Kursportals CoinMarketCap
- 2023Rückzug des BaFin-Antrags, Schuldbekenntnis in den USA, rund 3,8 Mrd. € Strafe, Zhao tritt zurück
- 2024Zhao verbüßt vier Monate Haft, ein Monitor überwacht Binance
- 2025MGX investiert 1,78 Mrd. €, SEC-Klage eingestellt, Begnadigung Zhaos, Lizenz in Abu Dhabi, Yi He wird Co-Chefin
- 2026Rückzug des MiCA-Antrags, EU-Sperre ab 1. Juli, Circle-Beteiligung, Kauf von CoinGlass, Prüfung durch ESMA
Wie wurde aus der Idee ein Imperium?

Binance wurde zum Imperium, weil die Börse schneller als alle Rivalen neue Token listete, Gebühren mit dem eigenen Token BNB drückte und ab 2019 in den Terminhandel einstieg. Binnen eines halben Jahres nach dem Start war Binance die umsatzstärkste Kryptobörse der Welt.
Im Januar 2018, sechs Monate nach der Eröffnung, führte Binance die Ranglisten nach Handelsvolumen an. Der Vorsprung kam aus drei Entscheidungen. Binance nahm neue Token schneller in den Handel auf als die etablierten Börsen, bot Hunderte Handelspaare an und verlangte eine Grundgebühr von 0,1 Prozent je Geschäft, abzüglich eines BNB-Rabatts. Für aktive Händler war das billiger als bei den meisten Konkurrenten. Weil jeder neue Kunde die Orderbücher füllte, sanken die Spannen, was wiederum neue Händler anzog. Dieser Kreislauf aus Auswahl, niedrigen Gebühren und tiefen Orderbüchern trägt den Namen Netzwerkeffekt und ist bis heute das Fundament des Geschäfts.
Den zweiten Sprung brachte der Terminhandel. Im September 2019 startete Binance Futures mit unbefristeten Terminkontrakten, sogenannten Perpetuals, auf die Kunden mit geliehenem Geld setzen können. Diese Produkte sind für eine Börse lukrativ, weil jeder Kontrakt auf den vollen Positionswert abgerechnet wird, nicht auf den Einsatz des Kunden. Im April 2020 kaufte Binance außerdem das Kursportal CoinMarketCap, über das Millionen Anleger täglich Preise nachschlagen. Mit dem Kauf gehörte dem größten Handelsplatz auch eine der meistgenutzten Anzeigetafeln des Marktes.
Das Rekordjahr war 2021. Eine Bloomberg-Analyse schätzte den Umsatz auf mindestens 17,8 Milliarden Euro, das Magazin Fortune kam mit Volumendaten des Analysehauses CCData auf 8,9 Milliarden Euro. Selbst die vorsichtige Zahl übertraf den Jahresumsatz der meisten börsennotierten Handelsplatzbetreiber. Binance bestätigte keine der beiden Schätzungen und erklärte Fortune nur, als Privatunternehmen veröffentliche man keine Finanzzahlen, die Schätzung stimme aber nicht. Die Spanne zwischen den beiden Werten zeigt, wie wenig über die Finanzen des Weltmarktführers gesichert ist.
| Jahr | Ereignis | Folge für das Geschäft |
|---|---|---|
| 2017 | Token-Verkauf, Start der Börse, Umzug nach Chinas Verbot | Startkapital von 13,4 Mio. € ohne Wagniskapital |
| 2019 | Start von Binance Futures | Terminhandel wird zum größten Volumentreiber |
| 2020 | Kauf von CoinMarketCap | Eigenes Kursportal mit Millionenpublikum |
| 2022 | Zusammenbruch von FTX | Größter Rivale fällt weg |
| 2023 | Vergleich mit US-Behörden, Zhao tritt zurück | Zahlung von rund 3,8 Mrd. €, Aufsicht durch einen Monitor |
| 2025 | Beteiligung von MGX, Begnadigung Zhaos, Lizenz in Abu Dhabi | 1,78 Mrd. € frisches Kapital, regulierter Sitz für das globale Geschäft |
| 2026 | Rückzug des MiCA-Antrags in Griechenland, Circle-Beteiligung | EU-Geschäft eingeschränkt, Stablecoins als neue Säule |
Im November 2022 brach die Börse FTX zusammen, nachdem Zhao öffentlich angekündigt hatte, die FTX-eigenen Token aus den Beständen von Binance zu verkaufen. Der stärkste Rivale verschwand, Binance blieb als klare Nummer eins übrig. Ein Jahr später holte die Vergangenheit das Unternehmen ein. Am 21. November 2023 bekannte sich Binance in den USA schuldig, gegen Geldwäsche- und Sanktionsgesetze verstoßen zu haben, und zahlte rund 3,8 Milliarden Euro. Zhao trat als Vorstandschef zurück und saß von Juni bis September 2024 vier Monate im Gefängnis. Der Singapurer Richard Teng, früher Chef der Finanzaufsicht in Abu Dhabi, übernahm die Führung.
Mit der politischen Wende in Washington drehte sich die Lage erneut. Im März 2025 investierte der Staatsfonds MGX aus Abu Dhabi 1,78 Milliarden Euro, bezahlt im Stablecoin USD1 der Firma World Liberty Financial, an der die Familie Trump beteiligt ist. Im Mai 2025 stellte die Börsenaufsicht SEC ihre Klage gegen Binance endgültig ein, im Oktober 2025 begnadigte Präsident Donald Trump den Gründer. Im Dezember 2025 erhielt Binance die volle Zulassung der Finanzaufsicht des Finanzzentrums Abu Dhabi Global Market. Seit Januar 2026 läuft das globale Geschäft über die dort lizenzierten Gesellschaften.
Heute zählt Binance mehr als 300 Millionen registrierte Nutzer, seit Gründung lief über die Plattform Handel im Wert von 129 Billionen Euro. Die Belegschaft umfasst nach öffentlich verfügbaren Schätzungen rund 5.000 Menschen, die meisten arbeiten verteilt über viele Länder. Gemessen am Volumen spielt Binance in derselben Liga wie die größten Wertpapierbörsen der Welt, gemessen an der Transparenz eher in der eines Familienunternehmens.
- Tempo: Sechs Monate nach dem Start im Juli 2017 führte Binance die Ranglisten nach Handelsvolumen an
- Terminhandel: Seit 2019 bringen unbefristete Terminkontrakte das größte Volumen
- Bruch und Comeback: 3,8 Milliarden Euro Strafe 2023, Begnadigung des Gründers 2025, Lizenz in Abu Dhabi
Wie verdient Binance tatsächlich sein Geld?

Binance verdient vor allem an Gebühren auf jedes Geschäft, im Kassahandel wie bei Terminkontrakten. Laut Gründer Zhao kamen 2022 rund 90 Prozent des Umsatzes aus Transaktionsgebühren, der Rest aus Zinsen, Dienstleistungen und Partnerverträgen.
Einen Geschäftsbericht, aus dem sich Sparten und Margen ablesen ließen, legt Binance nicht vor. Die solideste Angabe stammt vom Gründer selbst: Im Dezember 2022 sagte Zhao in einem Interview, rund 90 Prozent der Einnahmen seien Transaktionsgebühren. Die Grundgebühr im Kassahandel liegt laut offiziellem Gebührenverzeichnis bei 0,1 Prozent für Käufer wie Verkäufer. Zahlt ein Kunde mit BNB, sinkt der Satz um ein Viertel auf 0,075 Prozent. Großkunden rutschen über ein VIP-Programm in niedrigere Stufen, ab einem Monatsvolumen von umgerechnet 134 Millionen Euro zahlen sie nur noch 0,025 Prozent für Orders, die Liquidität ins Orderbuch stellen, und 0,031 Prozent für Orders, die Liquidität abräumen.
Im Terminhandel sind die Sätze niedriger, die Beträge aber größer. Für unbefristete Terminkontrakte verlangt Binance laut gängigen Gebührenübersichten 0,02 Prozent für Maker und 0,05 Prozent für Taker, gerechnet auf den vollen Positionswert. Ein Kunde, der mit 1.000 Euro Einsatz und zehnfachem Hebel eine Position über 10.000 Euro eröffnet, zahlt die Gebühr also auf 10.000 Euro. Die regelmäßigen Ausgleichszahlungen zwischen Käufern und Verkäufern, die sogenannte Funding Rate, fließen dagegen zwischen den Kunden und nicht an die Börse.
Weil Binance keine Zahlen nennt, hat Dr. Web den Umsatz für 2025 selbst überschlagen, nach der Methode, die Fortune 2023 verwendet hat. Grundlage sind die von Binance gemeldeten 6,3 Billionen Euro Kassahandel und rund 24 Billionen Euro übriges Volumen, überwiegend Terminkontrakte. Mit einer effektiven Gebühr von 0,07 Prozent im Kassahandel nach Rabatten und 0,02 Prozent im Terminhandel ergeben sich 4,4 und 4,8 Milliarden Euro, zusammen etwa 9,2 Milliarden Euro an Handelserlösen. Die Rechnung ist grob, weil Binance Großkunden Nullgebühren auf ausgewählte Handelspaare einräumt. Die Größenordnung zeigt der Überschlag trotzdem: ein Konzern mit Umsatz im hohen einstelligen Milliardenbereich, der darüber keine Rechenschaft ablegt.
Neben den sichtbaren Gebühren fließen versteckte Erlöse, die im Gebührenverzeichnis nicht auftauchen. Beim einfachen Kaufen und Umtauschen in der App steckt die Gebühr als Spanne im angezeigten Kurs. Auf Kundenguthaben in Spar- und Zinsprodukten zahlt Binance Zinsen, die unter dem liegen, was das Unternehmen selbst mit dem Geld erwirtschaftet, etwa durch Staking oder Kredite an Händler, die mit Hebel spekulieren. Für Margin-Kredite verlangt Binance stündlich berechnete Zinsen. Wie viel davon hängen bleibt, legt Binance nicht offen.
Ein wachsender Posten sind Zahlungen von Stablecoin-Herausgebern. Circle, der Herausgeber der Digitalwährung USDC, legte in seinem Jahresbericht offen, dass er Binance im November 2024 einmalig umgerechnet 53,7 Millionen Euro überwiesen hat und seither monatliche Prämien abhängig von den USDC-Beständen auf der Börse zahlt. Im September 2026 ersetzten beide Firmen den Vertrag durch eine Partnerschaft über fünf Jahre, Binance kaufte zugleich 1,24 Millionen Circle-Aktien zu je 72,02 Euro. Binance verdient damit an Stablecoins nach demselben Muster wie Coinbase: Der Herausgeber kassiert die Zinsen auf die Reserven und gibt einen Teil an den Vertriebskanal ab.
Ein dritter Strom ist die Aufnahme neuer Token. Offiziell verlangt Binance keine festen Listing-Gebühren, Mitgründerin Yi He erklärte im November 2024, alle Listing-Gebühren gingen zu 100 Prozent an wohltätige Zwecke. Der Chef der Beratungsfirma Moonrock Capital, Simon Dedic, hatte zuvor behauptet, Binance habe von einem Projekt 15 Prozent des Token-Angebots verlangt. Belegen ließ sich der Vorwurf nicht, Yi He wies ihn zurück. Unstrittig ist, dass Projekte für eine Aufnahme häufig Token für Werbeaktionen und Gratisverteilungen an Binance-Kunden bereitstellen. Diese Token kosten Binance nichts und halten die Kunden auf der Plattform.
Wie stark die Gebühren mit dem Volumen fallen, zeigt das offizielle Gebührenverzeichnis für den Kassahandel.
| Gebührenstufe | Voraussetzung | Maker | Taker |
|---|---|---|---|
| Normalkunde | keine | 0,100 % | 0,100 % |
| Normalkunde mit BNB-Zahlung | Gebühr in BNB bezahlt | 0,075 % | 0,075 % |
| VIP 1 | ab 891.000 € Monatsvolumen oder 5 BNB | 0,090 % | 0,100 % |
| VIP 3 | ab 17,8 Mio. € Monatsvolumen oder 100 BNB | 0,040 % | 0,060 % |
| VIP 5 | ab 134 Mio. € Monatsvolumen oder 1.000 BNB | 0,025 % | 0,031 % |
Bei einem digitalen Handelsplatz sind Daten ein eigener Rohstoff. Binance kennt von mehr als 300 Millionen registrierten Nutzern Identität, Einzahlungen, Handelsverhalten und Risikoneigung. Die Börse sieht, welche Token gerade nachgefragt werden, bevor andere davon erfahren, und kann ihr Angebot danach ausrichten: Neue Handelspaare folgen der Nachfrage, Gratisverteilungen und Werbeaktionen landen gezielt bei den Kunden, die am ehesten handeln. Weitere Daten liefern die Kursportale: Zu CoinMarketCap kam im September 2026 der Derivate-Datendienst CoinGlass, gekauft von einer Binance-Tochter.
Die Margen verteilen sich ungleich. Am meisten verdient Binance an Privatkunden im Kassahandel, die den vollen Satz von 0,1 Prozent oder die Spanne beim Sofortkauf zahlen. Großkunden und professionelle Marktmacher zahlen nur einen Bruchteil, auf einzelnen Bitcoin-Paaren zeitweise gar nichts. Dafür bringen diese Kunden die Liquidität, ohne die das Angebot für Privatkunden nicht funktioniert. Das Volumen kommt also von den Profis, die Marge von den Kleinanlegern. Diese Asymmetrie kennen alle Börsen, bei Binance wirkt sie wegen der schieren Zahl von Privatkunden besonders stark.
Bewusst verschenkt Binance Geld, um Kunden zu halten. Über die Handelsplattform Binance Alpha für neue, noch nicht regulär gelistete Token verteilte Binance 2025 laut seinem Jahresrückblick Gratis-Token im Wert von 697 Millionen Euro an Nutzer. Kunden mit BNB in den Sparprodukten erhalten automatisch Anteile an neuen Token aus sogenannten Launchpools und Airdrops. Diese Quersubventionierung sorgt dafür, dass Kunden BNB kaufen und auf der Plattform liegen lassen. Jedes BNB im Sparprodukt ist Kapital, das nicht zur Konkurrenz abwandert.
Beim Volumen dominiert heute der Terminhandel. Von den 30,3 Billionen Euro Handelsvolumen 2025 entfielen nur 6,3 Billionen Euro auf den Kassahandel, also gut ein Fünftel. Der Rest stammt überwiegend aus Derivaten. Neu hinzugekommen sind Stablecoin-Verträge, die Handelsplattform Alpha mit eigener Wallet und seit Juni 2026 der Handel mit US-Aktien über eine Tochter in Abu Dhabi. Weggebrochen ist das Geschäft mit der Bezahlkarte im Europäischen Wirtschaftsraum, die Binance schon Ende 2023 einstellte, und seit Juli 2026 ein großer Teil des Neugeschäfts in der EU.
Wie groß ist die Marktmacht von Binance?

Binance wickelte im zweiten Quartal 2026 laut dem Datenanbieter CoinGecko 38,7 Prozent des Kassahandels der zehn größten Kryptobörsen ab, fast viermal so viel wie die Nummer zwei Bybit. Im Terminhandel liegt der Anteil bei gut einem Drittel.
Im Kassahandel ist der Abstand zur Konkurrenz enorm. Laut dem Quartalsbericht von CoinGecko für das zweite Quartal 2026 setzten die zehn größten zentralen Börsen zusammen 1,74 Billionen Euro um, 27,9 Prozent weniger als im Vorquartal. Binance kam auf 38,7 Prozent, Bybit als einzige weitere Börse auf einen zweistelligen Anteil von 10,0 Prozent. Das Analysehaus Kaiko misst mit etwas anderer Abgrenzung für das erste Quartal 2026 Werte zwischen 33,7 und 35,4 Prozent. Beide Zählungen zeigen dasselbe Bild: Ein Drittel bis zwei Fünftel des Kassahandels der großen Börsen laufen über eine einzige Plattform.
Bei den Terminkontrakten ist das Feld etwas breiter. Im ersten Halbjahr 2026 lag Binance bei unbefristeten Terminkontrakten nach CoinGecko-Daten bei rund 35 Prozent, vor OKX mit 16, Bybit mit 11, MEXC mit 10 und Gate mit 9 Prozent. Der Datendienst CoinGlass kam für das erste Quartal 2026 auf 34,9 Prozent des Derivatevolumens der zehn größten Börsen. Noch deutlicher fällt die Führung bei den verwahrten Kundenvermögen aus: CoinGlass zählte Ende März 136,2 Milliarden Euro auf Binance, 73,5 Prozent der Bestände aller großen zentralen Börsen. CoinGlass gehört seit September 2026 selbst zur Binance-Familie, die Zahl stammt aber aus der Zeit davor.
Die Führung war schon größer. 2023 schrumpfte der Anteil von Binance am Kassahandel laut Bloomberg-Daten binnen weniger Monate von 62 auf 51 Prozent, nachdem die US-Behörden ermittelten und mehrere Länder Binance den Zugang erschwerten. Seither hat sich die Position bei 35 bis 40 Prozent eingependelt. Kein Rivale hat die Lücke geschlossen, was zeigt, wie stabil der Netzwerkeffekt wirkt: Händler gehen dorthin, wo die meisten anderen Händler sind, weil sie dort zum besten Kurs kaufen und verkaufen.
Der zweite Schutzwall ist der Token BNB. Neben dem Gebührenrabatt gilt: Die VIP-Stufen lassen sich statt über Volumen auch über BNB-Bestände erreichen, schon 5 BNB öffnen die erste Stufe. In den Sparprodukten berechtigt BNB zur Teilnahme an Gratisverteilungen neuer Token. Ein Kunde, der zu einer anderen Börse wechselt, verliert diese Vorteile und muss seine BNB-Bestände verkaufen oder ungenutzt liegen lassen. Diese Wechselkosten sind unsichtbar, aber real.
Kartellbehörden haben sich mit Binance bisher kaum beschäftigt, weil Kryptobörsen in den meisten Ländern nicht als eigener Markt definiert sind. Die Auseinandersetzungen laufen über Geldwäsche, Sanktionen und Lizenzen. Mit dem Kauf von CoinGlass im September 2026 wächst allerdings eine andere Form von Macht: Binance besitzt nun zwei der wichtigsten Datenquellen des Marktes, CoinMarketCap mit 115 Millionen Nutzern im Monat und CoinGlass für Derivatedaten. Der größte Teilnehmer misst damit zugleich, wie groß die Teilnehmer sind. Hier liegt ein Interessenkonflikt, den Anleger kennen sollten. Die US-Konkurrentin Coinbase muss ihre Zahlen in Pflichtberichten an die Börsenaufsicht offenlegen, Binance nicht.
Wer ist bei Binance eigentlich das Produkt?

Bei Binance sind drei Gruppen zugleich Kunde und Ware: Privatanleger, deren Orders die Liquidität für Profis schaffen, Token-Projekte, die für den Zugang zu 300 Millionen Nutzern bezahlen, und Stablecoin-Herausgeber, die für Vertrieb Prämien überweisen.
Aus Sicht der meisten Leser ist Binance ein Handelsplatz, auf dem sie Bitcoin kaufen und verkaufen. Jeder Kauf ist für Binance aber zweierlei: eine Gebühr und ein Beitrag zur Liquidität. Professionelle Marktmacher, die rund um die Uhr Kauf- und Verkaufsangebote stellen, bekommen über das VIP-Programm fast gebührenfreien Zugang zu diesem Strom von Privatorders. Je mehr Kleinanleger handeln, desto lohnender ist der Platz für die Profis, und je mehr Profis dort aktiv sind, desto enger werden die Spannen für die Kleinanleger. Trotzdem zahlen die Privatkunden doppelt: mit der höheren Gebühr und mit ihrer Rolle als Gegenseite.
Die zweite Gruppe sind die Herausgeber neuer Token. Für ein junges Kryptoprojekt entscheidet eine Aufnahme bei Binance oft über Erfolg oder Bedeutungslosigkeit, weil dort die meisten Käufer warten. Projekte stellen deshalb Token für Gratisverteilungen, Launchpools und Werbeaktionen bereit. Binance gibt diese Token an seine Kunden weiter, die dafür BNB halten müssen. Das Projekt zahlt mit eigenen Token für Aufmerksamkeit, der Kunde zahlt mit Kapitalbindung in BNB und Binance gewinnt an beiden Enden.
Die dritte Gruppe sind die Herausgeber von Stablecoins wie Circle. Für diese Firmen ist Binance ein Vertriebskanal, über den Hunderte Millionen Nutzer ihre Digitalwährung halten und handeln. Der Kunde, der USDC auf Binance liegen lässt, erhält von Circle keinen Zins. Den Zins auf die Reserven teilen sich Herausgeber und Vertriebspartner, ähnlich wie bei Neobanken, etwa Revolut, die an den Guthaben ihrer Kunden verdienen.
Eine vierte, weniger sichtbare Rolle haben die BNB-Halter. Die ersten von ihnen finanzierten 2017 den Start, seither profitieren die Halter von Rabatten sowie Gratis-Token und sehen zu, wie ein Teil des Angebots regelmäßig vernichtet wird. Zugleich hielt Binance nach Analystenschätzungen, die Fortune 2023 zitierte, selbst 60 bis 70 Millionen BNB, rund 45 Prozent des damaligen Bestands. Jede Maßnahme, die den Kurs von BNB stützt, stärkt damit auch das Vermögen des Unternehmens und seines Eigentümers. Wie hoch der Bestand heute ist, legt Binance nicht offen.
Der niedrige Grundpreis von 0,1 Prozent ist für Kunden nur der sichtbare Teil des Preises. Hinzu kommen die Spanne beim Sofortkauf, die Kapitalbindung in BNB und das Risiko, dass ein Guthaben auf einer Börse ohne Lizenz im eigenen Land plötzlich nicht mehr frei verfügbar ist, so wie für EU-Kunden seit Juli 2026. Der Kunde ist Käufer, Liquiditätslieferant und Datenspender in einer Person.
Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?

Ein Privatkunde zahlt bei Binance für einen Bitcoin-Kauf über 1.000 Euro im Orderbuch 1 Euro Gebühr, mit BNB 75 Cent. Teurer werden Sofortkäufe mit Spanne, Hebelgeschäfte und Kartenzahlungen, die Kosten zahlen fast ausschließlich die Privatkunden.
Im Orderbuch ist Binance günstig. Ein Kunde, der statt des Orderbuchs die einfache Kauffunktion der App nutzt, zahlt keine ausgewiesene Gebühr, sondern einen Kurs mit eingebauter Spanne. Die genaue Höhe zeigt die App vor der Bestätigung an, sie schwankt mit Kryptowert, Zahlungsweg und Marktlage.
| Kostenbestandteil | Kauf über 1.000 € im Orderbuch | Hebelposition über 10.000 € (1.000 € Einsatz) | Wer kassiert |
|---|---|---|---|
| Handelsgebühr Eröffnung | 1,00 € (mit BNB 0,75 €) | 5,00 € als Taker | Binance |
| Handelsgebühr Schließung | 1,00 € beim Verkauf | 5,00 € als Taker | Binance |
| Spanne im Kurs | gering im Orderbuch, höher beim Sofortkauf | gering | Marktmacher und Binance |
| Funding Rate | entfällt | alle acht Stunden, je nach Marktlage positiv oder negativ | andere Kunden |
| Summe Gebühren Hin und Zurück | 2,00 € (0,2 % des Einsatzes) | 10,00 € (1,0 % des Einsatzes) |
Beim Terminhandel verschiebt sich die Rechnung. Für die Hebelposition aus dem Rechenbeispiel weiter oben zahlt ein Taker beim Eröffnen und Schließen je 0,05 Prozent auf den vollen Positionswert von 10.000 Euro, zusammen 10 Euro und damit 1 Prozent des Einsatzes für ein einziges Geschäft. Bei häufigem Handel summiert sich das schnell. Hinzu kommt das Risiko der Zwangsliquidation: Fällt der Kurs um rund zehn Prozent, ist der Einsatz bei zehnfachem Hebel weg. Am Liquidationsprozess verdient die Börse über Gebühren mit, die genaue Höhe hängt von Kontrakt und Marktlage ab.
Ein Vergleich mit klassischen Wertpapierbörsen zeigt die Größenordnung. Dort zahlen Privatanleger je Order meist einen festen Betrag plus Börsengebühren, bei Neobrokern wie Robinhood oft gar keine sichtbare Gebühr, weil der Broker an der Orderweiterleitung verdient. Binance verlangt dagegen einen Prozentsatz auf jedes Geschäft. Bei kleinen Beträgen ist das billig, bei großen und häufigen Geschäften teuer, solange der Kunde nicht in eine VIP-Stufe aufsteigt. Die Gebührenstruktur belohnt also Volumen und BNB-Besitz.
Wer zahlt am Ende? Fast vollständig der Privatkunde. Großkunden zahlen kaum etwas, Projekte zahlen mit Token, Stablecoin-Herausgeber zahlen Prämien aus Zinsen, die eigentlich den Haltern ihrer Digitalwährung zustünden. Eine Asymmetrie steckt auch in den Rabatten: Die Ermäßigung um ein Viertel gilt nur für Kunden, die BNB besitzen. Die günstigsten Konditionen setzen also voraus, dass der Kunde einen Kryptowert hält, dessen Kurs Binance selbst beeinflusst.
Für Kunden in der EU sind seit dem 1. Juli 2026 ganz andere Kosten entstanden. Neue Kassa-Orders, Einzahlungen, Neuanmeldungen sowie Spar- und Staking-Produkte sind gesperrt, Auszahlungen bleiben möglich. Nach Daten, die der Fachdienst Cointelegraph im Juli veröffentlichte, flossen in der ersten Woche nach der Sperre netto 1,10 Milliarden Euro ab, rund 70 Prozent der Mittel gingen in selbst verwaltete Wallets. Der Umzug kostet Zeit, Auszahlungsgebühren und bei einem Verkauf möglicherweise Steuern.
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Größter Gewinner ist Gründer Changpeng Zhao, der laut Forbes rund 90 Prozent von Binance besitzt und auf ein Vermögen von etwa 102 Milliarden Euro kommt. Verlierer sind Kunden in Ländern, in denen Binance ohne Lizenz arbeitet, und kleinere Börsen, die gegen die Liquidität des Marktführers nicht ankommen.
Zhaos Anteil macht ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt. Forbes schätzte sein Vermögen Anfang Oktober 2026 auf umgerechnet 102,1 Milliarden Euro, Bloomberg kam im September auf 81,3 Milliarden Euro. Die Differenz entsteht, weil niemand den Wert eines Unternehmens ohne veröffentlichte Zahlen genau kennt. Zhao selbst sagte im März 2026 über die Forbes-Schätzung, die Redaktion rate eine Zahl. Fest steht, dass ein großer Teil seines Vermögens an Binance und an BNB hängt.
Zu den Gewinnern gehören auch der Staatsfonds MGX aus Abu Dhabi, der als erster institutioneller Investor 1,78 Milliarden Euro einbrachte, sowie Yi He, deren Familienbüro YZi Labs, früher Binance Labs, laut Branchenberichten mehr als 8,9 Milliarden Euro verwaltet. Gewonnen haben außerdem Token-Projekte, die über Binance ein Millionenpublikum erreichen, und langfristige BNB-Halter. Käufer aus dem Token-Verkauf von 2017 liegen trotz eines Kursrückgangs von 44 Prozent seit dem Hoch im Oktober 2025 weit im Plus: Der Einsatz von damals ist heute ein Vielfaches wert.
| Gruppe | Rolle im Modell | Bilanz |
|---|---|---|
| Changpeng Zhao | Eigentümer mit rund 90 % | Gewinner: Vermögen laut Forbes 102,1 Mrd. € |
| MGX (Abu Dhabi) | Minderheitsinvestor seit 2025 | Gewinner: Einstieg beim Marktführer, Anteil nicht offengelegt |
| BNB-Halter | Rabatte, Gratis-Token, Vernichtung von Angebot | Gewinner, solange der Kurs hält |
| Marktmacher und Großkunden | Liquidität gegen Niedrigstgebühren | Gewinner |
| Privatkunden in der EU | Seit Juli 2026 nur noch Auszahlung | Verlierer: Umzug, Kosten, Unsicherheit |
| Kleinere Kryptobörsen | Wettbewerber ohne gleiche Liquidität | Verlierer |
| Aufsichtsbehörden | Kontrolle eines Konzerns ohne Sitz | Verlierer: kaum Zugriff auf Konzernzahlen |
Auf der anderen Seite stehen die Kunden, die von der Regulierungsunsicherheit getroffen werden. In der EU mussten Privatanleger ihre Guthaben binnen weniger Tage umschichten oder ungenutzt liegen lassen. Am 10. Oktober 2025, beim größten Liquidationstag der Kryptogeschichte, verloren mehrere Kryptowerte auf Binance kurzzeitig ihre Kopplung an den Referenzwert, Binance zahlte danach Entschädigungen. Für Kunden zeigt der Fall, dass auch der größte Handelsplatz in Extremlagen Preisfehler produziert.
Verlierer sind auch die kleineren Börsen. Bei Kryptobörsen wirkt der Größenvorteil über die Liquidität: Ein Händler, der auf einer kleinen Börse eine große Order aufgibt, bewegt den Kurs gegen sich selbst. Er wandert deshalb zu Binance, wo dieselbe Order kaum auffällt, und nimmt seine Liquidität mit. Kleine Börsen leben von Nischen, lokalen Lizenzen oder höheren Gebühren. In Europa hat die Sperre von Binance diesen Anbietern seit Juli 2026 einen seltenen Zulauf gebracht.
Eine Standortgemeinde im üblichen Sinn hat Binance nicht. Die Lizenz für das globale Geschäft liegt in Abu Dhabi, die Beschäftigten arbeiten verteilt, die Gewinne fallen dort an, wo der Konzern sie verbucht. Wie viele Steuern Binance zahlt und in welchem Land, legt das Unternehmen nicht offen. Für Staaten bedeutet das: Die Kosten der Aufsicht und der Strafverfolgung bleiben bei ihnen, Zugriff auf die Steuerbasis des Konzerns haben sie kaum.
Binance wickelt zwar 38,7 Prozent des Kassahandels der großen Kryptobörsen ab, legt aber weniger Zahlen vor als jede Sparkasse.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie politisch ist Binance?

Binance ist so politisch wie kaum ein anderes Kryptounternehmen: Der Konzern zahlte 2023 in den USA rund 3,8 Milliarden Euro Strafe, holte sich 2025 Kapital in einem Stablecoin aus dem Umfeld der Trump-Familie, sein Gründer wurde begnadigt und in der EU prüfen die Aufseher gerade sein Geschäft ohne Lizenz.
Der Vergleich vom 21. November 2023 war der teuerste in der Geschichte der Kryptobranche. Gegenüber dem Justizministerium bekannte sich Binance schuldig, kein Programm gegen Geldwäsche betrieben, ohne Lizenz Geld übermittelt und gegen Sanktionen verstoßen zu haben. Die Finanzermittler von FinCEN verhängten Strafen über 3,03 Milliarden Euro, die Sanktionsbehörde OFAC über 862 Millionen Euro, die Terminmarktaufsicht CFTC über 2,41 Milliarden Euro. Weil die Behörden die Beträge teilweise gegeneinander anrechneten, lag die Gesamtsumme bei rund 3,8 Milliarden Euro. Zhao zahlte persönlich 44,5 Millionen Euro. Ein unabhängiger Monitor überwacht Binance seit Mai 2024 für drei Jahre, also bis Mai 2027.
Mit dem Regierungswechsel in Washington drehte sich der Wind. Die Begnadigung des Gründers im Oktober 2025 begründete die Sprecherin des Weißen Hauses damit, Zhao sei von der Biden-Regierung in ihrem Krieg gegen Kryptowährungen verfolgt worden. Die Begnadigung kam wenige Monate, nachdem MGX seine Beteiligung an Binance im Stablecoin USD1 der Trump-nahen Firma World Liberty Financial bezahlt hatte. Die Demokraten Elizabeth Warren und Adam Schiff brachten im Senat eine Resolution gegen die Begnadigung ein. Binance-Chef Teng wies jeden Zusammenhang zurück. Kein Dementi schafft die zeitliche Nähe aus der Welt, der Anschein eines Interessenkonflikts bleibt.
Neuen Ärger bringt der Iran-Komplex. Am 14. September 2026 reichte die Bundesanwaltschaft für den Southern District of New York eine Einziehungsklage über umgerechnet 54,3 Millionen Euro in der Digitalwährung Tether ein. Zwei Hongkonger Firmen sollen über Binance-Konten Erlöse aus iranischen Ölverkäufen bewegt haben, das Netzwerk insgesamt soll 1,34 Milliarden Euro verschoben haben. Binance selbst ist in diesem Verfahren nicht angeklagt. Am 21. September berichtete Bloomberg, dass Bundesanwälte zusätzlich prüfen, ob Binance die Geldflüsse wissentlich zugelassen hat. Eine interne Prüfung von Binance fand laut Yahoo Finance 112 Millionen Euro auf Iran-nahen Wallets, davon bis zu 21,4 Millionen Euro mit Bezug zu den Revolutionsgarden. Binance erklärte, bei Sanktionsverstößen gelte eine Null-Toleranz-Politik. Heikel ist die Sache für Binance, weil sie in die Zeit der Monitor-Aufsicht fällt.
In Europa ist die Lage kaum entspannter. In Deutschland zog Binance im Juli 2023 seinen Antrag auf eine Verwahrlizenz bei der BaFin zurück, nach Medienberichten über eine drohende Ablehnung. Für die europäische Lizenz nach der Kryptoverordnung MiCA setzte Binance auf Griechenland, zog den Antrag aber am 24. Juni 2026 zurück, eine Woche nachdem Berichte über ein bevorstehendes Nein der Aufsicht aufgetaucht waren. Die Registrierungen in Frankreich, Italien, Litauen, Polen, Spanien und Schweden sind laut dem Fachdienst CoinPaprika erloschen. Seither bedient Binance EU-Kunden nur noch eingeschränkt und beruft sich bei Bestandskunden auf die Ausnahme der Reverse Solicitation, nach der Anbieter aus Drittstaaten Kunden bedienen dürfen, die von sich aus und ohne Werbung kommen.
Genau diese Ausnahme prüfen ESMA und die Aufseher in Deutschland, Frankreich und Griechenland seit Anfang Oktober. Die ESMA erklärte gegenüber der Financial Times, die Ausnahme sei sehr eng gefasst und dürfe nicht genutzt werden, um MiCA zu umgehen. Die niederländische Aufsicht AFM wurde deutlicher: Anbieter könnten sich nicht einfach auf die Ausnahme berufen. Binance teilte Euronews mit, man arbeite aktiv an einer MiCA-Zulassung. Strafen verhängen können nur die nationalen Behörden. Für Binance steht der Zugang zu einem der kaufkräftigsten Märkte der Welt auf dem Spiel.
Zum politischen Werkzeugkasten gehört auch die Standortwahl. Binance hat seinen regulatorischen Anker nach Abu Dhabi verlegt, wo der frühere Chef der dortigen Finanzaufsicht, Richard Teng, das Unternehmen führt und der Staatsfonds MGX beteiligt ist. Die Zulassung des Finanzzentrums Abu Dhabi Global Market gilt als anspruchsvoll, entbindet Binance aber nicht von den Regeln der Länder, in denen die Kunden sitzen. Konzernstruktur, Verrechnungspreise und Steuerzahlungen bleiben unbekannt. In diesem Punkt unterscheidet sich Binance grundlegend von börsennotierten Konkurrenten, die jedes Quartal ihre Steuerquote ausweisen müssen.
Was könnte Binance zu Fall bringen?

Die größten Gefahren für Binance sind neue Strafverfahren in den USA vor dem Ende der Monitor-Aufsicht im Mai 2027, ein dauerhafter Ausschluss aus der EU und ein lang anhaltender Abschwung am Kryptomarkt. Hinzu kommt die Abhängigkeit von einem einzigen Eigentümer.
Das akuteste Risiko liegt in New York. Finden die Ermittler im Iran-Fall Verstöße, die in die Zeit der Monitor-Aufsicht fallen, kann das Justizministerium den Vergleich von 2023 als gebrochen werten. Mögliche Folgen sind eine verlängerte Aufsicht, neue Anklagen oder höhere Strafen. Für ein Unternehmen, dessen Geschäft auf dem Zugang zu Banken, Zahlungsdienstleistern und Stablecoin-Herausgebern beruht, ginge ein neuer Strafprozess in den USA an die Substanz. Partner wie Circle müssten ihre Verträge überprüfen.
Das zweite Risiko ist Europa. Verhängen BaFin, die französische AMF oder die griechische Aufsicht Bußgelder oder verbieten die Ausnahme für Bestandskunden, verliert Binance einen Markt mit Hunderten Millionen Einwohnern dauerhaft. Bekommt Binance dagegen in einem anderen EU-Staat eine MiCA-Lizenz, wäre der Weg zurück offen. Der Fall zeigt, wie stark das Modell von Lizenzen abhängt: Die Technik lässt sich überall betreiben, der Zugang zu Kunden nicht.
Das dritte Risiko ist der Markt selbst. Ende Juni 2026 lag der Wert aller Kryptowerte laut CoinGecko bei umgerechnet 1,87 Billionen Euro, rund 52 Prozent unter dem Hoch vom Oktober 2025. Weil rund 90 Prozent des Umsatzes aus Gebühren stammen, schrumpfen die Einnahmen mit dem Handelsvolumen. Anders als Coinbase verfügt Binance über keinen großen, zinsabhängigen Stablecoin-Posten, der die Schwankungen dämpfen würde. Der Abschwung trifft das Kerngeschäft deshalb voll. Die Zyklik ist der Preis eines Modells, das fast nur an Transaktionen verdient.
Auch Rivalen greifen das Modell an. Dezentrale Börsen, auf denen Kunden direkt aus der eigenen Wallet ohne Zwischenhändler handeln, haben bei Terminkontrakten deutlich Marktanteile gewonnen. Binance antwortet mit der eigenen Plattform Alpha und einer Wallet, die solche Geschäfte in die App holt. Ein weiteres Risiko sind Angriffe: Im Februar 2025 stahlen Hacker bei der Konkurrentin Bybit Kryptowerte im Wert von mehr als einer Milliarde Euro. Ein vergleichbarer Diebstahl bei Binance würde das Vertrauen erschüttern, auf dem die Kundenbestände beruhen.
Schließlich hängt Binance an einer Person. Zhao besitzt rund 90 Prozent, ein Rückzug, ein Erbfall oder neue persönliche Verfahren hätten unmittelbare Folgen für die Eigentümerstruktur. Für die nächsten fünf Jahre lassen sich drei Szenarien skizzieren. Im günstigen Fall erhält Binance eine MiCA-Lizenz, der Monitor endet planmäßig und der Konzern bereitet einen Börsengang vor. Im mittleren Fall bleibt Binance Marktführer, verliert aber in regulierten Märkten Anteile an lizenzierte Konkurrenten. Im ungünstigen Fall führt der Iran-Komplex zu neuen Anklagen in den USA, Banken und Stablecoin-Partner ziehen sich zurück und die Börse schrumpft auf Märkte mit schwacher Aufsicht.
- USA: Iran-Ermittlungen während der Monitor-Aufsicht, die bis Mai 2027 läuft
- EU: keine MiCA-Lizenz, Aufsicht prüft das Geschäft mit Bestandskunden
- Markt: rund 90 Prozent des Umsatzes hängen am Handelsvolumen
Was bedeutet Binance für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für Anleger in Deutschland ist Binance seit Juli 2026 vor allem eine Plattform, von der sie ihr Geld abziehen sollten: Binance hat weder eine BaFin- noch eine MiCA-Lizenz, Einzahlungen und neue Käufe sind gesperrt. Für Unternehmen bleibt die Börse als Liquiditätsquelle und Datenlieferant relevant.
Laut einer Erhebung, über die das Fachmagazin Cash Online im August 2026 berichtete, halten fast neun Millionen Erwachsene in Deutschland Kryptowerte. Viele von ihnen haben über Binance gehandelt, weil die Börse günstig war und fast jeden Token anbot. Seit dem 1. Juli 2026 bleiben EU-Kunden dort nur noch Auszahlungen und der Verkauf bestehender Bestände.
Für Verbraucher heißt das konkret: Sinnvoll ist, zuerst die vollständige Transaktionshistorie zu exportieren und danach die Bestände auf einen Anbieter mit MiCA-Lizenz oder in eine selbst verwaltete Wallet zu übertragen. Lizenzierte Alternativen sind etwa Coinbase mit einer Lizenz aus Luxemburg, Kraken mit irischer oder Bitvavo mit niederländischer Lizenz. Ein Übertrag von Kryptowerten zwischen eigenen Konten löst in Deutschland keine Steuer aus. Gewinne aus dem Verkauf bleiben nach einem Jahr Haltefrist steuerfrei, vorher gilt eine Freigrenze von 1.000 Euro im Jahr.
Für deutsche Unternehmen ist Binance in mehreren Rollen relevant. Kryptohändler und Fonds nutzen die Börse über ausländische Gesellschaften als Liquiditätsquelle, weil dort die tiefsten Orderbücher liegen. Kursdaten von CoinMarketCap und Derivatedaten von CoinGlass fließen in Analysen, Bewertungen und Medienberichte ein, auch in Deutschland. Nutzer solcher Daten sollten wissen, dass beide Dienste dem Marktführer gehören. Für Händler, die Kryptozahlungen annehmen wollen, ist Binance ohne EU-Lizenz keine Option, lizenzierte Zahlungsdienste sind die sicherere Wahl. Die Bezahlkarte für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum hat Binance schon Ende 2023 eingestellt.
| Szenario für die nächsten 12 Monate | Annahme | Folge für Kunden in Deutschland |
|---|---|---|
| Optimistisch | Binance erhält in einem EU-Staat eine MiCA-Lizenz | Rückkehr mit vollem Angebot, Einlagen unter EU-Aufsicht |
| Realistisch | Verfahren ziehen sich, Ausnahme für Bestandskunden bleibt umstritten | Nur Auszahlung und Verkauf, Umzug zu lizenzierten Anbietern |
| Pessimistisch | Bußgelder oder Verbot durch nationale Aufsicht, neue Anklage in den USA | Zeitdruck bei Auszahlungen, mögliche Verzögerungen |
Für deutsche Kryptoanbieter und Banken, die selbst Handel anbieten, ist die Lage eine Chance. Die Sperre von Binance hat zahlreiche Kunden in Bewegung gebracht und jeder davon sucht eine Plattform mit Lizenz. Anbieter mit transparenten Gebühren, deutscher Kundenbetreuung und klarer Aufsicht haben gute Argumente. Gegen das Gebührenniveau und die Auswahl von Binance kommen lizenzierte Anbieter allerdings selten an. Der Vorteil der lizenzierten Konkurrenz liegt in der Rechtssicherheit.
Die Lehre aus dem Fall Binance reicht über die Kryptobranche hinaus. Ein Anbieter kann der größte seines Marktes sein und trotzdem in einem Land über Nacht den Zugang verlieren, weil eine Lizenz fehlt. Für Kunden lohnt sich deshalb ein Blick darauf, wo ein Anbieter beaufsichtigt wird und ob er seine Zahlen offenlegt. Bei Binance fällt die Antwort auf beide Fragen unbefriedigend aus. Größe ist kein Ersatz für Aufsicht.
Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zum Binance-Geschäftsmodell

Auto-Burn
Der Auto-Burn ist die vierteljährliche Vernichtung von BNB nach einer festen Formel, die sich am Kurs und an der Zahl der erzeugten Blöcke orientiert. Im Juli 2026 wurden 1,6 Millionen BNB im Wert von rund 830 Millionen Euro vernichtet. Ziel ist ein Gesamtbestand von 100 Millionen BNB.
Funding Rate
Die Funding Rate ist eine regelmäßige Ausgleichszahlung zwischen Käufern und Verkäufern unbefristeter Terminkontrakte und hält den Kurs des Kontrakts nahe am Kassakurs. Liegt der Kontrakt über dem Kassakurs, zahlen die Käufer, im umgekehrten Fall die Verkäufer. Die Börse selbst erhält das Geld nicht.
Hebel
Ein Hebel vervielfacht die Positionsgröße im Verhältnis zum Einsatz. Bei zehnfachem Hebel steuert ein Einsatz von 1.000 Euro eine Position über 10.000 Euro. Gewinne und Verluste wachsen im selben Verhältnis, Gebühren fallen auf den vollen Positionswert an.
Initial Coin Offering
Bei einem Initial Coin Offering verkauft ein Projekt eigene Token an Anleger, um Geld für den Start einzusammeln, ähnlich einem Börsengang ohne Aktien. Binance nahm 2017 auf diesem Weg umgerechnet 13,4 Millionen Euro ein. In vielen Ländern ist das Verfahren heute streng reguliert oder verboten.
Kassahandel
Im Kassahandel wechseln Kryptowerte sofort gegen Geld oder andere Kryptowerte den Besitzer. Gegensatz ist der Terminhandel, bei dem Kontrakte auf künftige Kurse gehandelt werden. Bei Binance machte der Kassahandel 2025 gut ein Fünftel des gesamten Handelsvolumens aus.
Liquidation
Eine Liquidation schließt eine gehebelte Position zwangsweise, sobald der Verlust den hinterlegten Einsatz fast aufgezehrt hat. Die Börse verhindert so, dass das Konto ins Minus rutscht. Bei hohem Hebel genügen kleine Kursbewegungen, damit der gesamte Einsatz verloren geht.
Maker und Taker
Maker stellen mit Limit-Orders neue Angebote ins Orderbuch und liefern damit Liquidität. Taker nehmen bestehende Angebote sofort an und räumen Liquidität ab. Viele Börsen verlangen von Makern niedrigere Gebühren als von Takern, weil sie für tiefe Orderbücher sorgen.
Marktmacher
Ein Marktmacher stellt laufend Kauf- und Verkaufskurse für einen Kryptowert und verdient an der Differenz zwischen beiden. Für eine Börse sind Marktmacher unverzichtbar, weil sie dafür sorgen, dass Kunden jederzeit zu einem fairen Kurs handeln können. Binance gewährt ihnen über das VIP-Programm sehr niedrige Gebühren.
MiCA
MiCA ist die europäische Verordnung über Märkte für Kryptowerte. Seit Juli 2026 brauchen Kryptobörsen, die Kunden in der EU bedienen, eine Zulassung nach diesen Regeln. Eine Lizenz aus einem EU-Staat gilt in allen anderen. Binance besitzt derzeit keine.
Monitor
Ein Monitor ist ein unabhängiger Prüfer, den US-Behörden einem Unternehmen nach einem Vergleich zur Seite stellen. Er kontrolliert, ob das Unternehmen seine Auflagen gegen Geldwäsche und Sanktionsverstöße erfüllt, und berichtet an die Behörden. Bei Binance läuft die Aufsicht bis Mai 2027.
Orderbuch
Das Orderbuch listet alle offenen Kauf- und Verkaufsangebote für ein Handelspaar mit Preis und Menge. Je mehr Angebote dicht beieinander liegen, desto tiefer ist das Orderbuch und desto weniger bewegt eine große Order den Kurs. Tiefe Orderbücher sind der wichtigste Wettbewerbsvorteil von Binance.
Perpetual
Ein Perpetual ist ein Terminkontrakt ohne Verfallsdatum. Kunden können damit auf steigende oder fallende Kurse setzen, meist mit Hebel. Über die Funding Rate bleibt der Kontraktkurs nahe am Kassakurs. Perpetuals bringen Binance den größten Teil des Handelsvolumens.
Reverse Solicitation
Die Reverse Solicitation ist eine Ausnahme im EU-Recht. Anbieter aus Drittstaaten dürfen Kunden ohne EU-Lizenz bedienen, wenn diese von sich aus und ohne Werbung auf sie zugekommen sind. Die ESMA legt die Ausnahme eng aus und prüft derzeit, wie Binance sie nutzt.
VIP-Programm
Das VIP-Programm von Binance teilt Kunden nach monatlichem Handelsvolumen oder BNB-Bestand in Stufen ein. Je höher die Stufe, desto niedriger die Gebühren. Ab einem Monatsvolumen von 134 Millionen Euro sinkt die Maker-Gebühr im Kassahandel auf 0,025 Prozent.
FAQ: Binance Geschäftsmodell

Wem gehört Binance?
Gründer Changpeng Zhao hält laut Forbes rund 90 Prozent der Anteile. Der Staatsfonds MGX aus Abu Dhabi ist seit 2025 als Minderheitsinvestor beteiligt, die Größe seines Anteils ist nicht öffentlich. Operativ führen Richard Teng und Mitgründerin Yi He das Unternehmen als Doppelspitze.
Ist Binance in Deutschland erlaubt?
Binance hat in Deutschland weder eine BaFin-Lizenz noch eine Zulassung nach der EU-Verordnung MiCA. Seit dem 1. Juli 2026 sind für Kunden aus der EU Einzahlungen, neue Kassa-Orders, Neuanmeldungen sowie Spar- und Staking-Produkte gesperrt. ESMA und BaFin prüfen, wie Binance Bestandskunden weiter bedient.
Kann ich mein Guthaben bei Binance noch abheben?
Ja. Auszahlungen und der Verkauf bestehender Bestände bleiben für Kunden aus der EU möglich. Ein Übertrag von Kryptowerten auf eine eigene Wallet oder zu einem Anbieter mit MiCA-Lizenz löst in Deutschland keine Steuer aus.
Wo hat Binance seinen Sitz?
Binance hat keinen offiziellen Hauptsitz. Das globale Geschäft läuft seit Januar 2026 über Gesellschaften, die von der Finanzaufsicht des Abu Dhabi Global Market zugelassen sind. Hinzu kommen Landesgesellschaften in vielen Staaten.
Wie viel Umsatz macht Binance?
Binance veröffentlicht keine Finanzzahlen. Bloomberg schätzte den Umsatz 2021 auf mindestens 17,8 Milliarden Euro, Fortune auf rund 8,9 Milliarden Euro. Eine Überschlagsrechnung von Dr. Web kommt für 2025 auf rund 9,2 Milliarden Euro Handelserlöse.
Was ist BNB?
BNB ist der Kryptowert, den Binance 2017 zur Finanzierung herausgegeben hat. Er senkt die Handelsgebühren um ein Viertel, öffnet VIP-Stufen und berechtigt zu Gratis-Token. Ein Teil des Bestands wird jedes Quartal vernichtet. Die Marktkapitalisierung lag Anfang Oktober 2026 bei rund 93 Milliarden Euro.
Quellen
Binance | Binance’s 2025 End of Year Report: Trust, Liquidity and Web3 Discovery (PR Newswire) | https://www.prnewswire.com/in/news-releases/binances-2025-end-of-year-report-trust-liquidity-and-web3-discovery-302657209.html | besucht am 04.10.2026
Binance | Gebührenverzeichnis (Fee Schedule) | https://www.binance.com/en/fee/schedule | besucht am 04.10.2026
Euronews | EU watchdogs question Binance over unlicensed European operations (01.10.2026) | https://www.euronews.com/2026/10/01/eu-watchdogs-question-binance-over-unlicensed-european-operations | besucht am 04.10.2026
PYMNTS | Binance faces scrutiny over continuing operations in the EU (01.10.2026) | https://www.pymnts.com/cryptocurrency/2026/binance-faces-scrutiny-over-continuing-operations-in-the-eu/ | besucht am 04.10.2026
crypto.news | Binance takes stake in Circle with five year USDC agreement (22.09.2026) | https://crypto.news/binance-takes-100-million-stake-in-circle-with-five-year-usdc-agreement/ | besucht am 04.10.2026
The Block | DOJ seeks crypto proceeds from Iranian oil sales (15.09.2026) | https://www.theblock.co/news/regulation/2026-09-15-doj-61-million-crypto-proceeds-iranian-oil-sales-414768 | besucht am 04.10.2026
Yahoo Finance | Binance Is Under Federal Investigation Over Iran Sanctions Again (24.09.2026) | https://finance.yahoo.com/markets/crypto/articles/binance-under-federal-investigation-over-185115085.html | besucht am 04.10.2026
CoinGecko | 2026 Q2 Crypto Industry Report (21.07.2026) | https://www.coingecko.com/research/publications/2026-q2-crypto-report | besucht am 04.10.2026
crypto.news | Binance is locked out of Europe on July 1. Here is what actually happened (27.06.2026) | https://crypto.news/binance-eu-mica-license-lockout-july-2026-explained/ | besucht am 04.10.2026
CoinPaprika | Binance lost EU license, kept users, ESMA (02.10.2026) | https://coinpaprika.com/news/binance-lost-eu-license-kept-users-esma/ | besucht am 04.10.2026
Cointelegraph | Binance Seeks New Crypto Licenses After MiCA Shift (09.07.2026) | https://cointelegraph.com/news/regulators-invite-binance-seek-new-license-mica-setback-teng | besucht am 04.10.2026
Cointelegraph | Binance Secures Three Licenses for Regulated Crypto Services (08.12.2025) | https://cointelegraph.com/news/binance-abu-dhabi-fsra-licenses-exchange-clearing-broker-dealer | besucht am 04.10.2026
Cointelegraph | Binance co-founder clarifies asset listing policies (03.11.2024) | https://cointelegraph.com/news/binance-co-founder-clarifies-binance-listing-policies | besucht am 04.10.2026
CoinDesk | Binance Generates 90% of Revenue From Transaction Fees, Changpeng Zhao Says (07.12.2022) | https://www.coindesk.com/business/2022/12/07/binance-generates-90-of-revenue-from-transaction-fees-changpeng-zhao-says | besucht am 04.10.2026
Fortune | Binance’s revenues are collapsing (10.08.2023) | https://fortune.com/2023/08/10/binances-revenues-news-stock-coin-bnb/ | besucht am 04.10.2026
CoinDesk | Binance gets investment from Abu Dhabi’s MGX (12.03.2025) | https://www.coindesk.com/business/2025/03/12/binance-gets-usd2b-investment-from-abu-dhabi-s-mgx | besucht am 04.10.2026
CoinDesk | Binance withdraws German crypto license application (26.07.2023) | https://www.coindesk.com/policy/2023/07/26/binance-withdraws-german-crypto-license-application | besucht am 04.10.2026
CNBC | SEC drops Binance lawsuit (29.05.2025) | https://www.cnbc.com/2025/05/29/sec-drops-binance-lawsuit-ending-one-of-last-remaining-crypto-actions.html | besucht am 04.10.2026
U.S. Department of the Treasury | Treasury Announces Largest Settlements in History with World’s Largest Virtual Currency Exchange Binance (21.11.2023) | https://content.govdelivery.com/accounts/USTREAS/bulletins/37c2c45 | besucht am 04.10.2026
CryptoSlate / Chainwire | BNB Chain Completes 36th Quarterly Token Burn (15.07.2026) | https://cryptoslate.com/press-releases/bnb-chain-completes-36th-quarterly-token-burn-marks-third-burn-of-2026/ | besucht am 04.10.2026
Forbes | Changpeng Zhao, Profil (abgerufen 04.10.2026) | https://www.forbes.com/profile/changpeng-zhao/ | besucht am 04.10.2026
CoinGlass | 2026 Q1 Cryptocurrency Market Share Research Report | https://www.coinglass.com/learn/2026-q1-mktshare-report-en | besucht am 04.10.2026
Cash Online | Krypto-Besitz in Deutschland: fast neun Millionen Erwachsene halten Coins (14.08.2026) | https://www.cash-online.de/a/krypto-besitz-in-deutschland-fast-neun-millionen-erwachsene-halten-coins-724169/ | besucht am 04.10.2026
Wikipedia | Binance | https://en.wikipedia.org/wiki/Binance | besucht am 04.10.2026
Wikipedia | Changpeng Zhao | https://en.wikipedia.org/wiki/Changpeng_Zhao | besucht am 04.10.2026
Europäische Zentralbank | Euro-Referenzkurse (02.10.2026) | https://www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/euro_reference_exchange_rates/ | besucht am 04.10.2026
