Robinhood verlangt für eine Aktienorder in den USA keine Provision und hat 2025 trotzdem knapp 1,7 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Einen großen Teil des Geldes überweisen Akteure, die in der App nie auftauchen, allen voran ein Hochfrequenzhändler aus Miami. Hinzu kommt ein junges Geschäft mit Sportkontrakten, über dessen Zulässigkeit Robinhood nun den Supreme Court entscheiden lassen will.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRobinhood hat am 29. September auf seinem Kundenevent HOOD Summit neue Produkte vorgestellt, die den Schwerpunkt des Geschäftsmodells weiter verschieben: Kryptoterminkontrakte ohne Laufzeitende mit bis zu zehnfachem Hebel, Aktienhandel rund um die Uhr und KI-Agenten, die im Auftrag der Kunden handeln. Am Tag danach schloss die Aktie bei umgerechnet 99,57 Euro, gut ein Viertel unter ihrem Rekordschlusskurs.
Parallel läuft ein Rechtsstreit um einen der am schnellsten wachsenden Erlösströme. Am 10. September beantragte Robinhood beim Supreme Court die Überprüfung eines Urteils, nach dem Nevada Kontrakte auf Sportereignisse weiter als Glücksspiel beaufsichtigen darf. Diese Analyse zerlegt den Jahresbericht 2025 und die Halbjahreszahlen 2026 und zeigt, wer den Gratis-Handel bezahlt und was das Modell für Anleger und Finanzunternehmen in Deutschland bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- Robinhood setzte im zweiten Quartal 2026 umgerechnet 1,16 Milliarden Euro um, 32 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, und verdiente netto 507 Millionen Euro.
- Knapp die Hälfte des Umsatzes zahlen Market Maker und Börsen für die Orders der Kunden. Citadel Securities allein lieferte im zweiten Quartal 16 Prozent der Erlöse.
- Kontrakte auf Sportergebnisse und andere Ereignisse brachten im zweiten Quartal 138 Millionen Euro und damit mehr als der Kryptohandel mit 89 Millionen Euro.
- Die Erträge aus Zinsen auf Wertpapierkredite haben sich binnen eines Jahres fast verdoppelt: 190 Millionen Euro im zweiten Quartal, bei einem Kreditbuch von 19,1 Milliarden Euro.
- In Deutschland bietet Robinhood nur Krypto, Aktien-Token und Terminkontrakte an. Ein klassisches Aktiendepot fehlt, und das EU-Verbot von Rückvergütungen für Orders gilt seit Juli 2026 auch hierzulande.
Fünf Fragen an den Gratis-Broker
1 Welcher Handelspartner lieferte Robinhood im zweiten Quartal 2026 allein 16 Prozent des Umsatzes? Aufklappen ↓
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2 Welche Erlösquelle brachte Robinhood im zweiten Quartal 2026 den höchsten Transaktionsumsatz? Aufklappen ↓
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3 Was kostet das Gold-Abo in den USA umgerechnet im Monat? Aufklappen ↓
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4 Was geschah bei Robinhood am 28. Januar 2021? Aufklappen ↓
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5 Was bietet Robinhood Kunden in Deutschland an? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Robinhood und wie fing alles an?
Robinhood gründeten 2013 die Stanford-Absolventen Vlad Tenev und Baiju Bhatt, die zuvor in New York Handelssoftware für Hedgefonds und Hochfrequenzhändler verkauft hatten. Die Gründer setzten auf Aktienhandel ohne Provision per Smartphone, bezahlt von genau den Händlern, für die sie früher programmiert hatten.
Tenev kam in Bulgarien zur Welt und wuchs in Virginia auf, Bhatt ist der Sohn indischer Einwanderer. Kennengelernt haben sich die beiden als Studenten in Stanford, danach bauten sie in New York eine Firma für Handelssoftware auf. Dort sahen die Gründer aus nächster Nähe, wie wenig eine einzelne Aktienorder einen großen Marktteilnehmer kostete. Privatanleger zahlten 2013 bei Schwab oder E-Trade für eine Onlineorder dagegen umgerechnet rund acht bis neun Euro. Die Proteste der Occupy-Bewegung gaben nach Darstellung von Tenev und Bhatt den Anstoß zur Gründung. Den Namen wählten die beiden nach dem Räuber, der den Reichen nimmt und den Armen gibt. Die Provision wurde zum ersten Feindbild des Start-ups.
Eingetragen wurde die Gesellschaft am 22. November 2013 im US-Bundesstaat Delaware. Eine erste Testversion der App lief im Dezember 2014, der offizielle Start folgte im März 2015. Geld kam von Wagnisgebern aus dem Silicon Valley, im September 2014 führte Index Ventures eine Finanzierungsrunde über umgerechnet rund 11,5 Millionen Euro an. Die Investoren setzten auf das bekannte Muster der Plattformökonomie: erst die Reichweite, dann die Erlöse. Anders als bei vielen Apps stand das Erlösmodell bei Robinhood allerdings von Beginn an fest, nur bekamen die Kunden davon nichts mit.
Robinhood verkaufte die Orders seiner Kunden an große Handelshäuser, die sie ausführten und dafür zahlten. In der Fachsprache heißt das Payment for Order Flow, kurz PFOF. Im Börsenprospekt von 2021 legte Robinhood die Abhängigkeit offen: 2020 stammten 75 Prozent aller Erlöse aus diesen Zahlungen und aus vergleichbaren Rabatten im Kryptohandel, im ersten Quartal 2021 sogar 81 Prozent. Die Gratis-Order war also nie gratis, die Kunden bezahlten nur nicht direkt.
- 2013Gründung durch Vlad Tenev und Baiju Bhatt, Eintragung in Delaware
- 2015Start der App mit provisionsfreiem Aktienhandel in den USA
- 2018Kryptohandel startet, Optionen kurz zuvor eingeführt
- 2020SEC-Strafe von 57,5 Mio. € wegen verschwiegener Rückvergütungen
- 2021GameStop-Kaufstopp im Januar, Börsengang im Juli
- 2022Aktie fällt auf 6,03 €, 82 % unter dem Ausgabepreis
- 2023Kryptohandel startet in der EU
- 2025Übernahme von Bitstamp, Aufnahme in den S&P 500
- 2026Ereigniskontrakte bringen mehr Umsatz als Krypto, Antrag beim Supreme Court
Im Februar 2018 kam der Kryptohandel dazu, Optionen hatte Robinhood kurz zuvor ins Programm genommen. Diese Derivate brachten deutlich mehr Rückvergütung je Order als einfache Aktien. Die Corona-Monate 2020 machten aus der Nischen-App ein Massenprodukt: Die Zahl der Konten mit Guthaben stieg von 5,1 Millionen Ende 2019 auf 12,5 Millionen Ende 2020. Der Umsatz wuchs im selben Jahr von umgerechnet 246 auf 849 Millionen Euro, ein Plus von 245 Prozent. Robinhood schrieb 2020 einen Gewinn im einstelligen Millionenbereich.
Am 28. Januar 2021, auf dem Höhepunkt der Spekulation um GameStop, schränkte Robinhood den Kauf der Aktie und anderer Kursraketen ein. Die Clearingstelle hatte ihre Sicherheitsforderung an den Broker an einem Morgen von umgerechnet rund 0,6 auf 3,3 Milliarden Euro angehoben und später auf 1,2 Milliarden Euro gesenkt. Robinhood musste binnen Tagen umgerechnet rund 3 Milliarden Euro bei Investoren einsammeln, Tenev wurde vor den US-Kongress geladen. Bei vielen Kunden blieb der Eindruck eines Vertrauensbruchs hängen: Die App, die den Kleinanlegern die Börse öffnen wollte, stoppte ausgerechnet deren Käufe.
Tenev führt Robinhood bis heute als Vorstandschef. Bhatt zog sich 2024 aus dem operativen Geschäft zurück und gründete ein Raumfahrt-Start-up. Über Aktien der Klasse B mit zehnfachem Stimmrecht sichern sich die Gründer weiter überproportionalen Einfluss auf den Konzern, was der Jahresbericht 2025 als eigenes Risiko für Aktionäre ausweist. Das ursprüngliche Versprechen, provisionsfreier Handel für alle, ist geblieben. Die Liste der Produkte, an denen Robinhood heute verdient, hat sich dagegen fast vollständig verändert.
- Herkunft: Die Gründer kamen aus der Welt der Hochfrequenzhändler, die heute für die Orders zahlen
- Erlösbasis: 2020 stammten 75 Prozent der Erlöse aus Zahlungen von Handelspartnern
- Bruchstelle: Der GameStop-Stopp vom Januar 2021 kostete Vertrauen und zwang zu einer Notfinanzierung
- Kontrolle: Aktien mit zehnfachem Stimmrecht sichern den Gründern Einfluss
Wie wurde aus der Idee ein Imperium?

Robinhood wuchs mit Gratis-Handel, Kryptowelle und Meme-Aktien zu einem Finanzkonzern mit 28,6 Millionen Kunden und umgerechnet 340 Milliarden Euro Kundenvermögen. An der Börse ist das Unternehmen rund 89,5 Milliarden Euro wert, seit September 2025 steht die Aktie im S&P 500.
Der Börsengang am 29. Juli 2021 fiel mitten in die Hochphase der Meme-Aktien. Der Ausgabepreis lag bei umgerechnet rund 33,60 Euro, die Bewertung bei umgerechnet rund 28 Milliarden Euro. Ein knappes Jahr später notierte die Aktie im Tief bei 6,03 Euro, 82 Prozent unter dem Ausgabepreis. Die Meme-Welle war abgeebbt, der Kryptomarkt eingebrochen, und für das Jahr 2021 hatte Robinhood einen Verlust von umgerechnet 3,26 Milliarden Euro ausgewiesen, zum großen Teil durch die Bewertung der Wandelanleihen aus der GameStop-Notfinanzierung. Ein ähnliches Muster zeigt gerade der Ratenkauf-Anbieter Klarna, dessen Aktie rund zwei Drittel unter dem Ausgabepreis notiert.
Eine Mischung aus Sparkurs und Zinswende hat Robinhood gerettet. Das Management strich 2022 in zwei Runden einen großen Teil der Stellen. Gleichzeitig hob die US-Notenbank die Leitzinsen von nahe null auf über fünf Prozent an, und das Bargeld der Kunden, das auf Partnerbanken verteilt ist, wurde plötzlich zu einer sprudelnden Zinsquelle. 2024 kehrte Robinhood mit umgerechnet 1,25 Milliarden Euro Nettogewinn in die Gewinnzone zurück, wobei ein Sondereffekt von 375 Millionen Euro mithalf. 2025 folgte der erste große Gewinn aus dem laufenden Geschäft: 1,67 Milliarden Euro bei 3,96 Milliarden Euro Umsatz.
| Kennzahl | 2021 | 2025 | 2. Quartal 2026 |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 1,61 Mrd. € | 3,96 Mrd. € | 1,16 Mrd. € (Quartal) |
| Nettoergebnis | −3,26 Mrd. € | +1,67 Mrd. € | +507 Mio. € (Quartal) |
| Kunden mit Guthaben | 22,7 Mio. | 27,0 Mio. | 28,4 Mio. |
| Kundenvermögen | 86,7 Mrd. € | 287 Mrd. € | 326 Mrd. € |
| Kredite an Kunden (Margin) | nicht vergleichbar | 14,9 Mrd. € | 19,1 Mrd. € |
| Vollzeitbeschäftigte | rund 3.800 | rund 2.900 | nach Abbau von rund 10 % im Juni |
Die Zukäufe zeigen, wohin Robinhood will. 2021 kaufte das Unternehmen für umgerechnet rund 124 Millionen Euro Say Technologies, eine Plattform für Aktionärsfragen an Vorstände. 2023 folgte für rund 84 Millionen Euro das Kreditkarten-Start-up X1, aus dem die Gold Card wurde. Mit TradePMR kam 2025 eine Depotplattform für unabhängige Vermögensverwalter dazu, für umgerechnet 155 Millionen Euro in bar und Aktien im Wert von rund 89 Millionen Euro. Im selben Jahr übernahm Robinhood die Luxemburger Kryptobörse Bitstamp für rund 198 Millionen Euro, im Juni 2026 den kanadischen Kryptoanbieter WonderFi für rund 159 Millionen Euro. Gescheitert ist dagegen 2022 der Kauf der britischen Krypto-App Ziglu.
Bitstamp ist der wichtigste dieser Bausteine. Über die Börse mit Lizenzen in Europa und Asien verdient Robinhood an institutionellen Kunden und bietet seit Ende September eigene Terminkontrakte auf Kryptowährungen an. Im August 2026 lief bereits mehr Krypto-Volumen über Bitstamp als über die Robinhood-App: umgerechnet 8,9 gegen 6,5 Milliarden Euro. Mit WonderFi kamen rund 300.000 kanadische Kunden dazu. Außerhalb der USA zählt Robinhood inzwischen mehr als eine Million Kunden mit Guthaben, gemessen an 28,6 Millionen insgesamt bleibt das Auslandsgeschäft aber ein Randbereich.
An der Börse hat sich die Stimmung längst gedreht. Im September 2025 nahm S&P Dow Jones Indices die Aktie in den S&P 500 auf, Robinhood ersetzte dort den Casinobetreiber Caesars Entertainment. Anleger, die zum Börsengang eingestiegen sind, haben ihren Einsatz trotz des Absturzes bis Ende September knapp verdreifacht. Im Juni 2026 platzierte Robinhood eine Wandelanleihe über umgerechnet 1,95 Milliarden Euro mit einem Kupon von null Prozent. Investoren leihen dem Konzern also Geld ohne laufende Zinsen und wetten allein auf einen weiter steigenden Aktienkurs, die Wandlung lohnt sich erst ab umgerechnet rund 154 Euro je Aktie.
- Tiefpunkt: 82 Prozent unter dem Ausgabepreis im Juni 2022
- Wende: Zinsen auf Kundengeld und Kostendisziplin brachten 2025 einen Gewinn von 1,67 Milliarden Euro
- Zukäufe: Bitstamp, TradePMR und WonderFi erschließen Profikunden, Vermögensverwalter und Kanada
Wie verdient Robinhood tatsächlich sein Geld?

Robinhood hat drei Erlösquellen: Zahlungen von Handelspartnern für die Orders der Kunden, Zinsen auf Kundengeld und Wertpapierkredite sowie Abogebühren. Im zweiten Quartal 2026 kamen 59 Prozent des Umsatzes aus Transaktionen, 30 Prozent aus Zinsen und 11 Prozent aus sonstigen Erlösen.
Alle Beträge in diesem Kapitel stammen aus dem Quartalsbericht an die US-Börsenaufsicht SEC vom 30. Juli 2026 und aus dem Jahresbericht 2025, umgerechnet zum Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 1. Oktober 2026. Robinhood weist nur ein einziges Segment aus und veröffentlicht keine Margen je Produkt. Die Aufschlüsselung der Erlöse ist dafür ungewöhnlich fein: Optionen, Aktien, Krypto und Ereigniskontrakte stehen getrennt in der Tabelle, ebenso jede einzelne Zinsquelle.
3a: Optionen vorne, Krypto hinten
Von 1,16 Milliarden Euro Umsatz im zweiten Quartal entfielen 687 Millionen Euro auf Transaktionen. Der größte Posten war der Optionshandel mit 303 Millionen Euro, 29 Prozent mehr als im Vorjahr. Dahinter folgten Ereigniskontrakte auf Sport, Wahlen oder Konjunkturdaten mit 138 Millionen Euro, nach nur 9 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Aktien brachten 114 Millionen Euro und damit fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Kryptohandel schrumpfte dagegen um 38 Prozent auf 89 Millionen Euro, der Rest von 43 Millionen Euro verteilt sich auf kleinere Posten.
Die Zinserträge summierten sich auf 344 Millionen Euro. Den größten Anteil lieferten die Kredite, mit denen Kunden Wertpapiere auf Pump kaufen: 190 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Hinzu kamen 53 Millionen Euro aus Kundengeld, das Robinhood getrennt verwahren muss, 36 Millionen Euro aus dem Bargeld, das auf Partnerbanken verteilt ist, 35 Millionen Euro aus dem Kreditkartengeschäft und 27 Millionen Euro aus der eigenen Liquidität. Die sonstigen Erlöse von 127 Millionen Euro bestehen vor allem aus dem Gold-Abo mit 48 Millionen Euro und aus Gebühren für die Weiterleitung von Aktionärsunterlagen.
3b: Die Erlöse, die kaum jemand sieht
Der wichtigste versteckte Erlösstrom steckt in der Zeile „Transaktionserlöse“. Wer bei Robinhood eine Option kauft, zahlt keine Provision. Robinhood leitet die Order an einen Market Maker weiter, also an ein Handelshaus, das ständig Kauf- und Verkaufskurse stellt. Dieses Handelshaus verdient an der Spanne zwischen beiden Kursen und gibt einen Teil davon an Robinhood ab. Laut Quartalsbericht stammten im zweiten Quartal 47 Prozent des gesamten Umsatzes von Market Makern und Börsen, allein Citadel Securities steuerte 16 Prozent bei, rund 185 Millionen Euro. Die Rückvergütung taucht auf keiner Kundenabrechnung auf.
Weniger sichtbar ist auch das Geschäft mit den Wertpapieren selbst. Kunden, die zustimmen, verleihen ihre voll bezahlten Aktien über Robinhood an Leerverkäufer. 2025 brachte diese Wertpapierleihe umgerechnet 168 Millionen Euro Zinsertrag, im zweiten Quartal 2026 nur noch 9 Millionen Euro nach 48 Millionen Euro im Vorjahr. Der Erlös schwankt mit der Nachfrage nach schwer leihbaren Titeln und ist deshalb kaum planbar. Hinzu kommt das Bargeld auf den Konten: Robinhood verteilt das Geld an Partnerbanken, kassiert dort Zinsen und reicht nur einen Teil an die Kunden weiter.
3c: Was die App über ihre Nutzer weiß
Robinhood verkauft keine Kundendaten im Sinne eines Werbenetzwerks. Der eigentliche Datenwert liegt im Orderfluss selbst. Market Maker zahlen für Privatkundenorders, weil diese statistisch weniger Wissen über kurzfristige Kursbewegungen enthalten als Orders von Profis. Gegen solche Orders lässt sich mit geringem Risiko handeln. In der Bilanz steht dieser Datenwert nirgends, er zeigt sich nur in der Zeile Transaktionserlöse. Kunden, die vor allem Aktien kaufen und halten, sind für Robinhood weniger wert als Kunden, die häufig Optionen handeln.
Die App ist entsprechend gebaut: schlichte Oberfläche, Benachrichtigungen bei Kursbewegungen, Ein-Klick-Order. Die Börsenaufsicht von Massachusetts warf Robinhood Ende 2020 vor, Anfänger mit spielerischen Elementen zum Handeln zu verleiten, das Konfetti nach der ersten Order verschwand im Frühjahr 2021. Neu ist die Automatisierung: Mit den auf dem HOOD Summit vorgestellten KI-Agenten handeln Programme im Auftrag der Kunden. Laut dem Fachdienst The Block wurden seit Mai mehr als 150.000 Konten für solche Handelsagenten eröffnet. Jede automatisierte Order erhöht den Orderfluss, ohne dass ein Mensch auf den Knopf drücken muss.
3d: Wo die Marge tatsächlich entsteht
Ohne Segmentzahlen lässt sich die Marge nur über die Kostenseite eingrenzen. Die direkten Kosten für Ausführung und Abwicklung lagen im zweiten Quartal bei 55 Millionen Euro, das sind weniger als acht Prozent der Transaktionserlöse. Jede zusätzliche Order kostet Robinhood also fast nichts. Den größten Block bilden Technik und Entwicklung mit 227 Millionen Euro, gefolgt von Verwaltung mit 176 Millionen Euro und Marketing mit 92 Millionen Euro. Insgesamt kam Robinhood auf eine bereinigte EBITDA-Marge von 57 Prozent, ein Wert, den kaum eine klassische Bank erreicht.
| Erlösquelle | 2. Quartal 2025 | 2. Quartal 2026 | Veränderung | Hängt ab von |
|---|---|---|---|---|
| Optionen | 235 Mio. € | 303 Mio. € | +29 % | Handelslaune, Volatilität |
| Ereigniskontrakte | 9 Mio. € | 138 Mio. € | rund 15-fach | Gerichte, Sportkalender |
| Aktien | 58 Mio. € | 114 Mio. € | +95 % | Marktstimmung |
| Krypto | 142 Mio. € | 89 Mio. € | −38 % | Kryptozyklus |
| Zinsen auf Wertpapierkredite | 101 Mio. € | 190 Mio. € | +89 % | Kreditnachfrage, Leitzins |
| Zinsen auf Bankguthaben (Sweep) | 53 Mio. € | 36 Mio. € | −32 % | Leitzins |
| Gold-Abo | 39 Mio. € | 48 Mio. € | +23 % | Abonnentenzahl |
Die Tabelle zeigt eine Asymmetrie: Transaktionserlöse entstehen fast ohne Grenzkosten, schwanken aber mit der Handelslaune. Zinserträge sind stabiler, hängen aber vom Leitzins und beim Margin-Geschäft vom Kreditrisiko ab: Die Vorsorge für Kreditausfälle verdoppelte sich im zweiten Quartal auf 50 Millionen Euro. Robinhood hat in den vergangenen zwölf Monaten genau die Posten ausgebaut, die mit der Risikobereitschaft der Kunden steigen. Diese Ausrichtung lässt die Zahlen in guten Börsenphasen glänzen und macht sie in schlechten verletzlich.
3e: Das Gratis-Versprechen als Lockangebot
Der provisionsfreie Aktienhandel ist ein Lockangebot, das sich nur über andere Produkte rechnet. Aktien brachten im zweiten Quartal 10 Prozent des Umsatzes, Optionen 26 Prozent. Der Gratis-Handel mit Aktien holt Kunden in die App, verdient wird an der Option, am Kredit und am Abo. Gold kostet in den USA umgerechnet 4,43 Euro im Monat und bietet eine lange Liste von Zugaben: 3,6 Prozent Zinsen auf Bargeld, 3 Prozent Zuschuss auf Einzahlungen in die Altersvorsorge und 3 Prozent Rückvergütung mit der Gold Card.
Die Zugaben kosten Robinhood Geld, binden aber Vermögen. Jeder Euro, der für den Zuschuss zur Altersvorsorge ins Depot wandert, bleibt dort meist jahrzehntelang und erzeugt Zins- und Handelserlöse. Dieselbe Logik steckt hinter den Neuheiten vom HOOD Summit: Die Kryptoterminkontrakte kosten bis Ende 2026 nur 0,01 Prozent Gebühr, die neuen Kontrakte auf Quartalszahlen von Unternehmen sind bis Jahresende gebührenfrei. Robinhood kauft sich mit Lockpreisen in der Anschubphase Volumen, reguläre Preise folgen später.
3f: Skaleneffekte ohne Netzwerkeffekt
Die Entwicklung der App kostet viel Geld, unabhängig von der Zahl der Kunden. Mit jedem zusätzlichen Kunden verteilen sich die Entwicklungskosten auf mehr Umsatz, der Umsatz je Kunde stieg im Jahresvergleich um 24 Prozent auf annualisiert 166 Euro. Im zweiten Quartal wuchsen die Betriebskosten mit 33 Prozent allerdings sogar etwas schneller als der Umsatz mit 32 Prozent. Für 2026 plant das Management bereinigte Kosten von umgerechnet 2,37 bis 2,46 Milliarden Euro. Der Skaleneffekt ist real, doch Robinhood steckt die Ersparnis vollständig in neue Produkte.
Einen klassischen Netzwerkeffekt wie bei sozialen Netzwerken hat ein Broker nicht: Der Wert der App steigt nicht dadurch, dass Freunde sie ebenfalls verwenden. Neu ist ein Effekt auf der Handelsseite. Über das Gemeinschaftsunternehmen Rothera, das Robinhood mit dem Handelshaus Susquehanna betreibt, laufen seit 2026 eigene Ereigniskontrakte. Je mehr Robinhood-Kunden dort handeln, desto mehr Liquidität zieht die Börse an. Laut einer Schätzung des Branchendienstes InGame gingen im Sommer aber noch rund 60 Prozent des Volumens an die Börse Kalshi.
3g: Die Verschiebung der letzten fünf Jahre
2021 lebte Robinhood vom Transaktionsgeschäft: 77 Prozent des Umsatzes kamen aus Orders, Zinsen machten nur 14 Prozent aus. Bis 2025 stieg der Zinsanteil auf 34 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 lag er bei 31 Prozent. Krypto sackte von 23 Prozent auf 10 Prozent ab, Ereigniskontrakte fehlten 2021 noch ganz und brachten im ersten Halbjahr 2026 bereits 11 Prozent. Die Richtung ist klar: Robinhood baut sich zu einer Mischung aus Broker, Bank und Wettbörse um, finanziert von Kunden, die mehr handeln, mehr leihen und mehr Geld parken.
Wie groß ist die Marktmacht von Robinhood?

Robinhood ist bei Privatanlegern in den USA eine Großmacht im Handel, beim Vermögen aber ein Zwerg. Charles Schwab verwaltet mit umgerechnet 11,87 Billionen Euro rund 35-mal so viel Kundengeld, Robinhood punktet bei aktiven Händlern und beim Optionshandel.
Das Bild hängt davon ab, was man misst. Beim Vermögen der Kunden liegt Robinhood weit hinter den etablierten Anbietern. Schwab zählte im August 2026 40,1 Millionen aktive Depots, Interactive Brokers 5,46 Millionen Konten mit umgerechnet 852 Milliarden Euro Kundenvermögen. Robinhood kommt mit 28,6 Millionen Kunden auf umgerechnet 340 Milliarden Euro, also auf rund 12.000 Euro je Kunde. Bei der Handelsaktivität sieht das anders aus: Im August liefen 292,5 Millionen Optionskontrakte über Robinhood, und das Aktienvolumen lag bei umgerechnet 297 Milliarden Euro, 68 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
| Anbieter | Kunden/Konten | Kundenvermögen | Stand |
|---|---|---|---|
| Charles Schwab | 40,1 Mio. aktive Depots | 11,87 Bio. € | August 2026 |
| Interactive Brokers | 5,46 Mio. Konten | 852 Mrd. € | August 2026 |
| Robinhood | 28,6 Mio. Kunden mit Guthaben | 340 Mrd. € | August 2026 |
| Trade Republic | über 10 Mio. Kunden | 150 Mrd. € | Dezember 2025 |
| Scalable Capital | über 1 Mio. Kunden | über 60 Mrd. € | September 2026 |
Bei den Ereigniskontrakten ist Robinhood der wichtigste Vertriebskanal eines jungen Marktes. Laut einer Auswertung des Pew Research Center auf Basis von Daten des Fachdienstes The Block handelten Kunden der beiden großen Anbieter Kalshi und Polymarket im Juli 2026 Kontrakte für umgerechnet 46,9 Milliarden Euro, mehr als doppelt so viel wie im Mai. Allein im August wurden über Robinhood 4,7 Milliarden Ereigniskontrakte gehandelt, rund 15-mal so viele wie ein Jahr zuvor. Robinhood kontrolliert damit den Kundenzugang, an dem die Wettbörsen hängen.
Der Lock-in ist schwach. Ein Depotübertrag zu einem anderen Broker kostet bei Robinhood laut Gebührenordnung vom September 2026 nichts, und die Konkurrenz bietet ebenfalls Handel ohne Provision. Die Bindung entsteht deshalb nicht durch Wechselkosten, sondern durch Zugaben: Zinsen auf Bargeld, Zuschüsse zur Altersvorsorge und die Rückvergütung der Kreditkarte. Kunden, die ihr Geld für ein paar Prozent Zuschuss bei Robinhood geparkt haben, verlieren diesen Vorteil beim Wechsel.
Ein großes Kartellverfahren läuft gegen Robinhood nicht. Die Aufseher beschäftigen sich vielmehr mit der Ausführungsqualität und mit dem Schutz der Anleger. Seit Juli 2023 prüft die Generalstaatsanwaltschaft New York laut Jahresbericht, wie gut Robinhood die Orders der Kunden ausführt. Seit August 2026 muss der Broker zudem detaillierte Statistiken zur Ausführung veröffentlichen. Für ein Modell, das auf Rückvergütungen beruht, ist diese Transparenz der eigentliche Prüfstein.
- Vermögen: rund 12.000 Euro je Kunde, Schwab verwaltet rund 35-mal so viel Geld
- Handel: 292,5 Millionen Optionskontrakte allein im August 2026
- Wechsel: Depotübertrag kostet nichts, gebunden wird über Zinsen und Zuschüsse
Wer ist bei Robinhood eigentlich das Produkt?

Bei Robinhood ist die Order des Kunden das Produkt. Market Maker wie Citadel Securities bezahlen für den Zugriff auf die Orders von 28,6 Millionen Privatanlegern, Banken für das geparkte Bargeld und Leerverkäufer für geliehene Aktien.
Die Rollen sind klar verteilt. Der Kunde nutzt die App, zahlt aber selten direkt: Nur 4,84 Millionen von 28,4 Millionen Kunden haben Ende Juni ein Gold-Abo abgeschlossen, rund 17 Prozent. Alle anderen zahlen über Umwege, nämlich über den Kurs, zu dem ihre Order ausgeführt wird, über den Zins auf ihren Kredit oder über den Zinsanteil, den Robinhood auf ihrem Bargeld einbehält. Der Kunde ist damit gleichzeitig Nutzer, Rohstofflieferant und Kreditnehmer.
Wie viel die Kunden dieses Modell kosten kann, hat die SEC einmal beziffert. Im Dezember 2020 verhängte die Behörde eine Strafe von umgerechnet 57,5 Millionen Euro. Robinhood hatte laut SEC jahrelang verschwiegen, wie stark das Unternehmen von Zahlungen der Market Maker abhing, und Orders zu schlechteren Kursen ausführen lassen als die Konkurrenz. Die Kunden verloren dadurch laut SEC umgerechnet 30,2 Millionen Euro, und zwar nach Abzug der gesparten Provision. Die heutige Ausführungsqualität von Robinhood lässt sich erst mit den neuen Pflichtangaben seit August 2026 unabhängig überprüfen.
Bei den Ereigniskontrakten sind die Rollen noch verschachtelter. Der Kunde kauft einen Kontrakt, der einen festen Betrag auszahlt, falls eine bestimmte Mannschaft gewinnt, und sonst wertlos verfällt. Robinhood leitet die Order an eine Börse wie Kalshi oder an das eigene Gemeinschaftsunternehmen Rothera weiter und kassiert eine Gebühr je Kontrakt. Auf der anderen Seite stehen professionelle Händler, die die Preise stellen. Anders als bei lizenzierten Buchmachern fehlen dabei Spielerschutz und Wettsteuer, auch in Bundesstaaten, die solche Kontrakte als Sportwette einstufen.
Aus Sicht deutscher Leser ist Robinhood meist ein Name aus Börsennachrichten, keine App auf dem eigenen Handy. Zum Verständnis hilft der Blick auf die eigene Neobroker-App: Auch Trade Republic und Scalable Capital finanzierten sich jahrelang zu einem guten Teil über Rückvergütungen der Handelsplätze. Robinhood hat dieses Modell nicht erfunden, aber konsequenter als jeder andere ausgereizt und um Optionen, Kredite und Sportkontrakte erweitert, für die in Deutschland ein vergleichbares Angebot fehlt.
- Gold-Kunden: nur rund 17 Prozent zahlen direkt für Robinhood
- SEC 2020: Kunden verloren 30,2 Millionen Euro durch schlechtere Ausführung
- Ereigniskontrakte: Robinhood verdient je Kontrakt, Spielerschutz wie bei Buchmachern fehlt
Was kostet Robinhood wirklich, und wer trägt die Kosten?

Robinhood verlangt in den USA für Aktien und die meisten Optionen keine Provision, verdient aber an jeder Order mit. Direkt zahlen Kunden für Gold, Kredite, Krypto und Ereigniskontrakte, in der EU kostet ein Kryptokauf 0,95 Prozent Gebühr.
Die Preisliste zerfällt in zwei Welten. In den USA sind Aktien und Standardoptionen provisionsfrei, nur Indexoptionen kosten umgerechnet 44 Cent je Kontrakt, für Gold-Kunden 31 Cent. Ein Wertpapierkredit kostet laut Gebührenordnung vom 16. September 2026 bis zu einem Saldo von umgerechnet rund 44.000 Euro 5,25 Prozent Zins im Jahr. Sofortige Auszahlungen auf ein Bankkonto kosten bis zu 1,75 Prozent. In der EU dagegen erhebt Robinhood offene Gebühren, weil Rückvergütungen von Handelsplätzen dort verboten sind.
| Produkt | Preis für Kunden | Woran Robinhood verdient |
|---|---|---|
| US-Aktien | 0 € Provision | Rückvergütung des Market Makers, Höhe nicht ausgewiesen |
| US-Standardoptionen | 0 € Provision | Rückvergütung je Kontrakt |
| US-Indexoptionen | 0,44 € je Kontrakt (Gold: 0,31 €) | Gebühr plus Rückvergütung |
| Ereigniskontrakte (USA) | höchstens rund 0,9 Cent je Kontrakt plus Börsengebühr | eigene Gebühr, bei Rothera zusätzlich Börsenanteil |
| Wertpapierkredit (USA) | ab 5,25 % Zins im Jahr | Zinsdifferenz zur Refinanzierung |
| Gold-Abo (USA) | 4,43 € im Monat | Abogebühr, mehr Einlagen |
| Krypto (EU) | 0,95 % je Kauf oder Verkauf | offene Gebühr |
| Aktien-Token (EU) | 0,10 % Währungsumtausch | Umtauschgebühr |
| Terminkontrakte (EU) | 0,02 % plus 0,02 % Handelsplatz | Gebühr, Liquidationsgebühr 0,05 % |
Die Gebühr je Ereigniskontrakt wirkt winzig, rechnet sich aber über die Menge. Seit Juni 2026 berechnet Robinhood laut einer Aufstellung des Vergleichsportals Dimers eine Gebühr, die sich am Kontraktpreis orientiert, höchstens aber rund 0,9 Euro-Cent je Kontrakt. Bei 4,7 Milliarden Kontrakten allein im August ergibt das schnell Millionenbeträge. Die 138 Millionen Euro Erlös im zweiten Quartal passen zu dieser Größenordnung. Für den einzelnen Kunden ist die Gebühr kaum spürbar, entscheidend ist der Preis, den er für den Kontrakt selbst zahlt.
Von 650 Millionen Euro Betriebskosten im zweiten Quartal entfiel der größte Block mit 227 Millionen Euro auf Technik und Entwicklung. Die Zugaben für Gold-Kunden finanziert Robinhood teils über die Abogebühr, teils über das zusätzliche Vermögen. Die Gold Card läuft über eine Partnerschaft mit Visa und wird von einer Partnerbank ausgegeben. Wie das Geschäftsmodell des Kartenriesen Visa zeigt, zahlen die Händler mit jeder Kartenzahlung eine Gebühr, aus der sich auch die 3 Prozent Rückvergütung speisen.
Bleibt die Frage, wer die Kosten am Ende trägt. Beim provisionsfreien Handel tragen die Kunden die Kosten über die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs, wie die SEC-Strafe von 2020 gezeigt hat. Beim Kredit zahlen die Kunden den Zins direkt. Bei Ereigniskontrakten tragen die Kunden das Verlustrisiko in voller Höhe, weil ein Kontrakt beim falschen Ausgang wertlos verfällt. Robinhood selbst trägt vor allem das Kreditrisiko aus dem Margin-Geschäft, gegen das die Ausfallvorsorge gebildet wird.
- USA: keine Provision, verdient wird über Rückvergütungen, Zinsen und Abo
- EU: offene Gebühren, etwa 0,95 Prozent je Kryptogeschäft
- Lockpreise: Kryptoterminkontrakte und Kontrakte auf Quartalszahlen sind bis Ende 2026 fast gebührenfrei
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Gewinner sind Aktionäre, Gründer und Handelshäuser wie Citadel Securities sowie Gold-Kunden mit großen Guthaben. Draufzahlen können Privatanleger, die häufig handeln, Bundesstaaten mit Wettsteuern, Casinobetreiber und die rund zehn Prozent der Beschäftigten, die Robinhood im Juni 2026 entlassen hat.
Für die Aktionäre ist der tiefe Absturz von 2022 mehr als ausgeglichen. Der Börsenwert von rund 89,5 Milliarden Euro liegt weit über der Bewertung beim Börsengang. Die Gründer profitieren doppelt, über ihre Anteile und über die Stimmrechte. Citadel Securities sichert sich mit den Zahlungen an Robinhood einen der größten Ströme an Privatkundenorders der Welt. Zu den Gewinnern zählen auch Kunden mit großen Guthaben, die von 3,6 Prozent Zinsen, Zuschüssen und Kartenrückvergütung profitieren, ohne viel zu handeln.
Auf der anderen Seite stehen Kunden, die häufig Optionen oder Ereigniskontrakte handeln. Jede dieser Orders bringt Robinhood Geld, unabhängig davon, ob der Kunde gewinnt oder verliert. Kontrakte auf Sportereignisse funktionieren wie eine Wette: Was ein Kunde verliert, gewinnt ein anderer Marktteilnehmer, und die Gebühr bleibt beim Broker. Robinhood verdient also an der Aktivität der Kunden, nicht an ihrem Anlageerfolg, ein Interessenkonflikt, den kein Werbespot erwähnt.
Die Bundesstaaten sehen sich als weitere Verlierer. Nevada, New Jersey, Massachusetts, Michigan und Washington stufen Sportkontrakte als Glücksspiel ein, für das Lizenzen, Altersgrenzen und Steuern gelten. Robinhood und andere Anbieter berufen sich auf die Bundesaufsicht für Terminmärkte und zahlen diese Abgaben nicht. Laut einer Übersicht der Kanzlei DeSilva Law laufen inzwischen mindestens 39 Klagen in 20 Bundesstaaten. Auch Betreiber von Casinos der Ureinwohner haben Robinhood verklagt, weil die Kontrakte ihr Wettmonopol in einzelnen Staaten unterlaufen.
Klassische Broker zahlten schon früher drauf. Als Schwab, TD Ameritrade und E-Trade im Oktober 2019 binnen weniger Tage ihre Provisionen für Onlineorders strichen, reagierten die drei Broker auf den Druck, den Robinhood aufgebaut hatte. Die Branche verlor damit eine verlässliche Einnahme und baute ihre Modelle ebenfalls stärker auf Zinsen und Orderfluss um. Für Kunden wurde der sichtbare Preis klarer, die Frage, wer eigentlich wofür bezahlt, dagegen undurchsichtiger.
Schließlich trifft das Modell die Beschäftigten. Im Juni 2026 kündigte Robinhood an, rund zehn Prozent der Stellen abzubauen, in einem Quartal mit Rekordumsatz. Ende 2025 zählte das Unternehmen rund 2.900 Vollzeitkräfte, ein Viertel weniger als 2021. Die Kosten des Abbaus bezifferte Robinhood auf umgerechnet rund 25 Millionen Euro, ein Bruchteil des Quartalsgewinns. Die meiste Wertschöpfung fließt an Aktionäre und Handelspartner. Für Menlo Park, den Sitz des Konzerns, spielt Robinhood als Arbeitgeber eine kleinere Rolle als der Nachbar Meta.
Robinhood verdient an der Unruhe seiner Kunden: 47 Prozent des Umsatzes zahlen Market Maker und Börsen für die Aufträge der Kunden. Ein Kunde, der sein Depot zehn Jahre lang liegen lässt, bringt dem Konzern kaum mehr als die Zinsen auf sein Bargeld.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie politisch ist Robinhood?

Robinhood ist politisch gut vernetzt: Der Konzern verwaltet als Treuhänder die neuen Trump Accounts für Kinder, streitet vor Gericht mit Bundesstaaten um Sportkontrakte und hat in der Vergangenheit auf Druck der Aufseher Strafen und Entschädigungen von zusammen umgerechnet rund 159 Millionen Euro gezahlt.
Am deutlichsten zeigt sich die Nähe zur US-Regierung bei den Trump Accounts. Das US-Finanzministerium wählte Robinhood als Broker und anfänglichen Treuhänder für die staatlich geförderten Kinderdepots, gemeinsam mit der Bank BNY. Vom Start am 4. Juli 2026 bis Ende Juli gingen mehr als sieben Millionen Anmeldungen und umgerechnet rund 1,33 Milliarden Euro Einzahlungen ein. Robinhood erhält dafür Servicegebühren, die bereits im zweiten Quartal die sonstigen Erlöse erhöhten. Der Staatsauftrag bringt Millionen Kinder als künftige Kunden in die Nähe der App.
Das Verhältnis zur Aufsicht war über Jahre angespannt. Nach der SEC-Strafe von 2020 verhängte die Selbstregulierungsorganisation FINRA im Juni 2021 eine Strafe und Entschädigungen von zusammen umgerechnet 61,6 Millionen Euro, damals die höchste in ihrer Geschichte. Im Januar 2025 zahlten zwei Robinhood-Gesellschaften der SEC weitere 39,8 Millionen Euro wegen mehr als zehn Verstößen, unter anderem bei Leerverkaufsregeln und Cybersicherheit. Unter der neuen US-Regierung hat sich der Ton geändert: Die Bundesaufsicht für Terminmärkte, die CFTC, verklagt inzwischen selbst Bundesstaaten, die gegen Ereigniskontrakte vorgehen.
| Bundesstaat | Stand im Streit um Sportkontrakte |
|---|---|
| Nevada | keine neuen Sportkontrakte seit Dezember 2025, Berufung verloren, Antrag beim Supreme Court am 10.09.2026 |
| New Jersey | einstweilige Verfügung zugunsten von Robinhood; Berufungsgericht gab im April 2026 dem Konkurrenten Kalshi recht |
| Massachusetts | Klage von Robinhood als verfrüht abgewiesen, Berufung anhängig |
| Michigan | einstweilige Verfügung im Juni 2026 abgelehnt, Berufung anhängig |
| Washington | Bundesstaat verzichtet bis zur Entscheidung des Berufungsgerichts auf Durchsetzung |
Die Rechtsprechung ist uneinheitlich. Ein Bundesberufungsgericht in Philadelphia entschied im April 2026 mit zwei zu einer Stimme zugunsten von Kalshi, das Berufungsgericht in San Francisco kam am 28. August einstimmig zum gegenteiligen Ergebnis: Sportkontrakte fielen nicht unter die ausschließliche Bundesaufsicht für Termingeschäfte, die Glücksspielaufsicht der Staaten bleibe zuständig. Robinhood und weitere Anbieter wollen den Streit deshalb vom Supreme Court klären lassen. Für Robinhood stehen die Ereigniskontrakte auf dem Spiel, die im zweiten Quartal 12 Prozent des Umsatzes ausmachten.
Beim Lobbying bleibt Robinhood unauffällig. Eine Jahressumme veröffentlicht das Unternehmen nicht, die Pflichtmeldungen weisen laut einer Auswertung von Quiver Quantitative für einzelne Quartale 2025 sechsstellige Beträge aus, darunter rund 327.000 Euro in einem Quartal. Rechtlich ist das Unternehmen im US-Bundesstaat Delaware eingetragen, der Hauptsitz liegt in Menlo Park in Kalifornien. Das EU-Geschäft läuft über die litauische Gesellschaft Robinhood Europe UAB unter Aufsicht der Bank of Lithuania.
Auch in Europa eckte Robinhood an. Im Juni 2025 startete das Unternehmen in der EU Aktien-Token, also Derivate, die den Kurs von US-Aktien nachbilden, darunter Token auf nicht börsennotierte Firmen wie OpenAI. Laut Reuters distanzierte sich OpenAI öffentlich davon, und die litauische Zentralbank bat um Erläuterungen. Robinhood vermarktet die Token als Zugang zu US-Aktien, rechtlich erwirbt der Kunde aber keine Aktie, sondern einen Anspruch gegen Robinhood. Die PR-Formel vom „Demokratisieren der Finanzwelt“ hat damit eine Lücke, bei der sich in Europa genaues Hinsehen lohnt.
- Trump Accounts: Robinhood ist Broker und Treuhänder der staatlichen Kinderdepots
- Strafen: SEC 2020, FINRA 2021 und SEC 2025 summieren sich auf rund 159 Millionen Euro
- Sportkontrakte: zwei Berufungsgerichte, zwei Ergebnisse, jetzt soll der Supreme Court entscheiden
Was könnte Robinhood zu Fall bringen?

Robinhood ist an vier Stellen verwundbar: bei einem Krypto- und Börsenabschwung, einem Verbot der Sportkontrakte, schärferen Regeln für Rückvergütungen und sinkenden Leitzinsen. Treffen mehrere davon gleichzeitig ein, schrumpft der Umsatz schneller als die Kosten.
Der Kryptozyklus hat bereits zugeschlagen. Im ersten Halbjahr 2026 fielen die Kryptoerlöse um 43 Prozent, im August lag das Kryptovolumen in der App 38 Prozent unter dem Vorjahr. Ereigniskontrakte haben die Lücke bisher mehr als gefüllt. Robinhood hängt aber an der Risikobereitschaft seiner Kunden: Optionen, Krypto, Ereigniskontrakte und Wertpapierkredite wachsen in Phasen der Euphorie und schrumpfen im Abschwung. Ein Börsenrückgang wie 2022 würde fast alle Erlösquellen gleichzeitig treffen.
Das juristische Risiko konzentriert sich auf die Sportkontrakte. Entscheidet der Supreme Court gegen die Anbieter, können Bundesstaaten den Handel verbieten oder lizenzpflichtig machen, und ein Erlösstrom von zuletzt 138 Millionen Euro im Quartal gerät unter Druck. Hinzu kommen mehrere Sammelklagen von Kunden, die seit April 2026 eingereicht wurden. Bei den Rückvergütungen sieht Robinhood selbst eine besondere Verwundbarkeit: Laut Jahresbericht träfen Regeländerungen das Unternehmen überproportional, weil Wettbewerber weniger davon abhängen.
Sinkende Leitzinsen verringern die Erträge aus dem Bargeld der Kunden, die Zinsen auf Bankguthaben sind schon im zweiten Quartal um 32 Prozent gefallen. Citadel Securities steht für 16 Prozent des Umsatzes, ein Ausfall dieses Großkunden oder schlechtere Konditionen nach einer Neuverhandlung wären schmerzhaft. Beim Gemeinschaftsunternehmen Rothera fehlt Robinhood laut Quartalsbericht die volle operative Kontrolle, und für die Aktien-Token ist offen, ob die SEC sie als Wertpapiere einstuft.
| Szenario bis 2031 | Annahmen | Folgen für das Modell |
|---|---|---|
| Plattform-Konzern | Supreme Court erlaubt Sportkontrakte bundesweit, Börsen bleiben fest | Ereigniskontrakte und Kredite wachsen weiter, Robinhood wird Broker, Bank und Wettbörse zugleich |
| Zinsbank mit Handels-App | Sportkontrakte stark eingeschränkt, Zinsen sinken moderat | Wachstum über Einlagen, Altersvorsorge und Gold, geringere Margen |
| Zyklus-Opfer | Börsenabschwung, Kryptowinter, schärfere Regeln für Rückvergütungen | Umsatz fällt deutlich, Stellenabbau und Rückkehr in die Verlustzone möglich |
Unsere Einschätzung: Das zweite Szenario ist das wahrscheinlichste. Robinhood hat in drei Jahren bewiesen, dass sich aus einer Spekulations-App ein profitabler Finanzkonzern bauen lässt. Das Unternehmen wird die Abhängigkeit von Kunden, die gern handeln, aber nicht los, egal wie viele Produkte dazukommen. Die Analysten von Bernstein rechnen laut Motley Fool bei den Ereigniskontrakten mit einem jährlichen Wachstum von 64 Prozent. Solche Prognosen stehen und fallen mit dem Urteil des obersten Gerichts, das noch aussteht.
- Zyklus: Kryptoerlöse im ersten Halbjahr 2026 um 43 Prozent gefallen
- Recht: Sportkontrakte hängen an einer Entscheidung des Supreme Court
- Konzentration: Citadel Securities steht für 16 Prozent des Umsatzes
Was bedeutet Robinhood für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für deutsche Verbraucher ist Robinhood vor allem ein Krypto- und Derivateanbieter, kein Ersatz für ein Depot. Für deutsche Finanzunternehmen ist Robinhood ein Lehrstück dafür, wie ein Broker ohne Rückvergütungen auskommt, denn genau diese sind in der EU seit Juli 2026 verboten.
Die EU hat mit der Reform der Finanzmarktverordnung MiFIR Rückvergütungen für die Weiterleitung von Privatkundenorders untersagt. Deutschland hatte eine Übergangsfrist genutzt, die am 30. Juni 2026 ablief. Vom Verbot betroffen sind vor allem Neobroker wie Trade Republic, das zuletzt über zehn Millionen Kunden und 150 Milliarden Euro Kundenvermögen meldete. Robinhood selbst war hier nie auf dieses Modell angewiesen: In der EU verlangt der Konzern offene Gebühren, etwa 0,95 Prozent je Kryptogeschäft und 0,10 Prozent für den Währungsumtausch bei Aktien-Token.
Für deutsche Anleger lohnt der Blick ins Kleingedruckte. Aktien-Token sind Derivate, die den Kurs einer US-Aktie nachbilden; Stimmrecht und echte Aktionärsstellung fehlen. Vertragspartner ist Robinhood Europe UAB in Litauen, keine deutsche Depotbank. Die Kryptogebühr von 0,95 Prozent fällt bei Kauf und Verkauf an, ein Hin- und Rückgeschäft kostet also knapp zwei Prozent. Anleger, die Kryptowährungen und US-Aktien in einer App bündeln wollen, finden Alternativen bei europäischen Anbietern, etwa bei der Londoner Neobank Revolut, die Konto, Aktienhandel und Krypto kombiniert. Ein Vergleich der Gesamtkosten lohnt sich vor jedem Wechsel.
Für deutsche Unternehmen ist Robinhood in drei Rollen relevant. Deutsche Neobroker stehen in der EU im direkten Wettbewerb mit Robinhood, das mit seinen Token bislang US-Aktien und US-Fonds abbildet. Fintechs und Banken sehen an Robinhood, wie weit sich Zinserträge auf Kundengeld, Kredite und Abos ausbauen lassen, sobald der Orderfluss als Erlösquelle wegfällt. Und Sportvereine, Wettanbieter und Medienhäuser beobachten, ob das Modell der Ereigniskontrakte nach Europa schwappt, wo Sportwetten streng reguliert sind.
| Szenario für die nächsten 12 Monate | Was passiert | Was das für deutsche Leser heißt |
|---|---|---|
| Optimistisch | Supreme Court stützt die Bundesaufsicht, Kryptomarkt erholt sich, 24/7-Handel startet | Robinhood baut das EU-Angebot aus, mehr Wettbewerb bei Gebühren für Krypto und Token |
| Realistisch | Rechtsstreit bleibt offen, Zinsen sinken leicht, Wachstum über Einlagen und Gold | EU-Angebot bleibt auf Krypto, Token und Terminkontrakte beschränkt |
| Pessimistisch | Urteil gegen Sportkontrakte, Börsenkorrektur, neue Aufsichtsfragen zu Aktien-Token | Robinhood fährt das Auslandsgeschäft zurück, Token-Inhaber tragen das Gegenparteirisiko |
Die Quartalszahlen am 27. Oktober 2026 werden zeigen, ob die Ereigniskontrakte den schwachen Kryptohandel weiter ausgleichen. Verbraucher sollten vor einem Einstieg prüfen, ob sie eine echte Aktie oder nur ein Derivat kaufen und welche Gebühr pro Geschäft anfällt. Unternehmen im Finanzsektor sollten Robinhood als Frühindikator beobachten: Was der Konzern in den USA ausprobiert, landet mit einigen Jahren Verzug oft auch bei europäischen Neobrokern.
- Vertragspartner: Robinhood Europe UAB in Litauen, keine deutsche Depotbank
- Kosten: Ein Hin- und Rückgeschäft in Krypto kostet knapp zwei Prozent
- Branche: Seit Juli 2026 müssen auch deutsche Neobroker ohne Rückvergütungen auskommen
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zum Robinhood-Geschäftsmodell

Aktien-Token
Aktien-Token: Digitales Derivat, das den Kurs einer Aktie nachbildet, ohne dass der Käufer die Aktie selbst erwirbt. Stimmrecht und Aktionärsstellung fehlen, der Anspruch richtet sich gegen den Emittenten. Robinhood bietet solche Token seit Juni 2025 Kunden in der EU an.
ARPU
ARPU (Average Revenue per User): Durchschnittlicher Umsatz je Kunde in einem Zeitraum. Robinhood teilt dafür den Umsatz durch die durchschnittliche Zahl der Kunden mit Guthaben. Im zweiten Quartal 2026 lag der Wert hochgerechnet aufs Jahr bei umgerechnet 166 Euro.
Bereinigtes EBITDA
Bereinigtes EBITDA: Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, zusätzlich bereinigt um Sondereffekte und aktienbasierte Vergütung. Die Kennzahl zeigt die operative Ertragskraft ohne Bilanzeffekte. Robinhood erreichte im zweiten Quartal 2026 eine Marge von 57 Prozent.
Cash Sweep
Cash Sweep: Verfahren, bei dem ein Broker nicht investiertes Bargeld der Kunden automatisch auf Konten bei Partnerbanken verteilt. Der Broker erhält dafür Zinsen und gibt einen Teil an die Kunden weiter. Die Differenz ist ein wichtiger Ertrag im Zinsgeschäft.
Ereigniskontrakt
Ereigniskontrakt: Börsengehandelter Kontrakt, der bei Eintritt eines bestimmten Ereignisses einen festen Betrag auszahlt und sonst wertlos verfällt. Typische Ereignisse sind Sportergebnisse, Wahlausgänge oder Konjunkturdaten. In den USA beaufsichtigt die CFTC die Handelsplätze, mehrere Bundesstaaten bestreiten deren alleinige Zuständigkeit.
Lock-in-Effekt
Lock-in-Effekt: Bindung von Kunden an einen Anbieter, weil ein Wechsel Geld, Zeit oder Vorteile kostet. Bei Brokern entsteht der Effekt seltener durch Gebühren als durch Zugaben wie Zinsen oder Einzahlungszuschüsse. Diese gehen bei einem Wechsel verloren.
Margin-Kredit
Margin-Kredit: Kredit eines Brokers an Kunden, besichert mit deren Wertpapieren, um zusätzliche Wertpapiere zu kaufen. Fallen die Kurse, muss der Kunde nachschießen oder der Broker verkauft Positionen. Robinhood verlieh Ende Juni 2026 umgerechnet 19,1 Milliarden Euro auf diese Weise.
Market Maker
Market Maker: Handelshaus, das laufend verbindliche Kauf- und Verkaufskurse für Wertpapiere stellt und an der Spanne dazwischen verdient. Market Maker sorgen für Liquidität, zahlen in den USA aber auch Brokern für deren Orderfluss. Größter Partner von Robinhood ist Citadel Securities.
MiFIR
MiFIR: EU-Verordnung über Märkte für Finanzinstrumente, die Transparenz und Handel an Finanzmärkten regelt. Die Reform von 2024 verbietet Rückvergütungen für die Weiterleitung von Privatkundenorders. Die letzten nationalen Ausnahmen, darunter die deutsche, endeten am 30. Juni 2026.
Payment for Order Flow
Payment for Order Flow (PFOF): Zahlung eines Market Makers an einen Broker dafür, dass dieser ihm die Orders seiner Kunden zur Ausführung weiterleitet. Das Modell ermöglicht provisionsfreien Handel. Kritiker bemängeln den Interessenkonflikt bei der Wahl des Handelsplatzes.
Spread
Spread: Differenz zwischen dem Kurs, zu dem sich ein Wertpapier kaufen lässt, und dem Kurs, zu dem sich das Papier verkaufen lässt. Je größer der Spread, desto teurer ist ein Geschäft für den Anleger. Bei provisionsfreien Brokern versteckt sich ein Teil der Handelskosten in dieser Spanne.
Wertpapierleihe
Wertpapierleihe: Verleih von Aktien gegen Gebühr, meist an Leerverkäufer, die auf fallende Kurse setzen. Broker verleihen dabei Wertpapiere ihrer Kunden, sofern diese zustimmen, und teilen die Erträge. Bei Robinhood brachte das Geschäft 2025 umgerechnet 168 Millionen Euro.
FAQ: Robinhood Geschäftsmodell

Wie verdient Robinhood Geld, wenn der Handel kostenlos ist?
Robinhood erhält von Market Makern wie Citadel Securities Zahlungen dafür, dass der Broker ihnen die Orders der Kunden weiterleitet. Hinzu kommen Zinsen auf Wertpapierkredite und Kundenguthaben sowie Gebühren für das Gold-Abo, Krypto und Ereigniskontrakte. Im zweiten Quartal 2026 stammten 59 Prozent des Umsatzes aus Transaktionen.
Kann man Robinhood in Deutschland nutzen?
Ja, aber nur eingeschränkt. Über die litauische Gesellschaft Robinhood Europe UAB bietet Robinhood in der EU Kryptohandel, Aktien-Token und Terminkontrakte an. Ein klassisches Aktiendepot wie in den USA fehlt in Deutschland.
Ist Robinhood profitabel?
Ja. Robinhood erzielte 2025 einen Nettogewinn von umgerechnet 1,67 Milliarden Euro bei 3,96 Milliarden Euro Umsatz. Im zweiten Quartal 2026 lag der Nettogewinn bei 507 Millionen Euro, darin enthalten ist ein Sondergewinn von rund 114 Millionen Euro.
Wem gehört Robinhood?
Robinhood ist seit Juli 2021 an der Nasdaq notiert und gehört seinen Aktionären. Die Gründer Vlad Tenev und Baiju Bhatt sichern sich über Aktien der Klasse B mit zehnfachem Stimmrecht überproportionalen Einfluss. Seit September 2025 ist die Aktie im S&P 500 gelistet.
Was kostet Robinhood Gold?
Robinhood Gold kostet in den USA umgerechnet 4,43 Euro im Monat. Abonnenten erhalten unter anderem 3,6 Prozent Zinsen auf Bargeld, einen Zuschuss von 3 Prozent auf Einzahlungen in die Altersvorsorge und Zugang zur Gold Card mit 3 Prozent Rückvergütung. Ende Juni 2026 zählte Robinhood 4,84 Millionen Gold-Kunden.
Was passierte bei Robinhood während des GameStop-Hypes?
Am 28. Januar 2021 schränkte Robinhood den Kauf von GameStop und anderen stark gestiegenen Aktien ein. Die Clearingstelle hatte ihre Sicherheitsforderung kurzfristig auf umgerechnet rund 3,3 Milliarden Euro angehoben. Robinhood sammelte binnen Tagen rund 3 Milliarden Euro bei Investoren ein, Vorstandschef Vlad Tenev musste vor dem US-Kongress aussagen.
Quellen
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Robinhood Markets, Inc. | Jahresbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (18.02.2026) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1783879/000178387926000023/hood-20251231.htm | besucht am 02.10.2026
Robinhood Markets, Inc. | Ergebnismitteilung viertes Quartal und Gesamtjahr 2025 (10.02.2026) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1783879/000178387926000013/q42025robinhoodexhibit991.htm | besucht am 02.10.2026
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Nasdaq | Historische Kurse HOOD (abgerufen 02.10.2026) | https://api.nasdaq.com/api/quote/HOOD/historical?assetclass=stocks&fromdate=2026-09-20&todate=2026-10-02 | besucht am 02.10.2026
Europäische Zentralbank | Euro-Referenzkurse | https://www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/euro_reference_exchange_rates/ | besucht am 02.10.2026
