Das Geschäftsmodell von Klarna beginnt mit einem Versprechen an der Ladenkasse: heute kaufen und in 30 Tagen ohne Zinsen zahlen. Trotzdem nahm der schwedische Zahlungsanbieter 2025 umgerechnet 3,08 Milliarden Euro ein und schrieb im zweiten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 8 Millionen Euro. Das Geld dafür kommt von einer Seite, die an der Kasse kaum jemand bemerkt.

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Klarna legte am 18. August 2026 das profitabelste Quartal seit dem Börsengang vor, und die Aktie verlor am selben Tag 22,8 Prozent. Der Umsatz stieg um 27 Prozent auf 914 Millionen Euro, der Nettogewinn verbesserte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 54 Millionen Euro. Gleichzeitig senkte der Vorstand die Jahresprognose für das Zahlungsvolumen, weil sich ausgerechnet der größte Markt schwach entwickelt: Deutschland. Am 25. September notierte das Papier bei umgerechnet 11,23 Euro, 68 Prozent unter dem Ausgabepreis vom September 2025.

Konzernchef Sebastian Siemiatkowski kaufte am 26. August eigene Aktien für 8,7 Millionen Euro, Finanzchef Niclas Neglén wechselt Anfang 2027 zum Zahlungsabwickler Adyen. Zwischen Rekordzahlen und Kurssturz liegt die Frage, die diese Analyse beantwortet: Woraus zieht Klarna seine Marge, wer zahlt für den zinsfreien Kauf auf Rechnung, und was bedeutet das Modell für Händler und Verbraucher in Deutschland?

Das Wichtigste in Kürze

  • Klarna setzte im zweiten Quartal 2026 umgerechnet 914 Millionen Euro um, bei einem Zahlungsvolumen von 32,1 Milliarden Euro, und verdiente netto 8 Millionen Euro nach einem Verlust im Vorjahresquartal.
  • Händler zahlen gut zwei Drittel der Erlöse als Gebühr je Einkauf, ein Viertel stammt aus Zinsen, der Rest aus dem Verkauf von Kreditforderungen.
  • Ein Klarna-Kredit läuft im Schnitt nur rund 40 Tage, die Kreditrisikovorsorge lag zuletzt bei 0,52 Prozent des Volumens.
  • Deutschland ist nach Volumen der größte Markt und brachte 2025 fast ein Viertel der Erträge, Mahngebühren summierten sich konzernweit auf rund 227 Millionen Euro.
  • Ab dem 20. November 2026 fällt der Kauf auf Rechnung unter das Verbraucherkreditrecht, samt Pflicht zur Bonitätsprüfung.

Fünf Fragen zum Kauf auf Rechnung

Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Wie gut kennen Sie das Geschäftsmodell von Klarna?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Wie viel Umsatz erzielte Klarna im zweiten Quartal 2026 im Schnitt je 100 Euro Zahlungsvolumen? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Die Take Rate lag bei 2,84 Prozent, ein Jahr zuvor bei 2,64 Prozent. Die Aufschlüsselung steht im Kapitel zum Erlösmodell.
2 Welches Land ist für Klarna nach Zahlungsvolumen der größte Markt? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Klarna nennt Deutschland ausdrücklich den größten Markt nach Volumen und begründete die gesenkte Jahresprognose mit der deutschen Konsumschwäche.
3 Wie viel nahm Klarna 2025 konzernweit mit Mahngebühren ein? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Der Jahresbericht der Klarna Holding weist die Mahngebühren als Teil der Verbrauchererträge aus, umgerechnet rund 227 Millionen Euro.
4 Wie lange läuft ein Klarna-Kredit im Durchschnitt? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Das Kreditbuch dreht sich rund zehnmal im Jahr. Die kurze Laufzeit hält das Risiko und den Kapitalbedarf niedrig.
5 Wie weit lag die Klarna-Aktie am 25. September 2026 unter dem Ausgabepreis vom September 2025? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Ausgegeben wurde die Aktie zu umgerechnet 35,08 Euro, am 25. September notierte sie bei 11,23 Euro.

Wer steckt hinter Klarna und wie fing alles an?

Klarna entstand 2005 in Stockholm als Kreditor, gegründet von den drei Studenten der Handelshochschule Stockholm, Sebastian Siemiatkowski, Niklas Adalberth und Victor Jacobsson. Die Idee: Onlinekunden zahlen erst nach Erhalt der Ware, das Risiko übernimmt ein Dienstleister, nicht der Händler.

Die Gründungsgeschichte, wie sie Siemiatkowski seit Jahren erzählt, beginnt mit einer Niederlage. Beim Gründerwettbewerb der Handelshochschule landete die Idee auf dem letzten Platz, die Jury hielt den Rechnungskauf für ein Geschäft, das die Banken selbst übernehmen würden. Belege für diesen Wettbewerb existieren nicht, die Anekdote ist Gründerüberlieferung. Belegt ist dagegen, was aus der Idee wurde: ein Rechnungskauf für Onlineshops, bei dem Kreditor dem Händler das Geld sofort überweist und den Kunden später zur Kasse bittet. Viele Onlinekunden scheuten sich damals, eine Kartennummer ins Netz zu tippen, und genau diese Zurückhaltung wollten die Gründer in Umsatz verwandeln.

Programmieren konnte keiner der drei Gründer. Das erste Geld kam von der Privatinvestorin Jane Walerud, die umgerechnet rund 53.000 Euro für zehn Prozent der Firma bot und den jungen Unternehmern Entwickler vermittelte. Kreditor startete mit einer Handvoll schwedischer Shops und einem Angebot, das für Händler einfach klang: mehr Abschlüsse im Warenkorb, kein Zahlungsausfall auf der eigenen Rechnung. Das Risiko säumiger Kunden lag nun beim jungen Dienstleister, der dafür eine Gebühr auf jeden Kauf verlangte.

Die Umbenennung in Klarna folgte 2010, im selben Jahr stieg der Wagniskapitalgeber Sequoia ein. Der neue Name sollte für einen Bezahlvorgang ohne Formulare und ohne Kartennummer stehen. Sequoia investierte über die Jahre umgerechnet rund 440 Millionen Euro und stellte mit Michael Moritz später den Aufsichtsratschef. Die drei Gründer gingen getrennte Wege. Adalberth stieg 2016 aus, Jacobsson schied bereits 2012 aus dem Tagesgeschäft aus und blieb als Großaktionär im Hintergrund.

Aus einem Rechnungsdienst für Onlineshops wurde eine schwedische Bank mit Vollbanklizenz, einer Debitkarte in 16 Ländern, einem Abo-Programm, Handytarifen in den USA und einer Shopping-App mit mehr als 100 Millionen Produkten. Der Kern blieb erstaunlich stabil: Klarna verdient am Einkauf, nicht am Kredit, und bezeichnet sich selbst als „spend-centric, not lend-centric“. Ob dieser Satz die Bilanz beschreibt oder die Wunschvorstellung der Investoren, zeigt das Erlösmodell im dritten Kapitel.

Mit Deutschland verbindet Klarna eine besondere Geschichte, denn hierzulande hat der Kauf auf Rechnung eine Tradition wie in kaum einem anderen Land. Versandhändler wie Otto und Quelle lieferten jahrzehntelang gegen Rechnung, deutsche Onlinekunden nahmen diese Gewohnheit mit ins Netz. Klarna fand damit einen Markt vor, in dem das eigene Produkt keine Erklärung brauchte. Die Schweden mussten den Deutschen nicht beibringen, später zu zahlen, sondern nur, das über einen Dienstleister zu tun.

Auf den PunktEin Rechnungsdienst mit Bankambition
  • Start: 2005 in Stockholm als Kreditor, finanziert mit rund 53.000 Euro einer Privatinvestorin
  • Idee: Händler bekommen ihr Geld sofort, Kunden zahlen nach Erhalt der Ware
  • Deutschland: Klarna trifft auf eine Rechnungskultur aus der Zeit der Versandhauskataloge

Wie wurde aus Kreditor ein Zahlungsimperium?

Drei gestapelte weiße Kartons mit einem kleinen orangefarbenen Fähnchen oben
Über Sofort, BillPay, eine Banklizenz und den Börsengang in New York wuchs Klarna zum Zahlungsriesen.

Den Sprung schaffte Klarna über Zukäufe in Deutschland, eine Banklizenz 2017 und die Expansion in die USA, wo das Modell als „Buy now, pay later“ zum Massenprodukt wurde. Heute zählt Klarna 120 Millionen aktive Kunden und 1,2 Millionen Händler.

Der Schritt nach Deutschland führte nach Gauting bei München. 2014 schloss Klarna die Übernahme der Sofort AG ab, deren Sofortüberweisung damals an vielen deutschen Onlinekassen stand. Klarna gewann damit Händlerverträge, Bankschnittstellen und eine technische Basis im wichtigsten Rechnungskauf-Markt Europas. 2017 folgte der Berliner Rechnungsdienst BillPay, eine Gründung aus dem Umfeld von Rocket Internet, für umgerechnet rund 70 Millionen Euro. Klarna bezifferte den Zuwachs durch BillPay damals auf 12 Millionen Kunden und 5.000 Onlineshops.

Im Juni 2017 erteilte die schwedische Finanzaufsicht Finansinspektionen die Vollbanklizenz. Aus dem Zahlungsdienstleister wurde eine Bank, die Einlagen annehmen und sich damit günstiger refinanzieren durfte als über Kreditlinien anderer Institute. Dieser Schritt wirkt bis heute nach: Mitte 2026 stammten 88 Prozent der Refinanzierung aus Kundeneinlagen, umgerechnet 10,3 Milliarden Euro. Die Banklizenz machte den Rechnungskauf billiger, weil das Geld, das Klarna den Händlern vorstreckt, zum größten Teil von Sparern stammt.

Parallel begann der Angriff auf die USA. Dort hieß das Modell „Buy now, pay later“ und traf während der Pandemie auf eine Generation, die Kreditkarten misstraute. Die Bewertung stieg im Juni 2021 auf umgerechnet 40 Milliarden Euro, angetrieben von Nullzinsen und Onlinehandel. Ein Jahr später, bei steigenden Zinsen, sammelte Klarna frisches Kapital bei einer Bewertung von nur noch 5,9 Milliarden Euro ein, ein Abschlag von 85 Prozent. Der Konzern schwenkte vom Wachstum um jeden Preis auf Profitabilität um und begann, Stellen abzubauen.

Vom Rechnungsdienst zur Bank
Acht Stationen, die Klarna geprägt haben
Gründung, Zukäufe, Bewertungssprünge und Börsengang von 2005 bis 2026.
  • 2005

    Gründung als Kreditor in Stockholm

    drei Studenten der Handelshochschule, Startkapital rund 53.000 € für zehn Prozent

  • 2010

    Umbenennung in Klarna, Einstieg von Sequoia

    insgesamt rund 440 Mio. € Investition über die Jahre

  • 2014

    Übernahme der Sofort AG aus Gauting

    Sofortüberweisung und Zugang zum deutschen Onlinehandel

  • 2017

    Vollbanklizenz und Kauf von BillPay

    rund 70 Mio. € für den Berliner Rechnungsdienst

  • 2021

    Bewertung von rund 40 Mrd. €

    Höhepunkt des Booms bei Nullzinsen

  • 2022

    Finanzierungsrunde bei 5,9 Mrd. €

    Abschlag von 85 Prozent, Beginn des Stellenabbaus

  • 2025

    Börsengang in New York

    Ausgabepreis 35,08 €, Bewertung 13,2 Mrd. €

  • 2026

    Nettogewinn von 8 Mio. € im zweiten Quartal

    danach Kurssturz um 22,8 Prozent an einem Tag

Der Stellenabbau wurde zum zweiten Markenzeichen. 2022 beschäftigte Klarna im Jahresschnitt 6.011 Vollzeitkräfte, 2025 noch 3.028. Ende 2025 standen 2.795 Menschen auf der Gehaltsliste, davon 696 in Deutschland nach 876 ein Jahr zuvor. Siemiatkowski begründet den Abbau offensiv mit künstlicher Intelligenz: Ein KI-Assistent erledigte schon 2024 die Arbeit von 700 Servicekräften. Der Umsatz je Beschäftigten stieg 2025 auf umgerechnet 1,09 Millionen Euro, das Dreieinhalbfache des Werts von 2022. Klarna baute Personal vor allem über ausbleibende Neueinstellungen und natürliche Fluktuation ab.

Der Börsengang folgte am 10. September 2025 in New York. Klarna platzierte Aktien zu umgerechnet 35,08 Euro, über der geplanten Spanne, und wurde mit 13,2 Milliarden Euro bewertet. Am ersten Handelstag stieg das Papier um rund 15 Prozent. Die Konzernmutter Klarna Group plc sitzt seitdem in Großbritannien, das operative Geschäft läuft weiter über die schwedische Bank. Ein Jahr nach dem Börsengang war der Konzern an der Börse noch 4,25 Milliarden Euro wert, weniger als ein Drittel des Ausgabewerts.

Gemessen an Kunden und Händlern ist Klarna heute ein Riese. 120 Millionen Menschen nutzten den Dienst im zweiten Quartal 2026, 1,208 Millionen Händler boten ihn an, 54 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Zahlungsvolumen erreichte 2025 umgerechnet 112,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der börsennotierte US-Konkurrent Affirm kam im Quartal bis Ende Juni auf ein Zahlungsvolumen von 12,4 Milliarden Euro, Klarna auf gut das 2,6-Fache. Die Größe hat Klarna allerdings nicht vor dem Kursverfall geschützt, weil Anleger an der Kreditqualität zweifeln.

Auf den PunktWachstum über Zukäufe, Lizenz und Börse
  • Deutschland: Sofort 2014 und BillPay 2017 brachten Händler und Kunden im wichtigsten Rechnungsmarkt
  • Refinanzierung: die Banklizenz von 2017 macht Sparer zu Geldgebern des Zahlungsziels
  • Börse: Ausgabewert 13,2 Mrd. €, ein Jahr später 4,25 Mrd. €

Wie verdient Klarna tatsächlich sein Geld?

Ein weißes Sparschwein mit orangefarbenem Ring und einem Holzschild mit der Aufschrift „HÄNDLER“
Gut zwei Drittel des Umsatzes stammen aus Händlergebühren, ein Viertel aus Zinsen.

Klarna verdient vor allem an Gebühren der Händler, die für jeden Einkauf mit Klarna zahlen. Im zweiten Quartal 2026 stammten 68 Prozent des Umsatzes aus Transaktions- und Servicegebühren, 26 Prozent aus Zinsen und 7 Prozent aus dem Verkauf von Kreditforderungen.

Drei Quellen, eine dominiert

Klarna weist seinen Umsatz in drei Blöcken aus. Die Transaktions- und Serviceerlöse lagen im zweiten Quartal 2026 bei umgerechnet 620 Millionen Euro, die Zinserträge bei 233 Millionen Euro, der Gewinn aus dem Verkauf von Forderungen bei 61 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2025 kamen 2,19 Milliarden Euro aus Gebühren, 822 Millionen Euro aus Zinsen und 64 Millionen Euro aus Forderungsverkäufen. Das Verhältnis hat sich verschoben: 2025 lieferten die Gebühren 71 Prozent, im zweiten Quartal 2026 nur noch 68 Prozent. Der Zinsanteil wächst, weil Klarna mehr Ratenkredite für teure Einkäufe vergibt.

Genauer wird die Aufteilung im Jahresbericht der schwedischen Klarna Holding. Dort stehen für 2025 Nettoerträge von umgerechnet 2,63 Milliarden Euro, aufgeteilt in vier Posten. Die Erträge von Händlern und Partnern beliefen sich auf 1,68 Milliarden Euro, 64 Prozent. Auf Nettozinserträge entfielen 457 Millionen Euro (17 Prozent), auf Einnahmen von Verbrauchern 344 Millionen Euro (13 Prozent) und auf sonstige Erträge 148 Millionen Euro. Unter den Händlererträgen fasst Klarna Gebühren je Kauf, Interchange-Erlöse der Klarna Card und Werbeumsätze zusammen, etwa für gesponserte Suchtreffer in der App.

Erlösquellen
Woher der Umsatz von Klarna stammt
Oben die Umsatzarten im zweiten Quartal 2026, unten die Nettoerträge 2025 nach Ländern.
  • Transaktions- und Servicegebühren620 Mio. € (68 %)
  • Zinserträge233 Mio. € (26 %)
  • Verkauf von Forderungen61 Mio. € (7 %)
  • Umsatz gesamt914 Mio. €
  • USA908 Mio. € (35 %)
  • Deutschland599 Mio. € (23 %)
  • Großbritannien331 Mio. € (13 %)
  • Schweden303 Mio. € (12 %)
  • Übrige Länder487 Mio. € (19 %)

Anschaulich wird die Rechnung am einzelnen Einkauf. Je 100 Euro Zahlungsvolumen nahm Klarna im zweiten Quartal 2026 im Schnitt 2,84 Euro ein, ein Jahr zuvor 2,64 Euro. Diese Take Rate enthält alle drei Erlösquellen. Den Löwenanteil zahlt der Händler, der Kunde zahlt beim zinsfreien Kauf in 30 Tagen oder beim Kauf in drei Raten nichts, solange er pünktlich überweist. Erst bei längeren Ratenkäufen, beim Abo oder beim Zahlungsverzug stellt Klarna dem Kunden selbst etwas in Rechnung.

Erlösquelle (Klarna Holding, 2025) Betrag Anteil
Erträge von Händlern und Partnern (Gebühren, Interchange, Werbung) 1,68 Mrd. € 64 %
Nettozinserträge 457 Mio. € 17 %
Erträge von Verbrauchern (Mahngebühren, Abos, Verwaltungsgebühren) 344 Mio. € 13 %
Sonstige Erträge 148 Mio. € 6 %
Summe Nettoerträge 2,63 Mrd. € 100 %
Erlösstruktur der Klarna Holding AB nach Jahresbericht 2025 (Nettoerträge nach Provisions- und Zinsaufwand, daher nicht identisch mit dem Konzernumsatz). Beträge in Euro, Umrechnung nach EZB-Referenzkurs vom 25.09.2026.

Das Geld im Kleingedruckten

Ein Posten taucht im Jahresbericht nur in einem Nebensatz auf. Unter den Verbrauchererträgen verbucht Klarna Verwaltungsgebühren, „einschließlich Mahngebühren“, und beziffert diese für 2025 auf umgerechnet rund 227 Millionen Euro. Die Mahngebühren lagen damit mehr als 28-mal so hoch wie der Nettogewinn des profitabelsten Quartals seit dem Börsengang. Klarna betont, das Modell setze auf pünktliche Zahlung, Verzug sei für den Konzern kein Ziel. Die Zahl zeigt trotzdem, wie viel Geld an Säumigkeit hängt.

Zwei weitere versteckte Quellen wachsen schnell. Die Abonnements, bei Klarna „Memberships“ genannt, brachten 2025 erst 25 Millionen Euro, im zweiten Quartal 2026 zählte der Konzern aber schon 2 Millionen zahlende Mitglieder, achtmal so viele wie ein Jahr zuvor. Das Abo kostet eine feste Monatsgebühr und liefert Cashback, Vergünstigungen und in Großbritannien sogar einen Mobilfunktarif. Die zweite Quelle ist die Werbung: Händler zahlen dafür, in der Klarna-App oben zu stehen. Die Werbeumsätze weist Klarna nicht getrennt aus, obwohl der Werbekanal ohne jedes Kreditrisiko auskommt.

Was die Daten wert sind

Aus jedem Einkauf entsteht ein Datensatz: Händler, Warenkorb, Betrag, Zahlungsweg, Zahlungsverhalten. Klarna nutzt diese Daten zuerst für die Bonitätsprüfung in Echtzeit, die bei jedem einzelnen Kauf neu entscheidet, ob ein Kunde auf Rechnung kaufen darf. Je mehr Käufe ein Kunde abgewickelt hat, desto genauer schätzt der Algorithmus das Ausfallrisiko und desto niedriger fallen die Verluste aus. Dieser Datenschatz taucht in keiner Bilanzposition auf, er zeigt sich nur indirekt in der Kreditrisikovorsorge, die von 0,56 auf 0,52 Prozent des Volumens sank.

Die zweite Verwertung der Daten ist die Shopping-Suche. In der Klarna-App durchsuchen Kunden mehr als 100 Millionen Produkte, vergleichen Preise und bekommen Angebote angezeigt. Seit 2026 läuft diese Suche auch als App im Chatbot ChatGPT, und Klarna-Zahlungen sollen in Googles Bezahldienst innerhalb von Suche und Gemini erscheinen. Die Logik folgt dem Vorbild großer Plattformen: Ein Anbieter, bei dem die Kaufentscheidung fällt, kann dem Händler nicht nur die Zahlung, sondern auch den Kunden verkaufen. Klarna rechnet diese Erlöse den Händlererträgen zu.

Warum die USA noch wenig abwerfen

Getrennte Margen für einzelne Produkte veröffentlicht Klarna nicht, wohl aber für Regionen. Entscheidend ist die Transaktionsmarge, also der Umsatz abzüglich Abwicklungskosten, Kreditrisikovorsorge und Refinanzierungskosten. Im zweiten Quartal 2026 erreichte die Kennzahl 391 Millionen Euro, 42,8 Prozent des Umsatzes. Außerhalb der USA lag die Marge bei 54 Prozent, in den reifsten Märkten bei rund 60 Prozent. In den USA blieben nur 23 Prozent, obwohl der dortige Umsatz um 37 Prozent auf 330 Millionen Euro wuchs. Europa finanziert damit den Angriff auf den amerikanischen Markt.

Margen nach Regionen
Europa verdient, die USA holen auf
Transaktionsmarge (Umsatz minus Abwicklung, Kreditausfälle und Refinanzierung) im zweiten Quartal 2026.
  • USA23 % vom Umsatz
  • Alle Märkte außerhalb der USA54 % vom Umsatz
  • Etablierte Märkterund 60 % vom Umsatz
  • Konzern gesamt42,8 % vom Umsatz
  • Transaktionsmarge Q2 2025276 Mio. €
  • Transaktionsmarge Q2 2026391 Mio. € (plus 42 %)

Der Handel bezahlt den Nulltarif

Die zinsfreie Rechnung ist ein Lockangebot, das der Händler bezahlt. Der Kunde bekommt 30 Tage Zahlungsziel ohne Zinsen, der Händler überweist dafür eine Gebühr, die über der Kreditkartengebühr liegen kann. Klarna begründet den Preis mit höheren Abschlussquoten und größeren Warenkörben. Die Rechnung geht auf, solange Händler den zusätzlichen Umsatz höher bewerten als die Gebühr. Quersubventioniert wird innerhalb des Konzerns zudem über Regionen: Die hohen Margen der etablierten europäischen Märkte bezahlen die Kundengewinnung in den USA und die Werbung rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2026.

Ein Netz, das mit jedem Shop wächst

Klarna profitiert von einem doppelten Netzwerkeffekt. Jeder zusätzliche Händler macht die App für Kunden nützlicher, jeder zusätzliche Kunde erhöht den Druck auf Händler, Klarna anzubieten. Der Konzern beschleunigt diesen Kreislauf über große Zahlungsabwickler: Seit dem 6. August 2026 ist Klarna bei J.P. Morgan Payments standardmäßig freigeschaltet, dem größten Abwickler der USA mit umgerechnet 2,28 Billionen Euro Jahresvolumen. Nexi und der Zahlungsabwickler Stripe, der selbst an jedem Kauf seiner Händler mitverdient, sind schon angebunden, Adyen, Worldline, Worldpay und Clover sollen folgen. Jeder Händler dieser Abwickler kann Klarna ohne eigene Integration einschalten.

Die Skaleneffekte sind messbar. Die Betriebskosten außerhalb des Transaktionsgeschäfts stiegen im zweiten Quartal 2026 um 16 Prozent, die Transaktionsmarge um 42 Prozent. Seit 2023 erreichen nach Klarnas Rechnung rund 56 Cent jedes zusätzlichen Euros Transaktionsmarge das bereinigte Betriebsergebnis. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg auf 80 Millionen Euro, im ganzen Jahr 2025 hatte Klarna 57 Millionen Euro erzielt. Für 2026 erwartet Klarna 246 bis 263 Millionen Euro, mehr als das Vierfache. Der operative Hebel wirkt, weil Software und Kreditmodelle kaum teurer werden, egal wie viele Käufe darüber laufen.

Vom Rechnungskauf zur Bank mit Karte

In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Modell deutlich verschoben. 2021 verdiente Klarna fast nur an Onlinekäufen auf Rechnung und in Raten. Heute wächst der Konzern über drei neue Säulen: die Klarna Card, die 6,5 Millionen Menschen aktiv nutzen, fünfmal so viele wie ein Jahr zuvor, das Ratenprodukt Fair Financing für teure Anschaffungen, dessen Volumen um 82 Prozent auf 4,11 Milliarden Euro stieg, und das Abo-Programm. Fair Financing macht inzwischen 13 Prozent des Volumens aus. Aus dem Rechnungsdienst wird schrittweise eine Konsumbank mit Karte, Konto und Abo.

Zugleich verlagert Klarna Kreditrisiken aus der eigenen Bilanz. Über sogenannte Forward-Flow-Verträge verkauft der Konzern Ratenkredite schon bei der Vergabe zu vorab vereinbarten Preisen an Investoren, im zweiten Quartal 2026 erstmals auch in Deutschland. Der Forderungsverkauf bringt sofort Gewinn und bindet weniger Eigenkapital. Ab dem zweiten Halbjahr 2026 bilanziert Klarna die Ratenkredite in den USA und Deutschland zum Marktwert, die ausgewiesene Take Rate sinkt dadurch rechnerisch um 0,1 Prozentpunkte. Das Modell wird kapitalleichter, aber auch schwerer zu durchschauen.

Auf den PunktDrei Mechanismen erzeugen die Marge
  • Händlergebühr: zwei Drittel des Umsatzes, der Kunde zahlt beim Kauf in 30 Tagen nichts
  • Kurze Laufzeit: rund 40 Tage je Kredit halten Ausfälle und Kapitalbedarf klein
  • Europa vor USA: 54 Prozent Transaktionsmarge außerhalb der USA finanzieren das US-Wachstum
  • Neue Säulen: Karte, Abo und Ratenkredite verschieben das Modell Richtung Konsumbank

Wie groß ist die Marktmacht von Klarna?

Ein Magnet zieht vier orangefarbene Einkaufstüten auf einem weißen Hintergrund an
Mehr Händler ziehen mehr Kunden an und umgekehrt: Klarnas doppelter Netzwerkeffekt.

Klarna gehört weltweit zu den größten Anbietern von Zahlungsaufschub und setzt gut das 2,6-Fache des Quartalsvolumens von Affirm um. In Deutschland konkurriert Klarna vor allem mit PayPal, das 28,7 Prozent des Onlineumsatzes abwickelt.

Weltweit teilen sich drei spezialisierte Anbieter den Markt für Zahlungsaufschub: Klarna aus Schweden, Affirm aus San Francisco und Afterpay, das zum US-Konzern Block gehört. Hinzu kommt PayPal mit einem eigenen Angebot, das 2025 ein Volumen von mehr als 35 Milliarden Euro erreichte. Klarna führt beim Volumen, Affirm bei der Marge: Die Amerikaner nahmen im Quartal bis Ende Juni rund 8 Euro je 100 Euro Volumen ein, Klarna 2,84 Euro. Affirm finanziert vor allem große Ratenkäufe mit Zinsen, Klarna viele kleine Käufe mit kurzer Laufzeit.

Für Deutschland liefert das EHI Retail Institute die verlässlichsten Zahlen. In der Studie „Online-Payment 2026“, für die 172 Händler Daten meldeten, lag PayPal mit 28,7 Prozent des Onlineumsatzes vorn, der Kauf auf Rechnung folgte mit 26,1 Prozent, Ratenkäufe kamen auf 4,7 Prozent. Welcher Anteil der Rechnungskäufe über Klarna läuft, weist die Studie nicht aus, weil viele Händler die Rechnung selbst oder über andere Dienstleister anbieten. Klarna ist aber der bekannteste Anbieter des Rechnungskaufs und brachte 2025 in Deutschland Erträge von 599 Millionen Euro, 22,8 Prozent der Konzernerträge.

Anbieter Kennzahl Wert Geschäftsschwerpunkt
Klarna Zahlungsvolumen Q2 2026 32,1 Mrd. € Rechnung, Raten, Karte, Europa und USA
Affirm Zahlungsvolumen April bis Juni 2026 12,4 Mrd. € zinspflichtige Ratenkredite, USA
PayPal Volumen Später Bezahlen 2025 mehr als 35 Mrd. € Zahlungsaufschub im eigenen Wallet
PayPal in Deutschland Anteil am Onlineumsatz 2025 28,7 % Wallet, Rechnung und Raten
Kauf auf Rechnung in Deutschland Anteil am Onlineumsatz 2025 26,1 % Klarna, Händler selbst, weitere Anbieter
Marktposition im Vergleich. Quellen: Klarna Group plc, Q2-Bericht 2026; Affirm, Q4-Bericht Geschäftsjahr 2026; PayPal, Q2-Bericht 2026; EHI Retail Institute, Online-Payment 2026. Beträge in Euro, Umrechnung nach EZB-Referenzkurs vom 25.09.2026.

Technisch fällt Händlern der Wechsel zu einem anderen Anbieter leicht. Über Zahlungsabwickler wie Stripe oder Adyen lässt sich Klarna per Schalter an- und abstellen, die technischen Wechselkosten gehen damit gegen null. Die eigentliche Bindung liegt beim Kunden. Kunden, die ihre Käufe, Rücksendungen und Raten in der Klarna-App verwalten, erwarten den Knopf im Shop. Ein Händler, der Klarna abschaltet, riskiert abgebrochene Warenkörbe. Diese Kundenbindung schützt Klarna besser vor Wettbewerbern als jede Software.

Wie PayPal seine Stellung an der deutschen Onlinekasse ausnutzt, zeigt ein Blick auf das Geschäftsmodell des Bezahldienstes PayPal, der als Klarnas härtester Rivale in Deutschland gilt. PayPal bietet selbst Rechnung und Raten an und besitzt mit dem Wallet einen Zugang, den Klarna erst mit Karte und App aufbauen muss. Beide Konzerne kämpfen um dieselbe Stelle: den letzten Klick vor dem Kauf. Kartellrechtliche Verfahren gegen Klarna sind nicht bekannt, die Aufsicht konzentriert sich bisher auf Verbraucherschutz und Geldwäsche.

Auf den PunktGroß im Volumen, knapp in der Marge
  • Vorsprung: Klarna setzt gut das 2,6-Fache des Affirm-Volumens um
  • Deutschland: Rechnungskauf mit 26,1 Prozent knapp hinter PayPal mit 28,7 Prozent
  • Bindung: Kundenbindung entsteht über die App der Kunden, nicht über Verträge mit Händlern

Wer ist bei Klarna eigentlich das Produkt?

Ein weißer Miniatur-Einkaufswagen enthält ein orangefarbenes Preisschild mit der Aufschrift „KUNDE“
Der Käufer zahlt meist nichts, seine Kaufkraft ist die Ware, die Klarna an Händler vermittelt.

Bei Klarna ist der Käufer das Produkt, das der Konzern an Händler vermittelt. Der Kunde zahlt meist nichts, der Händler zahlt für Umsatz, den Klarna ihm verspricht, und Sparer finanzieren über ihre Einlagen das Zahlungsziel.

Klarnas Modell erschließt sich erst über die Rollen der Beteiligten. Der Kunde erlebt Klarna als Service: Er bestellt, probiert an, schickt zurück und zahlt, was er behält. Dem Händler dient Klarna als Verkaufsargument, das er mit einer Gebühr bezahlt. Klarna selbst sitzt dazwischen, streckt dem Händler den Kaufpreis vor und trägt das Risiko, dass der Kunde nicht zahlt. Für diese Vermittlung kassiert der Konzern beim Händler, nicht beim Kunden. Die Kaufkraft des Kunden ist die Ware, die Klarna an den Handel verkauft.

Eine vierte Gruppe taucht an der Kasse gar nicht auf: die Sparer. Klarna bietet in mehreren Ländern Tagesgeld und Festgeld an und sammelte bis Mitte 2026 Einlagen von umgerechnet 10,3 Milliarden Euro ein. Diese Einlagen sind die billigste Refinanzierungsquelle des Konzerns. Die Refinanzierungskosten lagen im zweiten Quartal bei 0,47 Euro je 100 Euro Volumen. Mit dem Geld der Sparer finanziert Klarna den Rechnungskauf der Käufer, bis diese zahlen. Ohne diese Einlagen müsste Klarna das Zahlungsziel über teurere Kreditlinien finanzieren.

Eine fünfte Gruppe sind die Investoren, die Klarnas Ratenkredite kaufen. Über Forward-Flow-Verträge übernehmen die Investoren Kreditforderungen zu vorab festgelegten Preisen, Klarna erklärt, den größten Teil der wirtschaftlichen Erträge zu behalten. Für den Kunden ändert sich nichts, er zahlt weiter über die Klarna-App. Im Hintergrund geht die Forderung gegen ihn jedoch an einen Finanzinvestor über. Der Käufer ist damit zugleich Kunde, Datenlieferant und Kreditnehmer, dessen Rückzahlung als Anlageprodukt weiterverkauft wird.

In welcher Rolle Sie Klarna erleben, hängt davon ab, auf welcher Seite der Kasse Sie stehen. Als Verbraucher zahlen Sie für den Rechnungskauf nichts, solange Sie die Frist einhalten. Als Händler zahlen Sie für jeden Einkauf, auch für jene Kunden, die ohnehin gekauft hätten. Mit Tages- oder Festgeld leihen Sie Klarna Geld, das an andere Käufer weiterfließt. Die Ironie des Modells liegt darin, dass die sichtbarste Figur, der Käufer mit dem zinsfreien Zahlungsziel, am wenigsten bezahlt.

Rollen im Modell
Wer bei Klarna zahlt, wer finanziert, wer kauft
Fünf Gruppen, fünf Rollen: Der sichtbare Käufer zahlt am wenigsten.

Händler

2,84 €

zahlen den Großteil der Einnahmen je 100 Euro Volumen, im Gegenzug für mehr Abschlüsse

Käufer

0 €

zahlen beim Kauf in 30 Tagen oder in drei Raten nichts, bei fristgerechter Zahlung

Säumige Kunden

227 Mio. €

Mahngebühren konzernweit im Jahr 2025

Sparer

10,3 Mrd. €

Einlagen decken 88 Prozent der Refinanzierung

Investoren

Forward Flow

kaufen Ratenkredite zu vorab vereinbarten Preisen

Was kostet ein Klarna-Kauf wirklich, und wer trägt die Kosten?

Weißer Kuchen, aufgeschnitten, mit Flagge (25 CENT) vor weißem Grund
Von 2,84 Euro Umsatz je 100 Euro Einkauf blieben Klarna nach allen Kosten rund 25 Cent.

Ein Klarna-Kauf kostet im Schnitt 2,84 Euro je 100 Euro Warenwert, die überwiegend der Händler zahlt. Davon bleiben Klarna nach Abwicklung, Kreditausfällen und Refinanzierung 1,22 Euro und nach allen Betriebskosten rund 25 Cent.

Eine Preisliste für deutsche Händler veröffentlicht Klarna nicht. Die Konditionen handelt der Konzern mit großen Händlern einzeln aus, kleine Shops zahlen meist über ihren Zahlungsabwickler. Mehrere Abwickler nennen für Klarna in der DACH-Region Standardpreise von 2,99 Prozent des Kaufbetrags plus 35 Cent je Transaktion, bestätigt hat Klarna diese Zahlen nicht. Die EHI-Studie beziffert die durchschnittlichen Kosten des Rechnungskaufs für Händler auf 1,42 Prozent des Umsatzes, bei PayPal auf 1,94 Prozent und bei der Lastschrift auf 0,65 Prozent. Die Lastschrift bleibt damit die günstigste Zahlungsart im Onlinehandel.

Wohin die Einnahmen fließen, zeigt die Aufschlüsselung je 100 Euro Zahlungsvolumen. Von 2,84 Euro Umsatz im zweiten Quartal 2026 gingen 0,64 Euro in Abwicklung und Kundenservice, 0,52 Euro in die Vorsorge für Kreditausfälle, 0,47 Euro in die Refinanzierung. Übrig blieben 1,22 Euro Transaktionsmarge, einmalige Effekte aus einem Forderungsverkauf herausgerechnet 1,14 Euro. Die Betriebskosten für Technik, Marketing, Service und Verwaltung zehrten weitere 0,97 Euro auf. Das bereinigte Betriebsergebnis betrug damit rund 25 Cent je 100 Euro Einkauf.

Posten je 100 € Zahlungsvolumen Betrag Q2 2026
Umsatz (Take Rate) 2,84 € 914 Mio. €
Abwicklung und Service minus 0,64 € 204 Mio. €
Vorsorge für Kreditausfälle minus 0,52 € 168 Mio. €
Refinanzierung minus 0,47 € 150 Mio. €
Transaktionsmarge 1,22 € 391 Mio. €
Betriebskosten (bereinigt) minus 0,97 € 311 Mio. €
Bereinigtes Betriebsergebnis 0,25 € 80 Mio. €
Kostenbestandteile eines Klarna-Kaufs im zweiten Quartal 2026. Quelle: Klarna Group plc, Q2-Bericht 2026, eigene Berechnung. Rundungsdifferenzen möglich. Beträge in Euro, Umrechnung nach EZB-Referenzkurs vom 25.09.2026.

Die Kosten des Rechnungskaufs verteilen sich damit auf drei Gruppen. Der Händler zahlt die Gebühr direkt und gibt sie über die Preise an alle Kunden weiter, auch an jene, die per Lastschrift oder bar zahlen. Säumige Kunden zahlen Mahngebühren und bei längeren Ratenkäufen Zinsen. Die dritte Gruppe sind Klarnas Aktionäre, die mit einem Kursverlust von 68 Prozent seit dem Börsengang für die Hoffnung auf Wachstum bezahlt haben.

Die Kunden selbst zahlen je nach Produkt sehr unterschiedlich. Der Kauf in 30 Tagen und der Kauf in drei Raten sind zinsfrei. Für Finanzierungen bis 36 Monate verlangt Klarna Zinsen, den genauen Satz zeigt der Checkout erst nach der Bonitätsprüfung. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht fand in einer Umfrage unter 4.936 Erwachsenen heraus, dass 26 Prozent der Nutzer von Zahlungsaufschub schon Mahngebühren bezahlt haben. Die angeblich kostenlose Rechnung wird damit für ein Viertel der Nutzer zur Gebührenfalle.

Klarna begründet seine Gebühren mit höheren Abschlussquoten, belegt diese aber vor allem mit eigenen Studien. Ob Händler von sinkenden Ausfallkosten profitieren, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen: Die Kreditrisikovorsorge fiel binnen eines Jahres von 0,56 auf 0,52 Prozent, die Take Rate stieg im selben Zeitraum von 2,64 auf 2,84 Prozent. Die bessere Kreditqualität kommt damit zunächst der Marge zugute und erst in zweiter Linie dem Handel.

Auf den Punkt25 Cent Gewinn je 100 Euro Einkauf
  • Umsatz: 2,84 Euro je 100 Euro, überwiegend vom Händler bezahlt
  • Kosten: Abwicklung, Ausfälle und Refinanzierung verschlingen 1,63 Euro
  • Kunden: 26 Prozent der Nutzer von Zahlungsaufschub zahlten schon Mahngebühren

Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Eine Wippe mit einem Reservierungsschild und einem Stapel goldener Münzen
Frühe Investoren haben ihren Einsatz vervielfacht, Aktionäre des Börsengangs verloren gut zwei Drittel.

Am meisten profitieren die frühen Investoren und die Gründer von Klarna, die ihre Anteile weit unter dem heutigen Kurs erwarben. Die Aktionäre des Börsengangs, Beschäftigte, deren Stellen wegfielen, und Kunden, die ihre Raten nicht rechtzeitig begleichen, zahlen drauf.

Die frühen Geldgeber haben ihren Einsatz trotz Kurssturz vervielfacht. Jane Walerud zahlte 2005 umgerechnet rund 53.000 Euro für zehn Prozent, Sequoia investierte über die Jahre rund 440 Millionen Euro und hielt beim Börsengang etwa 79 Millionen Aktien. Selbst beim Kurs vom 25. September sind diese Anteile rund 890 Millionen Euro wert. Die Anleger des Börsengangs dagegen haben mehr als zwei Drittel ihres Einsatzes verloren. In einer Sammelklage werfen Aktionäre Klarna vor, im Prospekt steigende Kreditrisiken verschwiegen zu haben, Klarna hat die Abweisung beantragt.

Die Beschäftigten gehören zu den Verlierern der KI-Strategie. Die durchschnittliche Zahl der Vollzeitkräfte halbierte sich von 2022 bis 2025, in Deutschland sank die Zahl der Beschäftigten allein 2025 von 876 auf 696. Siemiatkowski hat angekündigt, die Belegschaft weiter zu verkleinern, und begründet das mit Produktivitätsgewinnen durch künstliche Intelligenz. Die Beschäftigten, die bleiben, profitieren zum Teil über Aktienprogramme: Allein im zweiten Quartal 2026 verbuchte Klarna 33 Millionen Euro an aktienbasierter Vergütung.

Gruppe Rolle im Modell Bilanz
Frühe Investoren und Gründer Eigentümer seit 2005 bis 2010 Gewinner: Anteile vielfach im Wert gestiegen
Aktionäre des Börsengangs Anleger seit September 2025 Verlierer: minus 68 Prozent bis 25.09.2026
Große Onlinehändler zahlen verhandelte Gebühren Gewinner mit Einschränkung: mehr Umsatz, aber Kosten je Kauf
Kleine Onlineshops zahlen Standardgebühren über Abwickler Verlierer: kaum Verhandlungsmacht
Pünktliche Kunden nutzen zinsfreies Zahlungsziel Gewinner: kostenloser Kredit für 30 Tage
Säumige Kunden zahlen Mahngebühren und Zinsen Verlierer: rund 227 Mio. € Mahngebühren konzernweit 2025
Beschäftigte Service, Technik, Verwaltung Verlierer: Vollzeitstellen seit 2022 halbiert
Gewinner und Verlierer des Klarna-Modells. Quellen: Klarna Holding AB, Jahresbericht 2025; Klarna Group plc, Q2-Bericht 2026; CNBC. Beträge in Euro, Umrechnung nach EZB-Referenzkurs vom 25.09.2026.

Die Händler stehen auf beiden Seiten. Große Ketten mit Verhandlungsmacht bekommen günstigere Konditionen und nutzen Klarna als Marketingkanal. Kleine Onlineshops zahlen Standardpreise und können auf den Knopf kaum verzichten, weil Kunden ihn erwarten. Diese Abhängigkeit kennen Händler von großen Marktplätzen: Hat sich ein Zahlungsweg einmal eingebürgert, wird der Ausstieg teurer als die Gebühr. Für viele kleine Shops entscheidet der Klarna-Knopf mit über die Abbruchquote im Warenkorb.

Am stärksten zahlen Kunden drauf, die Fristen versäumen. Die Umfrage der Finanzaufsicht BaFin ergab, dass jeder siebte Nutzer von Zahlungsaufschub den Überblick über offene Beträge verloren hat, bei den unter 30-Jährigen fast jeder vierte. Zwölf Prozent der Befragten hatten Schulden von mehr als 500 Euro aus solchen Käufen. Der zinsfreie Kredit für die Mehrheit wird damit teils von einer Minderheit mitfinanziert, die zu spät zahlt.

Die Standorte spüren den Umbau direkt. In Stockholm arbeiteten Ende 2025 noch 1.269 Beschäftigte, ein Jahr zuvor 1.550. In Deutschland ging das Geschäft aus Sofort und BillPay hervor, in Berlin betreibt Klarna einen Technikstandort. Der Konzernsitz liegt seit dem Börsengang formal in Großbritannien, die Aktie wird in New York gehandelt, die Bank bleibt in Schweden. Vom Erfolg des Modells profitieren die Standortgemeinden damit weniger als die Aktionäre, die in New York handeln.

Klarna verkauft den Deutschen eine Gewohnheit, die sie seit dem Versandhauskatalog pflegen, und kassiert dafür 227 Millionen Euro Mahngebühren im Jahr. Ab November muss der Konzern beweisen, dass sein Algorithmus Überschuldung besser erkennt als die Mahnung am Ende der Frist.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Wie politisch ist Klarna?

Weißes Paragrafen-Zeichen mit orangefarbener Schleife und Anhänger mit Datum 20.11
Ab dem 20. November 2026 fällt der Kauf auf Rechnung in Deutschland unter das Verbraucherkreditrecht.

Klarna ist politisch, weil Gesetzgeber in Europa und den USA gerade festlegen, ob Zahlungsaufschub als Kredit gilt. Der Konzern gibt in Brüssel jährlich 200.000 bis 299.999 Euro für Lobbyarbeit aus und hat sich für eine Ausnahme kurzfristiger zinsfreier Kredite eingesetzt.

Im EU-Transparenzregister meldet die Klarna Bank AB für 2025 Lobbykosten zwischen 200.000 und 299.999 Euro, 1,35 Vollzeitstellen für Interessenvertretung sowie seit der Registrierung 2022 insgesamt zwölf Treffen mit hochrangigen Vertretern der EU-Kommission. Die Themenliste reicht von Verbraucherkredit und Zahlungsverkehr über Datenschutz bis zu künstlicher Intelligenz. Im Vergleich zu Großbanken oder Kartennetzen fällt der Betrag bescheiden aus. Klarna setzt stärker auf öffentliche Positionierung und stellt sich in Pressemitteilungen als Befürworter von Regeln dar.

Der wichtigste Streit betraf die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie. Klarna warb in Brüssel dafür, kurzfristige zinsfreie Kredite mit Bonitätsprüfung in Echtzeit von Pflichten auszunehmen, die der Konzern für unverhältnismäßig hielt. Durchgesetzt hat sich Klarna damit nicht. Die Richtlinie erfasst ausdrücklich auch Zahlungsaufschub und Kleinkredite unter 200 Euro. In Deutschland gelten die neuen Regeln ab dem 20. November 2026, einschließlich einer Kreditwürdigkeitsprüfung und eines Rechts auf menschliche Überprüfung automatisierter Entscheidungen.

Verfahren oder Regel Stand im September 2026 Bedeutung für Klarna
EU-Verbraucherkreditrichtlinie gilt in Deutschland ab 20.11.2026 Bonitätsprüfung und Informationspflichten auch für Kauf auf Rechnung
Regulierung in Großbritannien seit 15.07.2026 in Kraft Zulassungspflicht, Tragfähigkeitsprüfung, Zugang zur Schlichtungsstelle
Geldwäsche-Bußgeld Schweden 2024 verhängt, bezahlt 44 Mio. € wegen Mängeln bei Risikoanalyse und Kundenprüfung
Datenschutz-Bußgeld Schweden vom Berufungsgericht bestätigt rund 664.000 € wegen unzureichender Information der Kunden
US-Banklizenz beantragt im Juli 2026 eigene Bank in Utah für Einlagen und Karten in den USA
Sammelklage zum Börsengang Antrag auf Abweisung gestellt Vorwurf verschwiegener Kreditrisiken im Prospekt
Regulierung und Verfahren rund um Klarna. Quellen: Bundesregierung, BaFin, Financial Conduct Authority, Finansinspektionen, IMY, CNBC, Law360. Beträge in Euro, Umrechnung nach EZB-Referenzkurs vom 25.09.2026.

Die Aufsicht in Schweden hat Klarna mehrfach belangt. Im Dezember 2024 verhängte die Finansinspektionen eine Rüge und ein Bußgeld von umgerechnet 44 Millionen Euro, weil die Risikoanalyse zur Geldwäsche erhebliche Mängel aufwies und für den Rechnungskauf nicht alle Fälle einer Kundenprüfung geregelt waren. Die Datenschutzbehörde IMY hatte zuvor ein Bußgeld von umgerechnet rund 664.000 Euro verhängt, weil Klarna Kunden unzureichend über die Verwendung ihrer Daten informierte. Das Berufungsgericht bestätigte die volle Summe, nachdem die erste Instanz sie gesenkt hatte.

Steuerlich verteilt sich der Konzern auf mehrere Länder. Im zweiten Quartal 2026 zahlte Klarna 16 Millionen Euro Ertragsteuern bei einem Vorsteuergewinn von 24 Millionen Euro, eine Quote von zwei Dritteln. In den USA will Klarna mit einer eigenen Bank in Utah unabhängiger von Partnerbanken werden. Der Antrag verlagert einen Teil der Aufsicht über Klarna in die USA.

In der Selbstdarstellung ist Klarna geschickt. Der Konzern nennt sich Bank, betont aber, kein Kreditgeber im klassischen Sinn zu sein, und verweist auf die kurze Laufzeit von rund 40 Tagen. Vor Regulatoren argumentiert Klarna mit Bonitätsprüfungen bei jedem Kauf, vor Händlern mit höheren Umsätzen, vor Anlegern mit der Transaktionsmarge. Diese drei Erzählungen passen nicht immer zusammen. Ein Anbieter, der jeden Kauf einzeln prüft, vergibt Kredit, auch wenn er ihn Zahlungsziel nennt.

Auf den PunktRegeln statt Nischenstatus
  • Lobby: 200.000 bis 299.999 Euro in Brüssel im Jahr 2025
  • Niederlage: die geforderte Ausnahme für zinsfreie Kurzkredite kam nicht
  • Aufsicht: 44 Millionen Euro Geldwäsche-Bußgeld in Schweden
  • Stichtag: 20. November 2026 für das neue Verbraucherkreditrecht in Deutschland

Was könnte Klarna zu Fall bringen?

Kartenhaus, mittig orange Karte schräg oben, links Karte mit Text „HÄLT NOCH“
Konsumflaute, Kreditausfälle, neue Regeln und fremde Wallets bedrohen das Modell.

Gefährlich werden Klarna eine schwache Konsumlaune in Deutschland, steigende Kreditausfälle in den USA, die neuen Kreditregeln in Europa und Konkurrenz durch Wallets von Apple, Google und PayPal. Ein einzelner Auslöser würde nicht reichen, eine Kombination schon.

Das akuteste Risiko liegt im größten Markt. Klarna begründete die gesenkte Prognose ausdrücklich mit Deutschland, wo die realen Einzelhandelsumsätze im ersten Halbjahr 2026 um weniger als ein Prozent wuchsen, besonders schwach in Branchen für nicht lebensnotwendige Güter. Die Prognose unterstellt, dass die Schwäche im zweiten Halbjahr anhält. Das Jahresvolumen soll nun 130,7 bis 132,4 Milliarden Euro erreichen statt mehr als 136 Milliarden Euro. Der Anteil der Mode, bis 2025 das größte Segment, sank von 41 auf 34 Prozent des Volumens.

Das zweite Risiko ist die Kreditqualität in den USA. Dort wachsen die Ratenkredite über Fair Financing am schnellsten, und dort liegen die Kreditausfälle höher als bei der 30-Tage-Rechnung. Klarna nennt für die US-Ratenkredite Ausfallquoten im erwarteten Korridor von drei bis vier Prozent, der Jahrgang aus dem zweiten Quartal 2025 fällt etwas schlechter aus. Die Sammelklage zum Börsengang dreht sich um genau dieses Risiko. Steigen die Ausfälle in einer Rezession, frisst die Vorsorge die Transaktionsmarge.

Risiko-Matrix
Fünf Risiken für das Klarna-Modell
Einschätzung der Redaktion nach Eintrittswahrscheinlichkeit in den nächsten zwölf Monaten.

Risiko hoch

Konsumschwäche Deutschland

Prognose bereits gesenkt, Volumen 2026 nun 130,7 bis 132,4 Mrd. €

Risiko mittel

Kreditausfälle USA

Ratenkredite mit drei bis vier Prozent Ausfall, Sammelklage zum Börsengang

Risiko mittel

Neue Kreditregeln

ab 20.11.2026 Bonitätsprüfung und Informationspflichten auch für die Rechnung

Risiko mittel

Wallets von Apple, Google, PayPal

kontrollieren den Bezahlknopf auf dem Smartphone

Risiko gering

Abzug von Einlagen

88 Prozent Refinanzierung über Sparer, kurze Laufzeiten dämpfen das Risiko

Das dritte Risiko ist die Regulierung. Die Verbraucherkreditrichtlinie verlangt ab November eine Kreditwürdigkeitsprüfung auch für kleine Beträge. Klarna prüft zwar jeden Kauf in Echtzeit, doch zusätzliche Informationspflichten und das Recht auf menschliche Überprüfung verlängern den Kaufvorgang. Jede zusätzliche Sekunde im Checkout kostet Abschlüsse, und Abschlüsse sind das Verkaufsargument gegenüber Händlern. Die seit Juli geltende britische Regulierung dient als erster Testlauf, belastbare Zahlen zu den Folgen fehlen noch.

Das vierte Risiko sitzt in den Wallets. Apple, Google und PayPal kontrollieren den Bezahlknopf auf dem Smartphone und können Zahlungsaufschub selbst anbieten. Klarna hat sich deshalb in Apple Pay und Google Pay einbinden lassen und betreibt für Apple seit Juli 2026 in den USA sogar das Leasingprogramm Apple Upgrade. Die Partnerschaft bringt neue Kunden, macht Klarna aber abhängig von Konzernen, die jederzeit eigene Angebote starten können. Die Abhängigkeit vom Bezahlknopf fremder Plattformen bleibt die offene Flanke, denn Apple führte 2023 in den USA mit Apple Pay Later schon einmal einen eigenen Zahlungsaufschub ein und stellte ihn 2024 wieder ein.

Als schwarzer Schwan gilt ein Refinanzierungsschock. Klarna finanziert sich zu 88 Prozent über Einlagen, die Sparer jederzeit abziehen können. Ein Vertrauensverlust nach schlechten Nachrichten könnte einen Abfluss auslösen, wie ihn mittelgroße US-Banken 2023 erlebten. Die kurze Laufzeit der Kredite ist dabei ein Schutz: Nach 40 Tagen fließt das meiste Geld zurück, und die Forderungen lassen sich an Investoren verkaufen. Klarna wäre damit liquider als eine klassische Hypothekenbank, aber nicht immun.

Für die kommenden fünf Jahre sind drei Szenarien realistisch. Im günstigen Fall wächst Klarna in den USA über die großen Zahlungsabwickler und erreicht dort europäische Margen. Im mittleren Fall stagniert Europa unter den neuen Regeln, während die USA wachsen und das Abo-Modell Erträge stabilisiert. Im ungünstigen Fall treffen eine Rezession und steigende Ausfälle auf eine Aktie, die schon zwei Drittel ihres Werts verloren hat, und ein Käufer übernimmt den Konzern günstig. Siemiatkowskis Aktienkauf im August zeigt, auf welches Szenario der Gründer setzt.

Auf den PunktVier Risiken, ein Stichtag
  • Deutschland: schwacher Konsum im größten Markt kostete schon die Jahresprognose
  • USA: Ratenkredite mit höheren Ausfällen als die 30-Tage-Rechnung
  • Regeln: Bonitätsprüfung ab 20. November verlängert den Checkout
  • Wallets: Apple, Google und PayPal kontrollieren den Bezahlknopf

Was bedeutet Klarna für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Geöffneter Umschlag, Zettel mit orangefarbenem Stempel „30 TAGE“, kleine Schnecke
Für Verbraucher bleibt der Kauf auf Rechnung zinsfrei, ab November aber mit Bonitätsprüfung.

Für deutsche Händler ist Klarna ein teurer, aber schwer verzichtbarer Zahlungsweg. Verbraucher bekommen einen zinsfreien Kredit für 30 Tage, müssen ab 20. November 2026 aber mit Bonitätsprüfungen und mehr Informationen im Checkout rechnen.

Die Prognosesenkung vom August betrifft deutsche Leser direkt. Klarna erwartet, dass der deutsche Onlinehandel im zweiten Halbjahr schwach bleibt, und plant mit weniger Volumen hierzulande. Für Händler bedeutet das Verhandlungsspielraum: Ein Anbieter, der im größten Markt wachsen muss, dürfte bei Gebühren beweglicher werden. Für Verbraucher ändert sich zunächst wenig, bis im November das neue Verbraucherkreditrecht greift und jeder Kauf auf Rechnung formal als Kredit gilt.

Ein nüchterner Kostenvergleich lohnt sich für Händler. Die EHI-Zahlen zeigen die Spanne: Lastschrift im Schnitt 0,65 Prozent, Rechnung 1,42 Prozent, PayPal 1,94 Prozent des Umsatzes. Ein Rechenbeispiel: Ein Shop mit 2 Millionen Euro Jahresumsatz, der die Hälfte über Klarna abwickelt, würde bei einem angenommenen Satz von 2,99 Prozent plus 35 Cent je Kauf und einem Warenkorb von 80 Euro rund 34.000 Euro Gebühren im Jahr zahlen. Dieser Betrag muss durch zusätzliche Käufe wieder hereinkommen, sonst ist der Klarna-Knopf ein Kostenfaktor ohne Gegenwert.

Deutsche Wettbewerber stehen vor einer schweren, aber nicht aussichtslosen Aufgabe. Das Berliner Fintech Billie finanziert Rechnungskäufe zwischen Firmen und arbeitet mit Klarna zusammen, statt gegen den Konzern anzutreten. Banken und Sparkassen bieten über Wero inzwischen einen europäischen Bezahlweg ohne Kartennetz an. Für kleine Händler bleibt der Rechnungskauf über den eigenen Zahlungsabwickler oft die einfachste Lösung, weil Klarna dort per Schalter verfügbar ist. Die Macht liegt beim Abwickler, der entscheidet, welche Zahlungswege standardmäßig erscheinen.

Szenario bis Herbst 2027 Entwicklung Folgen für Deutschland
Optimistisch Konsum erholt sich, Bonitätsprüfung läuft reibungslos im Checkout Klarna wächst wieder, Händler behalten Konditionen, Verbraucher merken kaum Änderungen
Realistisch Deutschland bleibt schwach, neue Regeln verlängern den Kaufvorgang leicht Klarna verhandelt Gebühren nach, weniger Zusagen für junge Kunden mit wenig Kaufhistorie
Pessimistisch Rezession, steigende Ausfälle, Kurs fällt weiter strengere Bonitätsprüfung, mehr Ablehnungen im Checkout, Verkauf oder Umbau des Konzerns
Drei Szenarien für Klarna in Deutschland in den kommenden zwölf Monaten. Einschätzung der Redaktion auf Basis von Klarna Group plc, Q2-Bericht 2026, und Bundesregierung.

Für Verbraucher lautet die wichtigste Empfehlung, den Rechnungskauf wie einen Kredit zu behandeln. Legen Sie sich am besten eine Erinnerung für jede offene Rechnung an und prüfen Sie die Beträge regelmäßig in der App. Ratenkäufe mit Zinsen lohnen sich nur für Anschaffungen, die Sie ohnehin finanzieren würden. Die Mahngebühren sind einzeln klein, summieren sich aber. Ab November haben Sie zudem das Recht, eine automatisierte Ablehnung von einem Menschen überprüfen zu lassen.

Händlern raten wir, Klarna wie ein Werkzeug durchzurechnen, statt den Dienst als Pflicht hinzunehmen. Messen Sie am besten Abbruchquote, Warenkorb und Retourenquote mit und ohne Klarna. Ab einem sechsstelligen Volumen sollten Sie über die Gebühr verhandeln, und die günstigere Lastschrift gehört gleichwertig in den Checkout. Wie Kartennetze an jeder Zahlung mitverdienen, zeigt zum Vergleich das Gebührenmodell von Mastercard. Wir halten Klarna für einen Dienstleister, der seinen Preis in guten Jahren verdient. In schwachen Jahren wie diesem sollten Onlinehändler mit Klarna härter verhandeln, als viele das bisher tun.

Auf den PunktWas Sie jetzt tun können
  • Verbraucher: jede offene Rechnung wie einen Kredit behandeln und Fristen notieren
  • Händler: den Shop mit und ohne Klarna-Knopf messen und Gebühren ab sechsstelligem Volumen verhandeln
  • Ab November: automatisierte Ablehnungen dürfen Sie von einem Menschen prüfen lassen

Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zum Klarna-Geschäftsmodell

ARPAC

ARPAC (Average Revenue per Active Consumer): durchschnittlicher Umsatz je aktivem Kunden über zwölf Monate. Die Kennzahl zeigt, ob ein Zahlungsanbieter seine Kunden intensiver nutzt, etwa über Karte, Abo und Ratenkredite. Bei Klarna stieg der Wert zuletzt um 24 Prozent auf umgerechnet 29,55 Euro.

Buy now, pay later

Buy now, pay later (BNPL): Sammelbegriff für Zahlungsaufschub beim Einkauf, etwa Kauf auf Rechnung mit Zahlungsziel oder zinsfreie Teilzahlung in wenigen Raten. Der Händler bekommt sein Geld sofort, der Anbieter übernimmt Zahlungsziel und Ausfallrisiko und verlangt dafür eine Gebühr.

Fair Financing

Fair Financing: Klarnas Produkt für längere Ratenkredite bis 36 Monate, vor allem für teure Anschaffungen wie Elektronik oder Möbel. Anders als beim Kauf in 30 Tagen fallen dabei Zinsen an. Fair Financing macht inzwischen 13 Prozent des Zahlungsvolumens aus und wächst am schnellsten.

Fair-Value-Bilanzierung

Fair-Value-Bilanzierung: Bewertung von Vermögenswerten zum aktuellen Marktwert statt zu fortgeführten Anschaffungskosten. Klarna bilanziert neue Ratenkredite in den USA und Deutschland seit dem zweiten Halbjahr 2026 so und weist den erwarteten Ertrag früher aus, die Take Rate sinkt dadurch rechnerisch.

Forward Flow

Forward Flow: Vertrag, in dem ein Investor sich verpflichtet, künftige Kreditforderungen laufend zu vorab vereinbarten Preisen zu kaufen. Der Kreditgeber entlastet damit seine Bilanz und bindet weniger Eigenkapital, behält aber die Kundenbeziehung und oft einen Teil der Erträge.

Interchange

Interchange: Entgelt, das bei einer Kartenzahlung von der Bank des Händlers an die kartenausgebende Bank fließt. In der EU ist das Entgelt für Verbraucherkarten gedeckelt. Klarna verdient daran über die eigene Klarna Card und verbucht die Einnahmen bei den Händlererträgen.

Kreditrisikovorsorge

Kreditrisikovorsorge: Betrag, den ein Kreditgeber für erwartete Ausfälle zurückstellt und als Aufwand verbucht. Bei Klarna lag die Vorsorge im zweiten Quartal 2026 bei 0,52 Prozent des Zahlungsvolumens. Die Kennzahl gilt als wichtigster Frühindikator für die Qualität des Kreditbuchs.

Netzwerkeffekt

Netzwerkeffekt: Ein Angebot wird für jeden Nutzer wertvoller, je mehr andere das Angebot nutzen. Bei Zahlungsdiensten wirkt der Effekt doppelt: Mehr Händler machen den Dienst für Kunden attraktiver, mehr Kunden erhöhen den Druck auf Händler, ihn anzubieten.

Operativer Hebel

Operativer Hebel: Effekt, bei dem der Gewinn schneller wächst als der Umsatz, weil ein großer Teil der Kosten fix ist. Bei Klarna wuchs die Transaktionsmarge im zweiten Quartal 2026 um 42 Prozent, die Betriebskosten nur um 16 Prozent.

Payment Service Provider

Payment Service Provider (PSP): Zahlungsabwickler, der für Onlinehändler verschiedene Zahlungsarten bündelt und technisch anbindet, etwa Stripe, Adyen oder J.P. Morgan Payments. Über solche Abwickler erreicht Klarna Händler, ohne mit jedem einzeln einen Vertrag schließen zu müssen.

Take Rate

Take Rate: Anteil des Umsatzes am abgewickelten Zahlungsvolumen. Die Kennzahl zeigt, wie viel ein Zahlungsanbieter je 100 Euro Einkauf einnimmt. Bei Klarna lag die Take Rate im zweiten Quartal 2026 bei 2,84 Prozent, bei Kartennetzen liegt der Wert deutlich darunter.

Transaktionsmarge

Transaktionsmarge (TMD): Klarnas zentrale Steuerungsgröße, berechnet als Umsatz minus Abwicklungskosten, Kreditrisikovorsorge und Refinanzierungskosten. Die Kennzahl zeigt, was vom einzelnen Einkauf übrig bleibt, bevor Personal, Marketing und Verwaltung bezahlt werden.

FAQ: Klarna Geschäftsmodell

Weisse Papiertüte mit drei orangen Fragezeichen und einem FAQ-Schild auf weissem Hintergrund
Sechs häufige Fragen zu Klarna, vom Rechnungskauf bis zur neuen Verbraucherkreditrichtlinie.

Wie verdient Klarna an einem zinsfreien Kauf auf Rechnung?

Den zinsfreien Kauf bezahlt der Händler. Er überweist Klarna für jeden Einkauf eine Gebühr und bekommt dafür sofort sein Geld, während der Kunde erst nach 30 Tagen zahlt. Im Schnitt nahm Klarna im zweiten Quartal 2026 je 100 Euro Zahlungsvolumen 2,84 Euro ein, gut zwei Drittel davon als Gebühren.

Was kostet Klarna einen Onlinehändler in Deutschland?

Eine öffentliche Preisliste für Deutschland gibt Klarna nicht heraus, große Händler verhandeln einzeln. Zahlungsabwickler nennen für die DACH-Region Standardpreise von 2,99 Prozent plus 35 Cent je Transaktion. Laut EHI kostet der Rechnungskauf Händler im Schnitt 1,42 Prozent des Umsatzes, die Lastschrift 0,65 Prozent.

Ist Klarna eine Bank?

Ja. Die Klarna Bank AB besitzt seit Juni 2017 eine Vollbanklizenz der schwedischen Finanzaufsicht und nimmt Einlagen an, Mitte 2026 umgerechnet 10,3 Milliarden Euro. Die börsennotierte Konzernmutter Klarna Group plc sitzt in Großbritannien, in den USA hat Klarna eine eigene Banklizenz beantragt.

Was ändert sich für Klarna-Kunden ab dem 20. November 2026?

Ab diesem Tag gilt in Deutschland die überarbeitete EU-Verbraucherkreditrichtlinie auch für den Kauf auf Rechnung und kleine Teilzahlungen. Anbieter müssen die Kreditwürdigkeit prüfen und mehr Informationen bereitstellen. Kunden erhalten das Recht, eine automatisierte Ablehnung von einem Menschen überprüfen zu lassen.

Warum ist die Klarna-Aktie seit dem Börsengang so stark gefallen?

Anleger zweifeln an der Kreditqualität und am Wachstum. Nach den Zahlen zum zweiten Quartal 2026 senkte Klarna die Prognose für das Zahlungsvolumen, vor allem wegen der Konsumschwäche in Deutschland, die Aktie fiel an einem Tag um 22,8 Prozent. Am 25. September 2026 lag der Kurs 68 Prozent unter dem Ausgabepreis.

Was passiert, wenn eine Klarna-Rechnung nicht rechtzeitig bezahlt wird?

Klarna erinnert zunächst an die Zahlung und verlangt bei Verzug Mahngebühren. Bleibt das Geld weiter aus, kann Klarna ein Inkassounternehmen einschalten, was zusätzliche Kosten verursacht. Konzernweit nahm Klarna 2025 rund 227 Millionen Euro an Mahngebühren ein. Eine Erinnerung für jede offene Rechnung schützt vor solchen Kosten.

Quellen

Klarna Group plc | Klarna Reports Second Quarter 2026 Results (Earnings Release) | https://s205.q4cdn.com/644747736/files/doc_earnings/2026/q2/earnings-result/Q2-26-Klarna-Group-plc-Earnings-Release.pdf | besucht am 28.09.2026

Klarna Group plc | Fourth Quarter and Full Year 2025 Earnings Release | https://s205.q4cdn.com/644747736/files/doc_earnings/2025/q4/earnings-result/Q4-25-Klarna-Group-plc-Earnings-Release.pdf | besucht am 28.09.2026

Klarna Holding AB | Annual Report 2025 | https://s205.q4cdn.com/644747736/files/doc_financials/2025/q4/Klarna-Holding-AB-Financials-ENG-Q4-2025.pdf | besucht am 28.09.2026

Klarna | Klarna CEO Sebastian Siemiatkowski acquires 692,506 shares (Pressemitteilung vom 28.08.2026) | https://www.klarna.com/international/press/klarna-ceo-sebastian-siemiatkowski-acquires-692-506-shares-for-10-million/ | besucht am 28.09.2026

Klarna | Klarna goes live with J.P. Morgan Payments (Pressemitteilung) | https://www.klarna.com/international/press/klarna-goes-live-with-j-p-morgan-payments-opening-flexible-checkout-to-u-s-merchants/ | besucht am 28.09.2026

Klarna | Klarna: Europe’s newest bank is born | https://www.klarna.com/international/press/klarna-europes-newest-bank-is-born/ | besucht am 28.09.2026

Banking Dive | Adyen hires Klarna CFO Niclas Neglén | https://www.bankingdive.com/news/adyen-hires-klarna-cfo-niclas-neglen-tsao-tandowsky/831109/ | besucht am 28.09.2026

EHI Retail Institute / IT Finanzmagazin | Online-Payment 2026: Rechnungskauf und PayPal weiter dominierend | https://www.it-finanzmagazin.de/online-payment-rechnungskauf-und-paypal-weiter-dominierend-laut-ehi-studie-online-payment-2026-244098/ | besucht am 28.09.2026

BaFin | Buy now, pay later: Bequem, aber mit Risiken | https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2026/fa_bj_260202_bnpl_buy_now_pay_later.html | besucht am 28.09.2026

Bundesregierung | Mehr Schutz bei Kreditverträgen | https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/schutz-kreditvertraege-2382528 | besucht am 28.09.2026

Financial Conduct Authority | Regulating Buy Now Pay Later | https://www.fca.org.uk/firms/regulating-buy-now-pay-later | besucht am 28.09.2026

Finansinspektionen | Klarna receives a remark and an administrative fine | https://www.fi.se/en/published/sanctions/financial-firms/2024/klarna-receives-a-remark-and-an-administrative-fine/ | besucht am 28.09.2026

IMY | Sanktionsavgift mot Klarna efter granskning | https://www.imy.se/nyheter/sanktionsavgift-mot-klarna-efter-granskning/ | besucht am 28.09.2026

LobbyFacts | Klarna Bank AB (EU-Transparenzregister 909481346459-35) | https://www.lobbyfacts.eu/datacard/klarna-bank-ab?rid=909481346459-35 | besucht am 28.09.2026

CNBC | Klarna stock soars after U.S. IPO | https://www.cnbc.com/2025/09/10/klarna-klar-stock-soars-after-us-ipo.html | besucht am 28.09.2026

CNBC | Klarna valuation plunges 85% as buy now, pay later hype fades | https://www.cnbc.com/2022/07/11/klarna-valuation-plunges-85percent-as-buy-now-pay-later-hype-fades.html | besucht am 28.09.2026

CNBC | Klarna seeks U.S. bank charter | https://www.cnbc.com/2026/07/06/klarna-seeks-us-bank-charter-in-push-beyond-buy-now-pay-later.html | besucht am 28.09.2026

TechCrunch | Klarna buys BillPay from Wonga | https://techcrunch.com/2017/02/06/klarna-buys-billpay-the-paypal-of-germany-for-75m-from-wonga/ | besucht am 28.09.2026

Law360 | Klarna seeks dismissal of IPO investor suit | https://www.law360.com/classaction/articles/2523005 | besucht am 28.09.2026

Yahoo Finance | Affirm Q4 2026 earnings | https://finance.yahoo.com/markets/stocks/articles/affirm-q4-2026-earnings-beat-173735811.html | besucht am 28.09.2026

StockAnalysis | Klarna Group (KLAR) Kurshistorie | https://stockanalysis.com/stocks/klar/history/ | besucht am 28.09.2026

Europäische Zentralbank | Euro-Referenzkurse | https://www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/euro_reference_exchange_rates/html/index.en.html | besucht am 28.09.2026

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