Das Geschäftsmodell von Coinbase hängt längst nicht mehr allein an Menschen, die Bitcoin kaufen. Knapp ein Viertel des Umsatzes kam im zweiten Quartal 2026 aus Zinsen auf die Reserven der Digitalwährung USDC, die Coinbase mit dem Herausgeber Circle teilt. Sinken die Leitzinsen, schrumpft dieser Posten, ganz gleich, wo der Bitcoin-Kurs steht.

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Coinbase hat am 28. September 2026 von der US-Terminmarktaufsicht CFTC die Zulassung für ein eigenes Clearinghaus erhalten, das Terminkontrakte rund um die Uhr in der Digitalwährung USDC abrechnet. Mit diesem Schritt kontrolliert die größte US-Kryptobörse im amerikanischen Terminhandel erstmals die ganze Kette aus Broker, Börse und Abwicklung. Zwei Wochen zuvor war im Senat das Gesetz gescheitert, auf das die Branche seit einem Jahr gewartet hatte, und das zweite Quartal hatte Coinbase mit einem Verlust von 320 Millionen Euro abgeschlossen. Diese Analyse zerlegt Jahresbericht sowie Quartalszahlen und zeigt, woran Coinbase im Boom verdient, was im Crash übrig bleibt und was das Modell für Anleger und Unternehmen in Deutschland bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Coinbase setzte im zweiten Quartal 2026 umgerechnet 1,09 Milliarden Euro um, 19 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, und schrieb wegen Buchverlusten bei eigenen Kryptobeständen einen Nettoverlust von 320 Millionen Euro.
  • Die Erlöse aus Stablecoins lagen bei 260 Millionen Euro und damit bei 24 Prozent des Gesamtumsatzes. Das Geld stammt im Kern aus Zinsen auf die Reserven der Digitalwährung USDC, die Coinbase mit Circle teilt.
  • 2021 kamen 93 Prozent des Nettoumsatzes aus dem Handel, im zweiten Quartal 2026 noch 52 Prozent. Derivate, Prognosemärkte und Abos füllen die Lücke.
  • Coinbase baute im Mai 2026 rund 700 Stellen ab, 14 Prozent der Belegschaft, und senkte die Kostenprognose für das Gesamtjahr.
  • In Deutschland bietet Coinbase Handel, Verwahrung und Staking über eine Gesellschaft in Luxemburg mit europäischer MiCA-Lizenz an, die Stablecoin-Zinsen fallen aber fast vollständig in den USA an.

Fünf Fragen an die Kryptobörse

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Wissenstest
Wie gut kennen Sie das Geschäftsmodell von Coinbase?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Welcher Anteil des Gesamtumsatzes von Coinbase stammte im zweiten Quartal 2026 aus Stablecoin-Erlösen? Aufklappen ↓
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Richtig: B. 260 Millionen Euro von 1,09 Milliarden Euro Umsatz kamen aus Stablecoins, im Kern aus Zinsen auf die Reserven von USDC.
2 Welches Unternehmen gibt die Digitalwährung USDC heraus? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Circle gibt USDC heraus. Coinbase hat die Digitalwährung 2018 mit auf den Weg gebracht und teilt sich mit Circle die Zinsen auf die Reserven.
3 Wie viel erhält Coinbase vom verbleibenden Zinsertrag der USDC-Reserven, nachdem Circle und andere Partner ihren Anteil bekommen haben? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Laut Jahresbericht erhält Coinbase 50 Prozent dieses Rests, auch für USDC, die gar nicht auf der eigenen Plattform liegen.
4 Wie kam Coinbase im April 2021 an die Börse? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Coinbase ließ seine Aktien am 14. April 2021 direkt an der Nasdaq notieren. Zum Start lag die Bewertung bei fast 89 Milliarden Euro.
5 Wie viele Stellen strich Coinbase im Mai 2026? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Coinbase strich rund 700 Stellen, 14 Prozent der Belegschaft. Ende Juni 2026 zählte der Konzern 4.321 Beschäftigte.

Wer steckt hinter Coinbase und wie fing alles an?

Der frühere Airbnb-Programmierer Brian Armstrong und der ehemalige Goldman-Sachs-Devisenhändler Fred Ehrsam gründeten Coinbase 2012. Die Idee war eine einfache Bitcoin-Geldbörse für jedermann, finanziert über eine kleine Gebühr beim Kauf mit dem Bankkonto.

Armstrong hatte zuvor ein Jahr lang als Programmierer bei Airbnb in San Francisco gearbeitet und nebenher eine Nachhilfe-Plattform betrieben, die er schon als Student gegründet hatte. Bitcoin war damals ein Nischenthema für Programmierer, gekauft wurde über Tauschbörsen mit zweifelhaftem Ruf. Im Sommer 2012 nahm der Startup-Beschleuniger Y Combinator das Projekt auf. Ehrsam stieß im selben Jahr dazu und führte das Unternehmen bis Januar 2017 als Präsident, heute investiert er mit seiner Firma Paradigm in Kryptoprojekte.

Im Mai 2013 sammelte Coinbase in einer ersten großen Finanzierungsrunde umgerechnet 4,5 Millionen Euro ein, angeführt vom New Yorker Wagniskapitalgeber Union Square Ventures. USV-Partner Fred Wilson zog in den Verwaltungsrat ein. Das Geld floss in ein Produkt, das bis heute den Kern des Geschäfts bildet: den Sofortkauf über die App. Der Kunde zahlt einen Preis, der eine Spanne und eine Gebühr enthält, Coinbase übernimmt Verwahrung und Abwicklung.

Der erste Kurswechsel folgte, als klar wurde, dass Profis und Fonds andere Bedürfnisse haben als Privatkunden. Coinbase baute eine eigene Handelsplattform mit Orderbuch auf, die heute Advanced heißt, dazu ein Verwahrgeschäft für institutionelle Anleger. Das ursprüngliche Ziel, Bitcoin als Zahlungsmittel im Alltag zu verbreiten, blieb lange ein Randthema. Erst mit USDC, der Digitalwährung, die Coinbase 2018 gemeinsam mit Circle auf den Weg brachte, rückte das Bezahlen wieder ins Zentrum.

Armstrong ist seit 2012 Vorstandschef und kontrolliert über Aktien der Klasse B mit zwanzigfachem Stimmrecht laut Jahresbericht die Mehrheit der Stimmen. Seit dem 15. Dezember 2025 ist Coinbase eine Gesellschaft nach dem Recht von Texas, ein Hauptquartier unterhält das Unternehmen nicht, die meisten Beschäftigten arbeiten von zu Hause aus. In Deutschland erhielt die Tochter Coinbase Germany im Juni 2021 als erstes Unternehmen eine BaFin-Lizenz für das Kryptoverwahrgeschäft.

Firmengeschichte
Von der Bitcoin-Geldbörse zur Börse für alles
Die wichtigsten Wegmarken von Coinbase zwischen Gründung, zwei Abstürzen und dem Ausbau zum Finanzkonzern.
  • 2012Brian Armstrong und Fred Ehrsam gründen Coinbase, Aufnahme bei Y Combinator
  • 2013Erste große Finanzierungsrunde über 4,5 Mio. €, angeführt von Union Square Ventures
  • 2018Start der Digitalwährung USDC gemeinsam mit Circle
  • 2021Direktnotierung an der Nasdaq im April, BaFin-Lizenz für Coinbase Germany im Juni
  • 2022Kryptocrash: Umsatz minus 59 % gegenüber 2021, Abbau von 18 % der Stellen
  • 2023SEC verklagt Coinbase, Start der eigenen Blockchain Base
  • 2025SEC-Klage eingestellt, Aufnahme in den S&P 500, MiCA-Lizenz, Kauf von Deribit, Wechsel nach Texas
  • 2026Abbau von 14 % der Stellen im Mai, CFTC registriert Coinbase Clearing im September

Wie wurde aus der Idee ein Imperium?

Weißes Achterbahn-Modell mit orangem Wagen auf der Spitze und der Jahreszahl 2022
Zwei Booms, zwei Abstürze: 2022 brach der Umsatz von Coinbase gegenüber 2021 um 59 Prozent ein.

Aus der Bitcoin-Geldbörse wurde ein Imperium, weil Coinbase in jedem Kryptoboom die erste Adresse für amerikanische Privatkunden war und die Gewinne der Boomjahre in Lizenzen, Zukäufe und neue Produkte steckte. Den entscheidenden Schub brachte der Börsengang im April 2021.

Am 14. April 2021 ging Coinbase per Direktnotierung an die Nasdaq, ohne neue Aktien auszugeben. Der Referenzpreis lag bei umgerechnet 223 Euro, der erste Kurs bei 339 Euro, was einer Bewertung von fast 89 Milliarden Euro entsprach. Das Jahr 2021 wurde zum Rekordjahr: 6,98 Milliarden Euro Umsatz und 3,23 Milliarden Euro Nettogewinn, fast vollständig aus Handelsgebühren. Ende 2021 beschäftigte Coinbase 3.730 Menschen.

Der Absturz folgte 2022. Bitcoin verlor mehr als die Hälfte seines Werts, mehrere Kryptokonzerne wie FTX brachen zusammen und Coinbase setzte nur noch 2,85 Milliarden Euro um. Der Verlust lag bei 2,34 Milliarden Euro. Im Juni 2022 strich der Konzern rund 18 Prozent der Stellen, im Januar 2023 weitere 21 Prozent. In dieser Phase musste Coinbase hart sparen und legte zugleich die Grundlage für das heutige Modell, weil die USDC-Reserven mit der Zinswende 2022 plötzlich Zinsen abwarfen.

Kennzahl2021202220252. Quartal 2026
Umsatz6,98 Mrd. €2,85 Mrd. €6,40 Mrd. €1,09 Mrd. € (Quartal)
Nettoergebnis+3,23 Mrd. €−2,34 Mrd. €+1,12 Mrd. €−320 Mio. € (Quartal)
Anteil Handel am Nettoumsatz93 %75 %59 %52 %
Beschäftigte3.7304.5104.9514.321

Der zweite Aufstieg kam mit der Politik. Im Februar 2025 stellte die SEC ihre Klage gegen Coinbase ein, mit der die Behörde seit 2023 große Teile des Handels als nicht registriertes Wertpapiergeschäft angegriffen hatte. Im Mai 2025 nahm der Indexanbieter S&P Dow Jones Coinbase als erstes Kryptounternehmen in den S&P 500 auf. Im selben Jahr setzte Coinbase 6,40 Milliarden Euro um und verdiente 1,12 Milliarden Euro, allerdings halbierte sich der Gewinn gegenüber 2024.

Parallel dazu verbreiterten Zukäufe das Geschäft. Den größten Schritt machte Coinbase mit der Derivatebörse Deribit, angekündigt im Mai 2025 für umgerechnet 2,6 Milliarden Euro. Weil Coinbase den Kaufpreis überwiegend in eigenen Aktien bezahlte und deren Kurs bis zum Abschluss im August 2025 stieg, kostete Deribit am Ende 3,83 Milliarden Euro. Hinzu kamen kleinere Übernahmen wie die Investmentplattform Echo und The Clearing Company, ein Spezialist für Prognosemärkte.

Heute zählt Coinbase 4.321 Beschäftigte und 7,6 Millionen monatlich aktive Privatkunden, die Kundenvermögen von 219 Milliarden Euro verwahren lassen. Der Konzern erreicht damit die Größenordnung etablierter Börsenbetreiber, schwankt aber weit stärker. Kein klassischer Handelsplatz verliert binnen eines Jahres mehr als die Hälfte des Umsatzes, wie Coinbase 2022.

Auf den PunktZwei Booms, zwei Abstürze
  • Börsengang: Direktnotierung im April 2021 mit fast 89 Milliarden Euro Bewertung zum Start
  • Absturz: 2022 brach der Umsatz gegenüber 2021 um 59 Prozent ein, zwei Entlassungswellen folgten
  • Comeback: SEC-Klage eingestellt, Aufnahme in den S&P 500, Deribit für 3,83 Milliarden Euro gekauft

Wie verdient Coinbase tatsächlich sein Geld?

Waage vergleicht „Handel“-Münzen und „Zinsen“-Geldscheine
Handel und Zinsen: 52 Prozent des Nettoumsatzes kamen im zweiten Quartal 2026 aus dem Handel.

Coinbase verdient an zwei Stellen: an Gebühren und Spannen beim Kryptohandel privater Kunden und an Zinsen auf die Reserven der Digitalwährung USDC, die der Partner Circle verwaltet. Im zweiten Quartal 2026 kamen 52 Prozent des Nettoumsatzes aus dem Handel und 48 Prozent aus Abos und Diensten.

Der Quartalsbericht an die SEC zeigt für das zweite Quartal 2026 einen Gesamtumsatz von umgerechnet 1,09 Milliarden Euro, 19 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 320 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 1,27 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Der Verlust sieht dramatischer aus, als die Lage im operativen Geschäft ist: Rund 187 Millionen Euro des Verlusts entfallen auf Buchverluste bei den eigenen Bitcoin- und Ether-Beständen, weitere 52 Millionen Euro auf die gesunkene Bewertung der Circle-Beteiligung. Das bereinigte operative Ergebnis vor Abschreibungen lag mit 185 Millionen Euro weiter im Plus.

3a: Der Handel schrumpft, die Abos halten sich

Den größten Block liefert weiter der Handel. 534 Millionen Euro Transaktionserlöse standen im zweiten Quartal in den Büchern, davon 402 Millionen Euro von Privatkunden, ein Minus von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Coinbase führt den Rückgang auf ein im Jahresvergleich um 38 Prozent geringeres Handelsvolumen der Privatkunden im Kassamarkt zurück. Bei institutionellen Kunden stiegen die Erlöse binnen Jahresfrist dagegen um 65 Prozent auf 89 Millionen Euro, vor allem dank der Derivatebörse Deribit, die Coinbase im August 2025 übernommen hat.

Die zweite Säule heißt im Bericht Abos und Dienste und brachte 495 Millionen Euro. Davon entfielen 260 Millionen Euro auf Erlöse aus Stablecoins, 74 Millionen Euro auf Belohnungen für das Absichern von Blockchains, 59 Millionen Euro auf Zinsen und Kreditgebühren und 101 Millionen Euro auf Sonstiges, darunter das Abo Coinbase One. Hinzu kamen 59 Millionen Euro Zinsen auf die eigene Liquidität. 85 Prozent des Umsatzes stammen aus den USA, kein anderes Land erreichte zehn Prozent.

Erlösmodell
Woher 1,09 Milliarden Euro Quartalsumsatz kommen
Umsatz von Coinbase im zweiten Quartal 2026 nach Erlösquelle.
  • Handel Privatkunden402 Mio. €
  • Stablecoin-Erlöse260 Mio. €
  • Sonstige Abos und Dienste101 Mio. €
  • Handel institutionelle Kunden89 Mio. €
  • Staking-Belohnungen74 Mio. €
  • Zinsen und Kreditgebühren59 Mio. €
  • Zinsen auf eigene Liquidität59 Mio. €
  • Sonstige Transaktionen inkl. Base42 Mio. €
Anteile
52 %
Handel am Nettoumsatz
48 %
Abos und Dienste am Nettoumsatz
26 %
Anteil eines einzigen Partners am Gesamtumsatz

3b: Ein Partner, der ein Viertel des Umsatzes überweist

Der größte versteckte Erlösstrom fließt aus einem Vertrag mit Circle, dem Herausgeber von USDC. Jeder USDC ist durch Bargeld und kurz laufende US-Staatsanleihen gedeckt und auf diese Reserven fallen Zinsen an. Laut Jahresbericht behält Circle davon einen Teil als Herausgeber, beide Partner erhalten Zinsen auf die USDC, die auf ihren eigenen Plattformen liegen, und vom Rest bekommt Coinbase die Hälfte. Dieser Rest umfasst auch USDC, die gar nicht bei Coinbase verwahrt werden. 2025 brachte allein der Anstieg dieser fremd verwahrten Bestände ein Plus von umgerechnet 280 Millionen Euro gegenüber 2024.

Im zweiten Quartal 2026 waren im Schnitt USDC im Wert von 68,6 Milliarden Euro im Umlauf, davon 17,8 Milliarden Euro in Produkten von Coinbase. Ein einzelner Geschäftspartner, nach Lage der Verträge Circle, stand für 26 Prozent des gesamten Quartalsumsatzes. Diese Abhängigkeit hat in drei Jahren deutlich zugenommen: 2024 lag der Anteil bei 14 Prozent, 2025 bei 19 Prozent.

Ein zweiter, kleinerer Strom kommt aus Base, einer Blockchain, die Coinbase 2023 selbst gestartet hat. Für jede Transaktion auf Base zahlen Nutzer eine Gebühr an den sogenannten Sequencer, also den Dienst, der die Transaktionen ordnet, und diesen Dienst betreibt Coinbase. Die Erlöse daraus verbucht der Konzern zusammen mit Ein- und Auszahlungsgebühren unter sonstigen Transaktionserlösen, im zweiten Quartal insgesamt 42 Millionen Euro. Eine eigene Zahl für Base nennt Coinbase nicht.

Kennzahl2. Quartal 20252. Quartal 2026
Kundenvermögen auf der Plattform (Quartalsende)379 Mrd. €219 Mrd. €
Monatlich aktive Privatkunden8,7 Mio.7,6 Mio.
Anteil des Umsatzes mit Kunden in den USA86 %85 %

3c: Daten, Bonität und das Vermögen auf der Plattform

Anders als Werbekonzerne verkauft Coinbase keine Nutzerdaten an Anzeigenkunden. Der Datenwert liegt woanders: Jedes Konto ist mit Ausweis geprüft, jeder Kauf und jede Überweisung ist mit Bankverbindung und Blockchain-Adresse verknüpft. Aus diesen Daten speisen sich die Betrugsabwehr, die Kreditvergabe gegen Kryptosicherheiten und die Analysedienste für Behörden. Eine Bilanzposition für diesen Datenbestand fehlt, der Wert zeigt sich nur indirekt in niedrigeren Ausfällen und in Lizenzen, die ohne diese Prüfung nicht zu bekommen wären.

Wie empfindlich dieser Bestand ist, zeigte der Mai 2025. Kriminelle hatten Mitarbeiter eines externen Kundendienstes bestochen und Daten von Kunden abgegriffen, um die Betroffenen anschließend mit gefälschten Anrufen um ihr Geld zu bringen. Coinbase entschädigte die Opfer freiwillig und verbuchte im zweiten Quartal 2025 dafür rund 273 Millionen Euro an Kosten für Plattformvorfälle. Coinbase übertrug danach einen Teil des Kundendienstes von externen Dienstleistern zurück an eigene Beschäftigte.

Wirtschaftlich wichtiger als die Daten ist das verwahrte Vermögen. Ende Juni 2026 lagen Kryptowerte und Stablecoins im Wert von 219 Milliarden Euro auf der Plattform, nach 379 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Der Rückgang geht laut Coinbase vor allem auf gesunkene Kurse zurück, die Zahl der verwahrten Bitcoin stieg sogar. An jeden Euro dieses Kundenvermögens kann Coinbase Folgegeschäft knüpfen: Handel, Staking, Kredite, Verwahrgebühren.

3d: Wo die Marge entsteht

Coinbase weist keine Segmentmargen aus, die Kostenseite des Berichts erlaubt aber eine Annäherung. Beim Staking etwa bucht der Konzern die Belohnungen der Kunden zunächst vollständig als Umsatz und reicht den größten Teil sofort wieder durch. 2025 standen 603 Millionen Euro Staking-Erlösen 381 Millionen Euro an ausgezahlten Belohnungen gegenüber, Coinbase blieben also rund 37 Prozent. Bei den Stablecoins sieht die Rechnung ähnlich aus: Im zweiten Quartal 2026 zahlte Coinbase 106 Millionen Euro USDC-Prämien an Kunden, 41 Prozent der Stablecoin-Erlöse.

Am meisten bleibt beim Handel der Privatkunden hängen. Wer über die einfache App kauft, zahlt eine Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs und zusätzlich eine Gebühr, beides zusammen liegt deutlich über den Sätzen der Profiplattform. Diesen Erlösen stehen vor allem Zahlungs- und Prüfkosten von 38 Millionen Euro im Quartal gegenüber. Den Preisdruck zeigt der Jahresbericht: 2025 kostete die Abwanderung von Kunden in günstigere Tarife rund 342 Millionen Euro Gebührenerlöse.

Erlösquelle (Zeitraum)Umsatzdavon an Kunden oder Partnerbleibt bei Coinbase
Staking-Belohnungen (2025)603 Mio. €381 Mio. € ausgezahlte Belohnungenrund 37 %
Stablecoin-Erlöse (2. Quartal 2026)260 Mio. €106 Mio. € USDC-Prämienrund 59 %
Transaktionserlöse (2025)3,61 Mrd. €909 Mio. € Transaktionskostenrund 75 %

Die Tabelle zeigt nur die direkten Kosten, Gehälter und Technik kommen noch hinzu. Der Vergleich macht aber sichtbar, warum der Konzern so viel Wert auf USDC legt: Das Stablecoin-Geschäft bringt eine höhere Marge als das Staking und schwankt weniger als der Handel. Jeder zusätzliche Euro USDC im Umlauf erhöht die Erlöse, ohne dass Coinbase dafür einen Handel abwickeln muss. Genau deshalb fließt ein wachsender Teil des Marketingbudgets in Prämien für USDC-Guthaben.

3e: Prämien als Lockmittel

Coinbase subventioniert gezielt das Halten von USDC. Abonnenten von Coinbase One und institutionelle Kunden erhalten Zinsen auf ihr USDC-Guthaben, die der Konzern als Marketingausgabe verbucht. Im Jahresbericht begründet Coinbase das offen: Kunden mit USDC auf der Plattform nutzen häufiger andere Produkte, vor allem den Handel. Die Prämien stiegen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 16 Prozent auf 106 Millionen Euro, während das Werbebudget um ein Drittel schrumpfte.

Ähnlich funktioniert die Kreditkarte, die Coinbase 2025 mit bis zu vier Prozent Rückvergütung in Bitcoin gestartet hat. Die Karte ist an das Abo gekoppelt und soll Vermögen auf die Plattform ziehen. Je höher das Guthaben, desto höher die Rückvergütung. Coinbase kauft sich damit die Treue von Kunden mit großen Beständen, also genau jener Gruppe, deren Guthaben die Zinserlöse antreiben und deren Handelsaufträge die Gebühren bringen.

3f: Skaleneffekte bei Verwahrung und Lizenzen

Der größte Kostenvorteil von Coinbase liegt in der Regulierung. Mehr als 80 Lizenzen weltweit nennt der Konzern in seiner Investorenpräsentation, darunter die MiCA-Zulassung für den Europäischen Wirtschaftsraum über eine Gesellschaft in Luxemburg. Jede neue Lizenz kostet Anwaltshonorare, Kapital und Jahre, lässt sich danach aber für jedes weitere Produkt nutzen. Ein Neuling muss diese Fixkosten erst stemmen, bevor er den ersten Kunden bedienen darf.

Hinzu kommt ein Netzwerkeffekt bei der Verwahrung. Coinbase reklamiert für sich, mehr Kryptowerte zu verwahren als jede andere Plattform, und ist Hauptverwahrer der meisten US-Bitcoin-Fonds. Jeder Fonds, der seine Bestände bei Coinbase lagert, macht die Plattform für den nächsten Anbieter attraktiver. Die Kehrseite zeigte das zweite Quartal: Als Anleger Geld aus den Fonds abzogen, sank der Marktanteil der Plattform am gesamten Kryptovermögen von 12,0 auf 11,2 Prozent.

Verschiebung
Vom Handelsplatz zum Zinsempfänger
Anteil von Handel sowie Abos und Diensten am Nettoumsatz von Coinbase.
Handel (Transaktionserlöse)
  • 202193 %
  • 202275 %
  • 202559 %
  • 2. Quartal 202652 %
Abos und Dienste
  • 20217 %
  • 202225 %
  • 202541 %
  • 2. Quartal 202648 %
45 %
Anteil des Nettoumsatzes ohne Bitcoin-Kassahandel im 2. Quartal 2020
88 %
Anteil im 2. Quartal 2026
1,20 Mrd. €
Stablecoin-Erlöse 2025, plus 48 % gegenüber 2024

3g: Vom Bitcoin-Händler zum Zinsempfänger

2021 kamen 93 Prozent des Nettoumsatzes aus Transaktionen, Abos und Dienste spielten mit sieben Prozent kaum eine Rolle. 2025 lag der Handelsanteil noch bei 59 Prozent, im zweiten Quartal 2026 bei 52 Prozent. Coinbase rechnet vor, dass heute 88 Prozent des Nettoumsatzes nicht mehr am Kassahandel mit Bitcoin hängen, im zweiten Quartal 2020 lag dieser Anteil bei 45 Prozent. Neu hinzugekommen sind Derivate, Aktien, Prognosemärkte und die Erlöse aus Base.

Weggebrochen ist dagegen ein Teil des alten Geschäfts. Das Lernprogramm Coinbase Earn, für das Projekte 2021 noch umgerechnet 56 Millionen Euro zahlten, taucht in den Berichten nicht mehr als eigene Erlöszeile auf. Die Richtung ist klar: Coinbase will zur Börse für alles werden, auf der Kunden Kryptowerte, Aktien, Terminkontrakte und Wetten auf Ereignisse handeln. Zusammengehalten wird diese Börse für alles vom Stablecoin, über den Geld auf der Plattform zirkuliert und der dabei Zinsen abwirft.

Auf den PunktZwei Motoren, ein Partner
  • Handel: 534 Millionen Euro im zweiten Quartal 2026, davon 402 Millionen Euro von Privatkunden
  • Stablecoins: 260 Millionen Euro aus den Zinsen auf USDC-Reserven, geteilt mit Circle
  • Abhängigkeit: Ein einzelner Partner stand für 26 Prozent des Quartalsumsatzes

Wie groß ist die Marktmacht von Coinbase?

Ein weißer Tresor mit offener Tür, orangen Schubladen, einem Schafssymbol und dem Wort „Verwahrer“
Hauptverwahrer der Bitcoin-Fonds: In den USA führt kaum ein Weg an Coinbase vorbei.

In den USA ist Coinbase die größte Kryptobörse für Privatkunden und der wichtigste Verwahrer der Bitcoin-Fonds. Weltweit bleibt der Konzern ein Herausforderer: Am gesamten Handelsvolumen mit Kryptowerten erreichte Coinbase im zweiten Quartal 2026 einen Anteil von 10,3 Prozent, so viel wie nie zuvor.

Weltmarktführer im Kassahandel ist nach allen gängigen Branchenauswertungen Binance, eine Börse ohne festen Firmensitz, die in den USA nach einem Vergleich mit dem Justizministerium 2023 kaum noch aktiv ist. Coinbase profitiert davon, dass amerikanische Kunden und Fonds einen regulierten Anbieter brauchen. Diese Rolle sichert der Konzern seit Jahren über die Verwahrung ab: Die meisten US-Fonds, die direkt in Bitcoin investieren, lagern ihre Bestände bei Coinbase. Für die Fondsanbieter ist ein Wechsel aufwendig, weil Prüfer, Aufsicht und Prospekte auf den Verwahrer abgestimmt sind.

Im Privatkundengeschäft ist der Wettbewerb härter. Der Neobroker Robinhood, der den Kryptohandel als Lockangebot neben Aktien und Optionen nutzt, drückt die Gebühren, Kraken und Gemini konkurrieren um aktive Händler. Die Folgen stehen im Jahresbericht: 2025 sank der durchschnittliche Gebührensatz, weil Kunden vom teuren Sofortkauf auf die Profiplattform und ins Abo wechselten. Coinbase antwortet mit Breite statt Preis und listet inzwischen Aktien, Terminkontrakte und Prognosemärkte neben Hunderten Kryptowerten.

Neue Märkte erschließt Coinbase vor allem über Derivate und Prognosemärkte. Mit Deribit kontrolliert der Konzern eine der größten Börsen für Kryptooptionen. Das Derivatevolumen von Coinbase blieb im zweiten Quartal 2026 laut Investorenpräsentation stabil, während der Gesamtmarkt zweistellig schrumpfte. Die Prognosemärkte, auf denen Kunden auf Sportergebnisse oder Kursmarken setzen, erreichten eine hochgerechnete Jahresrate von mehr als 89 Millionen Euro Umsatz, doppelt so viel wie im Vorquartal. Im Rennen um diese Kunden trifft Coinbase direkt auf Robinhood und auf Spezialanbieter wie Kalshi.

In Europa ist Coinbase kleiner, als der Name vermuten lässt. Eine Auswertung des Datenanbieters Kaiko, die der Konkurrent Bitvavo veröffentlicht hat, sieht beim Kassahandel gegen Euro Bitvavo mit 44 Prozent vorn, Kraken mit 20 Prozent auf Platz zwei und Coinbase mit 13 Prozent auf Platz drei. Hinzu kommen in Deutschland Anbieter wie Trade Republic, Bitpanda und Bison, die Krypto als Teil eines größeren Angebots verkaufen. Ein Heimvorteil wie in den USA fehlt Coinbase hier.

Die Bindung entsteht weniger durch Technik als durch Gewohnheit und Guthaben. Kryptowerte lassen sich in Minuten zu einer anderen Börse übertragen, die Wechselkosten sind gering. Ein Kunde mit Abo, USDC-Prämien, einer Kreditkarte mit Bitcoin-Rückvergütung und seiner Steuerhistorie in der App wechselt dagegen selten. Kartellrechtlich steht Coinbase bislang unter keinem nennenswerten Verdacht, der Streit mit Behörden drehte sich stets um die Frage, ob Kryptowerte Wertpapiere sind.

Auf den PunktStark in den USA, Herausforderer weltweit
  • Weltweit: 10,3 Prozent Anteil am Kryptohandel im zweiten Quartal 2026, Binance bleibt Marktführer
  • Verwahrung: Hauptverwahrer der meisten US-Bitcoin-Fonds, ein Wechsel ist für Fonds aufwendig
  • Europa: im Euro-Kassahandel mit 13 Prozent nur auf Platz drei hinter Bitvavo und Kraken

Wer ist bei Coinbase eigentlich das Produkt?

Glas mit orangen Münzen und Strohhalm, Etikett „Ihr Guthaben“
Das Guthaben ist die Ware: Aus jedem Euro auf der Plattform macht Coinbase Folgegeschäft.

Bei Coinbase ist das Guthaben der Kunden das eigentliche Produkt. Aus jedem Euro, der als USDC, Bitcoin oder Bargeld auf der Plattform liegt, macht der Konzern Folgegeschäft, von der Handelsgebühr über die Staking-Provision bis zum Zins auf die Stablecoin-Reserven.

Der Privatkunde erlebt Coinbase als App, in der er Bitcoin kauft. Bezahlt wird über eine Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs und eine Gebühr, die in der Kaufmaske nur als Gesamtbetrag erscheint. Für die meisten Nutzer bleibt unsichtbar, dass ein zweiter Geldstrom an ihnen vorbeiläuft. Für USDC zahlt der Herausgeber Circle den Besitzern keinen Zins, die Erträge der Reserven teilen sich Circle und Coinbase. Nur ein Teil kommt über Prämien an die Kunden zurück.

Nach demselben Muster läuft das Staking. Kunden stellen ihre Kryptowerte bereit, um Blockchains wie Ethereum oder Solana abzusichern, und erhalten dafür Belohnungen. Coinbase behält laut Jahresbericht einen festen Prozentsatz als Provision. Für viele Kunden wirkt das wie ein Zinskonto, rechtlich und technisch bleibt das Staking eine Dienstleistung mit Kursrisiko, denn die Belohnung kommt in derselben Kryptowährung, deren Preis schwanken kann.

Rollen
Wer zahlt, wer kassiert, was wird verkauft?
Die Geldströme rund um ein Guthaben auf Coinbase.
Zahlt
Privatkunde
Zahlt beim Sofortkauf Spanne und Gebühr, im Abo Coinbase One in Europa 4,99 bis 249,99 € im Monat.
Liefert
USDC-Halter
Erhält vom Herausgeber keinen Zins. Coinbase zahlte im zweiten Quartal 2026 stattdessen 106 Mio. € Prämien.
Teilt
Circle
Teilt die Zinsen auf die USDC-Reserven mit Coinbase und stand für 26 % des Quartalsumsatzes.
Zahlt
Fonds und Banken
Zahlen für Verwahrung und Infrastruktur, Coinbase ist Hauptverwahrer der meisten US-Bitcoin-Fonds.
Zahlt
Nutzer von Base
Zahlen je Transaktion eine Gebühr an den Sequencer, den Coinbase betreibt.
Kassiert
Coinbase
Verdient an Handel, Zinsen, Staking, Abos und Verwahrung: 1,09 Mrd. € Umsatz im zweiten Quartal 2026.

Eine dritte Gruppe zahlt, ohne Coinbase direkt zu nutzen. Entwickler und Nutzer der Blockchain Base zahlen für jede Transaktion eine Gebühr, von der Coinbase als Betreiber des Sequencers profitiert. Fondsanbieter entrichten Verwahrgebühren, Banken wie Citi kaufen Infrastruktur ein: Ende September 2026 weitete die US-Großbank laut dem Branchendienst The Block ihre Zusammenarbeit mit Coinbase aus, damit Firmenkunden Zahlungen in Stablecoins annehmen können. Coinbase liefert dafür die Technik im Hintergrund.

Die Rollen verschieben sich also. Vor fünf Jahren war der aktive Händler die wichtigste Kundengruppe. Heute ist der passive Kunde mit großem Guthaben mindestens ebenso wertvoll, weil Zinsen, Staking und Verwahrgebühren auch dann fließen, wenn der Handel ruht. Die Ironie liegt auf der Hand: Eine Plattform, die mit dem Versprechen antrat, Banken überflüssig zu machen, verdient heute ihr stabilstes Geld wie eine Bank, mit der Zinsmarge auf Kundengelder.

Auf den PunktDas Guthaben ist die Ware
  • USDC: Die Zinsen der Reserven teilen sich Circle und Coinbase, Kunden erhalten nur Prämien
  • Staking: Coinbase behält einen festen Prozentsatz der Belohnungen
  • Infrastruktur: Fonds, Banken und Base-Nutzer zahlen, ohne die App zu öffnen

Was kostet Coinbase wirklich und wer trägt die Kosten?

Kleine Eisberg-Figur mit orangefarbener Spitze und Schild
Sichtbar ist nur die Gebühr: Spanne, Abo und Verwässerung kommen bei Coinbase hinzu.

Kunden zahlen bei Coinbase vor allem über die Spanne beim Sofortkauf sowie über Abos zwischen 4,99 und 249,99 Euro im Monat. Der Konzern selbst gab im zweiten Quartal 2026 für jeden Euro Nettoumsatz rund 1,16 Euro an Betriebskosten aus, weshalb operativ ein Verlust blieb.

Die Preisgestaltung ist zweistufig. Im Sofortkauf nennt die App einen Endpreis, in dem eine Coinbase-Gebühr und eine Spanne stecken, einen festen Prozentsatz veröffentlicht der Konzern dafür nicht. Auf der Profiplattform zahlen Kunden niedrigere, nach Volumen gestaffelte Gebühren. Das Abo Coinbase One kostet laut dem Vergleichsportal krypto-trading.com in Europa 4,99 Euro im Monat für gebührenfreien Handel bis 500 Euro, 24,99 Euro bis 10.000 Euro und 249,99 Euro ohne Obergrenze. Die Spanne fällt in allen Stufen weiter an.

Die Kostenseite des Konzerns zeigt, wohin das Geld fließt. Im zweiten Quartal 2026 gab Coinbase für Technik und Entwicklung 421 Millionen Euro aus, mehr als ein Drittel des Nettoumsatzes. Verwaltung kostete 318 Millionen Euro, Vertrieb und Marketing 214 Millionen Euro, davon 106 Millionen Euro USDC-Prämien. Die direkten Transaktionskosten für Zahlungsabwicklung, Prüfungen, Staking-Auszahlungen und Rückbuchungen lagen bei 169 Millionen Euro.

Kostenbestandteil (2. Quartal 2026)Betragje 100 € Nettoumsatz
Technik und Entwicklung421 Mio. €41,0 €
Verwaltung318 Mio. €30,9 €
Vertrieb und Marketing (inkl. USDC-Prämien)214 Mio. €20,8 €
Transaktionskosten169 Mio. €16,4 €
Umbau und Abfindungen47 Mio. €4,5 €
Sonstiges (Kursverluste Betriebsbestand, Erträge)19 Mio. €1,9 €
Summe Betriebskosten1.188 Mio. €115,5 €
Zinsen auf eigene Liquidität59 Mio. €5,7 €
Operatives Ergebnis−101 Mio. €−9,8 €

Ein großer Posten taucht in der Tabelle gar nicht als Geldabfluss auf. Coinbase vergütet seine Beschäftigten zu einem erheblichen Teil mit Aktien. Für das dritte Quartal 2026 rechnet der Konzern mit aktienbasierter Vergütung von umgerechnet rund 218 Millionen Euro. Diese Kosten tragen die Aktionäre über die Verwässerung ihrer Anteile, Coinbase kauft deshalb regelmäßig eigene Aktien zurück und gleicht so einen Teil der neu ausgegebenen Papiere wieder aus.

Bleibt die Frage, wer die Kosten am Ende trägt. Der Privatkunde zahlt über Spanne und Gebühr, der USDC-Halter über entgangene Zinsen, der Aktionär über Verwässerung. Die Asymmetrie liegt im Zyklus: Im Boom steigen Volumen und Gebühren gleichzeitig, im Crash sinkt der Handel schneller, als sich Gehälter und Rechenzentren anpassen lassen. Coinbase hat deshalb Ende Juli 2026 die Kostenprognose für das Gesamtjahr gesenkt und rechnet ohne USDC-Prämien mit stabilen Ausgaben gegenüber 2025.

Auf den PunktFixkosten treffen auf schwankende Erlöse
  • Kunden: zahlen Spanne und Gebühr, im Abo zwischen 4,99 und 249,99 Euro im Monat
  • Konzern: 115,50 Euro Betriebskosten je 100 Euro Nettoumsatz im zweiten Quartal 2026
  • Aktionäre: tragen die Kosten der Aktienvergütung über Verwässerung, Rückkäufe gleichen nur einen Teil aus

Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Eine Waage mit Pokal links und einem Karton
Rückkäufe für Aktionäre, Stellenabbau für Beschäftigte: Das Modell hat klare Gewinner.

Am meisten profitieren die Aktionäre mit Brian Armstrong an der Spitze, Circle als Partner und die Politiker, die Coinbase über den Wahlkampfverein Fairshake unterstützt. Draufzahlen mussten zuletzt die rund 700 entlassenen Beschäftigten und Kunden, die beim Datendiebstahl 2025 ihr Geld verloren.

Für die Aktionäre bleibt Coinbase trotz Verlustquartal ein Geldbringer. Der Konzern hat über Aktienrückkäufe mehr als 1,78 Milliarden Euro an die Aktionäre zurückgegeben und damit seit Ende 2024 mehr als 85 Prozent der durch Aktienvergütung neu entstandenen Papiere wieder eingezogen, so die Rechnung des Konzerns. Armstrong sichert sich über die Stimmrechte der Klasse-B-Aktien die Kontrolle, ohne die Mehrheit des Kapitals zu besitzen. Jede Aktie der Klasse B zählt bei Abstimmungen zwanzigfach.

Circle profitiert als Partner, auch wenn die Aufteilung der Zinsen für Coinbase günstig ausfällt. Ohne die Vertriebsmacht der Börse wäre USDC kaum zum zweitgrößten Stablecoin geworden. Die Abhängigkeit ist gegenseitig, aber nicht symmetrisch: Für Coinbase steht ein Viertel des Umsatzes auf dem Spiel, Circle müsste ohne Coinbase einen großen Teil seiner Zinserträge nicht mehr abgeben.

Gewinner und Verlierer
Wer am Coinbase-Modell verdient und wer verliert
Strukturelle Gewinner und Verlierer des Geschäftsmodells.
Gewinner
Aktionäre und Gründer
Mehr als 1,78 Mrd. € über Rückkäufe zurückgegeben, Armstrong kontrolliert über Klasse-B-Aktien die Stimmenmehrheit.
Gewinner
Circle
Nutzt die Vertriebsmacht der größten US-Kryptobörse für USDC, den zweitgrößten Stablecoin.
Gewinner
Kandidaten mit Fairshake-Hilfe
40,5 Mio. € von Coinbase für den Wahlkampfverein im Zyklus 2024, weitere 29,5 Mio. € für 2026.
Verlierer
Beschäftigte
Rund 700 Stellen im Mai 2026 gestrichen, 14 % der Belegschaft.
Verlierer
Opfer des Datendiebstahls
Fast 70.000 betroffene Kunden, Kosten für Coinbase 273 Mio. € im zweiten Quartal 2025.
Verlierer
Banken
Guthaben in Stablecoins fehlen als Einlagen, der Streit um Prämien läuft in Washington.

Auf der Verliererseite stehen zuerst die Beschäftigten. Im Mai 2026 strich Coinbase rund 700 Stellen und begründete den Abbau mit der Marktlage sowie mit einem Umbau für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Ende Juni zählte der Konzern 4.321 Beschäftigte, nach 4.988 Ende März. Die Abfindungen kosteten 47 Millionen Euro, ein Bruchteil des jährlichen Personalbudgets. Kein einzelner Standort leidet besonders unter dem Abbau, weil Coinbase kein Hauptquartier unterhält.

Die zweite Verlierergruppe sind Kunden, deren Daten 2025 über bestochene Mitarbeiter eines Dienstleisters abflossen. Nach Berichten von CNBC waren fast 70.000 Kunden betroffen, Kriminelle riefen die Betroffenen an und brachten viele von ihnen dazu, Kryptowerte auf fremde Konten zu überweisen. Das geforderte Lösegeld von umgerechnet 17,8 Millionen Euro verweigerte Coinbase. Die Zeche zahlen musste der Konzern am Ende trotzdem, mit Kosten von 273 Millionen Euro allein im zweiten Quartal 2025.

Weniger sichtbar verlieren Banken und kleinere Börsen. Jedes Guthaben, das als USDC auf einer Plattform liegt, fehlt als Einlage auf einem Bankkonto, genau darum streiten Banken und Kryptobranche in Washington. Kleinere Anbieter ohne Lizenzportfolio verlieren Fonds und Großkunden an den regulierten Marktführer. Für die Privatkunden hängt das Ergebnis an ihrer Disziplin: Ein Kunde, der häufig im Sofortkauf handelt, zahlt Coinbase deutlich mehr als jemand, der einmal kauft und liegen lässt.

Coinbase vermarktet sich als Kryptobörse, verdient aber 24 Prozent seines Umsatzes mit Zinsen auf die Reserven eines Stablecoins.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Wie politisch ist Coinbase?

Oranges Megafon auf weißem Podest mit Schild „FAIRSHAKE“ vor weißem Hintergrund
Wahlkampfgeld und Lobbying: Coinbase gab im Zyklus 2024 umgerechnet 40,5 Millionen Euro an Fairshake.

Coinbase ist eines der politisch aktivsten Unternehmen der USA. Allein im Wahlzyklus 2024 überwies der Konzern umgerechnet 40,5 Millionen Euro an den Wahlkampfverein Fairshake und Brian Armstrong brachte im Januar 2026 mit einem Rückzieher ein zentrales Kryptogesetz im Senat ins Stocken.

Fairshake unterstützt Kandidaten beider Parteien, die sich für die Kryptobranche einsetzen, und greift Gegner mit Werbekampagnen an. Laut den Spendenmeldungen bei der Wahlbehörde FEC zahlte Coinbase im Zyklus 2024 in drei Tranchen insgesamt 40,5 Millionen Euro, Armstrong persönlich gab knapp 0,9 Millionen Euro. Für den Zyklus 2026 kommen nach einer Auswertung von FinTech Weekly weitere 29,5 Millionen Euro direkt von Coinbase hinzu. Für klassisches Lobbying gab der Konzern laut IBTimes im ersten Halbjahr 2026 rund 2,0 Millionen Euro aus, mehr als jedes andere Kryptounternehmen.

Das Geld zielt auf ein Gesetz, das die Aufsicht über Kryptowerte zwischen SEC und CFTC aufteilen soll, den CLARITY Act. Im Januar 2026 entzog Armstrong dem Senatsentwurf laut Fortune öffentlich seine Unterstützung, vor allem wegen geplanter Einschränkungen bei Prämien auf Stablecoins, und die Beratung im Bankenausschuss wurde verschoben. Am 15. September 2026 scheiterte das Gesetz im Senat mit 49 zu 50 Stimmen, 60 wären nötig gewesen. Laut FinTech Weekly entzündete sich der Streit an Ethikregeln für Kryptobestände von Amtsträgern, nicht an der Aufsichtsfrage.

DatumEreignisBedeutung für Coinbase
Juni 2023SEC verklagt Coinbase, mehrere Bundesstaaten gehen gegen Staking vorStaking in einigen Staaten gestoppt
Februar 2025SEC und Coinbase beenden das Verfahren endgültigHandel und Staking rechtlich entlastet
Juni 2025MiCA-Lizenz der Luxemburger Aufsicht CSSFZugang zu allen EU-Staaten
Dezember 2025Wechsel der Rechtsform von Delaware nach Texasandere Regeln für Aktionärsklagen
Januar 2026Armstrong stoppt Unterstützung für den SenatsentwurfStreit um Prämien auf Stablecoins
15. September 2026CLARITY Act scheitert im Senat mit 49 zu 50Marktordnung bleibt Sache der Behörden
28. September 2026CFTC registriert Coinbase Clearingeigene Abwicklung für Terminkontrakte

Die Steuerstruktur ist unspektakulärer als bei vielen Tech-Konzernen. Coinbase erzielt 85 Prozent seines Umsatzes in den USA und versteuert seine Gewinne dort, Holdings in Steueroasen spielen in den Berichten keine sichtbare Rolle. Im zweiten Quartal 2026 lag die effektive Steuerquote wegen des Verlusts und einer Wertberichtigung auf Kapitalverluste bei 9,1 Prozent. Der Wechsel nach Texas im Dezember 2025 diente nach Darstellung von Coinbase dem Schutz vor Aktionärsklagen, die in Delaware leichter zu führen sind.

Einen Teil seiner Ziele hat Coinbase bereits erreicht. Im Juli 2025 trat in den USA der GENIUS Act in Kraft, das erste Bundesgesetz für Stablecoins. Herausgeber wie Circle müssen ihre Token seither vollständig mit Bargeld und kurz laufenden Staatsanleihen decken und dürfen den Besitzern selbst keine Zinsen zahlen. Ob Plattformen wie Coinbase Prämien weiterreichen dürfen, ließ das Gesetz offen und genau diese Lücke wollten Banken mit dem CLARITY Act schließen. Das Scheitern im Senat verschafft Coinbase deshalb Zeit, aber keine Rechtssicherheit.

Politisch ist Coinbase damit dort angekommen, wo Banken seit Jahrzehnten stehen: Der Konzern kämpft um die Regeln, nach denen seine Erlöse entstehen. Die Prämien auf USDC sind der Kern dieses Streits. Banken wollen verhindern, dass Plattformen Zinsen aus Stablecoin-Reserven an Kunden weiterreichen, weil das wie eine Einlage ohne Bankenaufsicht wirkt. Coinbase verteidigt genau dieses Modell, für das der Konzern 106 Millionen Euro Prämien im Quartal ausgibt, um Kunden auf der Plattform zu halten.

Auf den PunktEin Konzern, der um seine Regeln kämpft
  • Wahlkampf: 40,5 Millionen Euro an Fairshake im Zyklus 2024, weitere 29,5 Millionen Euro für 2026
  • Gesetz: CLARITY Act am 15. September 2026 im Senat gescheitert
  • Streitpunkt: Prämien auf Stablecoins, die Banken als Einlagen ohne Aufsicht sehen

Was könnte Coinbase zu Fall bringen?

Ein weißer Klemmbausteinturm mit drei orangefarbenen Steinen, auf denen
Zins, Zyklus und Circle: Drei Größen, die Coinbase nicht selbst steuert.

Coinbase hängt an drei Größen, die der Konzern nicht steuert: am Kryptozyklus, am US-Leitzins und an einem einzigen Partner, Circle. Laufen zwei davon gleichzeitig gegen den Konzern, bricht ein großer Teil des Umsatzes weg.

Das Zinsrisiko beziffert Coinbase selbst. Eine Veränderung der Zinsen um 1,5 Prozentpunkte hätte die Stablecoin-Erlöse 2025 laut Jahresbericht um umgerechnet 481 Millionen Euro verschoben, in beide Richtungen. Schon im zweiten Quartal 2026 kosteten gesunkene Zinsen 50 Millionen Euro Stablecoin-Erlöse, nur ein höherer USDC-Bestand glich das teilweise aus. Senkt die US-Notenbank die Zinsen weiter, wird das Polster dünner, das Coinbase durch die Krypto-Flaute hilft.

Das Zyklusrisiko zeigt der Ausblick auf das dritte Quartal. Bis zum 26. Juli kamen nur rund 116 Millionen Euro Transaktionserlöse zusammen, Coinbase warnte ausdrücklich davor, diesen Wert hochzurechnen. Die Schwankung der Kryptokurse lag im zweiten Quartal auf einem Mehrjahrestief und ohne Kursbewegung handeln Privatkunden wenig. Die Analysten von Bernstein senkten bereits im März 2026 ihr Kursziel für die Aktie von umgerechnet 392 auf 294 Euro, hielten aber an ihrer Kaufempfehlung fest.

Das dritte Risiko ist politisch. Scheitert das Prämienmodell an einer künftigen Regel, verliert Coinbase das wichtigste Werkzeug, um USDC auf der Plattform zu halten. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz für USDC selbst: Der Marktführer Tether kam Anfang Oktober 2026 laut dem Datendienst DefiLlama auf einen Umlauf von umgerechnet 164 Milliarden Euro, USDC auf 66 Milliarden Euro. Banken wie Citi bauen eigene Lösungen, auch wenn Citi vorerst mit Coinbase zusammenarbeitet.

Szenario bis 2031AnnahmeFolge für Coinbase
Börse für allesAktien, Derivate und Prognosemärkte wachsen, USDC gewinnt AnteileHandel weniger zyklisch, Stablecoin-Erlöse steigen trotz niedrigerer Zinsen
ZinsfalleLeitzins sinkt deutlich, Prämienverbot für PlattformenStablecoin-Erlöse halbiert, Kunden ziehen USDC ab
BankenkonkurrenzGroßbanken geben eigene Stablecoins aus und bieten Kryptohandel anCoinbase wird Technikdienstleister mit niedrigeren Margen

Ein hausgemachtes Risiko steckt in der eigenen Bilanz. Coinbase hat 2026 gezielt Bitcoin gekauft und hielt Ende Juni 17.311 Bitcoin im Wert von 903 Millionen Euro, dazu gut 150.000 Ether. Fallen die Kurse, schlagen die Buchverluste direkt auf das Nettoergebnis durch, wie im zweiten Quartal mit 187 Millionen Euro. Ähnlich wirkt die Beteiligung an Circle, deren Wert nach dem Börsengang des Partners im Juni 2025 einen Buchgewinn von 1,31 Milliarden Euro brachte. Einen Teil der Aktien verkaufte Coinbase Anfang 2026, der Wert des Rests schwankt mit dem Börsenkurs des wichtigsten Partners.

Daneben bleiben die Risiken eines Unternehmens, das Vermögen in dreistelliger Milliardenhöhe verwahrt. Ein großer Diebstahl aus der Verwahrung würde das Vertrauen der Fonds treffen, auf dem die Marktstellung beruht. Hinzu kommt die Abhängigkeit von Armstrong, der als Gründer, Vorstandschef und Inhaber der Stimmenmehrheit das Unternehmen prägt.

Auf den PunktDrei Größen außerhalb der Kontrolle
  • Zins: 1,5 Prozentpunkte bewegen die Stablecoin-Erlöse um 481 Millionen Euro im Jahr
  • Zyklus: nur 116 Millionen Euro Transaktionserlöse im dritten Quartal bis Ende Juli 2026
  • Regeln: ein Prämienverbot würde USDC auf der Plattform unattraktiv machen

Was bedeutet Coinbase für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Weißer Metallspind mit orangefarbener Tür und Vorhängeschloss, 'MiCA geprüft'-Aufkleber
Reguliert, aber nicht billig: Coinbase bedient Kunden in Deutschland mit europäischer MiCA-Lizenz.

Für Verbraucher in Deutschland ist Coinbase ein regulierter, aber vergleichsweise teurer Weg in den Kryptomarkt. Für Unternehmen wird der Konzern vor allem als Infrastrukturanbieter für Zahlungen in Stablecoins interessant, ein Geschäft, das Coinbase gerade mit Banken wie Citi aufbaut.

Krypto ist in Deutschland kein Nischenthema mehr. Laut einer Umfrage von BearingPoint und YouGov, über die das Fachmagazin Cash im August 2026 berichtete, besitzen 12,8 Prozent der Erwachsenen Kryptowerte, rund neun Millionen Menschen. Coinbase bedient den deutschen Markt seit Juni 2025 über die Luxemburger Gesellschaft mit MiCA-Lizenz, die für alle EU-Staaten gilt. Die europäische Verordnung schreibt unter anderem vor, dass Kundenwerte getrennt vom Firmenvermögen verwahrt werden.

Für Privatanleger lohnt der Blick auf die Kostenstruktur. Ein Sparer, der regelmäßig kleine Beträge über den Sofortkauf investiert, zahlt Spanne und Gebühr bei jedem Kauf. Günstiger kommen Kunden über die Profiplattform oder über Neobroker mit festen Ordergebühren weg. Ein Abo rechnet sich nur bei regelmäßigem Handel. Steuerlich spielt der Anbieter keine Rolle: Gewinne aus Kryptowerten sind in Deutschland nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei.

Neobanken verkaufen Krypto meist als Zusatzangebot. Revolut verdient am Kryptohandel seiner Kunden ebenfalls über Gebühren und Spannen, bietet aber Girokonto, Karte und Sparen aus einer Hand. Coinbase setzt umgekehrt auf Tiefe im Kryptogeschäft, mit Staking, Derivaten und eigener Blockchain. Für Kunden, die Kryptowerte nur nebenbei halten, ist das breitere Angebot oft praktischer, für aktive Händler die spezialisierte Plattform.

Für Unternehmen zählt vor allem der Zahlungsverkehr. Stablecoins wie USDC und das Euro-Gegenstück EURC erlauben Überweisungen rund um die Uhr, auch über Grenzen hinweg und ohne Korrespondenzbanken. Ähnlich wie Visa, das Abrechnungen mit Banken inzwischen auch in Stablecoins abwickelt, baut Coinbase eine Infrastruktur für Händler und Banken auf. Für deutsche Mittelständler mit Lieferanten oder Kunden in Asien und Lateinamerika kann das Kosten senken, sofern Buchhaltung und Steuerberater mitziehen.

Für die kommenden zwölf Monate zeichnen sich drei Szenarien ab. Im optimistischen Fall zieht der Kryptomarkt wieder an, die Handelserlöse steigen und Coinbase gewinnt mit dem Clearinghaus Marktanteile bei Derivaten. Im realistischen Fall bleibt der Handel schwach, Stablecoins und Abos stabilisieren den Umsatz und der Konzern hält sich operativ knapp an der Gewinnschwelle. Im pessimistischen Fall fallen Zinsen und Kurse gleichzeitig, eine neue Regel kappt die USDC-Prämien und ein weiterer Stellenabbau folgt.

RolleEmpfehlung
PrivatanlegerSofortkauf meiden, Gebühren vor dem Kauf in der Vorschau prüfen, Haltedauer von einem Jahr für die Steuer beachten
Aktive HändlerProfiplattform statt App-Kauf nutzen, Abo nur bei regelmäßigem Handel abschließen
Unternehmen mit AuslandszahlungenStablecoin-Zahlungen in einem Pilotprojekt testen, Buchhaltung und Geldwäscheprüfung vorher klären
Finanzanbieter und BankenPartnerschaft für Verwahrung und Abwicklung prüfen, Abhängigkeit von einem einzigen Infrastrukturanbieter vermeiden
Auf den PunktReguliert, aber nicht billig
  • Verbraucher: MiCA-Lizenz schützt Kundenwerte, der Sofortkauf bleibt teuer
  • Unternehmen: Stablecoin-Zahlungen als Option für Auslandsgeschäfte
  • Ausblick: zwölf Monate zwischen Kryptoerholung und Zinsfalle

Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zum Coinbase-Geschäftsmodell

Ein offenes Buch mit einem orangefarbenen Zettel
Von Clearinghaus bis Verwässerung: die wichtigsten Begriffe zum Geschäftsmodell von Coinbase.

Bereinigtes EBITDA

Bereinigtes EBITDA ist das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, zusätzlich bereinigt um Posten wie Aktienvergütung oder Buchverluste auf Kryptobestände. Coinbase meldete im zweiten Quartal 2026 einen Wert von 185 Millionen Euro, obwohl unter dem Strich ein Verlust stand.

Clearinghaus

Ein Clearinghaus steht zwischen Käufer und Verkäufer eines Terminkontrakts, verwaltet die Sicherheiten und rechnet die Geschäfte ab. Fällt eine Seite aus, springt das Clearinghaus ein. Coinbase Clearing darf seit September 2026 voll besicherte Terminkontrakte in den USA abwickeln.

Direktnotierung

Bei einer Direktnotierung lässt ein Unternehmen bestehende Aktien an der Börse handeln, ohne neue Papiere auszugeben und ohne Bankenkonsortium. Der erste Kurs ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Coinbase wählte diesen Weg im April 2021 an der Nasdaq.

Kassahandel

Im Kassahandel wechseln Kryptowerte sofort gegen Geld den Besitzer, im Gegensatz zu Terminkontrakten mit späterer Erfüllung. Bei Coinbase bringt der Kassahandel von Privatkunden die höchsten Gebühren, schwankt aber am stärksten mit der Marktlage.

Kundenvermögen

Das Kundenvermögen, bei Coinbase Assets on Platform genannt, umfasst alle Kryptowerte und Stablecoins, die Kunden auf der Plattform halten oder verwahren lassen. Ende Juni 2026 waren das umgerechnet 219 Milliarden Euro, ein Jahr zuvor 379 Milliarden Euro.

Mehrstimmrechtsaktie

Eine Mehrstimmrechtsaktie gibt ihrem Besitzer mehr Stimmen, als sein Kapitalanteil vorsieht. Bei Coinbase zählt jede Aktie der Klasse B zwanzigfach. Gründer Brian Armstrong kontrolliert damit die Mehrheit der Stimmen, ohne die Mehrheit des Kapitals zu besitzen.

MiCA

MiCA ist die europäische Verordnung über Märkte für Kryptowerte. Die Verordnung regelt Zulassung, Kundenschutz und Verwahrung für Kryptoanbieter in der EU. Coinbase erhielt die Lizenz im Juni 2025 über eine Gesellschaft in Luxemburg und darf damit in allen EU-Staaten tätig sein.

Prognosemarkt

Auf einem Prognosemarkt handeln Kunden Kontrakte, deren Wert vom Ausgang eines Ereignisses abhängt, etwa einem Sportergebnis oder einer Kursmarke. Coinbase erzielte damit im zweiten Quartal 2026 eine hochgerechnete Jahresrate von mehr als 89 Millionen Euro Umsatz.

Sequencer

Der Sequencer ordnet auf einer Blockchain wie Base die eingehenden Transaktionen und bündelt diese für die endgültige Speicherung auf Ethereum. Für jede Transaktion fällt eine Gebühr an. Coinbase betreibt den Sequencer von Base und verbucht diese Gebühren als Umsatz.

Spanne

Die Spanne, auch Spread genannt, ist der Unterschied zwischen dem Kurs, zu dem ein Anbieter kauft, und dem Kurs, zu dem er verkauft. Beim Sofortkauf in der Coinbase-App steckt die Spanne zusätzlich zur Gebühr im angezeigten Endpreis.

Stablecoin

Ein Stablecoin ist ein Kryptowert, dessen Kurs an eine Währung gekoppelt und durch Reserven gedeckt ist. Der Herausgeber legt die Reserven in Bargeld und kurz laufenden Staatsanleihen an und verdient an den Zinsen. USDC von Circle ist der wichtigste Stablecoin für Coinbase.

Staking

Beim Staking stellen Kunden Kryptowerte bereit, um eine Blockchain abzusichern, und erhalten dafür Belohnungen in derselben Kryptowährung. Coinbase übernimmt die Technik und behält einen festen Prozentsatz der Belohnungen als Provision.

Verwässerung

Verwässerung entsteht, wenn ein Unternehmen neue Aktien ausgibt und der Anteil bestehender Aktionäre dadurch sinkt. Bei Coinbase entstehen neue Aktien vor allem durch die Vergütung der Beschäftigten, Rückkäufe gleichen einen Teil davon aus.

FAQ: Coinbase Geschäftsmodell

Ein oranges Sparschwein mit einem „FAQ“-Schildchen auf einem weißen Sockel
Häufige Fragen zu Coinbase: Erlöse, Verlust, Regulierung, Kosten und die Rolle von USDC.

Wie verdient Coinbase Geld?

Coinbase verdient vor allem an Gebühren und Spannen beim Kryptohandel und an Zinsen auf die Reserven der Digitalwährung USDC, die sich der Konzern mit dem Herausgeber Circle teilt. Hinzu kommen Abos, Provisionen auf Staking-Belohnungen, Verwahrgebühren und Derivate. Im zweiten Quartal 2026 kamen 52 Prozent des Nettoumsatzes aus dem Handel.

Warum machte Coinbase im zweiten Quartal 2026 Verlust?

Coinbase wies einen Nettoverlust von umgerechnet 320 Millionen Euro aus. Ein großer Teil geht auf Buchverluste bei eigenen Bitcoin- und Ether-Beständen und auf die gesunkene Bewertung der Circle-Beteiligung zurück. Zugleich brachen die Transaktionserlöse mit Privatkunden gegenüber dem Vorjahresquartal um 31 Prozent ein. Das bereinigte EBITDA blieb mit 185 Millionen Euro positiv.

Ist Coinbase in Deutschland reguliert?

Ja. Coinbase bietet seine Dienste in der EU über eine Gesellschaft in Luxemburg an, die seit Juni 2025 eine Lizenz nach der europäischen Kryptoverordnung MiCA besitzt. Die deutsche Tochter Coinbase Germany erhielt bereits im Juni 2021 eine BaFin-Lizenz für das Kryptoverwahrgeschäft.

Was kostet Coinbase One in Europa?

Laut dem Vergleichsportal krypto-trading.com kostet das Abo in Europa 4,99 Euro im Monat für gebührenfreien Handel bis 500 Euro, 24,99 Euro bis 10.000 Euro und 249,99 Euro ohne Obergrenze. Die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs fällt auch im Abo an.

Wem gehört Coinbase?

Coinbase ist seit April 2021 an der Nasdaq notiert und gehört seinen Aktionären. Gründer und Vorstandschef Brian Armstrong kontrolliert über Aktien der Klasse B mit zwanzigfachem Stimmrecht die Mehrheit der Stimmen. Seit Dezember 2025 ist Coinbase eine Gesellschaft nach dem Recht von Texas.

Was hat Coinbase mit USDC zu tun?

Coinbase hat die Digitalwährung USDC 2018 gemeinsam mit Circle auf den Weg gebracht. Circle gibt USDC heraus und legt die Reserven an. Coinbase erhält Zinsen auf die USDC in den eigenen Produkten und die Hälfte des verbleibenden Ertrags. 2025 brachte das 1,20 Milliarden Euro Umsatz.

Quellen

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Coinbase Global, Inc. | Investorenpräsentation zum zweiten Quartal 2026, 8-K vom 30.07.2026 | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1679788/000167978826000087/q226earningsdeck_sec.htm | besucht am 03.10.2026

Coinbase Global, Inc. | Jahresbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (12.02.2026) | https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1679788/000167978826000015/coin-20251231.htm | besucht am 03.10.2026

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FinTech Weekly | CLARITY Act, Senate campaign finance and Fairshake FEC data (2026) | https://www.fintechweekly.com/news/clarity-act-senate-campaign-finance-fairshake-crypto-pac-fec-data-2026 | besucht am 03.10.2026

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Decrypt | Bernstein senkt Kursziel für Coinbase (30.03.2026) | https://decrypt.co/362727/ | besucht am 03.10.2026

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Bitvavo | Kaiko-Report 2026 zum Euro-Kassahandel | https://bitvavo.com/en/news/kaiko-report-2026 | besucht am 03.10.2026

Cash Online | Krypto-Besitz in Deutschland: fast neun Millionen Erwachsene halten Coins (14.08.2026) | https://www.cash-online.de/a/krypto-besitz-in-deutschland-fast-neun-millionen-erwachsene-halten-coins-724169/ | besucht am 03.10.2026

krypto-trading.com | Coinbase Gebühren (2026) | https://www.krypto-trading.com/coinbase-gebuehren/ | besucht am 03.10.2026

CNBC | Coinbase says hackers bribed staff to steal customer data (15.05.2025) | https://www.cnbc.com/2025/05/15/coinbase-says-hackers-bribed-staff-to-steal-customer-data-and-are-demanding-20-million-ransom.html | besucht am 03.10.2026

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S&P Dow Jones Indices | Coinbase Global Set to Join S&P 500 (12.05.2025) | https://press.spglobal.com/2025-05-12-Coinbase-Global-Set-to-Join-S-P-500 | besucht am 03.10.2026

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Presseportal | Coinbase erhält als erstes Unternehmen eine BaFin-Lizenz für das Kryptoverwahrgeschäft (2021) | https://www.presseportal.de/pm/156837/4954481 | besucht am 03.10.2026

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