Mit einer einzigen Signatur ging am Donnerstagabend die Kontrolle über eine Binance-Wallet an einen fremden Smart Contract, danach flossen mehr als 2,8 Mrd. Dollar (rund 2,5 Mrd. Euro) ab. Die Kryptobörse spricht von einem Sicherheitsvorfall und hat Auszahlungen über mehrere Blockchains gestoppt.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenUm 21:20 Uhr deutscher Zeit unterschrieb am Donnerstag jemand mit dem Schlüssel der Binance-Wallet „Binance 14“ eine Vollmacht für einen fremden Smart Contract.[2] Dreieinhalb Minuten später räumte der Smart Contract die Wallet leer: 167.464 Ether und 63 weitere Token, darunter 1,6 Mrd. Dollar in der Digitalwährung USDT. Einen Hack oder eine Schadenssumme bestätigt Binance bisher nicht. Stand: Freitag, 30. Oktober, 2:45 Uhr.
Das Wichtigste in Kürze
- Aus drei Binance-Wallets flossen auf Ethereum rund 2,5 Mrd. Euro ab.
- Binance bezeichnet die Kundengelder als sicher und setzt Auszahlungen über mehrere Blockchains aus.
- Tether und Circle haben nach eigenen Angaben Stablecoins für mehr als 2 Mrd. Euro eingefroren, Bitcoin fiel auf ein Sechswochentief.
- Wie die nötige Signatur zustande kam, ist offen.
Was ist bei Binance passiert?

Auf die Hauptüberweisung folgten binnen 17 Minuten zwei weitere: 28.005 Ether aus der Wallet „Binance 16“ und 780 Mio. Dollar in der Digitalwährung USDC. Nach Daten des Blockchain-Dienstes Etherscan summieren sich die Abflüsse auf mehr als 2,8 Mrd. Dollar. Höhere Schätzungen bis 5,7 Mrd. Dollar sind unbelegt.
Binance schrieb auf X: „Unsere Teams wissen von Berichten über ein mögliches Sicherheitsproblem und prüfen sie. Die Gelder der Nutzer sind vollständig sicher.“[1] Sprecher Ross O’Leary sagte dem Techportal TechCrunch, die Börse habe Auszahlungen über mehrere Blockchains nach einem Sicherheitsvorfall vorsorglich ausgesetzt.[4] Gründer Changpeng Zhao, der Binance nicht mehr führt, schrieb, der Vorgang sehe nach einem Hack aus. Tether-Chef Paolo Ardoino und Circle-Chef Jeremy Allaire meldeten eingefrorene Stablecoins; Ether dagegen kann niemand sperren.
Wie konnte eine Signatur die Wallet öffnen?
Seit dem Ethereum-Update Pectra im Mai 2025 darf ein gewöhnliches Konto die Kontrolle an den Code eines Smart Contracts abgeben. Diese Vollmacht nach dem Ethereum-Standard EIP-7702 gilt nur, wenn der private Schlüssel des Kontos sie unterschreibt.[3] Der Absender der Vollmacht besaß also entweder den Schlüssel, oder das Signatursystem der Börse hat eine fremde Anweisung abgezeichnet. Laut dem Analysten Detective Pho waren 50 Vollmachten vorab signiert, damit Binance sie nicht rasch widerrufen konnte.
Das Muster kennt die Branche. Bei Bybit verschwanden im Februar 2025 rund 1,3 Mrd. Euro, weil Mitarbeiter eine manipulierte Transaktion freigaben. Binance, die Börse ohne festen Firmensitz, verlor selbst 2019 rund 7.000 Bitcoin und ersetzte den Schaden aus ihrem Notfallfonds SAFU. Die Schwachstelle lag beide Male nicht in der Blockchain, sondern in der Freigabe davor.
So lief der Abend ab (deutsche Zeit)
Binance hat seinen Notfallfonds genau für solche Nächte angelegt. Jetzt muss sich zeigen, ob er auch für Milliardenschäden reicht.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Unternehmen mit Kryptobeständen?
Seit der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA) haften zugelassene Verwahrer ihren Kunden für verlorene Kryptowerte, sofern der Vorfall ihnen zuzurechnen ist. Die Haftung endet beim Marktwert zum Zeitpunkt des Verlusts.[5] Wie ernst die Aufsicht die getrennte Verwahrung von Kundengeldern nimmt, zeigt das Bußgeld der irischen Zentralbank gegen Coinbase. Ob Binance diesmal den SAFU-Fonds anzapft, ist offen.
Firmen mit Kryptobeständen auf Börsenkonten sollten heute handeln:
- Kontostände mit Uhrzeit sichern, für mögliche Ansprüche und die Steuer
- Im Register der EU-Wertpapieraufsicht ESMA nachsehen, ob der eigene Anbieter eine MiCA-Zulassung hat
- Auf Börsen nur den Handelsbestand lassen und Hardware-Wallets direkt beim Hersteller kaufen, seit in Ledger-Geräten eines Zwischenhändlers ein Spionagechip auftauchte
- Keinem Link zu einer angeblichen Erstattung folgen, wovor Binance selbst warnt; manipulierte Skripte tauschten schon Krypto-Adressen aus
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Binance auf XStellungnahme zu Berichten über ein mögliches Sicherheitsproblem
- EtherscanTransaktion „EIP-7702: Binance 14 Delegate to 0x63e842B0…“ (29. Oktober 2026, 20:20 Uhr UTC) und Abfluss an „Binance Hot Wallet Exploiter 2“ (20:24 Uhr UTC)
- Ethereum Improvement ProposalsEIP-7702: Set Code for EOAs
- TechCrunchBinance pauses withdrawals as hackers suspected of stealing billions in crypto, Zack Whittaker, mit Stellungnahme von Binance-Sprecher Ross O’Leary
- Verordnung (EU) 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte (MiCA)Artikel 75 Absatz 8
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