Artikel teilen

Rund die Hälfte der Starbucks-Kunden bestellt am Drive-in-Schalter. Dort soll künftig eine KI im Hintergrund den Baristas helfen, Bestellungen genauer und schneller in die Kasse einzugeben. Mit dem Kunden spricht weiter ein Mensch, anders als bei McDonald’s, das 2024 einen Test mit sprechender KI beendet hat.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen

Konzernchef Brian Niccol kündigte den Test am Donnerstagabend in der Telefonkonferenz zu den Jahreszahlen an.[1] Starten soll er im Geschäftsjahr 2027, das Ende September begann. Welche Software Starbucks einsetzt, in wie vielen Filialen getestet wird und wann, hat der Konzern offengelassen. Stand: Freitag, 30. Oktober, 2:25 Uhr.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Starbucks will im Geschäftsjahr 2027 KI-Modelle testen, die Baristas am Drive-in beim Eingeben der Bestellung unterstützen.
  • Zusätzlich prüft der Konzern, ob er angemeldete Kunden bei der Ankunft erkennen kann.
  • McDonald’s beendete 2024 seinen Test mit sprechender KI, Taco Bell setzt bei langen Schlangen wieder stärker auf Mitarbeiter.

Was genau will Starbucks am Drive-in testen?

Weißer Lautsprecher mit Pappbecher und blauem Notizzettel mit dem Schriftzug 'Hafer?'
KI-Modelle unterstützen Baristas bei schnellerer Bestellaufnahme, sodass mehr Zeit für Kunden bleibt. Starbucks testet Personalisierung für angemeldete Gäste

Niccol spricht von KI-Modellen, die im Hintergrund laufen und den Baristas helfen, Bestellungen genauer und schneller einzugeben, während sie mit dem Kunden reden. So sollen die Beschäftigten mehr Zeit für den Gast haben und die Wartezeit sinken. Dazu prüft Starbucks, ob sich angemeldete Kunden bei der Ankunft erkennen lassen, um ihnen eine personalisierte digitale Menütafel zu zeigen und das Bezahlen zu vereinfachen. Niccol betont, dass das Vorhaben in einem frühen Stadium ist.[1]

Der Drive-in-Test ist Teil einer Technik-Offensive, mit der Starbucks auch neue Kassen- und Dienstplansysteme einführt. Schon im Juli war bekannt, dass der Konzern Software von Microsoft und IBM durch eigene KI-Werkzeuge ersetzt. Das Geschäft läuft besser: In den USA stieg der flächenbereinigte Umsatz im vierten Quartal um 7,7 Prozent.[2]

Warum lässt Starbucks die KI nicht selbst bestellen?

Zwei Konkurrenten ließen die KI selbst sprechen. McDonald’s testete die automatische Bestellannahme mit IBM zwei Jahre lang und schaltete sie laut Restaurant Business bis Ende Juli 2024 in mehr als 100 Restaurants ab.[3] Taco Bell ließ die Sprach-KI in mehr als 500 Drive-ins mehr als zwei Millionen Bestellungen aufnehmen. Im August 2025 räumte Digitalchef Dane Mathews im Wall Street Journal ein, bei langen Schlangen sei ein Mitarbeiter manchmal die bessere Wahl.[4]

Starbucks dreht die Arbeitsteilung um. Eine Kaffeebestellung besteht oft aus Milchsorte, Sirup und Extra-Espresso; versteht eine Sprach-KI davon etwas falsch, merkt der Kunde den Fehler erst am Fenster. Bleibt der Barista im Gespräch, prüft ein Mensch jede Eingabe, bevor sie an die Theke geht. Dasselbe Prinzip wählt der Oberpfälzer CRM-Anbieter Rowisoft, dessen KI-Assistent Kundendaten erst nach Freigabe ändert.

KI am Drive-in: drei Ketten, drei Wege
Starbucks-Zahlen aus der Mitteilung zu den Jahreszahlen und der Telefonkonferenz vom 29. Oktober 2026, Beträge in Euro zum Kurs 0,87
rund 50 %
der Starbucks-Kunden bestellen am Drive-in-Schalter
41.607
Starbucks-Filialen weltweit Ende September 2026, davon 16.781 in den USA
+7,7 %
flächenbereinigter Umsatz in den USA im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026
7,9 Mrd. €
Konzernumsatz im vierten Quartal, 4 Prozent weniger wegen des neuen China-Gemeinschaftsunternehmens

Wo die KI arbeitet

1
McDonald’s: Sprach-KI von IBM nahm in mehr als 100 Restaurants Bestellungen an, im Juli 2024 nach zwei Jahren abgeschaltet.
2
Taco Bell: Sprach-KI in mehr als 500 Drive-ins, über zwei Millionen Bestellungen; bei langen Schlangen sollen seit 2025 wieder öfter Mitarbeiter die Bestellung annehmen.
3
Starbucks: Der Barista spricht mit dem Kunden, die KI hilft im Hintergrund beim Eingeben. Test ab dem Geschäftsjahr 2027, Umfang offen.

Starbucks lässt den Barista am Mikrofon und die KI an der Kasse. Einen Hörfehler der Software bemerkt dann ein Mensch, bevor der Kaffee falsch ist.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Zitat teilen

Was heißt das für Gastronomie und Handel im deutschsprachigen Raum?

Eine KI, die Gespräche am Bestellschalter auswertet, verarbeitet personenbezogene Daten von Kunden und Beschäftigten. Kunden müssen nach Artikel 13 DSGVO erfahren, was mit ihrer Stimme geschieht. Eignet sich ein System dazu, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen, hat der Betriebsrat nach § 87 Absatz 1 Nummer 6 Betriebsverfassungsgesetz mitzubestimmen. Gäste bei der Ankunft zu erkennen, setzt in der Regel ihre Einwilligung voraus; Starbucks selbst spricht nur von teilnehmenden Kunden.

Für Ketten, Bäckereien und Händler mit Bestellschalter oder KI-Telefonassistent lohnen zwei Schritte:

  • Den Betriebsrat einbinden, bevor eine KI Gespräche mitschreibt, und festlegen, dass Aufnahmen nicht zur Leistungskontrolle dienen
  • KI zuerst dort einsetzen, wo ein Mensch jede Eingabe prüft, und sie erst später selbst mit Kunden sprechen lassen

Wie viel Gespräch an der Theke bleibt, zeigt unser KI-Check für die Fachkraft für Gastronomie.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. StarbucksTelefonkonferenz zu den Zahlen des vierten Quartals und des Geschäftsjahres 2026, Brian Niccol und Cathy Smith29.10.2026
  2. StarbucksStarbucks Reports Q4 and Full Fiscal Year 2026 Results, Form 8-K, Exhibit 99.129.10.2026
  3. Restaurant BusinessMcDonald’s is ending its drive-thru AI test, Jonathan Maze14.06.2024
  4. The Wall Street Journal: „Taco Bell Rethinks Future of Voice AI at the Drive-Through“, Interview mit Dane Mathews (August 2025, hinter Bezahlschranke)

Mehr Newshunger?

4,1 13 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?