Artikel teilen

Volkswagen hat mehr als 330.000 Beschäftigten Microsofts KI-Assistenten Copilot freigeschaltet, etwa der Hälfte seiner Belegschaft. Microsoft nennt dazu Nutzerzahlen, aber weder Kosten noch gemessene Zeitersparnis. Arbeitgeber in Deutschland, die Ähnliches planen, brauchen dafür in der Regel die Zustimmung des Betriebsrats.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen

„Echten Nutzen bringt KI erst, wenn sie im Arbeitsalltag flächendeckend verfügbar ist“, sagt Sophie Vassarotti, die bei Volkswagen den Bereich Daten und KI des Konzerns leitet.[1] Nach diesem Grundsatz hat der Konzern Copilot in Stufen eingeführt: zuerst als Chat, inzwischen mit Zugriff auf Mails, Dateien und Besprechungen.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Microsoft haben mehr als 330.000 VW-Beschäftigte Zugang zu Copilot, zuletzt waren über 26.000 KI-Agenten aktiv.
  • Lizenzkosten und gemessene Produktivität nennen beide Unternehmen nicht.
  • In Deutschland ist ein Assistent, dessen Nutzung der Arbeitgeber auswerten kann, in der Regel mitbestimmungspflichtig.

Was hat Volkswagen eingeführt?

Ein Stapel hellblauer Karten mit dem Aufdruck „Assistent inklusive“
Microsoft integriert KI-Copilot in Unternehmensabläufe: über 300.000 Mitarbeiter nutzen monatlich Copilot Chat, nun auch mit Work IQ in Entwicklung, Produktion, Einkauf und Vertrieb

Die erste Stufe war Copilot Chat, den laut Microsoft zuletzt mehr als 300.000 Beschäftigte im Monat nutzten.[1] Inzwischen nutzen Beschäftigte Copilot mit Work IQ, und der Konzern bindet KI laut Microsoft in Abläufe von der Entwicklung über die Produktion bis zu Einkauf und Vertrieb ein. Gemessen an den 662.900 Beschäftigten, die der Konzern Ende 2025 einschließlich der Gemeinschaftsunternehmen in China zählte, hat damit etwa die Hälfte Zugang.[2]

Hinzu kommen nach Microsofts Angaben mehr als 26.000 KI-Agenten, die im vergangenen Monat im Konzern aktiv waren. Ausbauen wollen beide Firmen außerdem die „Intelligent Data Foundation“, die gemeinsame Datenbasis des Konzerns auf Microsofts Plattform Fabric.

Was ändert Work IQ an der Arbeit mit Copilot?

Work IQ ist der Baustein, über den Copilot auf Arbeitsdaten zugreift: Mails in Outlook, Chats und Mitschriften von Besprechungen aus Teams, Kalender sowie Dateien in OneDrive und SharePoint.[3] Copilot zeigt laut Microsofts Dokumentation nur Inhalte, die der jeweilige Nutzer mindestens lesen darf.[4] Damit bestimmen die Zugriffsrechte, was der Assistent findet. Wie viel ein KI-Agent im Unternehmen sehen darf, legt also die Rechtevergabe fest.

Wie viel Zeitersparnis der Einsatz bringt, nennen weder Microsoft noch Volkswagen. Uber hat am 22. Oktober angekündigt, ChatGPT Work von OpenAI an alle rund 30.000 Beschäftigten zu verteilen, zuvor hatten 1.000 Personen das Werkzeug getestet.[5] Im Juni hatte der Fahrdienst die Ausgaben für KI-Programmierwerkzeuge auf 1.500 Dollar je Beschäftigtem und Werkzeug im Monat begrenzt, rund 1.305 Euro (Kurs 0,87, Stand 23. Oktober 2026), nachdem das Jahresbudget für KI nach etwa vier Monaten aufgebraucht war.[6]

An 330.000 Zugängen lässt sich ablesen, wie weit Copilot bei Volkswagen verbreitet ist, nicht aber, wie viel Arbeit er abnimmt.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen
Copilot bei Volkswagen in Zahlen
Angaben von Microsoft und Volkswagen, Stand Oktober 2026
330.000
Beschäftigte des Konzerns haben Zugang zu Copilot
300.000
Beschäftigte nutzten zuletzt monatlich Copilot Chat
26.000
KI-Agenten waren im vergangenen Monat im Konzern aktiv
662.900
Beschäftigte zählte der Konzern Ende 2025, einschließlich der Gemeinschaftsunternehmen in China
4 Bereiche
Entwicklung, Produktion, Einkauf und Vertrieb: Hier bindet Volkswagen KI in die Abläufe ein

Was müssen Arbeitgeber in Deutschland klären?

Nach § 87 Absatz 1 Nummer 6 Betriebsverfassungsgesetz bestimmt der Betriebsrat mit, wenn ein Arbeitgeber technische Einrichtungen einführt, die Verhalten oder Leistung der Beschäftigten überwachen können. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts genügt dafür die Eignung, eine Absicht ist nicht nötig.

Das Arbeitsgericht Hamburg hat 2024 die Mitbestimmung bei ChatGPT verneint, weil Beschäftigte eigene Konten im Browser nutzten und der Arbeitgeber nicht erfuhr, wer das Werkzeug wann einsetzte.[7] Bei Copilot liegt der Fall anders: Eingaben und Antworten werden gespeichert, Administratoren können sie über das Verwaltungswerkzeug Microsoft Purview einsehen.[4] Zudem verlangt Artikel 4 der KI-Verordnung seit Februar 2025, dass Betreiber für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals sorgen.[8]

Vor der Einführung sollten Arbeitgeber deshalb mit dem Betriebsrat klären,

  • welche Nutzungsdaten Administratoren einsehen dürfen und zu welchem Zweck,
  • welche Ordner und Postfächer vorher auf zu weit gefasste Freigaben geprüft werden,
  • wie lange Eingaben und Antworten gespeichert bleiben,
  • wie die Beschäftigten geschult werden und wer KI-Agenten anlegen darf.

Quellen

8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. MicrosoftMicrosoft empowers more than 330,000 Volkswagen Group employees with Copilot (Pressemitteilung)21.10.2026
  2. VolkswagenGeschäftsbericht 2025, Belegschaft (Stand 31. Dezember 2025)
  3. Microsoft Inside TrackHow Work IQ is supercharging our AI usage at Microsoft
  4. Microsoft LearnData, Privacy, and Security for Microsoft Copilot (abgerufen am 23. Oktober 2026)
  5. TechCrunchUber puts all 30,000 employees on ChatGPT Work22.10.2026
  6. TechCrunchUber caps employee AI spending after blowing through budget in four months (2. Juni 2026, nach Berichten von Bloomberg und The Information)
  7. Arbeitsgericht HamburgBeschluss vom 16. Januar 2024, Az. 24 BVGa 1/24 (Eilverfahren)
  8. Amtsblatt der EUVerordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 4

Mehr Newshunger?

4,6 23 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?