Ab Montag erreichen die Beschäftigten der schwedischen Regierungskanzlei ChatGPT und Claude nicht mehr von ihren Dienstrechnern aus. Erlaubt bleiben freigegebene Werkzeuge wie Microsofts Copilot, bei dem die Behörde die Schutzvorkehrungen verschärft hat. Auch die Steuerbehörde Skatteverket hat bereits eine Sperre eingeführt.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Konsequenzen für unsere Informationssicherheit“ drohen laut Digitalisierungsdirektor Mikael Wettercrantz, sobald Beschäftigte KI-Dienste ohne Vertrag nutzen. Mit diesem Satz begründet Wettercrantz die Sperre im Intranet der Regierungskanzlei, ein Interview mit Sveriges Radio lehnte er ab.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Ab dem 26. Oktober sperrt die Regierungskanzlei ChatGPT und Claude auf den Dienstrechnern.
- Ein Teil der Beschäftigten erreicht beide Modelle weiter über eine KI-Plattform, die die Regierungskanzlei selbst entwickelt hat.
- Skatteverket und die Behörde Statens institutionsstyrelse sperren ebenfalls, die Vollstreckungsbehörde Kronofogden bereitet eine Entscheidung vor.
- In Deutschland greifen 29,1 % der Beschäftigten mit KI im Job zu Werkzeugen, die der Arbeitgeber nicht bereitstellt.
Was genau sperrt die Regierungskanzlei?

Gesperrt ist der direkte Weg aus dem Behördennetz zu den Diensten von OpenAI und Anthropic. Die Modelle selbst bleiben erreichbar: Laut Pressestelle nutzt ein Teil des Personals ChatGPT und Claude weiterhin über eine eigene Plattform der Regierungskanzlei. Für Copilot hat die Regierungskanzlei nach einer Überprüfung die Schutzvorkehrungen verschärft, Einzelheiten nennt die Pressestelle nicht.[1]
Entscheidend ist der Vertrag. Bei einer eigenen Plattform oder einem lizenzierten Dienst legt die Behörde fest, wer welche Daten eingeben darf und wofür der Anbieter diese Daten nutzen kann. Bei einem privaten Konto gelten die Nutzungsbedingungen des Anbieters und die IT-Abteilung sieht nicht, welche Unterlagen dort landen. Welche Folgen unkontrollierte Chatverläufe haben können, zeigte Metas KI-Agent Muse, dessen geteilte Chatverläufe Geschäftsgeheimnisse offenlegten.
Wie verbreitet die Nutzung nicht freigegebener KI-Dienste in Schwedens Verwaltung ist, zeigt die Innenrevision der Verkehrsbehörde Trafikverket. Die Prüfer fanden in diesem Jahr einen verbreiteten, riskanten Einsatz von rund zehn solcher Dienste.[1]
Warum bleibt ausgerechnet Copilot erlaubt?
Copilot gehört zu den Diensten mit Vertrag. Über Microsofts Cloud streiten schwedische Behörden allerdings seit Monaten. Ein Rechtsgutachten der Vollstreckungsbehörde Kronofogden kommt zu dem Schluss, dass E-Mail und Dokumente auf Microsofts Infrastruktur gegen das schwedische Geheimhaltungsrecht verstoßen würden.[2] Skatteverket hat den weiteren Ausbau von US-Cloud-Diensten angehalten und lässt die Rechtslage prüfen. Die Datenschutzbeauftragten der Behörde hatten abgeraten, wie Sveriges Radio Anfang Oktober berichtete.[3] Microsoft erklärte gegenüber dem Sender, Anfragen von US-Behörden anzufechten, die gegen europäisches Recht verstoßen.[2]
Auch in Deutschland hat die Bindung an Microsoft ihren Preis: In der Delos Cloud zahlen Behörden 15 Prozent über Microsofts Listenpreis.
Eine Sperre wirkt nur, solange das erlaubte Werkzeug mithält. Sonst tippen die Beschäftigten ihre Fragen ins private Handy.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wo Schwedens Behörden stehen
Was folgt daraus für Unternehmen in Deutschland?
Das Institut der deutschen Wirtschaft hat im März und April 2026 knapp 5.000 Beschäftigte befragt. Von denen, die KI beruflich nutzen, greifen 29,1 % zu Werkzeugen, die der Arbeitgeber nicht bereitstellt. Am höchsten liegt der Anteil dort, wo Arbeitgeber KI-Kompetenz stark fördern: 44,5 % gegenüber 21,3 % ohne Förderung. Die Autorinnen sprechen von einer Bereitstellungslücke.[4]
Rechtlich verlangt die KI-Verordnung seit Februar 2025 von Unternehmen, die KI einsetzen, ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals (Art. 4). Landen Kundendaten in einem privaten Chatbot-Konto, fehlt in aller Regel der Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO.
- Freigabeliste zuerst: Legen Sie fest, welche Dienste mit welchem Vertrag erlaubt sind. Hilfe bietet unser Überblick zur Modellwahl vor dem Lizenzkauf.
- Gleichwertig ersetzen: Sperren Sie einen beliebten Dienst erst, sobald ein freigegebenes Werkzeug dieselben Aufgaben erledigt.
- Schulen statt nur verbieten: Erklären Sie, welche Daten in welches Werkzeug gehören, und dokumentieren Sie die Schulung für Art. 4 der KI-Verordnung.
Bei Kronofogden steht die Entscheidung über eine Sperre noch aus.[1]
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Sveriges Radio, EkotRegeringskansliet spärrar AI-tjänsterna Chat GPT och Claude
- Sveriges Radio, Ekot und P4 DalarnaMyndigheter nobbar molnet: ‚Otillåtet röjande‘
- Sveriges Radio, EkotSkatteverket rundade dataskyddet, införde molntjänster trots avrådan
- Institut der deutschen WirtschaftSchatten-KI: Beschäftigte sind schneller als ihre Betriebe, IW-Kurzbericht Nr. 63/2026
Mehr Newshunger?
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