Das Saarland beteiligt sich mit 25 Millionen Euro am Siliziumkarbid-Hersteller Y-SIC, die Stahl-Holding-Saar (SHS) legt laut Saarländischem Rundfunk weitere 25 Millionen Euro nach. Das Geld fließt in die erste kommerzielle Anlage des Unternehmens auf dem Werksgelände der Dillinger Hütte. Dort soll im kommenden Jahr die Produktion beginnen.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenSiliziumkarbid ist der Werkstoff für Leistungshalbleiter, etwa in Elektroautos und Solaranlagen. Y-SIC stellt das Ausgangspulver her, aus dem Kristalle und Wafer entstehen.[3] Wie viele Arbeitsplätze in Dillingen entstehen, haben weder das Land noch das Unternehmen bisher gesagt.
Das Wichtigste in Kürze
- Land und Stahlindustrie zahlen zusammen 50 Millionen Euro, die Höhe der Anteile ist nicht bekannt.
- Die Anlage entsteht in einem früheren Gießerei-Gebäude in Dillingen, der Bau begann Ende September.
- Y-SIC beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 50 Menschen in Berlin, Osnabrück und Dillingen.
- Das Unternehmen verspricht ein Verfahren mit 80 Prozent weniger Energie als die herkömmliche Herstellung.
Was bekommt das Saarland für 25 Millionen Euro?

Das Land steigt als Miteigentümer ein, die 25 Millionen Euro sind eine Beteiligung. Wie groß die Anteile sind, die das Saarland und die SHS an Y-SIC halten, geht aus den bisherigen Angaben nicht hervor. Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) sagte dem SR: „Wir schließen damit eine Lücke in der Wertschöpfungskette, die dringend notwendig ist für mehr Resilienz und Unabhängigkeit am Standort Europa.“[1]
Öffentlich gemacht hatte die SHS die Beteiligung schon am 28. September, beim Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Dillingen, damals ohne Beträge. Laut der Mitteilung soll das Pulver in der neuen Anlage kontinuierlich im industriellen Maßstab entstehen, mit dem Ziel, Siliziumkarbid erstmals in Europa wettbewerbsfähig herzustellen.[2] Merz sagte bei dem Besuch nach Angaben von Y-SIC, in Europa gebe es derzeit keine nennenswerte Produktion des Rohstoffs, die Industrie beziehe ihn vor allem aus Asien und besonders aus China.[4]
Warum steigt ein Stahlkonzern bei einem Zulieferer der Halbleiterindustrie ein?
Siliziumkarbid entsteht bisher meist im Acheson-Verfahren, Charge für Charge in elektrisch beheizten Öfen. Nach Darstellung von Y-SIC kostet das viel Strom und liefert schwankende Qualität. Das Unternehmen will das Pulver stattdessen in einem kontinuierlichen Verfahren herstellen und gibt an, dafür 80 Prozent weniger Energie zu brauchen. Das Verfahren schützen nach Firmenangaben mehr als 20 erteilte und angemeldete Patente.[3] Unabhängig geprüft sind diese Angaben nicht, die Zertifizierung nach ISO 9001 läuft noch.
Die SHS bringt nach eigenen Angaben ihr verfahrenstechnisches Wissen und die Erfahrung mit Großanlagen ein.[2] Den Ausgangsstoff Quarzsand verwendet auch die Stahlindustrie.[1] Parallel baut die Gruppe mit rund 13.000 Beschäftigten ihre Stahlproduktion in Dillingen und Völklingen für 4,6 Milliarden Euro auf Verfahren ohne Kokskohle um, Bund und Land fördern das Vorhaben mit 2,6 Milliarden Euro.[2] Mit Y-SIC erschließt die SHS nach eigenen Worten ein zusätzliches Geschäftsfeld neben dem Stahl.
Als Miteigentümer verdient das Land am Erfolg mit und verliert bei einem Scheitern sein Geld. Wie viel Y-SIC ihm dafür gehört, sollte es sagen.
Michael Dobler, Chefredakteur Dr. Web
Was unterscheidet Dillingen von Ensdorf?
Eine Siliziumkarbid-Ansiedlung ist im Saarland schon einmal geplatzt. Im Februar 2023 feierten Bundeskanzler Olaf Scholz, Wirtschaftsminister Robert Habeck und Ministerpräsidentin Anke Rehlinger in Ensdorf die geplante Chipfabrik des US-Herstellers Wolfspeed. Rund zwei Milliarden Euro wollte Wolfspeed investieren, mehr als eine halbe Milliarde Euro sollte aus öffentlichen Kassen kommen. 2024 legte das Unternehmen das Projekt auf Eis, danach stieg auch der Partner ZF aus.[5] Wolfspeed durchlief 2025 ein Sanierungsverfahren nach US-Insolvenzrecht (Chapter 11) und liefert heute unter anderem Wafer an Infineon.
Y-SIC ist um ein Vielfaches kleiner. Statt einer Fabrik für Halbleiter entsteht eine Anlage für den Rohstoff am Anfang der Kette, in einer vorhandenen Halle und mit einem Industriepartner, der das Gelände selbst betreibt. Im Ablauf einer Ansiedlung steht das Projekt zwischen Finanzierung und Produktionsstart: Das Geld ist zugesagt, die Anlage ist im Bau, und Y-SIC bietet Kunden bereits Muster an. Heute produziert das Unternehmen in Osnabrück, in Dillingen soll die Serienfertigung beginnen.[3] Offen bleibt, wie viel Pulver die Anlage liefern soll und wer es abnimmt.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- SRSaarland und Stahlholding investieren 50 Millionen Euro in Siliziumkarbid (22.10.2026, aktualisiert)
- Stahl-Holding-SaarZukunft braucht Pioniere: SHS treibt Transformation mit Power4Steel und Y-SIC voran
- Y-SICUnternehmensseite mit Angaben zu Verfahren, Standorten und Beschäftigten (abgerufen 23.10.2026)
- Y-SICNew major investors in Y-SIC enable first commercial production site of silicon carbide for Europe’s sovereignty
- t-onlineHabeck und Scholz sagten hohe Subventionen zu, Anleger verklagen Investor
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