Kokskohle aus Australien kostete am 25. September 2026 rund 232 Euro je Tonne, 37 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Den Sprung löste vor allem eine Gasexplosion in der Grube Liushenyu in der chinesischen Provinz Shanxi aus, bei der im Mai mindestens 82 Bergleute starben. Seitdem kauft China auf dem Weltmarkt zu und die höheren Kosten treffen auch die Stahlwerke in Duisburg und Salzgitter.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKaum ein Verbraucher hat je ein Stück Kokskohle in der Hand gehalten, und trotzdem hängt fast jedes Auto, jede Bahnschiene und jeder Stahlträger an diesem Rohstoff. Dieser Beitrag folgt der backfähigen Steinkohle von den Flözen in Queensland über die Kokereien an Rhein und Ruhr bis zu den Anlagen für grünen Stahl, die Deutschland gerade baut. Am Ende steht die Frage, wie lange Deutschland noch an einem Rohstoff hängt, den die Hütten seit 2018 vollständig einführen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Preisschock: Nach dem Grubenunglück von Liushenyu im Mai 2026 standen Mitte September in Shanxi noch 75 Kokskohle-Gruben still, China importierte im August fast 29 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
- Ein Rohstoff, ein Zweck: Für eine Tonne Rohstahl aus dem Hochofen braucht ein Werk laut worldsteel rund 780 Kilo Kokskohle, und etwa 69 Prozent des deutschen Stahls entstanden 2025 auf diesem Weg.
- Australien liefert: Deutschland führte 2025 rund 11 Millionen Tonnen Kokskohle ein, schwerpunktmäßig aus Australien, seit dem Embargo von August 2022 nichts mehr aus Russland.
- Der Ausstieg stockt: Thyssenkrupp will seine neue Direktreduktionsanlage in Duisburg zunächst ohne Wasserstoff anfahren, Salzgitter hat die Investitionsentscheidung für die zweite und dritte Ausbaustufe seines Umbauprogramms auf 2028/29 verschoben.
Kurzer Härtetest: Kennen Sie Kokskohle wirklich?
1 Wie viel Kokskohle braucht ein Hochofenwerk für eine Tonne Rohstahl? Aufklappen ↓
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2 Wo lief 1796 der erste Kokshochofen auf dem europäischen Festland? Aufklappen ↓
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3 Warum marschierten französische und belgische Truppen im Januar 1923 ins Ruhrgebiet ein? Aufklappen ↓
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4 Welches Land lieferte 2021 laut EU-Forschungszentrum JRC mehr als die Hälfte der weltweit exportierten Kokskohle? Aufklappen ↓
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5 Womit will Thyssenkrupp seine neue Direktreduktionsanlage in Duisburg zunächst betreiben? Aufklappen ↓
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Was ist Kokskohle und wie entsteht sie?
Kokskohle ist eine Steinkohle, die beim Erhitzen ohne Luft erst weich wird und dann zu festem, porösem Koks zusammenbackt. Im Hochofen dient dieser Koks als Brennstoff, als Reduktionsmittel für das Eisenerz und als Stützgerüst für die Schüttung. Gewöhnliche Kraftwerkskohle backt in der Hitze nicht zusammen.
Entstanden ist der Rohstoff aus Pflanzen, die vor Hunderten Millionen Jahren in Sumpfwäldern wuchsen, abstarben und unter Luftabschluss begraben wurden. Druck und Wärme machten über geologische Zeiträume aus Torf erst Braunkohle und dann Steinkohle. Die Kohle des Ruhrgebiets bildete sich laut dem Geologischen Dienst NRW im Oberkarbon vor mehr als 300 Millionen Jahren, verteilt auf rund 300 Flöze.
Die wichtigste Kokskohle des heutigen Weltmarkts ist jünger. Die Flöze im Bowen-Becken in Queensland entstanden laut Geoscience Australia im Perm, also nach dem Karbon. Für den Welthandel zählt allerdings weniger das Alter der Kohle als ihr Inkohlungsgrad, also die Frage, wie weit die Umwandlung fortgeschritten ist.
Bergleute nennen die entscheidende Eigenschaft seit jeher Backfähigkeit, denn die Kohle geht beim Erhitzen auf wie ein Teig im Ofen. Laut dem australischen Minerals Council wird Kokskohle ab etwa 400 Grad plastisch, bläht sich auf und verfestigt sich um 500 Grad wieder. Nach mindestens 18 Stunden bei über 1.000 Grad in der Koksofenkammer bleibt ein harter, poröser Brocken aus 85 bis 90 Prozent Kohlenstoff zurück.
Nicht jede backfähige Kohle ist gleich viel wert. Der Handel unterscheidet mehrere Klassen, und je fester der daraus gebackene Koks im heißen Hochofen bleibt, desto höher der Preis. Gemessen wird das unter anderem mit dem Kennwert CSR, der die Festigkeit des Kokses nach der Reaktion mit Kohlendioxid angibt. Große Hochöfen brauchen laut Minerals Council CSR-Werte von 65 bis 70 Prozent.
| Sorte | Eigenschaft | Rolle im Stahlwerk |
|---|---|---|
| Hard Coking Coal (HCC) | hoher Inkohlungsgrad, fester Koks | Grundlage jeder Mischung, höchster Preis |
| Semi-Hard Coking Coal | mittlerer bis hoher Inkohlungsgrad | Mischkohle mit Preisabschlag |
| Semi-Soft Coking Coal | niedriger Inkohlungsgrad, schwächerer Koks | günstige Beimischung |
| PCI-Kohle | nicht backfähig, hochwertige Kesselkohle | wird gemahlen direkt in den Hochofen geblasen und spart Koks |
Aus einer Tonne Kokskohle gewinnt eine Kokerei laut dem Forschungszentrum der EU-Kommission (JRC) rund 643 Kilo Koks. Für eine Tonne Roheisen braucht der Hochofen etwa 450 Kilo davon. Auf den fertigen Rohstahl umgerechnet kommt der Weltstahlverband worldsteel auf 780 Kilo Kokskohle und 1.370 Kilo Eisenerz je Tonne.
Gefördert wird der Rohstoff in wenigen Ländern. 2020 kamen laut JRC 53,6 Prozent der Weltproduktion von gut einer Milliarde Tonnen aus China, 17,8 Prozent aus Australien und 8,5 Prozent aus Russland. Die USA, Indien, die Mongolei und Kanada folgten mit Anteilen zwischen 2,5 und 4,9 Prozent, die EU kam auf 1,3 Prozent, gefördert fast nur noch in Polen und Tschechien.
Knapp ist dabei weniger die Kohle an sich als die passende Qualität zum passenden Preis. Die klassische Kraftwerkskohle, die viele schon totsagen, liegt in riesigen Mengen im Boden, backfähige Premiumkohle mit wenig Asche und Schwefel dagegen nur in wenigen Becken. Die Erlöse unterscheiden sich entsprechend: BHP erlöste im Quartal bis März 2026 für die Kohle seines Joint Ventures BMA im Schnitt umgerechnet 199 Euro je Tonne.
Kokskohle verdankt ihren Wert der Backfähigkeit: Nur diese Steinkohle schmilzt in der Hitze an und backt zu festem Koks zusammen. Premiumqualität mit hoher Koksfestigkeit liegt in wenigen Becken, allen voran im Bowen-Becken in Queensland.
Wer machte Kokskohle zum Industrierohstoff und wie begann der Rausch?

Den entscheidenden Schritt machte 1709 der englische Eisenhüttenmann Abraham Darby: In Coalbrookdale schmolz er als Erster Eisenerz erfolgreich mit Koks statt mit Holzkohle. Die neue Technik löste die Eisenerzeugung von den schwindenden Wäldern und legte eine Grundlage der Industriellen Revolution.
Darby hatte sein Werk am Severn gepachtet, nahe an einem Vorkommen schwefelarmer Kohle. Laut English Heritage machte der Koks aus dieser Kohle die Massenfertigung von Gusseisen erst wirtschaftlich. Sein Enkel Abraham Darby III baute knapp 70 Jahre später die gusseiserne Iron Bridge über den Severn, 1779 fertiggestellt und aus rund 378 Tonnen Eisen gegossen.
Auf dem Kontinent folgte der Schritt fast neunzig Jahre später. 1796 nahm die Königlich Preußische Eisengießerei in Gleiwitz in Oberschlesien den ersten Kokshochofen auf dem europäischen Festland in Betrieb. Angestoßen hatte das Projekt Berghauptmann Friedrich Wilhelm von Reden, geplant hatten die Anlage Friedrich Wedding und der Schotte John Baildon.
Das Ruhrgebiet zog erst Mitte des 19. Jahrhunderts nach. Die Friedrich Wilhelms-Hütte in Mülheim baute 1848/49 den ersten Kokshochofen des Reviers, wie der Geschichtsverein Mülheim dokumentiert. Danach entstanden rasch weitere Kokshochöfen, denn unter dem Revier lag genau die Fettkohle, die sich am besten verkoken ließ.
Um die Gruben herum wuchsen Konzerne. August Thyssen gründete 1871 mit seinem Vater ein Bandeisenwalzwerk in Mülheim und besaß ab 1891 alle Anteile der Gewerkschaft Deutscher Kaiser in Hamborn. Hugo Stinnes baute ab 1892 aus Kohlenhandel und Kohleveredelung ein Imperium, das bei seinem Tod 1924 aus 1.535 Unternehmen bestand.
Die Zechen selbst organisierten sich früh als Kartell. 1893 gründeten 98 Ruhrzechen in Essen das Rheinisch-Westfälische Kohlen-Syndikat, um „ungesunden Wettbewerb“ zu vermeiden. Laut Deutschem Bergbau-Museum kontrollierte das Syndikat 1904 bereits 98 Prozent der Ruhrförderung. Erst 1945 lösten die Alliierten die Organisation auf.
| Jahr | Ereignis | Ort |
|---|---|---|
| 1709 | erstes Eisen aus dem Kokshochofen | Coalbrookdale, England |
| 1796 | erster Kokshochofen auf dem Kontinent | Gleiwitz, Oberschlesien |
| 1848/49 | erster Kokshochofen im Ruhrgebiet | Mülheim an der Ruhr |
| 1893 | Gründung des Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikats | Essen |
| 1961 | Zentralkokerei Zollverein geht in Betrieb | Essen |
| 2018 | letzte deutsche Steinkohlezechen schließen | Bottrop und Ibbenbüren |
Den Höhepunkt erlebte das Revier nach dem Zweiten Weltkrieg. 1956 förderten laut Geologischem Dienst NRW rund 160 Zechen mehr als 150 Millionen Tonnen im Jahr. Die Kokerei Zollverein in Essen, zwischen 1957 und 1961 gebaut, galt als größte Zentralkokerei Europas und schloss 1993. Heute steht die Anlage als Denkmal für Besucher offen.
Mit den Zechen Prosper-Haniel in Bottrop und Ibbenbüren endete 2018 der deutsche Steinkohlebergbau. Die Kokereien blieben, doch ihr Rohstoff kommt seitdem vollständig per Schiff. Ein Land, das über ein Jahrhundert Kokskohle exportiert und als Reparation abgeliefert hatte, wurde damit selbst zum reinen Importeur.
- England zuerst: Abraham Darby schmolz 1709 in Coalbrookdale Eisen mit Koks.
- Preußen zieht nach: Gleiwitz betrieb 1796 den ersten Kokshochofen des Kontinents, Mülheim 1848/49 den ersten im Ruhrgebiet.
- Kartell von Anfang an: Das Kohlen-Syndikat kontrollierte 1904 fast die gesamte Ruhrförderung.
Wie hat Kokskohle die Weltkarte verändert?

Kokskohle entschied über Reparationen und Grenzen: Versailles verlangte deutsche Kohle und Koks, 1923 besetzten Frankreich und Belgien deswegen das Ruhrgebiet, 1951 kamen Kohle und Stahl unter gemeinsame europäische Aufsicht. Heute ringen China, Australien, Russland und die Mongolei um denselben Markt.
Der Vertrag von Versailles machte Kohle 1919 zur Kriegsentschädigung. Die Gruben des Saargebiets gingen „in vollem und unbeschränktem Eigentum“ an Frankreich, als Ersatz für die zerstörten Zechen in Nordfrankreich. Außerdem musste Deutschland zehn Jahre lang jährlich sieben Millionen Tonnen Kohle an Frankreich und acht Millionen Tonnen an Belgien liefern.
Eine Klausel im Anhang V zeigt, wie genau die Sieger wussten, was zählte. Statt Kohle durften die Alliierten Hüttenkoks verlangen, und zwar drei Tonnen Koks für vier Tonnen Kohle. Frankreich hatte Erz in Lothringen, aber zu wenig Koks, das Ruhrgebiet hatte die Kokskohle. Ohne diesen Koks liefen die französischen Hochöfen nicht.
Als die Reparationskommission Ende 1922 einen Lieferrückstand feststellte, handelte Paris. Am 11. Januar 1923 marschierten zunächst rund 60.000 französische und belgische Soldaten ins Revier ein, wie das Deutsche Historische Museum dokumentiert. Die Reichsregierung rief zum passiven Widerstand auf, die Besatzer wiesen Zehntausende Menschen aus dem Revier aus.
Der Widerstand zerrüttete die deutschen Finanzen und befeuerte die Hyperinflation. Am 26. September 1923, auf den Tag genau 103 Jahre vor Erscheinen dieses Artikels, brach Reichskanzler Gustav Stresemann den passiven Widerstand ab. Die Lehre der Ruhrbesetzung wirkte lange nach: Wer die Kokskohle kontrolliert, kontrolliert die Rüstung des Nachbarn.
Der französische Außenminister Robert Schuman schlug am 9. Mai 1950 vor, die Kohle- und Stahlproduktion Frankreichs und Deutschlands unter eine gemeinsame Behörde zu stellen. Ein Krieg zwischen beiden Ländern werde dadurch „nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich“. Am 18. April 1951 unterzeichneten sechs Staaten in Paris den Vertrag über die Montanunion, die Keimzelle der heutigen EU.
| Jahr | Ereignis | Rolle der Kokskohle |
|---|---|---|
| 1919 | Vertrag von Versailles | Kohle und Koks als Reparation, Saargruben an Frankreich |
| 1923 | Ruhrbesetzung | Frankreich und Belgien sichern sich Kohle und Koks direkt an der Quelle |
| 1951 | Vertrag über die Montanunion | Kohle und Stahl unter gemeinsamer Aufsicht von sechs Staaten |
| 2020 | inoffizielles chinesisches Embargo | Peking stoppt australische Kohle nach einem politischen Streit |
| 2022 | EU-Embargo gegen Russland | russische Kohle fließt nach Asien statt nach Europa |
| 2026 | Grubenunglück von Liushenyu | China kauft verstärkt auf dem Weltmarkt, der Preis steigt |
Die Machtverhältnisse von heute sehen anders aus. Kein Förderkartell nach Art der Opec bestimmt den Preis, stattdessen stehen sich ein dominanter Verkäufer und ein dominanter Käufer gegenüber. Australien verschiffte 2021 laut JRC 57 Prozent der exportierten Kokskohle, China ist zugleich größter Produzent und wichtigster Grenzkäufer.
Wie politisch dieser Handel ist, zeigte der Streit von 2020. Nachdem Australiens Premier Scott Morrison eine unabhängige Untersuchung zum Ursprung des Coronavirus gefordert hatte, wies Peking laut Al Jazeera im Oktober 2020 Kraftwerke, Stahlwerke und Häfen mündlich an, keine australische Kohle mehr abzunehmen. Erst im Januar 2023 durften vier Staatskonzerne wieder importieren, berichtete der Sender ABC. Das inoffizielle Embargo traf ein Land, das zuvor fast 30 Prozent der chinesischen Kohleimporte geliefert hatte.
Europa zog nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eine eigene Grenze. Das fünfte Sanktionspaket verbot ab August 2022 die Einfuhr russischer Kohle, die bis dahin rund 4 Milliarden Euro im Jahr ausmachte. Russland lenkte seine Kohle nach Osten um: Laut der US-Energiebehörde EIA gingen im Jahr nach dem Embargo mehr als 80 Prozent der russischen Kohleexporte nach China, Südkorea, in die Türkei und nach Indien, zuvor lag der Anteil bei 47 Prozent.
Am meisten profitiert die Mongolei, eingeklemmt zwischen Russland und China. Das Land liefert seine Kokskohle per Lkw und Bahn direkt nach China und baut dafür eine neue grenzüberschreitende Bahnlinie von Gashuunsukhait nach Ganqimaodu. Das Abkommen über die Strecke wurde im Februar 2025 unterzeichnet, der Bau begann im Mai desselben Jahres. Schon 2024 lieferte das Land laut der Internationalen Energieagentur (IEA) 56 Millionen Tonnen Kokskohle, ausschließlich nach China, und für 2026 erwartet die Behörde einen kräftigen Anstieg der mongolischen Bahnexporte.
Den jüngsten Schock brachte ein Grubenunglück in Shanxi. Am Abend des 22. Mai 2026 explodierte in der Grube Liushenyu im Kreis Qinyuan Methangas, mindestens 82 Bergleute starben. Die Aufsicht hatte das Bergwerk des Betreibers Shanxi Tongzhou schon 2024 wegen hohen Gasgehalts als gefährdet eingestuft. Nach dem Unglück ließen die Behörden in Shanxi, aus dem laut IEA mehr als die Hälfte der chinesischen Kokskohle stammt, reihenweise Gruben überprüfen und schließen.
Warum ist Kokskohle für die Weltwirtschaft so wichtig?

Ohne Kokskohle entstünde der größte Teil des Weltstahls nicht: Laut worldsteel laufen rund 70 Prozent der Stahlproduktion über den Hochofen. 2025 verbrauchte die Welt laut IEA 1,174 Milliarden Tonnen metallurgische Kohle, etwa 13 Prozent des gesamten Kohleverbrauchs.
Gemessen am Gesamtverbrauch von 8,84 Milliarden Tonnen Kohle wirkt die Kokskohle wie eine Nische. Wirtschaftlich zählt der Rohstoff weit mehr, denn ohne ihn entstünde das Gerüst der Industrie nicht: Autos, Maschinen, Brücken, Schiffe und Windräder. Den größten Zuwachs erwartet die IEA in Indien, wo die Stahlerzeugung kräftig wächst.
Anders als Kraftwerkskohle wird Kokskohle zu einem großen Teil über Ländergrenzen gehandelt. 2024 erreichte der Handel laut IEA mit 369 Millionen Tonnen einen Rekord, der Seehandel allein ging 2025 auf 304 Millionen Tonnen zurück. Australien verschiffte 2025 rund 142 Millionen Tonnen und soll 2026 auf über 150 Millionen Tonnen kommen.
| Exporteur | Ausfuhr 2024 | Hauptabnehmer |
|---|---|---|
| Australien | 153 Mio. t | Japan, Indien, China, Südkorea |
| Mongolei | 56 Mio. t | ausschließlich China |
| USA | 52 Mio. t | Asien und Europa |
| Russland | 49 Mio. t | China, Indien, Türkei |
Der größte Teil der australischen Kohle kommt aus dem Bowen-Becken und verlässt Queensland über wenige Häfen an der Ostküste. Starkregen in der Regenzeit legt dort regelmäßig Gruben und Bahnstrecken lahm, im Januar 2026 meldeten laut Argus fünf Produzenten höhere Gewalt, zeitweise warteten 108 Schiffe vor den Terminals.
Gehandelt wird fast ausschließlich in US-Dollar. Die Referenzpreise stammen von Preisagenturen wie Platts, Argus und Fastmarkets, an der Börse in Singapur laufen seit 2014 Terminkontrakte auf australische Premium-Kokskohle, in Dalian seit 2013 Kontrakte in Yuan. Der Preis schwankt heftig: Im März 2022 kostete die Tonne laut Argus in der Spitze umgerechnet 582 Euro, heute rund 232 Euro.
Fällt Kokskohle aus, steht die ganze Kette hinter dem Werk still. Ein Hochofen lässt sich nicht einfach herunterfahren und wieder anwerfen, und die Kokereien arbeiten laut dem Verein der Kohlenimporteure (VDKi) ohnehin unter Volllast. Autobauer, Maschinenbauer und die Bauwirtschaft hängen deshalb unmittelbar an der Versorgung der Hütten.
Deutschland führte 2025 laut VDKi rund 11 Millionen Tonnen Kokskohle ein, gut 10 Prozent weniger als im Vorjahr, weil die Stahlnachfrage schwach war. Die Kohle kam schwerpunktmäßig aus Australien. Hinzu kommt fertiger Koks, 2023 waren das 2,4 Millionen Tonnen, denn die deutschen Kokereien decken den Bedarf der Hütten nicht vollständig.
Die Rohstahlerzeugung fiel 2025 laut Wirtschaftsvereinigung Stahl um 8,6 Prozent auf 34,1 Millionen Tonnen. Knapp 23,6 Millionen Tonnen davon, rund 69 Prozent, stammten aus dem Hochofen, der Rest aus dem Elektrolichtbogenofen. Nur die Hochofenroute braucht Kokskohle, der Elektroofen kommt ohne aus. Welche Rolle der Strompreis im Kräftemessen der beiden Routen spielt, beschreibt die Dr.-Web-Stoffgeschichte über Eisen und Europas Stahl.
Die EU führt Kokskohle auf ihrer Liste kritischer Rohstoffe. Laut JRC lag die Importabhängigkeit der Union 2019 bei 70 Prozent, 2021 importierte die EU 28,7 Millionen Tonnen im Wert von 4,4 Milliarden Euro. Nach Wert kamen 47 Prozent davon aus Australien und 33 Prozent aus den USA.
Kokskohle macht nur etwa ein Achtel des weltweiten Kohleverbrauchs aus, doch an ihr hängen rund 70 Prozent des Weltstahls. Deutschland bezieht jährlich rund 11 Millionen Tonnen über den Seeweg, überwiegend aus Australien und den USA.
In welchen Produkten steckt Kokskohle, und was verschwindet ohne sie?

Ohne Kokskohle fehlte alles, was aus Hochofenstahl oder Gusseisen besteht: Autos, Waschmaschinen, Bahnschienen, Konservendosen, Brücken und Windradtürme in heutiger Form. In einem durchschnittlichen Auto stecken laut worldsteel 900 Kilo Stahl. Im Endprodukt selbst steckt keine Kohle mehr, der Koks verbrennt im Hochofen.
Der Weg vom Rohstoff zum Alltagsgegenstand ist lang. Aus der Kohle wird Koks, aus Koks und Erz wird Roheisen, aus Roheisen im Konverter Stahl, und erst dann folgen Walzen, Stanzen und Schweißen. Kein Verbraucher sieht der Motorhaube an, dass für ihr Blech in Queensland Kohle aus dem Boden kam.
Rechnet man die Kennzahl von worldsteel auf ein Auto um, ergibt sich eine greifbare Größe. Angenommen, der gesamte Stahl eines Wagens stammte aus dem Hochofen, dann stünden hinter 900 Kilo Stahl rechnerisch rund 700 Kilo Kokskohle.
| Produkt | Wo die Kokskohle steckt | Ersatz ohne Kokskohle |
|---|---|---|
| Auto | Karosseriebleche, Achsen, Motorblock aus Guss | teilweise Elektrostahl, Aluminium, Kunststoff |
| Waschmaschine, Kühlschrank | Gehäuse aus Stahlblech | Elektrostahl aus Schrott möglich |
| Bahnschiene, Brücke | Langprodukte und Grobblech | Elektrostahl weit verbreitet |
| Konservendose | Weißblech aus dünnem Flachstahl | Aluminium, Glas, Kunststoff |
| Windradturm | Grobblech für Turmsegmente | Beton für Teile des Turms |
| Gussteile im Maschinenbau | Gießereikoks im Kupolofen | Induktionsöfen mit Strom |
Neben dem Koks liefert die Kokerei weitere Stoffe. Aus dem Koksofengas gewinnen die Werke Energie für ihre eigenen Anlagen, aus Teer und Rohbenzol entstanden über Jahrzehnte Grundstoffe der Chemie. Das Hauptprodukt bleibt aber der Koks für den Hochofen.
Ein Lieferausfall träfe die Stahlsorten unterschiedlich hart. Für Langprodukte wie Betonstahl, Träger und Schienen existiert mit dem Elektrolichtbogenofen, der Schrott einschmilzt, längst ein Weg ohne Koks. Weltweit kamen 2025 laut worldsteel-Daten gut 30 Prozent des Stahls aus Elektroöfen.
Hochwertiger Flachstahl, etwa für Karosserien, Elektrobleche und Verpackungen, stellt höhere Ansprüche. Schrott enthält Kupfer und andere Begleitelemente, die sich im Elektroofen kaum wieder herausholen lassen. Für diese Güten braucht die Industrie frisches Eisen aus Erz, heute fast immer aus dem Hochofen.
Im Hochofen selbst lässt sich Koks nur begrenzt ersetzen. Eingeblasene PCI-Kohle spart laut Minerals Council pro Kilo 0,7 bis 0,9 Kilo Koks, die meisten Hochöfen fahren mit 60 bis 70 Prozent Koks und 30 bis 40 Prozent PCI. Ganz ohne Koks bricht die Schüttung zusammen, weil dem Ofen das Stützgerüst fehlt, durch das Gas und Schmelze strömen.
Wie setzt sich der Preis einer Tonne Stahl zusammen?

Eine Tonne warmgewalzter Stahl kostete in Nordeuropa Ende September 2026 rund 740 Euro ab Werk. Rechnerisch entfallen davon etwa 181 Euro auf die Kokskohle und 117 Euro auf das Eisenerz, zusammen rund 40 Prozent. Den Rest teilen sich Energie, Schrott, Personal, Walzen, CO2-Kosten und die Marge.
Die Rechnung ist eine Dr.-Web-Näherung und beruht auf öffentlichen Notierungen vom September 2026. Für Warmbreitband, das Grundprodukt für Autos und Hausgeräte, meldete der Preisdienst Fastmarkets für Nordeuropa am 23. September 740 Euro je Tonne. Kokskohle kostete am 25. September laut Trading Economics umgerechnet rund 232 Euro, Eisenerz mit 62 Prozent Eisengehalt rund 85 Euro je Tonne.
Die Preise, multipliziert mit den Einsatzmengen von worldsteel, ergeben den Rohstoffkorb. 780 Kilo Kokskohle kosten rund 181 Euro, 1.370 Kilo Erz rund 117 Euro. Zuschlagstoffe wie Kalkstein und der Transport vom Hafen zum Werk kommen hinzu, fallen aber deutlich kleiner aus.
| Bestandteil | Betrag je Tonne | Anteil |
|---|---|---|
| Kokskohle (780 kg zu 232 €/t) | 181 € | 24 % |
| Eisenerz (1.370 kg zu 85 €/t) | 117 € | 16 % |
| Energie, Schrott, Zuschläge, Personal, Walzen, CO2, Marge | 442 € | 60 % |
| Warmbreitband Nordeuropa ab Werk | 740 € | 100 % |
Die Erlöse aus dieser Tonne verteilen sich über mehrere Länder. Das Förderland kassiert über Förderabgaben, Queensland etwa bis zu 40 Prozent auf den Teil des Kohlepreises über 300 australischen Dollar. Der Minenkonzern behält seine Marge, Reeder und Häfen verdienen an der Fracht, und in Deutschland bleibt die Wertschöpfung bei Hütte, Walzwerk und Stahlhandel.
Thyssenkrupp Steel beziffert den Ausstoß je Tonne Rohstahl auf rund 1,95 Tonnen CO2. Zum Emissionspreis von rund 87 Euro je Tonne vom 25. September wären das rechnerisch rund 170 Euro je Tonne Stahl, fast so viel wie die Kokskohle. Noch schützt die kostenlose Zuteilung von Emissionsrechten die Hütten vor dem größten Teil, doch diese Zuteilung schrumpft seit 2026 Schritt für Schritt.
Preisanstiege bei Kokskohle erreichen die Stahlkunden erst mit Verzögerung. Die Hütten kaufen auf Quartalsbasis oder zu Indexpreisen, verkaufen ihren Stahl aber oft über Rahmenverträge mit Autoherstellern, die nur in größeren Abständen nachverhandelt werden. Steigt der Kohlepreis, drückt das zuerst die Marge der Werke, und erst mit Verzögerung den Preis für die Kunden.
Hinzu kommt der Wechselkurs. Kokskohle und Erz werden in Dollar abgerechnet, der Stahl in Europa in Euro verkauft. Ein stärkerer Euro dämpft deshalb die Rohstoffrechnung der europäischen Werke, ein schwächerer verteuert sie sofort. Am 25. September lag der Kurs bei 1,14 Dollar je Euro, den größeren Ausschlag gab aber der gestiegene Dollarpreis der Kohle.
Wer verdient an Kokskohle und wer zahlt drauf?

An Kokskohle verdienen vor allem die Förderländer und wenige große Minenkonzerne in Australien, Kanada und der Mongolei. Das Nachsehen haben die Stahlwerke, die hohe Rohstoffpreise nicht sofort weitergeben können, und Regionen, die sich von der Kohle abhängig gemacht haben.
Queensland zeigt, wie viel Geld ein Förderland mit hohen Preisen einnehmen kann. Im Haushaltsjahr 2022/23, als die Kohlepreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stark stiegen, nahm der Bundesstaat laut ABC 15,36 Milliarden australische Dollar an Förderabgaben auf Kohle ein, umgerechnet rund 9,5 Milliarden Euro. Zwei Jahre später floss nur noch gut ein Drittel dieser Summe.
Auf der Unternehmensseite dominieren wenige Namen. BMA, das Gemeinschaftsunternehmen von BHP und Mitsubishi, ist der größte Lieferant im Seehandel. Glencore kaufte 2024 die kanadische Elk Valley Resources von Teck und zahlte für 77 Prozent der Anteile umgerechnet rund 6,4 Milliarden Euro in bar. 2025 förderte der Schweizer Rohstoffkonzern damit 32,5 Millionen Tonnen Stahlkohle.
Wie riskant das Geschäft bleibt, zeigt Anglo American. Der Konzern wollte seine Kokskohle-Gruben in Queensland für bis zu umgerechnet 3,3 Milliarden Euro an Peabody verkaufen. Nach einem Brand in der Grube Moranbah North im März 2025 trat Peabody zurück, die Parteien streiten seitdem vor einem Schiedsgericht. Im Mai 2026 fand Anglo einen neuen Käufer, das britische Privatunternehmen Dhilmar.
| Unternehmen | Gruben in | Kokskohle-Förderung |
|---|---|---|
| BMA (BHP und Mitsubishi) | Australien | 25,9 Mio. t in den neun Monaten bis März 2026 |
| Glencore mit Elk Valley Resources | Kanada, Australien | 32,5 Mio. t Stahlkohle 2025 |
| Coronado Global Resources | Australien, USA | 16,0 Mio. t verkaufsfähige Kohle 2025 |
| Warrior Met Coal | USA | rund 9,3 Mio. t 2025, ein Rekord |
Die Verlierer sitzen derzeit vor allem in den Stahlwerken. In China arbeiteten laut GMK Center im September 2026 nur noch 7 Prozent der Hütten mit Gewinn, weil die Kohle teurer wurde und der Stahlpreis nicht mitzog. Europäische Werke zahlen den höheren Weltmarktpreis ebenfalls, kämpfen aber zusätzlich mit hohen Energiekosten und Importdruck.
Härter trifft der Kohlezyklus Regionen, die vom Rohstoff leben. Ökonomen sprechen vom Ressourcenfluch, wenn Bodenschätze ein Land nicht reicher machen, sondern Korruption, Abhängigkeit und schwache Institutionen fördern. Die Mongolei liefert ein aktuelles Lehrstück: Rohstoffe stehen laut dem Anti-Korruptions-Zentrum U4 für rund ein Viertel der Wirtschaftsleistung und mehr als 80 Prozent des Außenhandels.
Im Dezember 2022 gingen in Ulan Bator wochenlang Menschen auf die Straße. Der Anlass war der sogenannte Kohlediebstahl: Kohle des Staatsunternehmens Erdenes Tavan Tolgoi soll über Jahre an den Büchern vorbei nach China verschoben worden sein. Die Schätzungen des Schadens gehen weit auseinander, ein Abgeordneter nannte umgerechnet rund 9,6 Milliarden Euro. Laut U4 wurde gegen 378 Personen ermittelt, 63 Angeklagte standen in acht Verfahren vor Gericht.
Der zweite Mechanismus heißt holländische Krankheit. Boomen die Rohstoffexporte, strömen Devisen ins Land, die Landeswährung wertet auf, und andere Exportbranchen verlieren an Wettbewerbsfähigkeit. Für die Mongolei kommt ein Haushaltsrisiko hinzu: Die Staatsausgaben wachsen mit den Kohleeinnahmen, sinken aber nicht im selben Tempo, sobald die Preise fallen oder China weniger kauft.
Thyssenkrupp bekommt rund zwei Milliarden Euro Fördergeld für eine Anlage, die den Hochofen ersetzen soll, und fährt sie zuerst ohne Wasserstoff an. Solange grüner Wasserstoff teurer ist als australische Kokskohle, entscheiden Grubenunglücke in Shanxi über die Kosten deutscher Stahlwerke mehr als jedes Klimaziel in Berlin.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Russlands Kohlerevier Kusbass zeigt die Kehrseite des Embargos. Laut Moscow Times stammen von dort rund 80 Prozent der russischen Kokskohle, mehr als 110.000 Menschen arbeiten in der Branche. 2024 schlossen acht Gruben, im Juni 2025 stellte die Grube Spiridonowskaja mit rund 900 Beschäftigten den Betrieb ein, die Löhne blieben unbezahlt.
| Region | Umgang mit dem Kohleboom | Ergebnis |
|---|---|---|
| Queensland (Australien) | progressive Förderabgabe seit 2022, Einnahmen fließen in den Landeshaushalt | Rekordeinnahmen 2022/23, danach Einbruch und Streit mit den Konzernen |
| Mongolei | Staatsunternehmen, Export fast nur nach China | Wachstum, aber Kohlediebstahl-Skandal und prozyklischer Haushalt |
| Kusbass (Russland) | Umlenkung der Exporte nach Asien nach dem EU-Embargo | Grubenschließungen, offene Löhne, Abhängigkeit von China |
Hohe Kokskohlepreise füllen die Kassen von Queensland, BMA und Glencore, während Hütten in China und Europa auf ihren Kosten sitzen bleiben. Die Mongolei und der Kusbass zeigen, wie schnell Abhängigkeit von einem einzigen Kunden in Korruption oder Grubensterben umschlägt.
Wie mächtig ist die Kokskohle-Lobby?

Die Kokskohle-Lobby ist in Australien stark genug, um Regierungen offen unter Druck zu setzen, und in Deutschland vertritt die Stahlindustrie ihre Interessen bis ins Kanzleramt. Ihr wichtigstes Argument lautet, dass ohne Hochofen keine heimische Stahlindustrie überlebt und ohne Stahlindustrie die Energiewende scheitert.
In Queensland entbrannte der Streit um die Förderabgaben. Zum 1. Juli 2022 führte die Landesregierung drei neue Stufen ein: 20 Prozent auf den Preisanteil über 175 australischen Dollar je Tonne, 30 Prozent über 225 und 40 Prozent über 300 Dollar. Die Regierung begründete das damit, dass Kohle zeitweise für über 500 australische Dollar gehandelt werde und die alte Struktur nicht mehr passe.
Die Konzerne antworteten mit Drohungen und Stellenabbau. BHP-Chef Mike Henry kündigte laut ABC im August 2022 an, kein weiteres Kapital in Queenslands Kohle zu stecken, und stellte das Projekt Blackwater South zurück. 2025 strich BMA rund 750 Stellen und legte die Grube Saraji South still, mit Verweis auf untragbare Abgaben. Der Branchenverband Queensland Resources Council drängt bis heute auf niedrigere Sätze.
Gewonnen hat die Lobby bisher nicht. Premier David Crisafulli hat Änderungen vor 2028 ausgeschlossen, und der Haushalt 2026/27 lässt die Stufen unverändert. Beim aktuellen Preis von umgerechnet rund 377 australischen Dollar greift damit wieder der Höchstsatz auf den oberen Preisanteil.
In Deutschland spricht die Stahlindustrie für den Rohstoff mit, denn Kokskohle hat hier keine eigene Förderbranche mehr. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl meldete im Lobbyregister des Bundestags für 2025 Ausgaben zwischen 1,65 und 1,66 Millionen Euro und knapp zehn Vollzeitstellen. Beim Stahlgipfel im Kanzleramt am 6. November 2025 einigten sich Regierung und Branche auf Schutzzölle, einen verschärften CO2-Grenzausgleich und Vorrang für europäischen Stahl bei öffentlichen Aufträgen.
Ein Teil der Unterstützung läuft über das Steuerrecht. Das Energiesteuergesetz befreit Energieerzeugnisse, die in metallurgischen Prozessen zugleich als Rohstoff dienen, wie Koks im Hochofen. Der Subventionsbericht des Bundes beziffert die Entlastungen nach den Paragrafen 37 und 51 des Gesetzes für 2021 bis 2024 auf 400 bis 450 Millionen Euro im Jahr, für alle begünstigten Branchen zusammen. Das Umweltbundesamt zählt diese Steuerbefreiung zu den umweltschädlichen Subventionen und verlangt, sie abzuschaffen.
| Instrument | Wirkung für Hochofenwerke | Größenordnung |
|---|---|---|
| Energiesteuerbefreiung metallurgischer Prozesse | kein Steuerabzug auf Koks und Kohle im Hochofen | 400 bis 450 Mio. € pro Jahr für alle begünstigten Branchen |
| Kostenlose Zuteilung im Emissionshandel | großer Teil der CO2-Rechte gratis | schrumpft ab 2026 schrittweise |
| EU-Schutzmaßnahme für Stahl | zollfreie Quote von 18,3 Mio. t, darüber 50 Prozent Zoll | seit 1. Juli 2026 in Kraft |
| Fördergeld für Direktreduktion | Umbau weg vom Hochofen | rund 2 Mrd. € für Thyssenkrupp, rund 1 Mrd. € für Salzgitter |
Die Argumente der Branche haben sich gewandelt. Früher warben Zechen und Hütten mit der Kohle als heimischem Rohstoff, heute mit dem Hochofen als Brücke: Er soll so lange laufen, bis Wasserstoff und Ökostrom billig genug sind. Wir halten diese Brücke für länger, als die Förderbescheide vermuten lassen, weil mit Thyssenkrupp, Salzgitter und ArcelorMittal gleich drei große Hersteller ihre Pläne verschoben, gestreckt oder abgesagt haben. Vorerst läuft die Brückentechnologie damit im Normalbetrieb.
- Queensland: Die Konzerne drohen mit Investitionsstopp, die Regierung hält an Abgaben bis 40 Prozent fest.
- Berlin: Die Stahlbranche erreichte beim Stahlgipfel Schutzzölle und Vorrang bei öffentlichen Aufträgen.
- Steuerrecht: Koks im Hochofen bleibt energiesteuerfrei, das Umweltbundesamt hält das für umweltschädlich.
Wie kommen wir von Kokskohle los?

Der Ausstieg führt über zwei Wege: Elektrolichtbogenöfen, die Schrott einschmelzen, und Direktreduktionsanlagen, die Eisenerz mit Erdgas oder Wasserstoff statt mit Koks reduzieren. Technisch funktionieren beide, wirtschaftlich hängt der zweite Weg am Preis von Wasserstoff und Strom.
Schneller gelingt der Umstieg mit dem Elektroofen: Er braucht keinen Koks, sondern Strom und Schrott, und liefert in Deutschland schon heute knapp ein Drittel des Rohstahls. Salzgitter hat im Juli 2026 für die Hüttenwerke Krupp Mannesmann in Duisburg einen Elektrolichtbogenofen mit 285 Tonnen Abstichgewicht bestellt, der 2029 anlaufen und der größte Elektroofen Deutschlands werden soll.
Für hochwertigen Flachstahl reicht Schrott allein nicht. Diese Lücke schließt die Direktreduktion: Ein Schachtofen entzieht dem Erz den Sauerstoff mit einem Gas, heraus kommt fester Eisenschwamm, der anschließend im Elektroofen schmilzt. Mit Wasserstoff als Reduktionsgas entsteht dabei Wasser statt CO2, mit Erdgas immerhin deutlich weniger CO2 als im Hochofen.
Thyssenkrupp baut in Duisburg eine solche Anlage für 2,5 Millionen Tonnen Eisen im Jahr, rund 3 Milliarden Euro teuer, davon rund 2 Milliarden aus Mitteln von Bund und Land. Im August 2026 teilte der Konzern mit, er verhandle über geänderte Förderbedingungen, damit die Anlage ohne Wasserstoff starten könne. Die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Einsatz von Wasserstoff fehlten zum Start.
Andere Projekte laufen langsamer als geplant. Salzgitter hat die Investitionsentscheidung für die zweite und dritte Stufe seines Programms Salcos im September 2025 auf 2028/29 verschoben, die erste Stufe soll 2027 fertig werden. ArcelorMittal stieg im Juni 2025 ganz aus seinen Plänen für Bremen und Eisenhüttenstadt aus und verzichtete auf 1,3 Milliarden Euro Förderung, weil sich die Anlagen selbst mit Subvention nicht rechneten.
| Projekt | Standort | Stand September 2026 |
|---|---|---|
| Direktreduktion Thyssenkrupp | Duisburg | im Bau, Start zunächst ohne Wasserstoff geplant |
| Salcos Stufe 1 (Salzgitter) | Salzgitter | Fertigstellung für 2027 geplant, Entscheidung über Stufen 2 und 3 auf 2028/29 verschoben |
| Elektroofen HKM (Salzgitter) | Duisburg | bestellt im Juli 2026, Start 2029 geplant |
| Power4Steel (Stahl-Holding-Saar) | Dillingen, Völklingen | Finanzierung gesichert, erste Phase bis Ende 2029 |
| Direktreduktion ArcelorMittal | Bremen, Eisenhüttenstadt | im Juni 2025 abgesagt |
Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann zeigen, wie der Umbau konkret aussieht. Mitte September 2026 legte das Werk seine 42 Jahre alte Koksofenbatterie 2 still, am 20. September folgte Hochofen A. Batterie 1 und Hochofen B laufen weiter, bis der Elektroofen übernimmt, die Belegschaft soll bis Ende 2028 von rund 3.000 auf etwa 1.000 Beschäftigte schrumpfen.
Im Ausland stockt der Umbau ebenfalls. Das schwedische Start-up Stegra, das in Boden ein Werk für Stahl mit Wasserstoff baut, brauchte im April 2026 eine Rettungsrunde über 1,4 Milliarden Euro und stellte seinen Zeitplan auf den Prüfstand. Die Anlage war zu diesem Zeitpunkt schon zu mehr als 60 Prozent gebaut.
Die Rechnung für den Ausstieg entscheidet sich am Strompreis. Ein Elektroofen und eine Wasserstoff-Elektrolyse brauchen enorme Mengen Strom, die Wirtschaftsvereinigung Stahl fordert einen Industriestrompreis von 30 bis 60 Euro je Megawattstunde. Kokskohle bleibt so lange im Geschäft, wie Hochofenstahl samt CO2-Kosten billiger ist als Stahl aus Wasserstoff.
Technisch lässt sich Stahl ohne Kokskohle herstellen, mit Schrott im Elektroofen oder mit Eisenschwamm aus der Direktreduktion. Doch in Deutschland verschieben sich die großen Projekte, und die erste Anlage startet ohne Wasserstoff, sodass der Hochofen bis in die 2030er Jahre gebraucht wird.
Was bedeutet die Kokskohle-Knappheit in China für Deutschland?

Für Deutschland bedeutet die Knappheit vor allem höhere Kosten: Kokskohle kostete Ende September 2026 rund 37 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, das verteuert jede Tonne Hochofenstahl rechnerisch um rund 49 Euro. Die Versorgung selbst ist nicht gefährdet, weil Deutschland vor allem aus Australien und den USA einkauft.
China holt sich die Kohle, die in Shanxi fehlt, auf dem Weltmarkt: Im August 2026 kamen laut Zolldaten 13,07 Millionen Tonnen ins Land, fast 29 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Referenzpreis für australische Premiumkohle kletterte bis Ende August laut GMK Center um gut 22 Prozent auf umgerechnet 234 Euro je Tonne.
Eine rasche Entspannung ist nicht in Sicht. Laut Bloomberg Intelligence soll die Förderung in Shanxi im vierten Quartal wieder anziehen, normal laufen dürften die Gruben frühestens in der ersten Hälfte 2027. Mitte September standen dort noch 75 Gruben mit zusammen 73 Millionen Tonnen Jahreskapazität still.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 22. Mai 2026 | Gasexplosion in der Grube Liushenyu, mindestens 82 Tote |
| Ende Mai 2026 | laut Caixin stehen in Shanxi 109 Kokskohle-Gruben mit 122 Mio. t Jahreskapazität still |
| August 2026 | Chinas Kokskohle-Importe steigen auf 13,07 Mio. t, fast 29 Prozent mehr als im Vorjahresmonat |
| Ende August 2026 | australische Premium-Kokskohle kostet umgerechnet rund 234 Euro, gut 22 Prozent mehr als Ende Juli |
| 16. September 2026 | noch 75 Gruben mit 73 Mio. t Kapazität geschlossen |
| 25. September 2026 | Referenzpreis rund 232 Euro, 37 Prozent über Vorjahr |
Für deutsche Stahlkäufer lässt sich die Wirkung beziffern. Ein Jahr zuvor lag die Kokskohle rechnerisch bei rund 169 Euro je Tonne, heute bei rund 232 Euro. Die Differenz von 63 Euro ergibt bei 780 Kilo Kohle je Tonne Stahl rund 49 Euro Mehrkosten, bei einem Stahlpreis von 740 Euro also gut 6 Prozent.
Beim Verbraucher kommt davon wenig an. Angenommen, der gesamte Stahl eines Autos stammte aus dem Hochofen, dann stiegen die Kokskohlekosten hinter dem Wagen um rund 44 Euro. Beim Kaufpreis eines Neuwagens fällt dieser Betrag kaum ins Gewicht, zumal Autohersteller ihren Stahl über längerfristige Verträge einkaufen. Spürbar wird der Anstieg erst über die Summe vieler Stahlprodukte in Bau, Maschinen und Haushaltsgeräten.
Für die Unternehmen ist die Lage ernster. Die Rohstahlerzeugung lag von Januar bis August 2026 laut Wirtschaftsvereinigung Stahl gut 6 Prozent über dem schwachen Vorjahr, im August wuchs vor allem der Elektrostahl. Teurere Kokskohle frisst die Erholung der Hochofenwerke an, während Elektrostahl von der Kohle unabhängig ist.
Die Politik setzt vor allem auf Schutz und Umbau. Seit 1. Juli 2026 gilt die neue EU-Schutzmaßnahme mit halbierter zollfreier Einfuhrquote, der CO2-Grenzausgleich CBAM ist seit Januar 2026 in der Pflichtphase, die ersten Zertifikate werden ab Februar 2027 verkauft. Für die zweite Runde der Klimaschutzverträge endete am 7. September 2026 die Gebotsfrist, bis zu 5 Milliarden Euro stehen bereit. Gegen einen Rohstoffpreisschock helfen diese Instrumente kurzfristig nicht.
| Szenario | Annahme | Folge für eine Tonne Hochofenstahl |
|---|---|---|
| Optimistisch | Shanxi fährt im vierten Quartal hoch, Kokskohle fällt auf den Juli-Durchschnitt der IEA von rund 215 Euro | rund 13 Euro weniger Kohlekosten als heute |
| Realistisch | Knappheit hält bis ins erste Halbjahr 2027 an, Preis bleibt um 230 Euro | Mehrkosten gegenüber dem Vorjahr von rund 49 Euro bleiben |
| Pessimistisch | Regenzeit in Queensland ab November stört zusätzlich die Verladung, Preis steigt auf 270 Euro | rund 30 Euro zusätzlich zu heute |
Verbrauchern bringt Vorratskauf nichts, die Mehrkosten verteilen sich auf viele Produkte und fallen je Gerät gering aus. Unternehmen mit hohem Stahlbedarf sollten dagegen ihre Einkaufsverträge prüfen. Preisgleitklauseln, die an Rohstoffindizes gekoppelt sind, geben den Kohlepreis mit Verzögerung weiter, und Terminkontrakte auf australische Kokskohle an der Börse in Singapur erlauben eine Absicherung für große Abnehmer.
Importeure von Stahl aus Nicht-EU-Ländern müssen zusätzlich den CO2-Grenzausgleich einplanen. Ab einer Schwelle von 50 Tonnen im Jahr fallen Berichtspflichten und ab 2027 Zertifikatskosten an, 2028 kommen rund 180 weiterverarbeitete Stahl- und Aluminiumprodukte hinzu. Elektrostahl aus Schrott bietet sich als Ausweichroute an, soweit die geforderte Güte das zulässt.
Die Grube Liushenyu liegt fast 8.000 Kilometer Luftlinie von Duisburg entfernt, doch ihre Folgen stehen in jeder Stahlrechnung. Solange knapp 70 Prozent des deutschen Stahls aus dem Hochofen kommen, entscheiden Grubensicherheit in Shanxi und Regenzeit in Queensland mit über die Kosten von Autos, Brücken und Windrädern. Ein Rohstoff, den Deutschland seit 2018 nicht mehr fördert, bleibt so ein fester Kostenfaktor der Industrie.
- Kosten: Rund 49 Euro mehr je Tonne Hochofenstahl als vor einem Jahr, beim Auto rechnerisch gut 40 Euro.
- Dauer: Bloomberg Intelligence erwartet normale Förderung in Shanxi frühestens im ersten Halbjahr 2027.
- Handeln: Stahlkäufer prüfen Preisgleitklauseln, Importeure planen den CO2-Grenzausgleich ein.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Kokskohle

Backfähigkeit
Backfähigkeit beschreibt die Eigenschaft einer Steinkohle, beim Erhitzen unter Luftabschluss plastisch zu werden, aufzuquellen und sich zu einem festen Körper zu verbinden. Nur backfähige Kohle ergibt stückigen Hüttenkoks, Kraftwerkskohle fehlt diese Eigenschaft. Der Grad der Backfähigkeit bestimmt Preis und Einsatz einer Kokskohle.
Bowen-Becken
Bowen-Becken heißt ein geologisches Becken in Queensland im Nordosten Australiens. Die Kohleflöze dort entstanden im Perm und liefern den größten Teil der australischen Premium-Kokskohle. Über Bahnstrecken gelangt die Kohle zu Exporthäfen an der Ostküste, von wo sie nach Japan, Indien, China und Korea geht.
CBAM (CO2-Grenzausgleichsmechanismus)
CBAM (CO2-Grenzausgleichsmechanismus) nennt die EU ihr System, das Importe von Stahl, Aluminium, Zement und anderen Gütern mit einem CO2-Preis belegt. Seit Januar 2026 gilt die Pflichtphase, Zertifikate werden ab Februar 2027 verkauft. Der Mechanismus soll verhindern, dass Produktion in Länder ohne CO2-Preis abwandert.
CSR (Coke Strength after Reaction)
CSR (Coke Strength after Reaction) misst, wie fest ein Koks bleibt, nachdem er unter Hochofenbedingungen mit Kohlendioxid reagiert hat. Ein hoher Wert bedeutet stabilen Koks, der die Schüttung im Ofen trägt und gasdurchlässig hält. Kokskohlen mit hohem CSR-Wert erzielen am Weltmarkt Aufschläge.
Direktreduktion
Direktreduktion bezeichnet ein Verfahren, bei dem Eisenerz im festen Zustand mit einem Reduktionsgas in Eisenschwamm umgewandelt wird. Als Gas dienen Erdgas oder Wasserstoff, Koks ist nicht nötig. Der Eisenschwamm wird anschließend im Elektroofen zu Stahl geschmolzen.
Elektrolichtbogenofen
Elektrolichtbogenofen heißt ein Schmelzofen, in dem ein Lichtbogen zwischen Graphitelektroden Schrott oder Eisenschwamm aufschmilzt. Der Ofen braucht Strom statt Koks und erzeugt deutlich weniger CO2 als der Hochofen, sofern der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt. In Deutschland entsteht knapp ein Drittel des Rohstahls auf diesem Weg.
Förderabgabe (Royalty)
Förderabgabe (Royalty) nennt man die Zahlung, die ein Bergbauunternehmen dem Staat für das Recht leistet, Bodenschätze abzubauen. In Queensland steigt der Satz für Kohle stufenweise mit dem Preis, im Spitzenbereich auf 40 Prozent des Preisanteils über 300 australischen Dollar je Tonne.
Hochofen-Konverter-Route
Hochofen-Konverter-Route bezeichnet den klassischen Weg der Stahlerzeugung: Im Hochofen reduziert Koks das Eisenerz zu flüssigem Roheisen, im Konverter verbrennt eingeblasener Sauerstoff den überschüssigen Kohlenstoff. Das Ergebnis heißt Oxygenstahl. Weltweit entstehen knapp 70 Prozent des Stahls auf dieser Route.
Holländische Krankheit
Holländische Krankheit beschreibt den Effekt, dass ein Rohstoffboom die Landeswährung aufwerten lässt und andere Exportbranchen verdrängt. Der Begriff geht auf die Niederlande zurück, deren Industrie nach Erdgasfunden in den 1960er Jahren an Wettbewerbsfähigkeit verlor. Kohleländer wie die Mongolei gelten als gefährdet.
Kokerei
Kokerei heißt eine Anlage, in der Kokskohle in beheizten Kammern unter Luftabschluss verkokt wird. Nach mindestens 18 Stunden drückt eine Maschine den glühenden Koks aus der Kammer, anschließend wird er gelöscht. Nebenprodukte wie Koksofengas, Teer und Benzol werden aufgefangen und verwertet.
PCI-Kohle
PCI-Kohle ist fein gemahlene Kohle, die in den unteren Teil des Hochofens eingeblasen wird, das Kürzel steht für Pulverized Coal Injection. Die Kohle muss nicht backfähig sein und ersetzt einen Teil des teureren Kokses. Die meisten Hochöfen fahren mit 30 bis 40 Prozent PCI.
Ressourcenfluch
Ressourcenfluch nennen Ökonomen die Beobachtung, dass rohstoffreiche Länder oft langsamer wachsen und schlechter regiert werden als rohstoffarme. Ursachen sind schwankende Einnahmen, Korruption und die Abhängigkeit von wenigen Käufern. Der Kohlediebstahl-Skandal in der Mongolei gilt als aktuelles Beispiel.
FAQ: Kokskohle: der Rohstoff, an dem Deutschlands Stahl hängt

Was ist der Unterschied zwischen Kohle und Koks?
Koks entsteht aus Kohle, wenn eine Kokerei backfähige Steinkohle unter Luftabschluss auf über 1.000 Grad erhitzt. Beim Verkoken entweichen Gase und Teer, zurück bleibt ein poröser, fester Brennstoff mit 85 bis 90 Prozent Kohlenstoff. Aus einer Tonne Kokskohle entstehen rund 640 Kilo Koks.
Wo wird Kokskohle abgebaut?
Die größten Förderländer sind China, Australien, Russland, die USA, Indien, die Mongolei und Kanada. China fördert am meisten, verbraucht die Kohle aber selbst. Für den Weltmarkt ist Australien entscheidend, vor allem das Bowen-Becken in Queensland, das den größten Teil der exportierten Premium-Kokskohle liefert.
Wird in Deutschland noch Kokskohle gefördert?
Nein, seit Ende 2018 fördert Deutschland keine Steinkohle mehr, damals schlossen die letzten Zechen in Bottrop und Ibbenbüren. Die deutschen Kokereien in Duisburg, Bottrop und Dillingen verarbeiten seitdem ausschließlich importierte Kokskohle, 2025 rund 11 Millionen Tonnen, vor allem aus Australien und den USA.
Ist Kokskohle ein kritischer Rohstoff?
Ja, die EU führt Kokskohle auf ihrer Liste kritischer Rohstoffe, weil die Union stark von Importen abhängt und der Rohstoff für die Stahlerzeugung schwer zu ersetzen ist. Die Importabhängigkeit der EU lag laut Forschungszentrum JRC 2019 bei rund 70 Prozent.
Was kostet eine Tonne Kokskohle?
Eine Tonne australische Premium-Kokskohle kostete am 25. September 2026 umgerechnet rund 232 Euro, gut ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Der Rekord liegt im März 2022, als der Preis laut Argus zeitweise auf umgerechnet rund 580 Euro stieg.
Ist Koks schädlich für das Klima?
Ja, beim Einsatz von Koks im Hochofen entsteht viel CO2, weil der Kohlenstoff dem Eisenerz den Sauerstoff entzieht. Thyssenkrupp Steel beziffert den Ausstoß auf rund 1,95 Tonnen CO2 je Tonne Rohstahl. Die Stahlindustrie verursacht damit rund 7 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen.
Quellen
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Shanghai Metals Market | Global premium coking coal spot benchmark rises to $265.50/tonne | https://news.metal.com/newscontent/104134637-global-premium-coking-coal-spot-benchmark-rises-to-26550tonne | besucht am 26.09.2026
GMK Center | The shortage of coking coal in China is set to continue until 2027 | https://gmk.center/en/news/the-shortage-of-coking-coal-in-china-is-set-to-continue-until-2027/ | besucht am 26.09.2026
BigMint | China: Coking coal imports fall 4% m-o-m in Aug’26 as uncertainty mounts | https://www.bigmint.co/insights/detail/china-coking-coal-imports-fall-4-m-o-m-in-aug26-as-uncertainty-mounts-791905 | besucht am 26.09.2026
PBS News | Deadliest coal mine explosion in years kills at least 82 people in China | https://www.pbs.org/newshour/world/deadliest-coal-mine-explosion-in-years-kills-at-least-82-people-in-china-state-media-say | besucht am 26.09.2026
Fortune | China Shanxi coal mine explosion, regulators flagged | https://fortune.com/2026/05/24/china-shanxi-coal-mine-explosion-regulators-flagged/ | besucht am 26.09.2026
Caixin Global | China coal prices surge after deadly mine blast | https://www.caixinglobal.com/2026-05-27/china-coal-prices-surge-after-deadly-mine-blast-102448277.html | besucht am 26.09.2026
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worldsteel | Steel and raw materials, Fact sheet | https://worldsteel.org/wp-content/uploads/Fact-sheet-raw-materials-2023-1.pdf | besucht am 26.09.2026
worldsteel | Advanced steel applications, Fact sheet | https://worldsteel.org/wp-content/uploads/Fact-sheet-Advanced-steel-applications.pdf | besucht am 26.09.2026
European Commission, Joint Research Centre | Coking coal, Briefing | https://rmis.jrc.ec.europa.eu/uploads/2200629_JRC129975_briefing_coking_coal.pdf | besucht am 26.09.2026
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Geoscience Australia | Bowen Basin | https://www.ga.gov.au/scientific-topics/energy/province-sedimentary-basin-geology/petroleum/onshore-australia/bowen-basin | besucht am 26.09.2026
Geologischer Dienst NRW | Steinkohle im Ruhrgebiet | https://www.gd.nrw.de/ro_er.htm | besucht am 26.09.2026
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Argus Media | Seaborne coking coal market in first half 2022 | https://www.argusmedia.com/en/news-and-insights/market-insight-papers/seaborne-coking-coal-market-in-first-half-2022 | besucht am 26.09.2026
English Heritage | History of the Iron Bridge | https://www.english-heritage.org.uk/visit/places/iron-bridge/history/ | besucht am 26.09.2026
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Historisches Lexikon Bayerns | Ruhrbesetzung, 1923 | https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ruhrbesetzung,_1923 | besucht am 26.09.2026
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ABC News | Queensland coal royalties regime questioned after job cuts | https://www.abc.net.au/news/2025-09-28/qld-coal-mine-royalties-regime-questioned-after-job-cuts/105818488 | besucht am 26.09.2026
ABC News | Queensland budget 2026 winners and losers | https://www.abc.net.au/news/2026-06-23/qld-budget-winners-and-losers/106810114 | besucht am 26.09.2026
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Verein der Kohlenimporteure | Jahresbericht 2024 | https://www.kohlenimporteure.de/files/user_upload/jahresberichte/Jahresbericht-2024.pdf | besucht am 26.09.2026
Wirtschaftsvereinigung Stahl | Jahresbilanz der Stahlproduktion 2025 | https://www.wvstahl.de/pressemitteilungen/jahresbilanz-der-stahlproduktion-2025-viertes-krisenjahr-in-folge/ | besucht am 26.09.2026
Wirtschaftsvereinigung Stahl | Rohstahlerzeugung im August 2026 | https://www.verbaende.com/news/pressemitteilung/rohstahlerzeugung-im-august-2026-weiterhin-verhaltene-erholung-174646/ | besucht am 26.09.2026
Wirtschaftsvereinigung Stahl | Industriestrompreis wirkt nicht für die Stahlindustrie | https://www.wvstahl.de/pressemitteilungen/strompreise-industriestrompreis-wirkt-nicht-fuer-die-stahlindustrie-netzentgelt-entlastung-wichtiger-schritt/ | besucht am 26.09.2026
Deutscher Bundestag, Lobbyregister | Wirtschaftsvereinigung Stahl (R002425) | https://www.lobbyregister.bundestag.de/suche/R002425 | besucht am 26.09.2026
CDU Deutschlands | Stahlgipfel: Merz sichert Schlüsselindustrie ab | https://www.cdu.de/aktuelles/wirtschaft/stahlgipfel-merz-sichert-schluesselindustrie-ab/ | besucht am 26.09.2026
Umweltbundesamt | Umweltschädliche Subventionen in Deutschland, Ausgabe 2021 | https://zukunftsnetz-mobilitaet.nrw.de/media/2023/3/9/f48b8d87f30d5716bd13463c87a96c91/UBA-Texte-Umweltschadliche-Subventionen-2021.pdf | besucht am 26.09.2026
Haufe | Kommentar zu § 51 EnergieStG, Bedeutung der Norm | https://www.haufe.de/id/kommentar/friedrichsoyk-energiesteuern-energiestg-51-steueren-11-bedeutung-der-norm-HI16407415.html | besucht am 26.09.2026
ICAP | EU CBAM enters compliance phase | https://icapcarbonaction.com/en/news/eu-cbam-enters-compliance-phase-and-outlines-path-ahead | besucht am 26.09.2026
IWR | CO2-Differenzverträge 2026 | https://www.iwr.de/news/co2-differenzvertraege-2026-bundeswirtschaftsministerium-startet-neue-gebotsrunde-zur-dekarbonisierung-energieintensiver-industrien-news39659 | besucht am 26.09.2026
marketSTEEL | Thyssenkrupp könnte DRI-Anlage zunächst ohne Wasserstoff betreiben | https://www.marketsteel.de/news-details/thyssenkrupp-koennte-dri-anlage-zunaechst-ohne-wasserstoff-betreiben.html | besucht am 26.09.2026
marketSTEEL | Salzgitter verschiebt SALCOS-Ausbau | https://www.marketsteel.de/news-details/salzgitter-verschiebt-salcos-ausbau-erste-projektstufe-laeuft-weiter.html | besucht am 26.09.2026
Salzgitter AG | Salzgitter AG startet Transformation der HKM mit Deutschlands größtem Elektrolichtbogenofen | https://www.salzgitter-ag.com/de/newsroom/pressemeldungen/details/salzgitter-ag-startet-transformation-der-hkm-mit-deutschlands-groesstem-elektrolichtbogenofen-26788.html | besucht am 26.09.2026
SteelOrbis | HKM shuts down 42-year-old coke oven battery | https://www.steelorbis.com/steel-news/latest-news/hkm-shuts-down-42-year-old-coke-oven-battery-as-part-of-green-steel-transition-1478140.htm | besucht am 26.09.2026
GMK Center | HKM is permanently closing blast furnace A in Duisburg | https://gmk.center/en/news/hkm-is-permanently-closing-blast-furnace-a-in-duisburg/ | besucht am 26.09.2026
Tagesspiegel | ArcelorMittal stoppt Pläne für grünen Stahl | https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/ruckschlag-fur-klimafreundlichere-stahlproduktion-arcelormittal-stoppt-plane-fur-grunen-stahl-13883953.html | besucht am 26.09.2026
Stahl-Holding-Saar | 1,7 Milliarden Euro Finanzierung für Power4Steel | https://www.stahl-holding-saar.de/shs/de/presse/pressemitteilungen/naechster-meilenstein-auf-dem-weg-zur-klimaneutralen-stahlproduktion-1-7-milliarden-euro-finanzierung-fuer-power4steel-erfolgreich-abgeschlossen-118252.shtml | besucht am 26.09.2026
Stegra | Stegra has agreed in principle on a 1.4 billion financing round | https://stegra.com/en/news-and-stories/stegra-has-agreed-in-principle-on-a-14-billion-financing-round | besucht am 26.09.2026
IndexBox | EU steel safeguard regulation takes effect July 1, 2026 | https://www.indexbox.io/blog/eu-steel-safeguard-regulation-takes-effect-july-1-2026/ | besucht am 26.09.2026
Eurometal | European HRC prices climb | https://eurometal.net/european-hrc-prices-climb-despite-weak-demand-import-risks-and-supply-concerns-support-market/ | besucht am 26.09.2026
Trading Economics | Iron Ore | https://tradingeconomics.com/commodity/iron-ore | besucht am 26.09.2026
Trading Economics | EU Carbon Permits | https://tradingeconomics.com/commodity/carbon | besucht am 26.09.2026
thyssenkrupp Steel | Klimaziele und Fakten | https://www.thyssenkrupp-steel.com/de/unternehmen/nachhaltigkeit/klimastrategie/klimaziele-und-fakten/klimaziele-und-fakten.html | besucht am 26.09.2026
Europäische Zentralbank | Euro-Referenzkurse | https://www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/euro_reference_exchange_rates/ | besucht am 26.09.2026