Der Industrie- und der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments stimmten am Donnerstag für weichere CO2-Vorgaben bei Neuwagen. Bis 2035 soll der CO2-Ausstoß neuer Autos im Schnitt um 95 Prozent sinken, mit grünem Stahl aus der EU genügen am Auspuff 87,5 Prozent.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenMit 49 zu 27 Stimmen bei fünf Enthaltungen billigte der Industrieausschuss am 22. Oktober den Kompromiss von EVP, Sozialdemokraten und Liberalen.[1] Der Verkehrsausschuss folgte mit 27 zu 18 Stimmen bei einer Enthaltung. Beide Voten gehen als Stellungnahme an den federführenden Umweltausschuss, der Anfang November abstimmen soll.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Neuwagen sollen 2035 im Schnitt 95 Prozent weniger CO2 ausstoßen als 2021, mit grünem Stahl aus der EU genügen am Auspuff 87,5 Prozent.
- EVP, Sozialdemokraten und Liberale stimmten in beiden Ausschüssen geschlossen dafür, Grüne, Linke und die Fraktionen rechts der EVP dagegen.
- Im Rat stellen Deutschland und Frankreich zusammen 33,65 Prozent der EU-Bevölkerung, eine Sperrminorität braucht mehr als 35 Prozent.
Wie stimmten die Fraktionen ab?

Im Industrieausschuss votierten alle Abgeordneten von EVP, Sozialdemokraten und Renew Europe für den Text.[1] Dagegen stimmten die Europäischen Konservativen und Reformer, die Patrioten für Europa, das Europa der souveränen Nationen, die Linke und die Grünen. Im Verkehrsausschuss stimmte zusätzlich eine finnische Abgeordnete der Linken mit Ja, ein litauischer Grüner enthielt sich.
Jens Gieseke (CDU), der für die EVP mitverhandelte, will „Klimaschutz mit einer starken Industrie verbinden“.[1] Die SPD-Abgeordnete Vivien Costanzo forderte zusätzlich strengere Regeln für Produkte aus der EU. Michael Bloss (Grüne) warf Sozialdemokraten und Konservativen vor, die E-Mobilität auszubremsen.
Was bedeuten 95 Prozent am Auspuff?
Das geltende Recht verlangt seit 2023 für 2035 eine Minderung um 100 Prozent gegenüber dem Flottenzielwert von 2021.[3] Die EU-Kommission schlug im Dezember 2025 am Auspuff 90 Prozent vor, die restlichen zehn Punkte sollten Hersteller vollständig über Stahl aus der EU, E-Fuels oder Biokraftstoffe ausgleichen.[4] Berlin und Paris wollen 90 Prozent ohne Ausgleich.[1]
Rechnerisch darf bei 87,5 Prozent jeder achte Neuwagen so viel CO2 ausstoßen wie der Ausgangswert, alle übrigen müssen emissionsfrei fahren. Ohne Ausgleich dürfen Hersteller im Modell des Parlaments 5 Prozentpunkte abweichen, im deutsch-französischen 10. Einzelheiten zu Transportern und zur Mehrfachanrechnung kleiner Elektroautos stehen im Bericht über die Einigung der drei Fraktionen.
Was folgt im Rat und für die Hersteller?
Im Plenum, das voraussichtlich im Dezember entscheidet, genügt eine einfache Mehrheit.[2] Im Rat braucht ein Beschluss mindestens 15 der 27 Staaten, die zusammen 65 Prozent der EU-Bevölkerung stellen. Deutschland kommt nach den Zahlen für 2026 auf 18,47 Prozent, Frankreich auf 15,18 Prozent.[5] Mit Österreich (2,03 Prozent) und einem vierten Land hätten beide rechnerisch eine Sperrminorität.
Ob 87,5 oder 90 Prozent: Der Verbrenner bleibt 2035 im Angebot, verhandelt wird nur noch, wie viel Platz er bekommt.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
In Deutschland fuhr im September gut jeder dritte Neuwagen rein elektrisch, in der EU lag der Anteil bei 29,9 Prozent. Für 87,5 Prozent am Auspuff müssten 2035 rechnerisch sieben von acht Neuwagen emissionsfrei fahren. Bis zur Einigung mit dem Rat gilt die Verordnung von 2023, Fuhrparkverantwortliche sollten Beschaffungen nach 2035 noch nicht an den Ausschusswerten ausrichten.[3]
Anfang Oktober hatte der Verkehrsausschuss seine Abstimmung vertagt, weil die Fraktionen der Mitte mehr Zeit brauchten.[2]
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Handelsblatt (dpa)Automobilindustrie: Erste Abstimmungen im Parlament gegen das Verbrenner-Aus
- electriveEU Auto Package: Committee vote to relax CO₂ rules
- EUR-LexVerordnung (EU) 2023/851 zur Verschärfung der CO2-Emissionsnormen für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge
- EU-KommissionKommission ergreift Maßnahmen für saubere und wettbewerbsfähige Automobilindustrie
- EUR-LexBeschluss (EU, Euratom) 2025/2427 des Rates zur Änderung seiner Geschäftsordnung
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