Unterhändler von EVP, Sozialdemokraten und Liberalen im EU-Parlament haben sich laut Spiegel auf neue CO2-Ziele für Neuwagen verständigt. Bis 2035 sollen die Flottenwerte um 95 Prozent sinken, 7,5 Prozentpunkte davon dürfen Hersteller über grünen Stahl aus der EU ausgleichen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSeit April 2023 verlangt das EU-Recht, dass neue Pkw ab 2035 im Flottenschnitt kein CO2 mehr ausstoßen.[1] Vom Nullwert rücken nun auch Sozialdemokraten und Liberale ab. Die drei Fraktionen müssen das Ergebnis aus der Nacht zum Dienstag noch billigen.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Neuwagen sollen 2035 im Schnitt 95 Prozent weniger CO2 ausstoßen als 2021, mit grünem Stahl genügen am Auspuff 87,5 Prozent.
- Autos mit erneuerbaren Kraftstoffen sollen laut Reuters als emissionsfrei zählen.
- Verkehrs- und Industrieausschuss stimmen am 22. Oktober ab, das Plenum voraussichtlich im Dezember.
Was steht im Kompromiss?

Nach Informationen des Spiegels sinkt der Zielwert für 2035 auf eine Minderung um 95 Prozent gegenüber 2021.[2] Verbauen die Hersteller klimaschonend erzeugten Stahl, dürfen sie um weitere 7,5 Prozentpunkte abweichen. Die EU-Kommission hatte im Dezember 2025 am Auspuff 90 Prozent verlangt und wollte die restlichen zehn Punkte vollständig über Stahl aus der EU, E-Fuels oder Biokraftstoffe ausgleichen lassen.[3]
Laut Reuters, die den Text einsehen konnte, gilt für Pkw 2030 weiter eine Minderung um 55 Prozent,[4] Hersteller dürfen dafür den Schnitt der Jahre 2029 bis 2031 ansetzen. Bei Transportern verlangt der Text für 2030 nur 35 Prozent statt der von der Kommission geplanten 40 Prozent, für 2035 dann 80 Prozent. Kleine, günstige und besonders sparsame Elektroautos bringen den Herstellern Bonuspunkte, sogenannte Super-Credits.
Wie viel Verbrenner passt in 87,5 Prozent?
Die Prozentwerte beziehen sich auf den Flottenzielwert für 2021.[1] Rechnerisch darf bei einem Rest von 12,5 Prozent jeder achte Neuwagen so viel CO2 ausstoßen wie der Ausgangswert, alle übrigen müssen emissionsfrei fahren. Plug-in-Hybride haben auf dem Papier deutlich niedrigere Werte, ihr Anteil kann deshalb höher liegen. Wie weit Prüfwert und Alltag auseinanderliegen, zeigt der Streit um die Rechenregel.
Deutschland und Frankreich hatten in der Vorwoche 90 Prozent ohne Ausgleich vereinbart.[4] Der Kompromiss im Parlament lässt am Auspuff mehr zu als beide Vorlagen. Ohne Ausgleich dürfen Hersteller dort aber nur 5 Prozentpunkte abweichen, im deutsch-französischen Modell 10.
Offen ist, wie Hersteller den Betrieb mit erneuerbaren Kraftstoffen belegen sollen. BMW schlägt dafür eine eigene Fahrzeugklasse mit Nachweis über die Tankkarte vor.
Was heißt das für Hersteller und Fuhrparks?
In Deutschland fuhr im September mehr als jeder dritte Neuwagen rein elektrisch, für 87,5 Prozent wären 2035 rechnerisch sieben von acht nötig. Den Stahl für den Ausgleich können europäische Hütten liefern, die ihre Produktion umstellen, etwa Salzgitter.
Grüner Stahl im Blech senkt kein Gramm CO2 am Auspuff, der Kompromiss verrechnet die Krise zweier Branchen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Anfang Oktober hatte der Verkehrsausschuss seine Abstimmung vertagt. Nach den Ausschüssen für Verkehr und Industrie folgt Anfang November der federführende Umweltausschuss, eine endgültige Einigung mit den Mitgliedstaaten erwartet der Spiegel Anfang 2027.[2]
Für Fuhrparks zählt eine zweite Baustelle des Auto-Pakets: Die Kommission schlägt verbindliche nationale Ziele für emissionsfreie und emissionsarme Firmenwagen vor.[3] Rechnen Sie bei Leasingverträgen, die über 2030 hinauslaufen, mit einer möglichen Elektroquote für Dienstwagen.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- EUR-LexVerordnung (EU) 2023/851 zur Verschärfung der CO2-Emissionsnormen für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge
- Der SpiegelVerbrenner-Aus: EU-Parlament findet Kompromiss bei CO₂-Zielen
- EU-KommissionKommission ergreift Maßnahmen für saubere und wettbewerbsfähige Automobilindustrie
- ReutersEU lawmakers reach deal to weaken car CO2 targets
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