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Der US-Finanzierer Gordon Brothers leiht der insolventen Warenhauskette Galeria erneut Geld, diesmal als Massedarlehen. Mit dem Kredit bezahlt Galeria Ware für das Weihnachtsgeschäft und nimmt seit Dienstag wieder Gutscheine an. Welche der 83 Warenhäuser bleiben, prüft der Insolvenzverwalter weiter Haus für Haus.

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In einigen Galeria-Häusern waren am Dienstagmittag noch ganze Shop-Flächen mit Flatterband abgesperrt, an den Kassen einer Kölner Filiale hing der Hinweis, Gutscheine würden vorübergehend nicht eingelöst. Am selben Tag meldete Galeria die Einigung mit Gordon Brothers über ein Massedarlehen.[1] Die erforderlichen Beschlüsse von Amtsgericht und Gläubigerausschuss liegen laut Galeria vor.

„Damit ist der kontinuierliche Warenzufluss gesichert“, schreibt das Unternehmen.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Galeria hat mit Gordon Brothers ein Massedarlehen vereinbart, Amtsgericht und Gläubigerausschuss haben zugestimmt.
  • Kunden lösen alte Gutscheine wieder ein und können neue kaufen.
  • Die Höhe des Darlehens nennt Galeria nicht.
  • Laut manager magazin könnten deutlich mehr als die 33 bisher geprüften Häuser zur Disposition stehen.

Warum rückt der Kreditgeber nach vorn?

Ein weißes Siegerpodest mit Geschenk und Aufschrift „Zuerst bedient“ vor hellem Hintergrund
Insolventes Unternehmen nimmt Massedarlehen auf, um Betrieb fortzuführen. Rückzahlung wird vor anderen Gläubigern bedient

Ein Unternehmen im Insolvenzverfahren nimmt ein Massedarlehen auf, um den Betrieb weiterzuführen. Die Rückzahlung gehört zu den Masseverbindlichkeiten. Solche Verbindlichkeiten bedient der Verwalter nach der Insolvenzordnung vorweg, bevor Lieferanten, Vermieter und andere Gläubiger aus der Masse eine Quote erhalten.[3] Weil der Kredit die Insolvenzgläubiger nach hinten schiebt, mussten Gericht und Gläubigerausschuss zustimmen.

Gordon Brothers finanziert Galeria nicht zum ersten Mal. Schon im Juni hatte der US-Finanzierer eine Kreditlinie über bis zu 160 Millionen Euro bereitgestellt und dafür Warenbestände sowie Barmittel als Sicherheit erhalten. „Da wäscht eine Hand die andere“, sagte ein mit dem Fall vertrauter Jurist dem Kölner Stadt-Anzeiger.[1] Der Kreditgeber stehe nun ganz oben in der Liste der Gläubiger, Galeria könne wieder Ware einkaufen. Die Gehälter laufen über das Insolvenzgeld für 9.650 Beschäftigte auf Rechnung der Arbeitsagentur.

Was ändert sich in den Filialen?

Seit dem Insolvenzantrag am 2. Oktober hatten die Kassen keine Gutscheine mehr angenommen. Rechtlich sind Kunden mit Gutscheinen aus der Zeit vor dem Verfahren Insolvenzgläubiger.[4] Nach der Eröffnung blieben ihnen nur die Anmeldung zur Insolvenztabelle und bestenfalls eine Quote. Nach der Einigung mit Gordon Brothers löst Galeria auch diese alten Gutscheine wieder ein.

Ungeklärt bleibt die Lage der Konzessionäre: Die eigenständigen Shops kassieren über Galeria-Kassen und wollen sicher sein, dass ihr Geld nicht in der Insolvenzmasse landet.[1]

Galeria: Geld für das Weihnachtsgeschäft, Filialen auf dem Prüfstand
Finanzierung, Beschäftigte und Stand des Verfahrens am 21. Oktober 2026
83
Warenhäuser laufen vorerst weiter, der Verwalter prüft jedes Haus einzeln
33
Häuser hatte die Beratung AlixPartners als Schließungskandidaten benannt
bis zu 160 Mio. €
Kreditlinie von Gordon Brothers aus dem Juni, besichert durch Ware und Barmittel
9.650
Beschäftigte erhalten Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit
Wo das Verfahren steht
2. Oktober
Galeria stellt in Düsseldorf den vierten Insolvenzantrag seit 2020.
5. Oktober
Das Amtsgericht ordnet das vorläufige Verfahren an, Verwalter ist Frank Kebekus.
13. Oktober
Die Bundesagentur bewilligt Insolvenzgeld für 9.650 Beschäftigte.
20. Oktober
Gericht und Gläubigerausschuss stimmen dem Massedarlehen zu, Gutscheine gelten wieder.
Offen
Eröffnung des Verfahrens und Liste der Häuser, die schließen.

Welche Warenhäuser stehen auf der Kippe?

Der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus rechnet damit, dass nicht alle 83 Häuser weiterlaufen. Im ZDF kündigte er an, diesmal „sehr konservativ und mit harten Schritten“ zu sanieren.[1] Die Beratung AlixPartners hatte zuletzt 33 Häuser als Schließungskandidaten benannt. Nach Informationen des manager magazins könnten nun deutlich mehr Filialen zur Disposition stehen. Die Gewerkschaft ver.di und Handelsexperten werfen den Eigentümern NRDC und Bernd Beetz vor, seit der Übernahme 2024 zu wenig investiert zu haben.[2]

Auf der Liste der 33 standen laut Kölner Stadt-Anzeiger alle drei Kölner Häuser, darunter das Haus an der Hohen Straße. Als gefährdet nennt die Zeitung außerdem Euskirchen.[1]

Jedes der drei früheren Verfahren endete mit Schließungen, 2024 schlossen 9 von 92 Häusern. Vermieter und Städte mit Galeria-Standorten nutzen die Wochen bis zur Eröffnung am besten, um eine Nachnutzung vorzubereiten. Konzessionären hilft eine schriftliche Zusage des Verwalters, wie er ihre Kassenumsätze abrechnet. Wie schnell Filialnetze nach einer Insolvenz schrumpfen, zeigte zuletzt Kodi mit 43 geschlossenen Filialen.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Kölner Stadt-AnzeigerInsolvenz: Galeria schleppt sich in das Weihnachtsgeschäft20.10.2026
  2. manager magazinGaleria-Insolvenz: Jeder Standort auf dem Prüfstand20.10.2026
  3. Bundesministerium der Justiz§ 53 InsO, Masseverbindlichkeiten
  4. Bundesministerium der Justiz§ 38 InsO, Begriff der Insolvenzgläubiger

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