Sechs Jahre nach dem Spatenstich hat UPM seine Bioraffinerie im Chemiepark Leuna eingeweiht. Der finnische Konzern beziffert die Investition auf 1,37 Milliarden Euro, beim Baubeginn 2020 waren 550 Millionen Euro geplant. Stabil läuft bisher die Produktion von Industriezucker und Spezialchemikalien aus Lignin, die volle Kapazität soll 2027 erreicht sein.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAus Leuna kamen zuletzt vor allem Meldungen über Stillstand: Leuna Polyamid hat die Produktion beendet, mehr als 400 Beschäftigte sichern dort nur noch die Anlagen. Die neue Anlage von UPM verarbeitet dagegen Buchenholz zu Grundstoffen, für die die Chemieindustrie bisher Erdöl und Erdgas braucht.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- UPM hat die Bioraffinerie in Leuna am 15. Oktober eingeweiht, laut Konzern mit 220.000 Tonnen Jahreskapazität die größte Anlage dieser Art.
- Die Investition ist rund zweieinhalbmal so hoch wie 2020 geplant, Sachsen-Anhalt gab knapp 20 Millionen Euro.
- Die volle Kapazität will UPM 2027 erreichen.
Was stellt UPM in Leuna aus Holz her?

Verarbeitet werden Buchen aus Durchforstungen und Reste aus Sägewerken, aus einem Umkreis von etwa 200 Kilometern. Für Möbel oder Bauholz taugt dieses Holz laut UPM nicht. Enzyme zerlegen die Holzschnitzel in Industriezucker und Lignin, den Stoff, der dem Holz seine Festigkeit gibt.[1]
Aus dem Zucker sollen Glykole für PET-Flaschen, Polyester-Textilien und Kosmetik entstehen, aus dem Lignin Füllstoffe, die in Reifen und Gummiwaren Ruß und Kieselsäure ersetzen.[2] Konzernchef Massimo Reynaudo nannte das Werk bei der Einweihung „eine wegweisende Investition“ und eine Grundlage für „profitables Wachstum“.[1]
Warum kostet die Anlage zweieinhalbmal so viel wie geplant?
Beim Spatenstich im Oktober 2020 nannte UPM 550 Millionen Euro und einen Produktionsstart ab 2022.[3] Danach rutschte der Termin auf Ende 2023, später auf Ende 2024. Als Gründe nannte der Konzern gestörte Lieferketten in der Pandemie und nach dem russischen Angriff auf die Ukraine fehlendes Personal und Material. Am Ende stehen 1,37 Milliarden Euro, 820 Millionen Euro mehr als geplant.[1]
Dazu kommt technisches Neuland: Für eine Bioraffinerie dieser Größe gab es nach Worten von UPM-Vizepräsident Harald Dialer weder ein Vorbild noch Erfahrungswerte für die Inbetriebnahme. In Leuna müssen mechanische, biotechnologische und chemische Verfahren erstmals im Dauerbetrieb zusammenspielen.
Der Förderanteil blieb klein: Sachsen-Anhalt bewilligte 2020 knapp 20 Millionen Euro, gemessen an den heutigen Kosten rund 1,5 Prozent. Der Chemieparkbetreiber InfraLeuna steckte mehr als 100 Millionen Euro in die Versorgung der Anlage.[3] Läuft sie voll, wird UPM laut InfraLeuna-Geschäftsführer Christof Günther der größte Energiekunde des Standorts.[4]
820 Millionen Euro Mehrkosten trägt UPM in Leuna fast allein, das Land gab knapp 20 Millionen: So teuer ist eine Anlage ohne Vorbild.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
UPM plant 550 Mio. € und einen Produktionsstart ab 2022.
UPM verkauft den ersten Industriezucker aus Leuna.
Die Produktion von Zucker und Spezialchemikalien aus Lignin läuft stabil, der Rest im Hochlauf.
Dann soll die Anlage 220.000 Tonnen Biochemikalien im Jahr liefern.
Was bedeutet die Anlage für den Chemiestandort und die Wälder?
Im mitteldeutschen Chemiedreieck ging fast zeitgleich eine zweite Anlage für Chemie aus Pflanzen in Betrieb: Verbio stellt in Bitterfeld-Wolfen seit Anfang Oktober Chemikalien aus Raps her. In Leuna selbst erweitert Aurora Cannabis seine Produktion von Medizinalcannabis. Eine Beschäftigtenzahl für Leuna nennt UPM nicht. Der Verband der Chemischen Industrie sprach laut dpa von einem „Lichtblick“, erwartet weitere Investitionen aber nur, wenn Unternehmen hier dauerhaft wettbewerbsfähig produzieren können.
Den Holzbedarf im Endausbau beziffert UPM auf rund 500.000 Festmeter im Jahr. In ganz Deutschland wurden 2025 rund 9,9 Millionen Kubikmeter Buche und sonstiges Laubholz eingeschlagen.[5] Rechnerisch entspricht der Bedarf von Leuna damit rund fünf Prozent dieser Menge, ein Teil stammt allerdings aus Sägewerksresten statt aus dem Wald.
Forstbetriebe und Sägewerke im Umkreis von 200 Kilometern bekommen einen neuen Abnehmer für Holz, das laut UPM sonst überwiegend verbrannt würde. Verpackungs-, Textil- und Reifenhersteller sollten vor einem Wechsel klären, welche Mengen 2027 lieferbar sind und zu welchem Preis: Chemie aus Holz ist bisher teurer als Chemie aus Erdöl.[4]
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- UPMVom Holz zur Chemikalie: UPM weiht wegweisende Bioraffinerie in Deutschland ein
- UPMUPM erschließt neue biobasierte Märkte, da die Bioraffinerie Leuna ihr erstes kommerzielles Produkt herstellt
- UPMBio-Kunststoffe aus Holz: UPM beginnt mit dem Bau einer weltweit einzigartigen Bioraffinerie in Leuna (PDF)
- MDRMilliardenprojekt eröffnet: Neue Bio-Raffinerie in Leuna produziert Chemie aus Holz
- Statistisches BundesamtHolzeinschlag 2025 insgesamt um 6,4 % gesunken, Schadholzaufkommen halbiert
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