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BASF und die Highsun Holding Group aus dem chinesischen Fuzhou prüfen ein gemeinsames Unternehmen für Polyamid 6 in Europa, je zur Hälfte im Besitz beider Konzerne. Highsun stellt im niederländischen Geleen den Grundstoff Caprolactam her, BASF fertigt Polyamide und Vorprodukte in Ludwigshafen und Antwerpen. Ein Vertrag könnte die EU-Kommission auf den Plan rufen, die bei Zusammenschlüssen auch Subventionen aus Drittstaaten prüft.

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„Die europäische Chemieindustrie muss wettbewerbsfähiger werden“, sagte BASF-Chef Markus Kamieth am Montag. Dafür brauche die Branche eine unterstützende Industriepolitik und Konsolidierung, um stärkere Unternehmen zu schaffen. Am selben Tag unterzeichnete BASF mit Highsun eine unverbindliche Absichtserklärung.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • BASF und Highsun prüfen ein Gemeinschaftsunternehmen zu gleichen Teilen für Polyamid 6 und Vorprodukte in Europa.
  • Beide Firmen prüfen zudem, ihr Extrusionsgeschäft außerhalb Nordamerikas einzubeziehen.
  • Welche Werke eingebracht werden und wann die Prüfung endet, nennen BASF und Highsun nicht.
  • Ein Vertrag kann eine Anmeldung nach der EU-Verordnung über drittstaatliche Subventionen auslösen.

Was legen BASF und Highsun zusammen?

Garnrolle, oben weiß, unten orange, mit 50:50 Etikett, auf weißem Grund
BASF nutzt Polyamid 6 aus Caprolactam für Verpackungs- und Textilindustrie. Highsun zählt zu führenden Herstellern mit 31 Produktionsstätten in China und Europa

Polyamid 6 ist eine Nylon-Sorte und entsteht aus dem Grundstoff Caprolactam. BASF beliefert damit vor allem die Verpackungs- und die Textilindustrie. Highsun zählt nach eigenen Angaben zu den führenden Caprolactam-Herstellern und betreibt 31 Produktionsstätten in China und Europa.[1]

In Europa produziert Highsun seit 2018. Damals übernahm der Konzern das Caprolactam-Werk von Fibrant in Geleen, Verkäufer war eine Holding des Finanzinvestors CVC und des Chemiekonzerns DSM.[3] Für den Kauf über rund 200 Millionen Euro gewährte laut der Forschungsdatenbank AidData die staatliche chinesische Exim-Bank einen Kredit, dessen Höhe unbekannt ist.[4]

Die Geschäfte mit technischen Kunststoffen, die auf Polyamid aufbauen, behalten BASF und Highsun für sich. Projektteams beider Konzerne prüfen das Vorhaben, teilt BASF mit.[1]

Warum sucht BASF einen Partner?

Kamieth begründet den Schritt mit der Auslastung. Ausgewählte Anlagen beider Firmen sollen gemeinsam besser ausgelastet werden und billiger produzieren.[1] Caprolactam-Anlagen verbrauchen viel Gas, Strom und Dampf. Laufen die Anlagen halb leer, verteilen sich diese Fixkosten auf zu wenige Tonnen.

Was einem einzelnen Werk ohne Käufer droht, zeigt Leuna. Für das frühere Domo-Werk, das Caprolactam und Polyamide herstellte, fand sich kein Investor. Seit Oktober fahren über 400 Beschäftigte die Anlagen herunter. Die Geschäftsführung nannte Energie- und Rohstoffkosten sowie Konkurrenz aus China als Gründe. Auch Evonik gab in Bitterfeld eine Produktion auf, die dem Angebot aus Asien nicht standhielt.

Halb ausgelastete Chemieanlagen kann sich Europa nicht mehr leisten. In Leuna fand sich für das Polyamid-Werk kein Käufer.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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BASF und Highsun: das geplante Polyamid-Bündnis
Eckdaten der Absichtserklärung und die Schwellen der EU-Subventionsprüfung
50 : 50
Anteile am geplanten Gemeinschaftsunternehmen für Polyamid 6 in Europa
31
Produktionsstätten in China und Europa meldet Highsun, dazu das Caprolactam-Werk in Geleen
500 Mio. €
EU-Umsatz des Gemeinschaftsunternehmens, ab dem eine Anmeldung in Brüssel nötig wird
50 Mio. €
Zuwendungen aus Drittstaaten in drei Jahren, gerechnet über beide Mütter und das neue Unternehmen

Was prüft Brüssel bei einem Partner aus China?

Ein Gemeinschaftsunternehmen, das auf Dauer als selbstständige wirtschaftliche Einheit arbeitet, gilt nach der Subventionsverordnung der EU als Zusammenschluss. Anmeldepflichtig wird der Fall, sobald das neue Unternehmen in der EU mindestens 500 Millionen Euro umsetzt. Zugleich müssen beide Muttergesellschaften und das Gemeinschaftsunternehmen in drei Jahren zusammen mehr als 50 Millionen Euro an finanziellen Zuwendungen aus Drittstaaten erhalten haben.[2]

Gezählt werden die Zuwendungen beider Seiten, also auch solche, die BASF außerhalb der EU erhält. Während der Prüffristen darf der Zusammenschluss nicht vollzogen werden. Die Vorprüfung dauert 25 Arbeitstage, eine vertiefte Prüfung weitere 90.[2] Die erste vertiefte Prüfung eines chinesischen Käufers betraf JD.com bei der Übernahme von Ceconomy. Der Exim-Kredit von 2018 liegt außerhalb des Dreijahreszeitraums, der für den Schwellenwert zählt.

Für Einkäufer von Polyamid 6 ändert sich vorerst nichts. Bis zu einem Vertrag helfen zwei Vorkehrungen:

  • Lieferverträge auf Klauseln zum Kontrollwechsel prüfen, die bei einem neuen Eigentümer des Lieferanten greifen.
  • Für Ware aus Ludwigshafen, Antwerpen oder Geleen eine zweite Bezugsquelle außerhalb des möglichen Gemeinschaftsunternehmens freigeben.

Ob und wann aus der Absichtserklärung ein Vertrag wird, lassen BASF und Highsun offen.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. BASFBASF und HSCC prüfen ein potenzielles Joint Venture entlang der Polyamid-6-Wertschöpfungskette19.10.2026
  2. Amtsblatt der EUVerordnung (EU) 2022/2560 über den Binnenmarkt verzerrende drittstaatliche Subventionen, Artikel 20 und 24
  3. ChemelotChemicaInvest officially transfers shares in Fibrant to the Highsun Holding Group Ltd. (2018)
  4. AidDataChina Eximbank provides a loan to Highsun Holdings Group Ltd. for its acquisition of Fibrant B.V.

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