BASF prüft seit dem 21. September 2026 den Bau eines neuen MDI-Werks im indischen Dahej. Das Grundstück steht schon, die Investitionsentscheidung noch nicht. Für den Chemiestandort Deutschland zählt vor allem, wohin die neue Kapazität geht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBASF sichert sich für ein mögliches MDI-Werk in Dahej im Bundesstaat Gujarat bereits ein Industriegrundstück, während am Stammsitz Ludwigshafen die Zahl der Stellen erstmals seit 1954 unter 30.000 fällt. Beide Zahlen stammen aus demselben Konzern und zeigen, wo die Chemie noch wächst.
Das Wichtigste in Kürze
- BASF prüft ein neues Werk für den Polyurethan-Grundstoff MDI im indischen Dahej und hat dort bereits ein Grundstück gesichert.
- Die endgültige Investitionsentscheidung fällt erst nach der Machbarkeitsstudie und den nötigen Freigaben.
- Indien gilt dem Konzern als einer der attraktivsten Wachstumsmärkte, Ludwigshafen baut zugleich Stellen ab.
- Ein früheres indisches Großprojekt in Mundra setzte BASF 2020 nach abgeschlossener Studie aus.
Was prüft BASF in Indien?

BASF prüft den Bau eines Produktionskomplexes für den Polyurethan-Grundstoff Methylendiphenyldiisocyanat (MDI) im westindischen Dahej. Über die Tochter BASF India Polyurethanes Private Limited hat der Konzern dafür schon ein Industriegrundstück gesichert. MDI steckt in Gebäudedämmung, Kühlgeräten, Autoteilen und Möbeln, also in Produkten des Alltags. Die endgültige Investitionsentscheidung hängt am Ergebnis der Machbarkeitsstudie und an den nötigen Freigaben.[1] Eine Investitionssumme nennt der Konzern nicht.
Warum prüft BASF ausgerechnet Indien?
Indien zählt für BASF zu den am schnellsten wachsenden Absatzmärkten, und eine Produktion vor Ort spart Importe, Zölle und Transportkosten. Die Nachfrage nach Polyurethan steigt dort mit Bau, Kühlketten und Autoindustrie. MDI lässt sich schlecht über weite Strecken transportieren, deshalb entsteht der Grundstoff am besten nah am Markt. Das Muster kennt der Konzern aus China, wo der Verbund-Standort Zhanjiang bis 2030 rund 10 Milliarden Euro kostet. In Deutschland läuft die Rechnung umgekehrt: Ludwigshafen spart 2,3 Milliarden Euro und hat die Dampferzeugung teils auf eine Wärmepumpe umgestellt, um vom teuren Gas wegzukommen.
Wo MDI im Alltag steckt
BASF sichert das Grundstück in Gujarat, bevor die Machbarkeitsstudie überhaupt fertig ist. Die neue Chemie entsteht dort, wo die Nachfrage wächst, und der Standort Ludwigshafen zahlt die Zeche.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für den Standort Deutschland?
Neue Kapazität wandert dorthin, wo Märkte und Kosten stimmen, und Deutschland gehört immer seltener dazu. Der Schritt reiht sich in ein Muster: BASF hat die IT-Tochter zur Hälfte abgebaut und die Digitaldienste nach Indien verlagert, Wacker Chemie betreibt sein Digitalzentrum im indischen Pune, und Evonik schließt die Standorte Bitterfeld und Hamburg unter Asiens Preisdruck. Mittelständler, die auf deutsche Chemie-Vorprodukte setzen, sollten Lieferketten und Preise früh gegen asiatische Kapazität rechnen. Zugleich lohnt Zurückhaltung bei der Deutung: Das Großprojekt in Mundra setzte BASF 2020 nach abgeschlossener Studie aus, eine Prüfung ist noch kein Werk.
Quelle
[1] BASF: „BASF evaluates MDI investment in India“
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