BASF trennt sich in Ludwigshafen von einem großen Teil der IT-Tochter BASF Digital Solutions. Mehr als die Hälfte der rund 1.700 Stellen soll wegfallen, meldet die Gewerkschaft IGBCE nach den jüngsten Verhandlungen.[1] Den Betrieb der Digitalservices übernimmt künftig ein neues Zentrum im indischen Hyderabad.

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Den Ausschlag gibt keine neue Technik, sondern ein hartes Sparziel. BASF will die jährlichen Kosten um 2,3 Milliarden Euro senken und standardisiert dafür die eigene IT. Was die Digitalsparte bisher in Deutschland entwickelte, kommt künftig als fertiger Dienst aus einem Niedriglohnstandort.

Das Wichtigste in Kürze

  • Von den rund 1.700 Stellen der IT-Tochter BASF Digital Solutions in Ludwigshafen fällt laut IGBCE mehr als die Hälfte weg.
  • Ein neues Digitalzentrum in Hyderabad liefert die standardisierten IT-, SAP- und KI-Dienste künftig für alle Konzernbereiche.
  • Der Abbau gehört zum verschärften Sparprogramm, mit dem BASF die jährlichen Kosten um 2,3 Milliarden Euro drücken will.
  • Auch die kaufmännischen Dienste in Global Business Services wandern bis 2028 nach Indien.

Was verliert der Standort Ludwigshafen?

Ein Kartonpaket mit orangefarbener Schnur und Rikscha-Modell oben drauf, vor weißem Hintergrund
BASF gründet globales Digitalzentrum in Hyderabad für standardisierte SAP- und KI-Anwendungen. Digitalabteilungen in Schwarzheide und Lemförde werden geschlossen

BASF Digital Solutions betreibt die Software, mit der der Konzern Werke steuert, Bestellungen abwickelt und Forschungsdaten verwaltet. Genau diese Arbeit zieht der Konzern nun zusammen: In Hyderabad entsteht ein globales Digitalzentrum, das SAP- und KI-Anwendungen standardisiert für alle Sparten bereitstellt. Die Digitalabteilungen an den Standorten Schwarzheide und Lemförde sollen ganz schließen.

Für die Beschäftigten in Ludwigshafen bleibt wenig Spielraum. „Mit den Kosten in Indien können wir gar nicht mitziehen“, sagt Nils Winternheimer, Gewerkschaftssekretär der IGBCE. Betriebsratschef Dirk Austen wirft dem Konzern vor, die Belegschaft zu spät informiert und im Alleingang entschieden zu haben.

Warum verlagern deutsche Konzerne ihre IT nach Indien?

Der Fall folgt einem Muster. Standardisierte IT-Arbeit lässt sich über die Cloud von jedem Ort erbringen, und die Lohnlücke zwischen Ludwigshafen und Hyderabad ist groß. Aus demselben Grund baut Wacker Chemie ein Digitalzentrum im indischen Pune auf, und die kaufmännischen Dienste von BASF sollen bis 2028 ebenfalls nach Indien wandern.

Der Preis der Verlagerung steckt im Verlust an eigenem Wissen. Gibt ein Chemiekonzern die eigene IT aus der Hand, tauscht er Kontrolle gegen Kosten, wie der Ratgeber zum IT-Outsourcing zeigt. Bei sensiblen Werksdaten wiegt diese Frage schwerer als die Personalkosten.

Der teuerste Posten einer Konzern-IT sind nicht die Gehälter in Ludwigshafen, sondern das Wissen, das mit ihnen nach Hyderabad abwandert. BASF spart 2,3 Milliarden Euro und verlernt dabei, die eigene Software zu bauen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
BASF Digital Solutions: der Umbau in Zahlen
Wie der Chemiekonzern seine IT von Ludwigshafen nach Indien verlagert
1.700
Stellen der IT-Tochter in Ludwigshafen
über 50 %
davon sollen wegfallen, laut IGBCE
2,3 Mrd. €
jährliches Sparziel des Konzerns
2028
bis dahin wandern auch die kaufmännischen Dienste nach Indien
2
Digitalstandorte, Schwarzheide und Lemförde, schließen ganz

Was bedeutet das für IT-Entscheider?

Der BASF-Umbau ist kein Einzelfall, sondern ein Signal an den ganzen Markt. Sobald ein DAX-Konzern seine Digitalabteilung zerlegt, geraten auch kleinere Dienstleister und ihre Preise unter Druck. Der Trend zur standardisierten IT aus der Cloud beschleunigt sich, quer durch die Industrie.

Für Entscheider lohnt der nüchterne Blick auf die eigene Abhängigkeit. Standardanwendungen aus der Cloud sparen Geld, doch bei sensiblen Daten bleibt die Frage nach dem Speicherort offen. Die Debatte um eine souveräne Alternative zu Microsoft 365 zeigt, dass Kontrolle und günstiger Betrieb selten zusammenfallen.

Bei neuen Verträgen über IT-Dienste gehören Ausstiegsklauseln und Datenhoheit früh auf den Tisch, bevor die eigene Mannschaft das Wissen dafür verloren hat. Den Konzernkontext liefert der Bericht, wie der Standort Ludwigshafen erstmals seit 1954 unter 30.000 Stellen fällt.

Quelle

[1] IGBCE: „Hunderte IT-Jobs auf der Kippe“ (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie)

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