Chinas größter Hersteller von Chip-Anlagen, NAURA, hat im ersten Halbjahr 2026 gut 2,6 Milliarden Euro umgesetzt, 24,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.[1] Den Schub liefert nicht neue Technik, sondern die westliche Exportsperre: Was ASML und Applied Materials nicht mehr nach China liefern dürfen, bestellen die Chipfabriken jetzt bei NAURA.

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Der Konzern aus Peking baut die Anlagen, mit denen Chipfabriken Wafer ätzen, beschichten und reinigen, also genau die Werkzeuge, die SMIC oder der Speicherhersteller YMTC seit den US-Sanktionen kaum noch aus den USA oder den Niederlanden bekommen. Aus der Not der Kunden wird ein Geschäftsmodell.

Das Wichtigste in Kürze

  • NAURA setzte im ersten Halbjahr 2026 rund 2,6 Milliarden Euro um, 24,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
  • Das Auftragsbuch umfasst laut chinesischen Finanzmedien rund 10,7 Milliarden Euro und reicht bis 2028.
  • Chinas Chipfabriken sollen bis 2027 einen Großteil neuer Anlagen im Inland kaufen, weil Exportkontrollen die westlichen Zulieferer aussperren.
  • Für ASML, Zeiss und Aixtron schrumpft damit der größte Anlagenmarkt der Welt.

Was steckt im Auftragsbuch?

Geöffnetes Vorhängeschloss mit Gravur, Schlüssel und orangefarbenem Anhänger „Eigenbau“ auf Weiß
NAURA liefert komplette Ausrüstungen für Chipfabriken: Ätzanlagen (650 Mio. Euro), Beschichtung (845 Mio. Euro) sowie Reinigung und Wärmebehandlung. Halbjahresumsatz: 2,6 Milliarden Euro, Gewinn: 438 Millionen Euro

NAURA verkauft keine einzelne Maschine, sondern fast das ganze Sortiment einer Chipfabrik. Die Ätzanlagen brachten im Halbjahr rund 650 Millionen Euro, die Beschichtung gut 845 Millionen, dazu kommen Reinigung und Wärmebehandlung. Unterm Strich stehen 2,6 Milliarden Euro Umsatz und 438 Millionen Euro Gewinn.

Der Gewinn wächst dabei viel langsamer als der Umsatz, nur um 5,05 Prozent. NAURA steckt das Geld in Forschung und drückt die Preise, um die westlichen Anbieter zu verdrängen. Der Auftragsbestand von rund 82 Milliarden Yuan, den chinesische Finanzmedien nennen, ist bis 2028 verplant und umgerechnet gut 10,7 Milliarden Euro schwer.

Warum machen die Sanktionen NAURA groß?

Vor den US-Sanktionen kauften SMIC, YMTC oder Hua Hong ihre Anlagen bei Applied Materials, Lam Research und ASML. Seit Washington und Den Haag die Ausfuhr sperren, bleibt den Fabriken oft nur der heimische Ersatz. Peking verstärkt den Druck mit einer klaren Vorgabe: Bis 2027 soll ein Großteil neuer Anlagen aus chinesischer Produktion stammen.

NAURA steht damit nicht allein. Der Wettbewerber AMEC baut in Shanghai für 448 Millionen Euro neue Ätzanlagen. Chinesische Hersteller bringen inzwischen sogar eigene DUV-Belichter in Serie, das Kerngerät, mit dem ASML den Weltmarkt beherrscht. NAURA profitiert am stärksten, weil der Konzern fast jede Prozessstufe abdeckt und rund ein Viertel des heimischen Marktes für Ätzen und Beschichtung hält.

Jede Anlage, die eine chinesische Fabrik bei NAURA statt bei ASML bestellt, ist ein Kunde, der so schnell nicht zurückkommt. Die Sanktionen sollten Chinas Chipindustrie bremsen. Stattdessen entsteht dort gerade eine eigene Anlagenbranche.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
NAURA: der Profiteur der Chip-Sanktionen
Wie Chinas größter Anlagenbauer vom Rückzug der westlichen Zulieferer lebt
2,62 Mrd. €
Umsatz im ersten Halbjahr 2026, plus 24,9 Prozent
438 Mio. €
Halbjahresgewinn, plus 5,05 Prozent
10,7 Mrd. €
gemeldeter Auftragsbestand, verplant bis 2028
70 %
Ziel für heimische Anlagen in Chinas Fabriken bis 2027
25 %
NAURAs Anteil am China-Markt für Ätzen und Beschichtung

Was heißt das für Europas Anlagenbauer?

China ist der größte Absatzmarkt der Welt für Chip-Anlagen und steht für rund die Hälfte aller Bestellungen. Genau diesen Markt verliert Europas Anlagenbau Stück für Stück. ASML aus Veldhoven, der Optik-Zulieferer Zeiss aus Oberkochen und deutsche Spezialisten wie Aixtron spüren die Doppelzange aus Exportverbot und Pekings Vorgabe zur heimischen Fertigung.

Für Entscheider ist der Rückzug aus China ein dauerhafter Bruch, keine Delle im Konjunkturzyklus. Bei der Bewertung von Aktien oder Zulieferverträgen im europäischen Halbleiter-Anlagenbau gehört der schrumpfende China-Anteil eingepreist. Ein Auftrag, den NAURA gewinnt, kommt kaum zurück.

Die nüchterne Lesart lautet: Europas Vorsprung im Anlagenbau bleibt vorerst auf die teuersten Maschinen beschränkt, die EUV-Belichter von ASML. In den breiten Prozessschritten holt China schneller auf als erwartet. Wie stark der Hunger nach KI-Chips diesen Umbau befeuert, ordnet die KI-Übersicht ein.

Quelle

[1] NAURA Technology: „2026 年半年度报告“ (Halbjahresbericht 2026, Shenzhen Stock Exchange)

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