Der chinesische Ätzanlagen-Bauer AMEC erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen bereinigten Betriebsgewinn von 144 Millionen Euro, gut doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Jetzt legt der Konzern 448 Millionen Euro für die zweite Ausbaustufe seiner Fabrik im Shanghaier Bezirk Lingang nach. Der Antrieb dafür kommt aus Washington.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAMEC, ausgeschrieben Advanced Micro-Fabrication Equipment, baut die Maschinen, mit denen Chiphersteller feinste Strukturen in Silizium ätzen. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 34,89 Prozent auf rund 856 Millionen Euro, der bereinigte Betriebsgewinn kletterte um 108 Prozent.[1] Der Grund dafür liegt weniger in Shanghai als in Washington.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2026 um 34,89 Prozent auf rund 856 Millionen Euro, der bereinigte Betriebsgewinn um 108 Prozent auf 144 Millionen Euro.
- Der ausgewiesene Nettogewinn legte um 300 Prozent auf 362 Millionen Euro zu, gestützt durch einen Aktienverkauf über 122 Millionen Euro.
- 448 Millionen Euro fließen in die zweite Ausbaustufe der Lingang-Fabrik in Shanghai, gedacht für Ätz-, Mess- und Abscheideanlagen.
- Treiber ist Chinas Chip-Selbstversorgung unter den US-Exportkontrollen; nur bei der EUV-Lithografie hält der niederländische Ausrüster ASML sein Monopol.
Warum treibt ausgerechnet der US-Bann AMECs Gewinn?

Seit Washington den Zugang zu westlicher Fertigungstechnik sperrt, kaufen Chinas Chipfabriken ihre Anlagen zunehmend im eigenen Land. Genau in diese Lücke stößt AMEC. Der Konzern hat 54 High-End-Anlagentypen entwickelt und deckt damit über 30 Prozent der Ausrüstung für die vordere Chipfertigung ab. Beim Ätzen reicht die Technik von reifen 65-Nanometer-Knoten bis zu modernen 5- und 3-Nanometer-Prozessen. Einige dieser Anlagen laufen bereits bei TSMC.
Der ausgewiesene Gewinnsprung von 300 Prozent trügt allerdings. Ein guter Teil stammt aus dem Verkauf von Anteilen am Abscheide-Spezialisten Piotech, der allein 122 Millionen Euro einbrachte. Das eigentliche Geschäft wuchs langsamer, aber solide: Der bereinigte Betriebsgewinn legte um 108 Prozent zu, und AMEC steckte 261 Millionen Euro in Forschung, über 30 Prozent des Umsatzes. Dieselbe Logik steckte schon hinter der jüngsten Fabrikgründung in Wuhan.
Wie weit reicht Chinas Aufholjagd bei den Chip-Werkzeugen?
AMEC steht nicht allein. Bei Ätzen, Abscheidung, Politur und Reinigung gewinnen heimische Anbieter wie Naura, Piotech und Hwatsing messbar Marktanteile, während die größte chinesische Foundry ihre Kapazität mit lokaler Technik ausbaut, wie die jüngsten Zahlen von SMIC zeigen.
Die Sperren schlagen sogar zurück: Laut dem Marktforscher TrendForce prüfen Samsung und SK Hynix inzwischen AMEC-Anlagen für ihre Werke in China, um sich gegen künftige US-Auflagen abzusichern.[2] Grenzen bleiben trotzdem. AMEC selbst landete 2024 auf der Militärliste des US-Verteidigungsministeriums, klagte dagegen und wurde im Dezember wieder gestrichen. Bei der Lithografie, dem Herzstück jeder Fabrik, liegt Chinas Eigenversorgung nahe null, solange ASML das EUV-Monopol hält.
Washington wollte Chinas Chipindustrie ausbremsen und hat AMEC stattdessen den Heimatmarkt frei geräumt. Beim Ätzen hat der Westen seinen Vorsprung längst verspielt, allein die Lithografie hält ASML noch fest in der Hand.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie stark chinesische Zulieferer inzwischen aufholen, zeigt sich nicht nur bei den Fertigungsanlagen: Bei den Leistungshalbleitern drängen chinesische Hersteller bereits in die globale Top 10 und setzen etablierte Anbieter wie Infineon unter Druck.
Was bedeutet das für Europas Chipindustrie?
Für europäische Ausrüster wird der Aufstieg zum Problem mit Ansage. ASML aus den Niederlanden hält zwar das Monopol bei der EUV-Lithografie, doch bei Ätz- und Abscheideanlagen konkurrieren Firmen wie Zeiss SMT, Aixtron und SÜSS MicroTec direkt mit den chinesischen Aufsteigern. Je mehr China den Heimatbedarf selbst deckt, desto eher drängen seine Anlagenbauer als Nächstes auf Drittmärkte.
Der Europäische Rechnungshof warnte im Sonderbericht 12/2025, dass die EU ihr Ziel von 20 Prozent Weltmarktanteil bis 2030 verfehlt und eher bei 11,7 Prozent landet. Für Entscheider in der DACH-Region folgt daraus zweierlei: Lieferketten für Fertigungstechnik breiter aufstellen, statt sich auf einen Anbieter zu verlassen, und die Fördermittel des EU Chips Act stärker in die Qualifizierung heimischer Zulieferer lenken, statt allein neue Fabriken zu finanzieren.
FAQ: AMEC und Chinas Chip-Selbstversorgung
Was macht AMEC?
AMEC (Advanced Micro-Fabrication Equipment) ist ein chinesischer Hersteller von Anlagen für die Chipfertigung, mit einem Schwerpunkt auf Ätzanlagen. Mit diesen Maschinen tragen Chiphersteller feinste Strukturen in Silizium ab. Der Konzern sitzt in Shanghai und hat bislang 54 High-End-Anlagentypen entwickelt.
Wie viel Gewinn machte AMEC im ersten Halbjahr 2026?
Der bereinigte Betriebsgewinn stieg um 108 Prozent auf rund 144 Millionen Euro, der Umsatz um 34,89 Prozent auf rund 856 Millionen Euro. Der ausgewiesene Nettogewinn legte sogar um 300 Prozent auf 362 Millionen Euro zu, allerdings gestützt durch einen einmaligen Aktienverkauf über 122 Millionen Euro.
Warum profitiert AMEC von den US-Exportkontrollen?
Die US-Exportkontrollen sperren chinesischen Chipfabriken den Zugang zu westlicher Fertigungstechnik. Dadurch entsteht ein abgeschotteter Heimatmarkt, in dem lokale Anbieter wie AMEC ihre Ätz- und Abscheideanlagen absetzen. Die garantierte Nachfrage treibt Umsatz und Investitionen des Konzerns.
Was ist die Lingang-Investition von AMEC?
AMEC steckt 448 Millionen Euro in die zweite Ausbaustufe seiner Fabrik im Shanghaier Bezirk Lingang. Die Anlage soll Ätz-, Mess- und Abscheideanlagen fertigen und nach voller Auslastung rund 384 Millionen Euro Umsatz pro Jahr bringen. Davon entfallen 218 Millionen Euro auf Sachanlagen.
Welche Rolle spielt ASML für Chinas Chipindustrie?
ASML aus den Niederlanden hält das Monopol bei der EUV-Lithografie, der Technik für die feinsten Chipstrukturen. In diesem Bereich liegt Chinas Eigenversorgung nahe null. AMEC ist dagegen beim Ätzen stark, einem anderen Schritt der Fertigung, und konkurriert dort direkt mit westlichen Ausrüstern.
Quellen
[1] 财联社 (Cailianshe): „中微公司上半年净利润增长超300% 拟投资35亿元建设临港产业化基地二期项目|财报解读“
[2] TrendForce: „U.S. Export Curbs Backfire? Samsung, SK hynix Reportedly Mull AMEC’s Chipmaking Tools as China Fab Backup“
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