Beschäftigte im Homeoffice erreichen beim Wohlbefinden 4,22 Punkte auf einer Skala von 1 bis 5, Beschäftigte im Büro 3,89. Die Zahlen stammen aus einer Auswertung von 7.704 Angestellten eines großen US-Klinikbetriebs, erschienen am 29. Juli 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychology.[1] Beim Zusammenhalt im Team und bei der Kündigungsquote fand das Forschungsteam dagegen keinen statistisch belastbaren Unterschied.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Verglichen wurden 1.869 voll remote arbeitende, 2.099 hybride und 3.736 dauerhaft anwesende Angestellte.
  • Das Wohlbefinden lag bei 4,22 Punkten remote, 4,12 hybrid und 3,89 vor Ort.
  • Ein Jahr später kündigten 7,8 Prozent der Remote-Kräfte und 8,8 Prozent der Präsenzkräfte, ohne statistische Signifikanz.
  • Auf die Bindung ans Unternehmen wirkt der Arbeitsort nur mittelbar, nämlich über das Wohlbefinden.

Wie groß ist der Vorsprung des Homeoffice wirklich?

Waage mit „Wohlbefinden“-Schild und Schlüssel links, Ausweis rechts
Arbeitsort erklärt nur 3% der Wohlbefindens-Unterschiede. Korrelation zwischen Arbeitsumgebung und Wohlbefinden beträgt 0,17

Der Abstand beträgt 0,33 Punkte auf fünf Stufen, und der Arbeitsort erklärt nur rund drei Prozent der Unterschiede im Wohlbefinden. Die Korrelation zwischen Arbeitsumgebung und Wohlbefinden liegt bei 0,17.[1]

Vier Fragen bilden die Messgröße, und keine davon stammt aus einem etablierten Messinstrument. Abgefragt wurden Fürsorge des Arbeitgebers für die Gesundheit, Energie durch die eigene Arbeit, Rückhalt durch die Führungskraft und eine tragfähige Balance zwischen Beruf und Leben.[1] Gemessen hat die Erhebung damit vor allem empfundene Unterstützung.

Warum steckt hinter dem Arbeitsort die Tätigkeit?

Im Klinikbetrieb hängt der Arbeitsort an der Aufgabe: Remote-Stellen sitzen in Verwaltung und Analyse, Präsenzstellen in Pflege und Betrieb. Das Team um Alyssa Lezcano benennt diesen Zusammenhang selbst als Grenze der Untersuchung, weil ungemessene körperliche und emotionale Belastungen der klinischen Arbeit den Abstand miterklären können.[1]

Präsenzpflicht bessert die Kennzahlen ihrerseits nicht auf. Yuye Ding und Mark Ma von der University of Pittsburgh werteten Rückkehr-Anordnungen im S&P 500 aus und fanden weder bessere Finanzkennzahlen noch einen höheren Unternehmenswert, wohl aber sinkende Zufriedenheitswerte.[2] Europäische Konzerne verschärfen die Regeln trotzdem: Airbus ordnete für die Belegschaft mindestens vier Bürotage in der Woche an.

Die Gewohnheit hält Studienautorin Stefanie Johnson von der University of Colorado Boulder für den eigentlichen Treiber der Rückkehr ins Büro: „Führungskräfte treffen ihre Entscheidungen nicht auf Datenbasis. Ich glaube, sie kehren einfach zu dem zurück, was sie gewohnt sind.“[3] Zum Rückhalt durch Vorgesetzte passt ein zweiter Befund: Die Leistungsbereitschaft ist da, die Führung fehlt. Was der Weg ins Büro kostet, zeigt die Rechnung zu den versteckten Kosten eines Jobs.

0,33 Punkte auf einer Fünf-Punkte-Skala reichen nicht, um das Büro abzuschaffen. Bemerkenswerter finde ich, dass die Studie das Wohlbefinden an der Führungskraft festmacht und nicht am Standort des Schreibtischs.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Homeoffice, Hybrid und Büro: 7.704 Beschäftigte im Vergleich
Beim Wohlbefinden trennen 0,33 Punkte die Gruppen, bei den Kündigungen bleibt der Unterschied ohne Signifikanz.
Voll remote: 4,22 Punkte

1.869 Angestellte erreichen den höchsten Wert der Erhebung. Gemessen haben die Forscher mit vier Fragen zu Fürsorge, Energie, Rückhalt und Balance auf einer Skala von 1 bis 5.

Vor Ort: 3,89 Punkte

3.736 Angestellte erreichen den niedrigsten Wert. Die 2.099 hybriden Kräfte liegen mit 4,12 Punkten dazwischen.

0,33
Punkte Abstand zwischen voll remote und dauerhaft vor Ort, auf einer fünfstufigen Skala.
rund 3 %
der Unterschiede im Wohlbefinden erklärt der Arbeitsort, entsprechend einer Korrelation von 0,17.
7,8 zu 8,8 %
Kündigungen ein Jahr nach der Befragung, remote gegen vor Ort. Der Unterschied ist nicht signifikant.
24,3 %
der Beschäftigten in Deutschland arbeiteten im Februar 2026 zumindest teilweise zu Hause.

Was gilt für Arbeitgeber im DACH-Raum?

Einen Rechtsanspruch auf Homeoffice kennt das deutsche Recht nicht. Über den Arbeitsort bestimmt der Arbeitgeber nach billigem Ermessen, soweit Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung, Tarifvertrag oder Gesetz nichts anderes regeln (§ 106 Gewerbeordnung).[4]

Mitbestimmung greift trotzdem. Seit 2021 zählt die Ausgestaltung mobiler Arbeit mit Informations- und Kommunikationstechnik zu den erzwingbaren Rechten des Betriebsrats (§ 87 Absatz 1 Nummer 14 Betriebsverfassungsgesetz).[5] Die Gewährung selbst bleibt Sache des Arbeitgebers.

24,3 Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiteten im Februar 2026 zumindest teilweise zu Hause, bei IT-Dienstleistern 76,4 Prozent, im Baugewerbe 4,5 Prozent.[6] „Einzelne Firmen, die das Homeoffice stark einschränken, begründen noch keinen Trend. Das Homeoffice ist und bleibt etabliert“, sagt Jean-Victor Alipour vom ifo Institut.[6]

Zwei Prüfschritte lohnen sich vor der nächsten Präsenzquote. Klären Sie zunächst, ob Ihre Kennzahl den Arbeitsort misst oder die Tätigkeit dahinter. Danach richten Sie den Blick auf die Führung: Rückhalt durch Vorgesetzte steckt in zwei der vier Studienfragen und lässt sich unabhängig vom Schreibtischstandort verbessern.

Quellen

[1] Frontiers in Psychology: „Rethinking return-to-office: the positive impact of remote work on well-being, connection, and employee retention“

[2] University of Pittsburgh, Joseph M. Katz Graduate School of Business: „Return to Office Mandates Don’t Improve Employee or Company Performance“

[3] University of Colorado Boulder: „Remote workers report the highest well-being in study of 7,700 employees“

[4] Bundesamt für Justiz: „§ 106 Gewerbeordnung, Weisungsrecht des Arbeitgebers“

[5] Bundesamt für Justiz: „§ 87 Betriebsverfassungsgesetz, Mitbestimmungsrechte“

[6] ifo Institut: „Homeoffice-Anteil bleibt stabil bei knapp 25%“

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