Die US-Börsenaufsicht SEC wollte am 14. August über ihr erstes eigenes Krypto-Regelwerk abstimmen und zog die Sitzung einen Tag vorher zurück. Hinter dem Rückzieher steckt kein Zufall, sondern ein Streit über die Zuständigkeit zwischen Behörde und Kongress. Für europäische Anbieter unterstreicht der Vorgang den Vorsprung, den die EU mit MiCA bereits hat.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenNeue Krypto-Regeln aus Washington lassen weiter auf sich warten. Die Kommission hatte für Freitag eine öffentliche Sitzung angesetzt, um „Regulation Crypto Assets“ vorzuschlagen, das erste formelle Regelwerk der Behörde allein für Kryptowerte. Am Vortag verschwand der Termin ohne neues Datum aus dem Kalender.
Das Wichtigste in Kürze
- Die SEC sagte die für den 14. August 2026 angesetzte Abstimmung über neue Krypto-Regeln kurzfristig ab, ohne neuen Termin.[1]
- Der Entwurf „Regulation Crypto Assets“ umfasst rund 400 Seiten und schafft drei Ausnahmepfade für Token-Emissionen.
- Emissionen bis 75 Millionen US-Dollar (rund 65 Millionen Euro) je zwölf Monate sollen ohne volle Registrierung möglich werden.
- Als Grund gilt die Überschneidung mit dem noch offenen CLARITY Act im Kongress.
Warum stoppt die Aufsicht ihre eigene Abstimmung?

Behörde gegen Kongress. Die SEC will per Verordnung regeln, was der Gesetzgeber bislang nicht zu Ende gebracht hat. Ihr Entwurf überschneidet sich mit dem CLARITY Act, dessen Abschnitt 10505 die Tokenisierung von Wertpapieren betrifft. Ein Alleingang der Behörde würde den mühsam ausgehandelten Kompromiss im Kongress gefährden.
Die Kommission zog deshalb die Reißleine, statt vorzupreschen. Parallel verschob sie eine zweite Ausnahme, die den Handel mit tokenisierten Wertpapieren erleichtern soll. Beide Schritte deuten auf Abstimmungsbedarf mit den Gesetzgebern hin, nicht auf das „unvorhergesehene Terminproblem“, das die Behörde offiziell nennt.
Was steckt hinter Regulation Crypto?
Ausstieg aus dem Dauerstreit. Der Entwurf ersetzt die jahrelange Einzelfallprüfung durch feste schriftliche Bedingungen. Jede Token-Emission in den USA riskiert bis heute eine Klage der SEC wegen eines nicht registrierten Wertpapiers. Künftig sollen drei Ausnahmepfade, darunter ein Safe Harbor für ausreichend dezentrale Projekte, diese Unsicherheit beenden.
Den größten Konflikt trägt die geplante Ausnahme für tokenisierte Wertpapiere. Genau hier bewegt sich der Markt am schnellsten, seit Broker wie Robinhood eigene Blockchains für tokenisierte Aktien starten. Die Behörde will diesen Bereich lieber mit dem Kongress abstimmen, statt ihm vorzugreifen.
Die mächtigste Finanzaufsicht der Welt zieht ihre eigene Krypto-Abstimmung zurück, weil ein Gesetz im Kongress festhängt. Diese Unsicherheit ist der eigentliche Standortnachteil, den Europa mit MiCA längst hinter sich hat.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für den EU-Markt?
MiCA ist längst in Kraft. Was die USA erst per Regelentwurf versuchen, gilt in der EU seit dem 30. Dezember 2024 als geltendes Recht. Die Verordnung MiCA (VO (EU) 2023/1114) regelt Zulassung, Whitepaper-Pflichten und Anlegerschutz einheitlich, während Washington noch um die Zuständigkeit ringt.
Der Unterschied reicht bis ins Detail. Nach Artikel 48 dürfen E-Geld-Token in der EU nur Kreditinstitute und zugelassene E-Geld-Institute mit Sitz in einem Mitgliedstaat ausgeben, in Deutschland überwacht von der BaFin. Der Markt folgt derselben Logik: Mastercard kaufte sich mit dem Zukauf von BVNK gleich die passende EU-Lizenz ein, statt auf eine US-Regel zu warten.
Der Ripple-Fall erklärt die Eile der Amerikaner. Die SEC verklagte den Zahlungsdienstleister 2020 wegen des Verkaufs von XRP als nicht registriertes Wertpapier. 2023 entschied ein Gericht uneinheitlich. Dieser Streit prägt die Branche bis heute. Deutsche Entscheider prüfen jetzt drei Punkte: ob ihr Token unter MiCA fällt, ob ein US-Angebot ohne EU-Zulassung überhaupt erreichbar ist und wie die geplante deutsche Krypto-Steuer ihre Bestände trifft.
FAQ: Die neuen SEC-Krypto-Regeln
Was ist „Regulation Crypto Assets“?
Regulation Crypto Assets ist der Entwurf der US-Börsenaufsicht SEC für ein eigenes Regelwerk für Kryptowerte. Der rund 400 Seiten starke Vorschlag schafft drei Ausnahmen von der Wertpapier-Registrierung, darunter eine Obergrenze von 75 Millionen US-Dollar je zwölf Monate und einen Safe Harbor für ausreichend dezentrale Projekte.
Warum hat die SEC die Abstimmung abgesagt?
Die SEC nannte offiziell ein „unvorhergesehenes Terminproblem“ und setzte keinen neuen Termin. Fachlich gilt die Überschneidung mit dem CLARITY Act als Grund. Dessen Tokenisierungs-Abschnitt berührt denselben Bereich wie der SEC-Entwurf. Ein Alleingang der Behörde würde den Gesetzeskompromiss im Kongress gefährden.
Was hat der Fall mit Ripple und XRP zu tun?
Die SEC verklagte Ripple 2020 wegen des Verkaufs von XRP als nicht registriertes Wertpapier. 2023 entschied ein Gericht uneinheitlich, XRP selbst sei kein Wertpapier, bestimmte institutionelle Verkäufe aber schon. Regulation Crypto würde solche Einzelfallprozesse durch feste schriftliche Bedingungen ersetzen.
Wie unterscheidet sich die EU-Regulierung von den US-Plänen?
Die EU hat mit MiCA (VO (EU) 2023/1114) seit dem 30. Dezember 2024 ein einheitliches Regelwerk für Kryptowerte, während die USA noch am ersten Entwurf arbeiten. MiCA regelt Zulassung, Whitepaper-Pflichten und Anlegerschutz. In Deutschland überwacht die BaFin die Einhaltung.
Quelle
[1] U.S. Securities and Exchange Commission: „Open Meeting“ (Sunshine-Act-Mitteilung zum 14. August 2026)
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