Europa bringt Technologiefirmen hervor, finanziert ihr Wachstum aber nicht. Rund 30 Prozent der europäischen Einhörner verlegten laut dem Draghi-Bericht ihren Sitz ins Ausland, die meisten in die USA. Gegen diese Kapitallücke sammelt der Scaleup Europe Fund fünf Milliarden Euro. Die Allianz beteiligt sich als erster großer deutscher Investor.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Scaleup Europe Fund ist mit einem Zielvolumen von fünf Milliarden Euro der bislang größte Versuch der EU, europäische Technologiefirmen im eigenen Wirtschaftsraum zu halten. Seit dem 17. September 2026 zählt die Allianz zu seinen Geldgebern und bringt als erster großer deutscher Investor Versicherungskapital ein.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Scaleup Europe Fund zielt auf fünf Milliarden Euro und finanziert europäische Tech-Firmen ab der Wachstumsphase (Series B).
- Die EU-Kommission legt über den Europäischen Innovationsrat rund eine Milliarde Euro als Ankerkapital ein, den Rest steuern private Investoren wie Allianz, Novo Holdings und CriteriaCaixa bei.
- Verwalter ist der schwedische Investor EQT, die erste Beteiligung ging an das Satellitenunternehmen ICEYE.
- Hintergrund ist eine Finanzierungslücke: Das US-Wagniskapital umfasst rund 930 Milliarden Euro, der EU-Markt nur etwa 150 Milliarden.
Warum verlieren europäische Scaleups den Anschluss?

Europäische Firmen scheitern nicht an der Idee, sondern am Wachstumskapital. Bei Finanzierungsrunden ab der Series-B-Phase, also jenseits von 100 Millionen Euro, stammt der Großteil des Geldes von außerhalb Europas, überwiegend aus den USA. Größere Anschlussrunden zwingen viele Gründer, ihrem Kapital über den Atlantik zu folgen.
Der Effekt ist messbar. Rund 30 Prozent der zwischen 2008 und 2021 gegründeten europäischen Einhörner verlegten laut dem Draghi-Bericht ihren Sitz ins Ausland, die meisten in die USA. Auch beim Kapital klafft eine Lücke, denn das US-Wagniskapital summiert sich laut dem Wirtschaftsbericht der Europäischen Zentralbank auf rund 930 Milliarden Euro, das europäische nur auf etwa 150 Milliarden.[3] Ob Europa seine Firmen halten kann, wurde damit zur Frage des Standorts.
Wie will der Fonds die Lücke schließen?
Der Scaleup Europe Fund bündelt öffentliches und privates Geld zu einem Zielvolumen von fünf Milliarden Euro. Die EU-Kommission legt über den Europäischen Innovationsrat rund eine Milliarde Euro als Ankerkapital ein, verwaltet wird der Fonds vom schwedischen Investor EQT.[2] Finanziert werden Firmen ab der Wachstumsphase in Feldern wie künstlicher Intelligenz, Quantentechnik, Halbleitern, Raumfahrt und Biotech.[1]
Die Allianz beteiligt sich als erster großer deutscher Investor und stellt damit Versicherungskapital für europäische Technologiefirmen bereit. Die erste Beteiligung des Fonds ging an das Satellitenunternehmen ICEYE. Weitere Geldgeber wie Novo Holdings und CriteriaCaixa sagten je mehrere Hundert Millionen Euro zu. Gerade europäische KI-Anbieter wie Mistral brauchen genau dieses Kapital für die nächste Wachstumsstufe.
Europa hatte nie zu wenige Gründer, sondern zu wenig Kapital für die zweite Wachstumsphase. Fünf Milliarden Euro lösen das nicht allein, setzen aber ein Signal an private Investoren, die ihr Geld bislang lieber ins Silicon Valley überwiesen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Eckdaten des Fonds
Was bedeutet der Fonds für den DACH-Raum?
Für Entscheider im deutschsprachigen Raum verschiebt der Fonds die Standortfrage. Reifte ein KI- oder Deep-Tech-Unternehmen bisher bis zur großen Finanzierungsrunde, blieb meist nur der Weg zu US-Fonds, oft verbunden mit einem späteren Umzug. Ein europäischer Pool ab der Series B eröffnet nun eine Alternative im eigenen Rechtsraum und stärkt die digitale Souveränität.
Die Beteiligung der Allianz zeigt zudem, dass institutionelles Versicherungskapital in den Wachstumsmarkt einsteigt. Genau dieses langfristige Geld fehlte Europa bisher, während US-Pensionsfonds und Staatsfonds ihre Start-ups seit Jahren durchfinanzieren.
Für Gründer und Kapitalgeber im DACH-Raum lohnt der Blick auf die Sektorliste des Fonds. Künstliche Intelligenz, Halbleiter, Raumfahrt und Biotech stehen im Fokus, die ersten Zusagen zeigen die Richtung. Unternehmen, die in diesen Feldern skalieren, sollten europäische Wachstumsfinanzierung künftig als realistische Option einplanen.
Quellen
[1] EQT: „EQT Selected to Lead the Scaleup Europe Fund“
[2] Europäische Kommission: „European Innovation Council selects EQT to lead the 5 billion euro Scaleup Europe Fund“
[3] Europäische Zentralbank, Wirtschaftsbericht 5/2026: „Europe’s venture capital gap and the financing of high-growth firms“
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