JD.com steht laut Reuters kurz vor der EU-Freigabe für die Übernahme von Ceconomy, dem Mutterkonzern von MediaMarkt und Saturn. Der chinesische Onlinehändler hat dafür seine Zusagen an die Kommission nachgebessert. Kleinere Konkurrenten des Elektronikhändlers sollen JDs Logistik und Technik in Europa mitnutzen dürfen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 2,2 Milliarden Euro bietet JD.com für Ceconomy, 4,60 Euro je Aktie in bar. Das chinesische Wirtschaftsportal Guandian griff die Reuters-Meldung am 5. Oktober auf.[1] Seit Mai prüft Brüssel, ob chinesisches Staatsgeld dieses Angebot erst möglich gemacht hat. Die Kommission, Ceconomy und JD.com wollten sich gegenüber Reuters nicht äußern.
Das Wichtigste in Kürze
- JD.com bietet Ceconomy Logistik und Technik in Europa zu Marktpreisen an, kleineren Konkurrenten zu fairen und diskriminierungsfreien Bedingungen.
- Nach Kritik von Kunden und Wettbewerbern hat JD das Angebot laut Reuters verbessert.
- Die Entscheidungsfrist der Kommission verschob sich vom 2. Oktober auf den 4. November.
- Es ist die erste vertiefte Prüfung einer Übernahme durch einen chinesischen Käufer nach der EU-Subventionsverordnung.
Was prüft Brüssel bei JD.com?

Die EU-Verordnung über drittstaatliche Subventionen gilt seit Juli 2023 und fragt nicht nach Marktanteilen wie die klassische Fusionskontrolle. Sie prüft, ob Geld aus Staaten außerhalb der EU einem Käufer erlaubt, mehr zu bieten als private Konkurrenten. Bei JD.com geht es um vergünstigte Kredite, Steuervorteile und Zuschüsse von Stellen, die China zuzurechnen sein könnten.[1]
An den Fristen lässt sich ablesen, wie zäh das Verfahren lief. JD meldete die Übernahme am 17. April an, am 28. Mai eröffnete die Kommission die vertiefte Prüfung. Mit den ersten Zusagen am 18. August verlängerte sich das Verfahren um 15 Arbeitstage, am 24. September kamen sieben weitere hinzu.[2] Im September hatte Reuters berichtet, dass Wettbewerber die erste Fassung für unzureichend hielten.
Warum soll JD seine Logistik teilen?
Eine Subvention lässt sich nachträglich nicht zurückdrehen, ihre Wirkung aber ausgleichen. Darauf zielt das Angebot: Der Vorteil, den ein mutmaßlich staatlich gestützter Eigentümer seinem Händler verschafft, soll nicht exklusiv bei MediaMarkt und Saturn bleiben. Kleinere Händler sollen dieselben Dienste zu fairen Bedingungen buchen können.
Das Muster kennt Brüssel aus zwei früheren Übernahmen. 2024 gab die Kommission den Kauf der Telekomsparte von PPF durch den Emirate-Konzern e& unter Auflagen frei. Im November 2025 folgte ADNOC: Der Ölkonzern aus Abu Dhabi musste für die Übernahme von Covestro eine unbegrenzte Staatsgarantie aufgeben und Covestros Patente für nachhaltige Chemie zehn Jahre lang für europäische Firmen öffnen.[3]
Brüssel verbietet den Deal nicht, sondern verteilt JDs mutmaßlichen Staatsvorteil auf die Konkurrenz von MediaMarkt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Das Verfahren im Zeitverlauf
Was bedeutet die Freigabe für Händler in Deutschland?
Mit Ceconomy übernimmt JD.com auf einen Schlag mehr als 1.000 Märkte in elf Ländern.[1] In Europa baut der Konzern parallel eigene Logistik auf und organisiert etwa die Lieferketten von Uniqlo, während daheim ein teurer Lieferkrieg an den Margen zehrt. Die Bundesregierung hatte den Einstieg bereits mit Auflagen für die Kundendaten genehmigt.
Die Verordnung trifft nicht nur JD.com, auch gegen Temu setzt Brüssel das Subventionsgesetz ein. Online- und Elektronikhändler sollten die Zusagen lesen, sobald die Kommission sie veröffentlicht: Entscheidend sind die Preisformel und die Frage, wer die Einhaltung überwacht. Bei Covestro kontrolliert das ein unabhängiger Treuhänder.[3]
Quellen
[1] Guandian: „Bericht: JD.coms Übernahme von Ceconomy für 2,5 Milliarden US-Dollar dürfte genehmigt werden“ (chinesisch)
[2] Europäische Kommission: „FS.100253 JD.com / CECONOMY“, Fallregister Drittstaatssubventionen
[3] Europäische Kommission: „FS.100156 ADNOC / COVESTRO“, Fallregister Drittstaatssubventionen
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