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Im Chemiepark Leuna hat Aurora Cannabis seine Anlage für Cannabis auf Rezept fertig ausgebaut und erwartet dort künftig mehr als die doppelte Jahresernte. 55 Menschen sollen in der Anlage arbeiten, die jetzt Aurora Horizon heißt. Allein im ersten Quartal 2026 führte Deutschland 67,6 Tonnen Cannabisblüten ein.

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Den Abschluss des Ausbaus meldete der kanadische Konzern am 8. Oktober,[2] die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG) zog am Dienstag nach.[1] Im selben Chemiepark legt die insolvente Leuna Polyamid gerade ihre Anlagen still.

Das Wichtigste in Kürze

  • Aurora Cannabis erwartet in Leuna mehr als die doppelte Jahresernte, bisher plante der Konzern dort mit 2,7 Tonnen.
  • Künftig sollen 55 Menschen am Standort arbeiten, der Ausbau kostet umgerechnet rund 5,6 Millionen Euro.
  • Deutschland importierte 2025 rund 205 Tonnen Cannabisblüten, fast die Hälfte davon aus Kanada.
  • Der Cannabiskonzern Curaleaf will Aurora feindlich übernehmen, sein Angebot läuft mindestens bis zum 4. Dezember.

Was hat Aurora in Leuna gebaut?

Braunglasflasche „Leuna“ und offener Container mit Cannabisblüten auf Weiß
Aurora erhielt EU-GMP-Lizenz für neue Anbau- und Verarbeitungsräume in Sachsen-Anhalt. Geplante Produktionssteigerung von 2.700 auf über 5.400 Kilogramm jährlich

Aurora errichtete neue Anbau- und Verarbeitungsräume, für die eine Landesbehörde in Sachsen-Anhalt die erweiterte EU-GMP-Lizenz erteilte. Diese Zulassung nach den Regeln für Arzneimittel braucht jede Anlage, deren Blüten in Apotheken verkauft werden. Bisher plante Aurora in Leuna mit 2.700 Kilogramm im Jahr,[3] nach dem Ausbau soll die erwartete Ernte mehr als doppelt so groß ausfallen. Einen Termin für die erste Lieferung aus den neuen Räumen nennt Aurora nicht.[2]

Für den Ausbau veranschlagte Aurora im Jahresbericht rund 9 Millionen kanadische Dollar, umgerechnet etwa 5,6 Millionen Euro zum Kurs vom 13. Oktober.[3] Fördermittel erwähnen weder Aurora noch die IMG. Bau und Genehmigung sind abgeschlossen, offen bleibt der Hochlauf in den neuen Räumen.

Warum kommt fast alles Medizinalcannabis aus dem Ausland?

Seit April 2024 gilt medizinisches Cannabis in Deutschland nicht mehr als Betäubungsmittel, ein normales Rezept genügt, auch aus der Videosprechstunde. Die Importe zogen danach stark an. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zählte für 2024 knapp 73 Tonnen eingeführte Blüten, für 2025 rund 205 Tonnen. Von der Menge des Jahres 2025 kamen 93 Tonnen aus Kanada und 55 Tonnen aus Portugal.[4]

Im Inland bauen seit einer Ausschreibung des BfArM im Jahr 2019 neben Aurora nur Demecan in Ebersbach bei Dresden und Tilray in Neumünster Cannabis für Patienten an. Selbst nach dem Ausbau entspricht die Leunaer Jahresmenge von gut 5,4 Tonnen nicht einmal drei Prozent der Importe von 2025.

Leuna erntet mehr, Deutschland importiert weit mehr
Was Aurora im Chemiepark ausgebaut hat und wie viel Deutschland einführt
über 5,4 t
Blüten im Jahr erwartet Aurora nach dem Ausbau, bisher plante der Konzern mit 2,7 Tonnen
55
Beschäftigte sollen künftig in der Anlage Aurora Horizon arbeiten
5,6 Mio. €
kostet der Ausbau, umgerechnet aus 9 Millionen kanadischen Dollar zum Kurs vom 13.10.2026
205 t
Cannabisblüten importierte Deutschland 2025, davon 93 Tonnen aus Kanada
Wo das Projekt steht
2022
Die Anlage in Leuna erhält ihr EU-GMP-Zertifikat für Arzneimittel.
2025/26
Aurora startet den Ausbau, bis März 2026 fließen 6 Millionen kanadische Dollar.
8. Oktober 2026
Der Ausbau ist fertig, die erweiterte Lizenz liegt vor.
Offen
Für die erste Lieferung aus den neuen Räumen nennt Aurora keinen Termin.
4. Dezember 2026
Frühestens dann endet die Frist für das Übernahmeangebot von Curaleaf.

Aurora verdoppelt in Leuna die Ernte, versorgt wird Deutschland trotzdem aus Kanada: 2025 kam fast jede zweite Tonne von dort.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeutet der Ausbau für Leuna und die Branche?

Für Leuna Polyamid eröffnete das Amtsgericht Halle am 1. Oktober das Insolvenzverfahren, mehr als 400 Beschäftigte fahren dort die Anlagen herunter. Als Standortvorteile nennt die IMG dagegen die Sicherheitstechnik des Chemieparks, Fachkräfte und den nahen Flughafen für den Versand in alle Welt.[1] Neue Stellen entstehen in den Chemieparks der Region in kleinen Schritten, so schuf Verbio in Bitterfeld-Wolfen zuletzt 50.

Offen ist, wem Aurora Horizon künftig gehört. Curaleaf bietet den Aurora-Aktionären 5 US-Dollar je Aktie, teils in eigenen Aktien, teils in bar, umgerechnet rund 4,35 Euro. Das Aurora-Management rät, vorerst nichts zu tun.[5] Zudem will die Bundesregierung den Versand von Cannabisblüten an Patienten verbieten und die Verschreibung der Blüten aus der Ferne untersagen. Beschlossen hat der Bundestag den Entwurf noch nicht.[6]

Dienstleister im Saalekreis für Sicherheitstechnik, Logistik oder Reinräume finden in Aurora Horizon einen wachsenden Kunden. Ein Gespräch mit der Standortleitung lohnt sich während des Hochlaufs. Wie vielseitig die Pflanze jenseits der Apotheke ist, zeigt unser Beitrag über den Rohstoff Hanf.

Quellen

6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-AnhaltAurora Cannabis Inc. auf Wachstumskurs in Leuna13.10.2026
  2. Aurora CannabisAurora Completes Major Expansion of European EU-GMP Manufacturing Facility, More Than Doubling Expected Annual Flower Output08.10.2026
  3. Aurora CannabisAnnual Information Form, für das Geschäftsjahr bis (10.06.2026)31.03.2026
  4. Bundesinstitut für Arzneimittel und MedizinprodukteMedizinalcannabisverkehr: Einfuhr und Ausfuhr (Stand 1. Quartal 2026)
  5. Aurora CannabisAurora Urges Shareholders to Take No Action to Revised Hostile Bid by Curaleaf as Formal Review Underway06.10.2026
  6. Deutscher BundestagDrucksache 21/3061, Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes

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