Am 8. Oktober verschickte BMW die ersten Abfindungsangebote an Beschäftigte in Deutschland, rund 40.000 kommen dafür infrage. Der Andrang legte das interne Personalportal zeitweise lahm. Parallel fliegt der Konzern Fachkräfte aus München und Leipzig nach Debrecen, wo das neue Elektroautowerk rund um die Uhr produziert.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMehr als eine Stunde verspätet startete am Montag der Lufthansa-Flug 1600 von München nach Debrecen, an Bord saßen BMW-Mitarbeiter. Seit Monaten schickt BMW laut Handelsblatt Beschäftigte deutscher Standorte mehrmals pro Woche in das ungarische Werk und zurück. Allein in der vergangenen Woche hoben nach den Flugplänen der Flughäfen sechs Maschinen aus München und Leipzig Richtung Debrecen ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 40.000 der etwa 85.000 fest Beschäftigten von BMW in Deutschland können seit dem 8. Oktober ein freiwilliges Abfindungsangebot abrufen.
- Das Programm läuft bis Ende 2027 und richtet sich an Verwaltung, Entwicklung und weitere indirekte Bereiche, die Fertigung bleibt ausgenommen.
- Weltweit sollen nach Berichten aus Konzernkreisen rund 8.000 Stellen wegfallen, BMW bestätigt diese Zahl nicht.
- Im Werk Debrecen arbeiten rund 5.000 Menschen in drei Schichten, Fachkräfte aus deutschen Werken lernen dort neue Beschäftigte an.
Wie weit ist der Stellenabbau bei BMW?

Ende Juli hatten sich Vorstand und Gesamtbetriebsrat auf den Abbau in der Verwaltung geeinigt, Ende September bestätigte BMW das freiwillige Abfindungsprogramm offiziell. Für Vorstandschef Milan Nedeljković ist das Programm „ein wichtiger Hebel“.[1] Zusätzlich sinkt die Zahl der Bereiche und Managementfunktionen bis Mitte 2027 um 20 Prozent.
Mit dem Versand der Angebote ist der Abbau in der Umsetzung angekommen. Die E-Mail an Zehntausende Beschäftigte enthielt laut Handelsblatt einen Link auf das persönliche Angebot im Portal HR4Me, das dem Ansturm zeitweise nicht standhielt. Wie viele Beschäftigte unterschreiben, ist offen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach den bisherigen Berichten nicht vorgesehen. Den deutschen Anteil an den 8.000 Stellen hat BMW nicht beziffert.
Warum braucht Debrecen Fachkräfte aus Deutschland?
Das Werk im Osten Ungarns baut seit Ende 2025 den iX3, das erste Modell der Neuen Klasse. Im Juli lief dort das 50.000. Exemplar vom Band,[2] seit September fertigt das Werk in drei Schichten. BMW beziffert die Belegschaft auf rund 5.000 Menschen und die Investition auf mehr als 2 Milliarden Euro. Mit dem Elektro-Coupé iX4 kommt ein zweites Modell hinzu.
„Unsere Leute aus München, anderen bayerischen Werken und Leipzig fliegen dorthin“, sagte ein Arbeitnehmervertreter dem Handelsblatt. BMW verweist darauf, dass Auslandseinsätze beim Hochlauf neuer Werke ohnehin eingeplant seien. Die deutschen Teams sollen die ungarische Belegschaft anlernen, das Wissen aus Debrecen soll zurück ins Produktionsnetz fließen. Die deutsche Autoindustrie hat Milliarden in Ungarn investiert und findet dort laut Handelsblatt nicht genug qualifizierte Arbeitskräfte.
Was bedeutet der Umbau für den Standort Deutschland?
BMW spart dort, wo Kosten nicht mit der Stückzahl wachsen: in Verwaltung und Entwicklung. Im Segment Automobile peilt der Konzern für 2028 eine EBIT-Marge von 3 bis 5 Prozent an.[1] Gleichzeitig investiert BMW in die deutschen Werke: Für den neuen 3er fließen rund 2 Milliarden Euro nach München, Dingolfing und in das Batteriewerk Irlbach-Straßkirchen.
Mercedes zählte nach dem ersten Durchgang seines Abfindungsprogramms 5.500 Abgänge und startet im Dezember eine zweite Runde. Bei Schaeffler wählten 1.768 Beschäftigte die Altersteilzeit. Nach der Finanzkrise 2008 schrumpfte die BMW-Belegschaft bis Ende 2010 um mehr als 10.000 Beschäftigte.
Für Mittelständler in Bayern und rund um Leipzig öffnet sich bis Ende 2027 eine seltene Gelegenheit: Erfahrene Ingenieure und Einkäufer verlassen einen Autokonzern freiwillig und mit Abfindung. Personalabteilungen sprechen diese Gruppe am besten früh an. Entwicklungsdienstleister und Zulieferer planen dagegen vorsichtig, weil BMW in den indirekten Bereichen sparen will.
Quellen
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