Schaeffler hat bis Ende September 3.715 der 4.700 angekündigten Stellen gestrichen und erreicht das Ziel nach eigener Planung Ende 2028, ein Jahr früher als vorgesehen. Zusätzlich unterschrieben 1.768 Beschäftigte an deutschen Standorten einen Vertrag über Altersteilzeit, gerechnet hatte der Zulieferer mit 1.300. Schaeffler führt den Andrang auf die geplante Rentenreform zurück.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Stellenabbau bei Schaeffler läuft schneller als geplant: Für alle 985 noch offenen Stellen liegen bereits Verträge vor, teilte der Konzern aus Herzogenaurach am 12. Oktober mit.[1] Der Abbau steht damit auf der letzten Stufe, der Umsetzung.
Das Wichtigste in Kürze
- 3.715 von 4.700 Stellen sind seit November 2024 weggefallen, das Ziel rückt von Ende 2029 auf Ende 2028.
- Zusätzlich vereinbarten 1.768 Beschäftigte Altersteilzeit, 468 mehr als erwartet.
- Als Grund nennt Schaeffler die Rentenreform: Die Rentenkommission empfahl im Juni, das Blockmodell abzuschaffen.
Wie viele Stellen hat Schaeffler bisher abgebaut?

Im November 2024 kündigte Schaeffler den Abbau von 4.700 Stellen brutto in Europa bis Ende 2029 an, 2.800 davon in Deutschland. Netto rechnete der Konzern mit rund 3.700 Stellen weniger, weil Arbeit an andere Standorte wandert. Nach Angaben der IG Metall traf der Plan zehn deutsche Standorte, darunter Herzogenaurach, Schweinfurt, Homburg und Regensburg. Bis zum 30. September 2026 sind 3.715 Stellen weggefallen, rund 79 Prozent der Zielgröße.[1] Wie viele davon auf Deutschland entfallen, schlüsselt Schaeffler nicht auf.
Ende Juni beschäftigte der Zulieferer laut Halbjahresmitteilung weltweit 108.912 Menschen. Die 4.700 Stellen entsprechen gut vier Prozent dieser Belegschaft. Weil der Abbau weniger Einmalkosten verursachte als kalkuliert, löste Schaeffler Rückstellungen von rund 84 Millionen Euro auf.
Warum unterschreiben gerade jetzt so viele Beschäftigte Altersteilzeit?
Das Angebot richtete sich an die Jahrgänge bis einschließlich 1971. Schaeffler erwartete, dass jeder Fünfte zugreift. Bis zum 5. Oktober unterschrieben 1.768 Beschäftigte, gut jeder Vierte der angesprochenen Jahrgänge.[1] Alle Verträge laufen als Blockmodell: Auf ein bis vier aktive Jahre folgen ebenso viele Jahre Freistellung.
Schaeffler begründet den Andrang mit der Rentenreform, die bestehende Modelle der Altersteilzeit beenden dürfte. Die Rentenkommission empfahl im Juni, das Blockmodell abzuschaffen und das Mindestalter von 55 auf 58 Jahre anzuheben. Im langjährigen Schnitt liefen rund vier von fünf Vereinbarungen in dieser Form, hält die Linke in einem Antrag im Bundestag fest.[2] Ob und wann der Gesetzgeber die Empfehlung umsetzt, ist offen.
Für Arbeitgeber öffnet die Debatte ein Zeitfenster: Solange das Blockmodell gilt, lässt sich Personal ohne Kündigung abbauen, im Einvernehmen mit den Beschäftigten. Schaeffler erwartet aus den neuen Verträgen 2029 einen Ergebnisbeitrag von rund 55 Millionen Euro und bildet dafür bis 2030 weitere Rückstellungen von rund 70 Millionen Euro. Fällt das Blockmodell weg, steigt nach Ansicht der Linken das Risiko betriebsbedingter Kündigungen.
Was bedeutet das Tempo für Branche und Region?
Ähnliche Zwischenstände melden andere Industriekonzerne. Mercedes-Benz zählte nach dem ersten Abfindungsprogramm 5.500 Abgänge und startet im Dezember eine zweite Runde, Thyssenkrupp Steel hat 4.000 von 11.000 Stellen abgebaut oder ausgelagert. Bei den Herstellern von Autoteilen arbeiteten Ende Juni 2026 laut Statistischem Bundesamt 219.500 Menschen, 7,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.[3]
Ende Juli hatte Schaeffler bereits die Mittelfristziele für 2028 um rund drei Milliarden Euro Umsatz gesenkt. Den schleppenden Hochlauf der Elektromobilität und die Konkurrenz aus China nannte der Konzern schon 2024 als Gründe für das Sparprogramm.
Personalverantwortliche anderer Industriebetriebe rechnen ihre Jahrgänge ab 1971 am besten jetzt durch. Ob bereits geschlossene Verträge Bestandsschutz erhalten, entscheidet erst das Gesetz. In den Schaeffler-Werken verteilen sich die Abgänge über Jahre: Ein Vertrag mit vier aktiven Jahren hält die Fachkraft bis 2030 im Betrieb, lange genug, um ihr Wissen an Kollegen weiterzugeben.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- SchaefflerSchaeffler schließt Ergebnisverbesserungsprogramm mit rund 1.800 zusätzlichen Altersteilzeitverträgen ab (EQS-News)
- Deutscher BundestagLinke: Altersteilzeit ab 55 muss erhalten bleiben (hib 796/2026)
- Statistisches BundesamtStellenabbau in der Automobilindustrie: 42 300 weniger Beschäftigte zum Ende des 1. Halbjahres 2026 als ein Jahr zuvor
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