Porsche will die Zahl der Managementposten um 40 Prozent senken und die Belegschaft im direkten und indirekten Bereich mittelfristig um ein Viertel verkleinern. Vorstandschef Michael Leiters stellte die Ziele am 7. Oktober beim Kapitalmarkttag in Weissach vor. Wie viele Stellen über die bereits vereinbarten rund 9.000 hinaus wegfallen, lässt der Sportwagenbauer offen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDen Stellenabbau bei Porsche hat der Vorstand am Mittwoch im Entwicklungszentrum Weissach in Zahlen gegossen. Vor Investoren präsentierte das Unternehmen dort die Strategie „Sportwagenschmiede ’35“. Als Kernziel nennt Porsche eine Gewinnschwelle von weniger als 200.000 verkauften Autos im Jahr.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Managementpositionen schrumpfen mittelfristig um 40 Prozent, die Belegschaft im direkten und indirekten Bereich um 25 Prozent, als strategisches Ziel nennt Porsche 30 Prozent.
- In der Fertigung sollen die Personalkosten um bis zu 30 Prozent sinken, die Entwicklungskosten künftiger Modellreihen um bis zu 20 Prozent.
- Bereits vereinbart ist der sozialverträgliche Abbau von rund 9.000 Stellen, betriebsbedingte Kündigungen für die Stammbelegschaft sind bis Ende 2035 ausgeschlossen.
- Bezugsbasis, Zeitplan und Verteilung der neuen Quoten auf die Standorte nennt Porsche nicht.
Was hat Porsche am Kapitalmarkttag angekündigt?

Die Pressemitteilung zum Kapitalmarkttag enthält zwei neue Quoten. Die Managementpositionen werden demnach mittelfristig um 40 Prozent verringert. Die Belegschaft im direkten und indirekten Bereich soll im selben Zeitraum um 25 Prozent schrumpfen, mit einem strategischen Ziel von 30 Prozent.[1] Zusätzlich sollen die Personalkosten durch das Zukunftspaket um rund 10 Prozent sinken.
Die Sparliste reicht bis in die Fertigung. Dort will Porsche die Personalkosten um bis zu 30 Prozent drücken, unter anderem durch Linien, auf denen verschiedene Modelle laufen. Die Töchter Porsche Engineering und Porsche Digital verschmelzen zu Porsche Technologies. Im Vertrieb hatte der Konzern bereits im September fünf Regionen auf vier zusammengelegt. Leiters formuliert die Priorität ohne Umschweife: „Aktuell geht es vor allem darum, Kosten zu senken und das Unternehmen finanziell robuster zu machen.“[1]
Verbindlich ist bislang nur ein Teil der Zahlen. Die rund 9.000 Stellen sind mit der Arbeitnehmerseite vereinbart, der Abbau läuft. Die neuen Quoten dagegen sind ein angekündigtes Ziel ohne Datum und ohne Bezugsgröße. Eine Vereinbarung mit dem Gesamtbetriebsrat zu den 25 Prozent ist nicht bekannt. Im Juli hatte Gesamtbetriebsratschef Ibrahim Aslan das Zukunftspaket mit 5.000 weiteren Stellen noch mitunterschrieben.[2]
Wie viele Stellen stehen in Zuffenhausen und Weissach auf dem Spiel?
In der Region Stuttgart beschäftigte Porsche laut dpa Ende 2024 rund 22.200 Menschen, ein Jahr später noch rund 20.600. Weltweit arbeiteten Ende 2025 knapp 41.800 Menschen für den Konzern. Ein Viertel der Belegschaft in der Region entspräche gut 5.100 Stellen, ein Viertel der weltweiten Belegschaft gut 10.400. Welche Basis Porsche meint, bleibt offen.
Die rund 9.000 bereits vereinbarten Stellen lassen sich aus den bisherigen Sparpaketen herleiten. Im Februar 2025 einigten sich Vorstand und Betriebsrat auf 1.900 Stellen in Zuffenhausen und Weissach bis 2029, dazu liefen rund 2.000 befristete Verträge aus. Im Juli 2026 kamen 5.000 Stellen bis 2035 hinzu. Rechnerisch ergibt das rund 8.900.
Die Standortsicherung schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2035 aus. Der Abbau läuft über Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge. Im Gegenzug sicherte Porsche 2,1 Milliarden Euro an Investitionen in Zuffenhausen und Weissach zu, für die zweitürigen Sportwagen, das Sonderwunschprogramm und die Entwicklung aller Modellreihen.[2] Für das Werk Leipzig nennt Porsche keine Zahlen.
Warum setzt Porsche den Rotstift beim Personal an?
Der Hebel heißt Gewinnschwelle. Porsche plant mit niedrigeren Stückzahlen und höheren Preisen. Die Spitzenmodelle sollen im Schnitt rund 20 Prozent teurer werden, die Zahl der Modellvarianten um etwa 20 Prozent sinken.[1] Bei sinkenden Stückzahlen verteilen sich die Fixkosten für Führung, Entwicklung und Verwaltung auf weniger Autos, deshalb setzt der Plan genau dort an. Die operative Umsatzrendite war 2025 auf 1,1 Prozent gefallen, nach 14,1 Prozent im Vorjahr.
Besonders stark schrumpft das Geschäft in China. Im Spitzenjahr 2020 gingen laut dpa rund 35 Prozent der Porsche-Fahrzeuge dorthin, 2025 noch etwa 15 Prozent. Künftig plant der Konzern mit höchstens einem Zehntel und halbiert das Händlernetz bis Jahresende auf 75 bis 80 Verkaufsstellen.[3] Die Rückkehr zu früheren Absatzhöhen hält Leiters weder für realistisch noch für sinnvoll. Zusätzlich kostet Chinas Luxussteuer die deutschen Premiumhersteller Absatz.
Porsche will mit weniger Autos mehr verdienen und braucht dafür ein Viertel weniger Personal.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Umbau für die Region Stuttgart?
Porsche reiht sich in eine Abbauwelle der deutschen Autoindustrie ein. Mercedes-Benz startet nach 5.500 Abgängen im Dezember die zweite Runde seines Abfindungsprogramms, die Konzernmutter Volkswagen hat den Manteltarifvertrag gekündigt. Wegen der Schwäche der Tochter hatte Volkswagen zuvor 6 Milliarden Euro auf Porsche abgeschrieben.
Für Zulieferer läuft der Umbau über den Einkauf. Porsche will die Materialeinzelkosten neuer Fahrzeugprojekte um rund 10 Prozent gegenüber der bisherigen Planung senken, mehr Gleichteile nutzen und Synergien im Volkswagen-Verbund heben. Lieferanten mit Porsche-Anteil sollten ihre Kalkulation für die Projekte ab 2028 jetzt prüfen, also für den elektrischen 718 und das neue SUV im B-Segment. Personalverantwortliche in der Region können sich auf Entwicklungsingenieure aus Weissach einstellen, die das Unternehmen per Aufhebungsvertrag verlassen. Für die Debatte um den Standort Deutschland zählt dabei vor allem, ob die Investitionszusage über 2,1 Milliarden Euro Bestand hat.
Quellen
[1] Porsche AG: „Porsche stellt neue Strategie bis 2035 vor“ (07.10.2026)
[2] Porsche AG: „Vorstand und Gesamtbetriebsrat vereinbaren Zukunftspaket“ (27.07.2026)
[3] dpa bei Volksstimme: „Porsche stellt neue strategische Ausrichtung vor“ (07.10.2026)
Mehr Newshunger?
- Porsche streicht 5.000 weitere Stellen: Was die Jobgarantie bis 2035 kostet
- Vier statt fünf Regionen: Porsche verkleinert seinen weltweiten Vertrieb
- 320 Millionen für MHP: Porsche verkauft seine IT-Beratung an Tata
- Eine Milliarde Euro: Porsche trennt sich von Bugatti und Rimac
- VW-Softwaretochter Cariad plant den Abbau von rund 1.000 der 4.300 Stellen
- Deutz will laut Handelsblatt bis zu 400 Stellen streichen, vor allem bei kleinen Motoren
