Porsche kassiert rund eine Milliarde Euro und gibt dafür seine Beteiligungen an Bugatti Rimac und der Rimac Group vollständig ab. Der Verkauf ist seit dem 9. September vollzogen und markiert einen klaren Schnitt in Porsches Rückzug aus teuren Zukunftswetten.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Porsche gibt 45 Prozent an der Bugatti Rimac und 20,6 Prozent an der Rimac Group ab, ein Konsortium um den New Yorker Investor HOF Capital übernimmt.
  • Der Verkauf bringt dem Konzern rund eine Milliarde Euro, davon fließen 250 Millionen in die Pensionsverpflichtungen.
  • Die Prognose für die Netto-Cashflow-Marge im Automobilgeschäft steigt dadurch für 2026 auf 5,5 bis 7,5 Prozent, zuvor waren 3 bis 5 Prozent angesetzt.
  • Der Schritt reiht sich in den Umbau der deutschen Hersteller ein, von VWs Softwaretochter Cariad bis zu Porsches eigenem Verkauf der Beratung MHP.

Was hat Porsche verkauft?

Chip mit „Elektro-Wette“, daneben Karte mit „Kerngeschäft“, davor Euroscheine auf weiß
Porsche verkauft seine kompletten Anteile an Bugatti Rimac und der Rimac Group an ein Konsortium um HOF Capital und BlueFive Capital

Kompletter Ausstieg. Porsche trennt sich von beiden Beteiligungen auf einen Schlag: 45 Prozent an der Bugatti Rimac und 20,6 Prozent an der Rimac Group. Käufer ist ein Konsortium um den New Yorker Investor HOF Capital, größter Geldgeber ist BlueFive Capital, dazu kommen institutionelle Investoren aus den USA und der EU.[1] Künftig führt die Rimac Group die Bugatti Rimac allein weiter.

Eine Milliarde Euro. Der Verkauf spült dem Konzern rund eine Milliarde Euro in die Kasse, 250 Millionen davon steckt Porsche direkt in seine Pensionsverpflichtungen.[2] Die Verträge stammen bereits aus dem April, vollzogen wurde der Verkauf nach der kartellrechtlichen Freigabe am 9. September.[1]

Bessere Marge. Der Erlös hebt die Jahresprognose spürbar an: Die Netto-Cashflow-Marge im Automobilgeschäft soll 2026 nun 5,5 bis 7,5 Prozent erreichen statt der zuvor genannten 3 bis 5 Prozent.[2] Eine Milliarde frischer Cashflow verschiebt bei einem angeschlagenen Ergebnis die ganze Kennziffer.

Warum trennt sich Porsche vom Elektro-Filetstück?

Kostbares Know-how. Rimac ist kein Randgeschäft. Das kroatische Unternehmen baut Elektro-Hypersportwagen und liefert Batterie- sowie Antriebstechnik an andere Hersteller. Genau diese Technik galt lange als strategische Rückversicherung für den eigenen Elektro-Kurs.

Kasse vor Zukunftswette. Unter dem Druck schwacher Elektro-Nachfrage zählt bei Porsche gerade die Bilanz mehr als die Beteiligung. „Mit dem Verkauf unserer Beteiligung zeigen wir, dass wir Porsche auf das Kerngeschäft ausrichten“, sagt Vorstandschef Michael Leiters.[1] Das Kerngeschäft meint hier die Verbrenner und Hybride, die den Gewinn tragen.

Schnitt ins Elektro-Portfolio. Zuvor hatte Porsche bereits die Batteriezellen-Tochter Cellforce, die eBike-Sparte und den Software-Zulieferer Cetitec aufgegeben, über 500 Stellen fielen weg.[3] Der Rimac-Verkauf ist damit kein Ausreißer, sondern der teuerste Posten einer laufenden Bereinigung.

Porsche macht aus einer strategischen Wette wieder Bargeld. Unter Druck im Kerngeschäft trennt sich ein Konzern zuerst von den Beteiligungen, die glänzen, aber die Bilanz nicht tragen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Ein Muster bei den deutschen Herstellern?

Kein Einzelfall. Der Rimac-Verkauf reiht sich in einen breiten Umbau ein. Porsche hatte schon seine Beratungstochter MHP an Tata Consultancy Services abgegeben, Volkswagen baut die Softwaretochter Cariad um und setzt auf Rivian und Xpeng, und der Konzern prüft sogar den Verkauf der Motorradmarke Ducati.

Europäische Technik, amerikanisches Geld. Mit Rimac geht ein europäischer Vorreiter für Hochleistungs-Elektrotechnik an ein US-geführtes Finanzkonsortium. Die deutschen Hersteller stoßen ihre Elektro-Optionen schnell ab, sobald Marge und Cashflow drücken.

Was Entscheider mitnehmen. Der Vorgang liefert drei praktische Lehren:

  • Bei jedem Konzern-Venture den Ausstiegsfall früh mitdenken, denn solche Beteiligungen stehen bei Sparrunden zuerst zur Disposition.
  • Eine schöne Beteiligung ersetzt kein tragfähiges Kerngeschäft, das gilt für Konzerne wie für den Mittelstand.
  • Batterie- und Antriebstechnik kann über Nacht den Eigentümer wechseln, das gehört ins Lieferantenrisiko.

Für die Praxis. Prüfen Sie bei jedem Zulieferer aus einem Auto- oder Techkonzern, wie fest die Bindung wirklich ist. Ein Milliardenverkauf wie bei Rimac ist 2026 keine Ausnahme mehr.

Porsches Rimac-Verkauf in Zahlen

Was der Rückzug aus Bugatti Rimac und der Rimac Group dem Konzern bringt

~1 Mrd. €
Verkaufserlös, der an den Porsche-Konzern zurückfließt
45 %
abgegebener Anteil an der Bugatti Rimac
20,6 %
abgegebener Anteil an der Rimac Group
250 Mio. €
davon direkt in die Pensionsverpflichtungen

Netto-Cashflow-Marge im Automobilgeschäft 2026

Prognose zuvor

3 bis 5 Prozent, vor dem Verkauf der Beteiligungen.

Prognose jetzt

5,5 bis 7,5 Prozent, angehoben nach dem Milliardenerlös.

Quellen

[1] Porsche Newsroom: „Porsche sells its stakes in Bugatti Rimac and Rimac Group to international consortium“

[2] Porsche AG, EQS-Pflichtmitteilung vom 9. September 2026: Vollzug des Verkaufs, Erlös und angehobene Marge-Prognose

[3] Porsche Newsroom: „Porsche sharpens focus on core business“

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