Beim neuen GEN4-Rennwagen von Porsche stehen Chassis, Batterie und Vorderachse durch das Reglement fest. Frei entwickeln darf das Werksteam nur noch die Software und den Heckantrieb. So verschiebt sich der Wettbewerb in der Formel E vom Blech in den Code. Für die Autobranche ist der Rennwagen ein früher Testfall für das softwaredefinierte Auto.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenPorsche schickt in der Formel E ab der Saison 2026/27 den GEN4-Rennwagen 975 RSE ins Rennen. Dessen wichtigstes Bauteil wiegt kein Gramm. Das Reglement friert die Hardware der vierten Generation weitgehend ein, über Sieg oder Niederlage entscheidet die Steuersoftware im Zusammenspiel mit dem Heckantrieb.
Das Wichtigste in Kürze
- 600 Kilowatt Spitzenleistung, im Attack Mode plus 71 Prozent gegenüber der Vorgängergeneration.
- Über 97 Prozent Wirkungsgrad im Antriebsstrang, verwaltet von der Steuersoftware.
- GEN4-Reglement: nur Software, Heckmotor, Umrichter und Brake-by-wire bleiben frei entwickelbar.
- Porsche überträgt die Software-Kompetenz nach eigenen Angaben direkt in die Seriensportwagen.
Warum wird die Software zum Schlüssel?

Das GEN4-Reglement der FIA lässt den Teams kaum noch mechanischen Spielraum. Einheitschassis, Batterie und Vorderachse sind vorgeschrieben, frei entwickeln dürfen die Hersteller nur die Betriebssoftware, den Heckmotor, den Umrichter, den neuen DC/DC-Wandler und die Brake-by-wire-Bremse.[1] Genau dort entsteht der Vorsprung: Die Software entscheidet, wann der Attack Mode seine 71 Prozent Mehrleistung freigibt, wie stark der Wagen rekuperiert und wie die Energie über eine Renndistanz reicht.
Dass Software auch abseits der Strecke über Erfolg im Auto entscheidet, zeigt der schleppende Absatz von Modellen ohne die gewohnte Smartphone-Anbindung im Cockpit. Der Kunde merkt den Unterschied sofort, der Rennstall misst ihn in Hundertstelsekunden.
Porsche macht in der Formel E vor, was der Serie noch bevorsteht. Über den Sieg entscheidet nicht mehr die Mechanik, sondern die Software, die im richtigen Moment die volle Leistung freigibt.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was steckt technisch im GEN4-Rennwagen?
Der 975 RSE leistet in der Spitze 600 Kilowatt, umgerechnet 816 PS und rund 71 Prozent mehr als in der dritten Generation.[2] Erstmals treibt Porsche alle vier Räder dauerhaft an, der Antriebsstrang erreicht dabei einen Wirkungsgrad von über 97 Prozent. Weniger als drei Prozent der Batterieenergie gehen zwischen Zelle und Rad verloren, den Rest verteilt die Software über die Runde.
„Der Wirkungsgrad unseres Antriebsstrangs liegt bei über 97 Prozent“, sagt Florian Modlinger, Director Factory Motorsport Formel E bei Porsche. Das Fachportal e-Formel.de beziffert die eigenentwickelte Steuersoftware auf rund 1,5 Millionen Codezeilen. Wie stark solche Effizienz über die reale Reichweite entscheidet, rechnen Fahrer im Reichweiten-Rechner für E-Autos längst nach. Ebenso hängt die Alterung der Batterie an der Ladestrategie.
Was heißt das für die Autobranche im DACH-Raum?
Das Prinzip reicht weit über den Motorsport hinaus. Im softwaredefinierten Auto verlagert sich die Wertschöpfung von der Mechanik auf Code, Steuergeräte und laufende Updates. An genau dieser Aufgabe arbeiten sich deutsche Hersteller seit Jahren ab, die Softwaretochter des Volkswagen-Konzerns etwa verschob Starttermine mehrfach.
Porsche zieht daraus einen doppelten Nutzen und betreibt die Rennserie als Labor. „In der Formel E entwickeln wir vor allem Technik, die für unsere Serien-Sportwagen relevant ist“, sagt Thomas Laudenbach, Leiter Porsche Motorsport. Dieselbe Verschiebung treibt autonome Robotaxi-Flotten und KI-gestützte Ladehilfen voran, während chinesische Anbieter wie Leapmotor die Preise drücken.
Zulieferer und IT-Verantwortliche brauchen für das Auto der Zukunft eigene Software-Kompetenz, nicht nur zugekaufte Steuergeräte. Für Entscheider lohnt der Blick auf die Formel E als Frühindikator: Was Porsche heute im Rennwagen erprobt, bestimmt in wenigen Jahren, welcher Hersteller im Serienauto vorn liegt. Software-Budgets und eigene Entwickler zahlen sich dort aus, wo die Hardware zur Massenware wird.
Der 975 RSE, Formel E ab der Saison 2026/27
FAQ: Porsche in der Formel E
Was ist die Formel E?
Die Formel E ist die Elektro-Rennserie des Motorsport-Weltverbands FIA, gefahren seit 2014 auf Stadtkursen. Alle Teams nutzen ein Einheitschassis und eine Einheitsbatterie, entwickeln aber Antrieb und Software teils selbst. Porsche fährt dort seit der Saison 2019/20 mit einem eigenen Werksteam.
Warum ist die Software bei Porsches GEN4-Auto so wichtig?
Das GEN4-Reglement schreibt Chassis, Batterie und Vorderachse vor. Frei entwickeln dürfen die Hersteller nur noch die Betriebssoftware und Teile des Heckantriebs. Die Software steuert, wann die volle Leistung anliegt, wie stark der Wagen rekuperiert und wie die Energie über die Renndistanz reicht.
Was ist ein softwaredefiniertes Auto?
Ein softwaredefiniertes Auto bündelt seine Funktionen in zentraler Software auf wenigen leistungsstarken Steuergeräten statt in vielen einzelnen Bauteilen. Leistung, Assistenz und Komfort lassen sich per Update ändern, auch nach dem Kauf. Die Wertschöpfung verlagert sich von der Mechanik auf den Code.
Ab wann fährt Porsche den 975 RSE?
Porsche setzt den GEN4-Rennwagen 975 RSE ab der Saison 2026/27 ein. Die Entwicklung der Betriebssoftware läuft nach Werksangaben noch bis Oktober 2026, danach folgt die laufende Feinabstimmung. Bis zum Saisonstart testet das Team den Allradantrieb und die Energiestrategie auf der Strecke.
Quellen
[1] Porsche Newsroom: „Revolution in testing as new Porsche Formula E car pushes boundaries“
[2] Porsche Newsroom: „Porsche präsentiert den Formel-E-Rennwagen 975 RSE“
Mehr Newshunger?
- Audi A2 e-tron: Der sparsamste Audi kommt ab 38.200 Euro
- Leapmotor schreibt Gewinn, während Chinas E-Auto-Rivalen Geld verbrennen
- Geely übernimmt 34 Prozent von Fords Werk in Valencia
- Zwei Drittel aller Ladeprobleme löst EnBWs KI-Ladeassistent am Telefon
- Robotaxi in Zürich: WeRide und Uber bringen fahrerlose Taxis in die Schweiz
- CarPlay im Auto: warum sich der Chevy Blazer schlechter verkauft als der baugleiche Honda