Chinas führender KI-Chipentwickler Cambricon und der Cloud-Riese Alibaba sitzen seit dieser Woche im Governing Board der PyTorch Foundation, dem Gremium hinter dem meistgenutzten KI-Framework der Welt. Ant Group kam als Gold-Mitglied dazu, Huawei stützt das Projekt schon seit 2023. Europäische KI-Teams betreiben ihre Modelle damit bald auf einer Software-Basis, deren Weichen zunehmend in Shanghai mitgestellt werden.

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Am 7. September 2026 nahm die PyTorch Foundation auf ihrer China-Konferenz in Shanghai gleich vier neue Mitglieder aus der Volksrepublik auf. Cambricon und Alibaba Cloud steigen als Platinum-Mitglieder ein, in der höchsten Beitragsstufe, und erhalten je einen Sitz im Vorstand und im technischen Beirat. Chinas KI-Industrie bekommt so erstmals direkten Einfluss auf die Steuerung des Frameworks, auf dem ein Großteil aller KI-Modelle trainiert wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Cambricon und Alibaba Cloud sind seit dem 7. September 2026 Platinum-Mitglieder der PyTorch Foundation, je mit Sitz im Vorstand und im technischen Beirat.
  • Ant Group trat als Gold-Mitglied bei, Huawei stützt das Framework schon seit 2023.
  • Cambricon speist über die Torch-MLU-Anbindung eigene Chip-Unterstützung direkt in den PyTorch-Kern und weicht so die Bindung an Nvidias CUDA auf.
  • Im ersten Halbjahr 2026 verdoppelte Cambricon den Umsatz auf rund 769 Millionen Euro.

Was die vier chinesischen Konzerne im Board dürfen

Namensschild
PyTorch Foundation: Cambricon und Alibaba Cloud als Platinum-Mitglieder im Vorstand neben Nvidia, AMD und Google vertreten

Die PyTorch Foundation gehört zur Linux Foundation und verwaltet das gleichnamige Open-Source-Framework samt Anbauten wie vLLM, DeepSpeed und Ray. Als Platinum-Mitglieder besetzen Cambricon und Alibaba Cloud je einen der begehrten Vorstandssitze, auf denen auch Nvidia, AMD und Google vertreten sind. Cambricon entsendet Jin Wang, Senior Director für KI-Frameworks, in das Gremium und einen leitenden Maintainer in den technischen Beirat.[1] Ant Group wählte die günstigere Gold-Stufe ohne Vorstandssitz.

Warum ein Board-Sitz mehr zählt als ein Chip-Benchmark

Ein Vorstandssitz verschiebt den Wettbewerb auf die Software-Norm. Cambricon bindet seine Chips über den Backend-Mechanismus PrivateUse1 als Torch-MLU-Erweiterung direkt in PyTorch ein, samt eigener Kommunikationsbibliothek CNCL für verteiltes Training. Entwickler starten ihren Code dann ohne Umschreiben auf chinesischen Beschleunigern statt auf Nvidia-Karten, deren CUDA-Schnittstelle bislang als Quasi-Standard gilt.

Der Schritt reiht sich in Chinas Suche nach Nvidia-Alternativen ein. DeepSeek bestückte sein jüngstes Rechenzentrum mit 160.000 Huawei-Chips, und Qualcomm kaufte das Compiler-Startup Modular, um CUDA zu umgehen. Cambricon selbst wächst mit dem Trend: Der Umsatz kletterte im ersten Halbjahr um 108 Prozent, der Gewinn um 123 Prozent.[2]

Ein Board-Sitz bei PyTorch ist kein Prestigeposten, sondern ein Hebel für die Frage, auf welcher Hardware die nächste Modellgeneration selbstverständlich läuft.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was der Vorstoß für Europas KI-Infrastruktur bedeutet

Für europäische Unternehmen hat die Öffnung zwei Seiten. Ein gerätunabhängiges PyTorch senkt die Wechselkosten und lockert die Abhängigkeit von einem einzigen US-Zulieferer, ein Kernanliegen der Debatte um digitale Souveränität. Zugleich rückt chinesische Hardware näher an den Standard, was dieselben Sicherheits- und Lieferkettenfragen aufwirft wie zuletzt bei Hikvision-Kameras oder der Datenschutzprüfung von DeepSeek.

Praktisch heißt das: KI-Teams prüfen ihre Trainings-Pipelines schon jetzt auf Portabilität, dokumentieren ihre Backend-Abhängigkeiten und nehmen die Herkunft eingesetzter Beschleuniger in die Risikobewertung nach NIS2 auf. Offene Hardware-Optionen verbessern die Verhandlungsposition, egal ob der Zulieferer aus Kalifornien oder aus China kommt.

Chinas KI-Riesen in der PyTorch Foundation
Was der Einzug ins Governing Board zahlenmäßig bedeutet
2
Platinum-Sitze im PyTorch-Vorstand für Cambricon und Alibaba Cloud, je mit Beiratssitz
769 Mio. €
Cambricon-Umsatz im ersten Halbjahr 2026, ein Plus von 108 Prozent
296 Mio. €
Halbjahresgewinn von Cambricon, 123 Prozent über dem Vorjahr
2023
seit diesem Jahr stützt Huawei bereits die Entwicklung von PyTorch

Quellen

[1] PyTorch Foundation: „Cambricon Joins the PyTorch Foundation as a Platinum Member“

[2] Cailianshe (CLS): „Cambricon: Halbjahresgewinn 2,311 Milliarden Yuan, plus 123 Prozent“

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