Chinas Internetriesen kehren Nvidia den Rücken und decken sich bei Huawei ein. Der Auslöser war DeepSeeks neues Modell, das auf heimische Chips zugeschnitten ist. Der eigentliche Durchbruch liegt aber im Speicher.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenHuaweis Ascend-950-Chips füllen plötzlich die Auftragsbücher: ByteDance ordert für rund 4,9 Milliarden Euro, Alibaba und Tencent reihen sich ein. Den Anstoß gab DeepSeeks für heimische Chips optimiertes Modell. Hinter dem Run steckt mehr als Patriotismus.
Das Wichtigste in Kürze
- 4,9 Milliarden Euro: ByteDances Einzelbestellung ist die größte je an einen chinesischen Chiphersteller, Huawei peilt 750.000 Stück für 2026 an.
- Eigenes HBM: Der 950PR nutzt selbst entwickelten Hochgeschwindigkeitsspeicher, genau den Engpass, den die US-Kontrollen treffen wollten.
- Skalierung schlägt Einzelchip: Im SuperPoD bündelt Huawei über 8.000 Chips und kontert Nvidia auf Systemebene.
Warum der Speicher wichtiger ist als der Chip

Die Schlagzeile heißt Chip, der eigentliche Hebel heißt Speicher. Hochbandbreiten-Speicher, kurz HBM, sitzt direkt neben dem Rechenkern und entscheidet, wie schnell ein KI-Modell rechnet. Genau diesen Speicher hatten die US-Kontrollen ins Visier genommen, weil China ihn zukaufen musste. Mit dem selbst entwickelten HiBL im Ascend 950PR fällt dieser Flaschenhals weg.
Pro Chip liegt Huawei weiter hinter Nvidias Spitze. Die Antwort darauf lautet Masse statt Klasse. Im sogenannten SuperPoD koppelt Huawei über 8.000 Beschleuniger zu einem Rechenknoten, der Nvidias Standardracks auf Systemebene überholt. Rechenleistung ist global so knapp, dass selbst Google Kapazität zukaufen muss, und genau hier setzt Huaweis Cluster-Idee an.
Daraus entsteht ein sich selbst verstärkender Kreislauf. DeepSeek optimiert seine Modelle für Ascend, das treibt die Nachfrage, die Nachfrage finanziert Huaweis nächste Generation, bereits geplant bis zum Ascend 970 im Jahr 2028. Ein Verbund aus Modell, Chip und Geld entsteht, wie ihn bisher nur Nvidia hatte.
Der Westen hat auf den Chip gestarrt und den Speicher übersehen. Genau dort hat sich China gerade unabhängig gemacht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was das für den Weltmarkt bedeutet

Für Europa zeichnet sich eine geteilte Technikwelt ab. Auf der einen Seite der US-Stack mit Nvidia, auf der anderen ein chinesischer mit Huawei, dazwischen ein EU Chips Act, der beiden hinterherläuft. Mehr Wettbewerb dürfte Rechenleistung langfristig billiger machen, zwingt Unternehmen aber zur Wahl eines Lagers.
Beobachten Sie diese Spaltung als Beschaffungsrisiko, nicht als ferne Geopolitik. Halten Sie Ihre KI-Workloads portabel, vermeiden Sie harte Bindung an proprietäre Beschleuniger und prüfen Sie bei Cloud-Anbietern, welche Hardware unter der Haube steckt. Eine einzige Lieferkette von heute kann morgen auf der falschen Seite der Mauer liegen.
Noch ist Nvidia global führend, doch zum ersten Mal wächst ein vollständiger Gegen-Stack heran, vom Speicher bis zum Supercluster.
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