Cambricon, Chinas wichtigster Entwickler von KI-Beschleunigern, hat 945 seiner 1.107 Mitarbeiter an ein außergewöhnliches Versprechen gebunden: Bis 2028 soll der Konzern kumuliert mindestens 100 Milliarden Yuan umsetzen, rund 12 Milliarden Euro (umgerechnet zum Kurs vom 30. Juli 2026, 1 Yuan rund 0,12 Euro).[1] Der Wert liegt fast zwanzigmal so hoch wie das Ziel des vorigen Aktienprogramms.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Cambricon peilt bis 2028 kumuliert 100 Milliarden Yuan an (rund 12 Milliarden Euro), für 2026 allein 13,5 Milliarden Yuan (rund 1,6 Milliarden Euro).
- Das Programm umfasst 945 der 1.107 Beschäftigten (85 Prozent), der Ausgabepreis von 750 Yuan je Aktie (rund 90 Euro) ist der höchste an Chinas Börsen.
- Das neue Dreijahresziel liegt fast zwanzigmal über dem alten (2024 bis 2026: 4,6 Milliarden Yuan).
- Möglich wird der Sprung, weil Nvidia zuletzt keine H20-Chips mehr nach China verkauft hat.
Wie ehrgeizig ist das neue Umsatzziel?

Sehr ehrgeizig: 2025 hat Cambricon erst rund 780 Millionen Euro umgesetzt und dabei zum ersten Mal schwarze Zahlen geschrieben. Für 2026 allein peilt der Konzern rund 1,6 Milliarden Euro an, bis 2028 kumuliert rund 12 Milliarden Euro. Der Umsatz muss sich also vervielfachen.
Die Vorgaben sind gestaffelt: mindestens 13,5 Milliarden Yuan für 2026, kumuliert 40,5 Milliarden Yuan bis 2027 und 100 Milliarden Yuan bis 2028. Der Kontrast: Das Programm von vor drei Jahren hat über 2024 bis 2026 zusammen nur 4,6 Milliarden Yuan verlangt.
Auf die 945 Begünstigten verteilt, entspricht das einem rechnerischen Wert von rund 192.000 Euro je Kopf. Cambricon macht die Belegschaft zum Wettpartner auf das Milliardenziel.
Ein Umsatzziel, das den bisherigen Anspruch verzwanzigfacht, ist keine Planung mehr, sondern eine politische Wette: Cambricon setzt darauf, dass die Mauer zwischen Nvidia und China stehen bleibt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Warum traut sich Cambricon das zu?
Weil der wichtigste Rivale fehlt: Nvidia hat im jüngsten Quartal keine einzige H20-Karte nach China verkauft. Die US-Exportkontrollen und Pekings eigene Sicherheitsbedenken haben eine Lücke gerissen, die heimische Anbieter wie Cambricon und Huaweis Ascend-Reihe nun füllen.
Dass Nvidia den chinesischen Markt praktisch verloren hat, räumt Konzernchef Jensen Huang selbst ein. Der Nachholbedarf ist gewaltig: Im ersten Halbjahr 2026 ist Cambricons Umsatz um rund 4.300 Prozent nach oben geschossen, nachdem der Konzern 2024 noch Verluste geschrieben hatte. Das Aktienprogramm ist im Kern eine Wette darauf, dass diese Abschottung bleibt und die heimische Nachfrage garantiert.
Allein steht Cambricon damit nicht. Auch beim Speicher setzt China auf eigene Fertigung, etwa in ByteDances Milliardenpakt mit dem DRAM-Riesen CXMT, und selbst der PC soll ohne Intel auskommen. Der wahre Engpass sitzt tiefer: schnelle HBM-Speicherchips und die niedrige Ausbeute in Chinas Fabriken begrenzen, wie viele Beschleuniger überhaupt vom Band laufen.
Das Ziel steigt Jahr für Jahr
Das alte Aktienprogramm hat über 2024 bis 2026 zusammen nur rund 550 Millionen Euro Umsatz verlangt (4,6 Milliarden Yuan). Das neue Ziel liegt fast zwanzigfach darüber.
Was bedeutet das für Europa?
Europa hat keinen vergleichbaren Chip-Champion und hängt fast vollständig an Nvidia. Chinas erzwungene Selbstversorgung zeigt, wie teuer und zugleich wie schnell ein eigener Stack entsteht, eine Blaupause für die europäische Debatte um souveräne Rechenleistung.
Kurzfristig kann der Rückzug aus China Europas KI-Betreibern sogar nützen: Kapazität, die Nvidia in China nicht mehr absetzt, steht anderen Märkten offen. Die Kehrseite: Cambricons Hunger nach HBM-Speicher konkurriert mit westlichen Rechenzentren um dieselben knappen Bausteine und treibt die Preise.
Für Entscheider heißt das konkret: Speicher- und GPU-Preise genau beobachten und die Beschaffung auf einen zweigeteilten Weltmarkt einstellen. Hinzu kommt, dass künftig auch chinesische Cloud-Dienste auf heimischen Chips laufen, mit Folgen für Datenhoheit und KI-Verordnung. Wie stark China die Rohstoffbasis der Chipwelt kontrolliert, bleibt der Hebel im Hintergrund.
Quelle
[1] Cambricon: Aktienprogramm 2026, Pflichtmitteilung an der Börse Shanghai (SSE), 28. Juli 2026 ↩
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