Wolfram notierte Anfang Juni 2026 bei rund 2.687 Euro je Tonneneinheit Wolframtrioxid und damit beim Neunfachen des Niveaus von Anfang 2025. Am 24. Juli 2026 forderte die europäische Werkzeugindustrie auf ihrer Jahreskonferenz in Graz, dass Hartmetallschrott den Kontinent nicht mehr verlassen darf. Über den Preis Ihres nächsten Bohrers entscheidet inzwischen eine Genehmigungsbehörde in Peking.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 4. Februar 2025 stellte das chinesische Handelsministerium den Export bestimmter Wolframverbindungen unter Lizenzpflicht. Seither stiegen die Preise um 557 Prozent, und die chinesischen Ausfuhrmengen fielen um rund 40 Prozent. Kaum ein Rohstoff hat in so kurzer Zeit so wenig Aufmerksamkeit für so große Wirkung bekommen.
Das Wichtigste in Kürze
- China förderte 2025 rund 67.000 der weltweit 85.000 Tonnen Wolfram und hält mit 2,5 Millionen Tonnen mehr als die Hälfte der bekannten Reserven. Die drei EU-Förderländer Österreich, Spanien und Portugal kamen zusammen auf 2.340 Tonnen.
- Seit den chinesischen Exportkontrollen vom 4. Februar 2025 legte der Preis um 557 Prozent zu. Eine Tonneneinheit Ammoniumparawolframat kostete Anfang Juni 2026 rund 2.687 Euro, Anfang 2025 waren es rund 299 Euro.
- Etwa 65 Prozent des weltweit verarbeiteten Wolframs gehen in Hartmetallwerkzeuge. Deutsche Hersteller schlagen seit dem 1. Mai 2026 über 250 Euro Rohstoffteuerungszuschlag je Kilogramm Hartmetall auf.
- Rund die Hälfte des in Europa eingesetzten Hartmetalls stammt bereits aus Recycling. Damit übertrifft Europa das EU-Recyclingziel für 2030 bei Wolfram, verfehlt das Förderziel von zehn Prozent aber um Größenordnungen.
- Deutschland fördert kein Gramm Wolfram und ist trotzdem nach China der zweitgrößte Lieferant der USA. Im sächsischen Pöhla soll 2027 das erste deutsche Wolframbergwerk seit Jahrzehnten anfahren.
Bluff oder Wissen? Der Wolfram-Check
1Woher stammt der deutsche Name Wolfram?Aufklappen ↓
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2In welchem Labor entstand 1923 das Hartmetall?Aufklappen ↓
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3Wie hoch liegt der Schmelzpunkt von Wolfram?Aufklappen ↓
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4Welches neutrale Land belieferte Nazi-Deutschland mit Wolfram?Aufklappen ↓
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5Wie viel des in Europa eingesetzten Hartmetalls stammt aus Recycling?Aufklappen ↓
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Was ist Wolfram und warum trotzt es dem Feuer?
Wolfram ist das Element mit der Ordnungszahl 74, es schmilzt erst bei 3.422 Grad Celsius und wiegt mit 19,25 Gramm je Kubikzentimeter so viel wie Gold. Kein anderes Metall hält höheren Temperaturen stand.
Diese Eigenschaften stammen aus einer besonders festen Bindung zwischen den Atomen. Die Elektronen sitzen so eng, dass die Kristallstruktur erst bei Temperaturen zerfällt, bei denen Eisen längst als Dampf davongezogen ist. Für die Industrie zählt vor allem eine Folge daraus: Wolframkarbid bleibt hart, wenn eine Schneide unter Last glüht.
In der Natur kommt Wolfram nie gediegen vor. Zwei Minerale tragen den Weltbedarf, nämlich Scheelit als Calciumwolframat und Wolframit als Eisen-Mangan-Wolframat. Beide entstanden über Jahrmillionen, als heiße Lösungen aus erstarrenden Granitkörpern in Gesteinsspalten aufstiegen und dort auskristallisierten.
Der Gehalt im Gestein bleibt dabei winzig. Bauwürdige Lagerstätten führen zwischen einem und fünfzehn Kilogramm Wolframtrioxid je Tonne Erz. Almonty gab für den in Südkorea aufgehaldeten Vorrat von 139.700 Tonnen Erz einen Gehalt von 0,25 Prozent an, also 2,5 Kilogramm je Tonne.
Aus dem Erz wird zuerst ein Konzentrat mit 65 Prozent Wolframtrioxid, dann Ammoniumparawolframat, kurz APT, dann Wolframkarbid oder Metallpulver. Jede Stufe kostet Energie, jede Stufe kostet Ausbeute. Die Weiterverarbeitung ist der eigentliche Flaschenhals, nicht der Bergbau.
Bei den Reserven führt der US-amerikanische Geologische Dienst weltweit über 4,7 Millionen Tonnen. Gemessen an der Jahresförderung von 85.000 Tonnen reicht das rechnerisch etwa 55 Jahre. Von Knappheit im geologischen Sinn kann also keine Rede sein, wohl aber von einer politisch verengten Lieferkette.
Eine Eigenheit fällt beim Blick auf die Notierungen sofort auf. Wolfram wird nicht je Tonne Metall gehandelt, sondern je Tonneneinheit Wolframtrioxid, einer Einheit aus dem alten Erzhandel. Eine Tonneneinheit enthält laut dem US-amerikanischen Geologischen Dienst 7,93 Kilogramm Wolfram, was den Metallpreis für Außenstehende zuverlässig verschleiert.
Wer entdeckte Wolfram und woher kommt der seltsame Name?

Carl Wilhelm Scheele wies 1781 die Wolframsäure nach, die spanischen Brüder Juan José und Fausto Elhuyar gewannen 1783 als Erste das Metall. Der Name ist deutlich älter und stammt aus dem Erzgebirge, wo Zinnschmelzer ihn als Schimpfwort prägten.
Im Erzgebirge kannten die Bergleute lange vor jeder Chemie ein lästiges Begleitmineral im Zinnstein. Beim Schmelzen fraß es die Ausbeute und ließ eine zähe Schlacke zurück. Die Männer am Ofen nannten den Stoff Wolf-Rahm, weil er den guten Rahm auffraß wie ein Wolf.
Der englische Name ging einen anderen Weg. Aus dem schwedischen tung sten für schwerer Stein wurde tungsten, während das chemische Zeichen W bis heute die deutsche Bezeichnung trägt. Wolfram gehört damit zu den wenigen Elementen mit zwei gleichberechtigten Namenslinien.
Industriell interessant wurde das Metall erst um 1900. Werkzeugstähle mit hohem Wolframanteil hielten ihre Härte auch bei glühender Schneide, was die Schnittgeschwindigkeiten in der Metallbearbeitung vervielfachte. Die Glühlampe lieferte den zweiten Schub.
1906 ließ die Deutsche Gasglühlicht-Aktiengesellschaft die Marke Osram eintragen, ein Kofferwort aus Osmium und Wolfram. Der Wolframfaden verdrängte innerhalb weniger Jahre alle Konkurrenzmaterialien und machte aus einem Laborkuriosum ein Massenprodukt.
Der eigentliche Durchbruch kam aus demselben Umfeld. Karl Schröter meldete im März 1923 für die Patent-Treuhand-Gesellschaft für elektrische Glühlampen ein Verfahren an, bei dem feinstes Wolframkarbidpulver mit Kobalt gemischt, gepresst und gesintert wird. Der Werkstoff hieß später Hartmetall.
Friedrich Krupp erwarb die Patente im Dezember 1925 und trug am 25. Dezember desselben Jahres die Marke Widia ein, kurz für „wie Diamant“. Ab 1926 lief die Fertigung geheim. Ein Glühlampenlabor hatte damit die moderne Zerspanung erfunden.
Diese Herkunft erklärt eine Merkwürdigkeit der Branche. Die großen Hartmetallhäuser Europas wuchsen nicht aus dem Bergbau, sondern aus der Elektroindustrie und der Pulvermetallurgie. Die großen Standorte in Reutte, Goslar und Mamer stehen bis heute auf dem Fundament einer Lampenfabrik.
Wie hat Wolfram die Weltkarte verändert?

Wolfram entschied im Zweiten Weltkrieg über panzerbrechende Munition, hielt zwei neutrale Diktaturen im Geschäft mit Hitler und dient China seit Februar 2025 als Hebel gegen die westliche Rüstungsindustrie. Der Rohstoff war nie neutral.
Der erste große Konflikt lief zwischen 1941 und 1944 auf der Iberischen Halbinsel. Portugal verfügte mit Panasqueira über eine der ergiebigsten Lagerstätten Europas, und António de Oliveira Salazar verkaufte das Erz an beide Seiten. Die Kerne deutscher Panzergranaten bestanden aus Wolframkarbid.
Die Alliierten antworteten mit einer Strategie, die in den Akten des US-Außenministeriums unter dem Namen preclusive buying auftaucht und schlicht darin bestand, den Markt leerzukaufen. London und Washington zahlten Überpreise, nur damit Berlin nichts bekam. Der Aufkauf verteuerte den Rohstoff für alle Seiten, stoppte die Lieferungen nach Berlin aber nicht.
Ab 1943 verschärfte sich der Ton. Die Alliierten drohten mit einem Embargo und mit der Beschlagnahme portugiesischer Vermögenswerte im Ausland. Salazar stoppte die Lieferungen erst im Juni 1944, zwei Jahre nachdem er den Azoren-Stützpunkt bereits freigegeben hatte.
Nach 1945 verschob sich der Schwerpunkt. China baute über Jahrzehnte die Lagerstätten in Jiangxi und Hunan aus, unterbot westliche Produzenten und übernahm nach und nach auch die Weiterverarbeitung. Europäische und amerikanische Minen schlossen, weil sie bei den chinesischen Preisen keine Deckung mehr fanden.
2012 verklagten die USA, die EU und Japan China vor der Welthandelsorganisation wegen Exportquoten auf Seltene Erden, Wolfram und Molybdän. Das Schiedsgericht gab den Klägern 2014 recht, China hob die Quoten auf. Peking lernte daraus vor allem eines: Quoten sind angreifbar, Genehmigungspflichten weniger.
Genau dieses Instrument kam am 4. Februar 2025 zum Einsatz. Das Handelsministerium in Peking stellte Wolfram, Tellur, Wismut, Molybdän und Indium unter Exportkontrolle, als Antwort auf neue amerikanische Zölle. Seither braucht jeder Ausfuhrvorgang eine Lizenz samt Endverbleibserklärung.
Die deutsche Rohstoffagentur DERA wies früh darauf hin, dass Exporteure Verträge, technische Beschreibungen und Testberichte vorlegen müssen. Ein Genehmigungsverfahren lässt sich verzögern, ohne dass jemals ein Nein fällt. Die Wirkung ähnelt einem Embargo ohne dessen Rechtsfolgen.
Die Zahlen belegen den Effekt. Chinesische Wolframausfuhren lagen zuletzt rund 40 Prozent unter dem Vorjahr, der Preis stieg seit Februar 2025 um 557 Prozent. Ähnlich lief es bei den Seltenen Erden und ihrem Magnetmonopol, nur dass Wolfram deutlich weniger Schlagzeilen bekam.
Der Westen sortiert sich seither neu. Kasachstan brachte 2025 die Lagerstätte Boguty in Betrieb und lieferte auf Anhieb 2.400 Tonnen, im Oktober 2025 vereinbarten Astana und Washington ein gemeinsames Wolframprojekt. In Kanada und den USA flossen Mittel aus dem Defense Production Act nach Nevada, New Brunswick und in den Yukon.
Die Abhängigkeit reicht tiefer als die Förderzahlen zeigen. China kontrolliert nach Angaben des europäischen Werkzeugverbands ECTA über 80 Prozent der Produktion und der Weiterverarbeitung, also auch den Schritt vom Konzentrat zum handelbaren Ammoniumparawolframat. Kasachstan tauchte 2025 mit der Lagerstätte Boguty erstmals in der Statistik auf und lieferte auf Anhieb mehr als jedes EU-Land.
Warum ist Wolfram für die Weltwirtschaft so wichtig?

Der Weltmarkt für Wolfram umfasste 2026 nach Angaben des Analysehauses Project Blue rund 14 Milliarden Euro, ein Bruchteil des Kupfermarkts. Der Hebel liegt nicht in der Menge, sondern in der Unersetzlichkeit.
Die gesamte Jahresförderung von 85.000 Tonnen füllt bei einer Dichte von 19,25 Gramm je Kubikzentimeter etwa 4.400 Kubikmeter. Das ganze Weltangebot passt in einen Würfel von 16,4 Metern Kantenlänge. Trotzdem steckt dieser mengenmäßig winzige Rohstoff in jedem einzelnen Zerspanungsprozess, den die verarbeitende Industrie fährt.
Rund 65 Prozent des weltweit verarbeiteten Wolframs gehen laut DeviceMed in Hartmetallwerkzeuge. Für die Vereinigten Staaten beziffert der Geologische Dienst den Anteil der Hartmetallanwendungen auf etwa 60 Prozent des Inlandsverbrauchs. Der Rest verteilt sich auf Stähle, Superlegierungen, Elektroden, Drähte und Chemikalien.
Die Förderländer und ihre Anteile zeigen ein ungewöhnlich schiefes Bild. Nach China mit 67.000 Tonnen folgen Vietnam, Kasachstan, Nordkorea und Russland mit jeweils 2.000 bis 3.000 Tonnen. Der Abstand zwischen Platz eins und Platz zwei beträgt mehr als das Zwanzigfache.
| Land | Minenförderung 2025 | Reserven | Anteil an der Weltförderung |
|---|---|---|---|
| China | 67.000 t | 2.500.000 t | 78,8 % |
| Vietnam | 3.000 t | 170.000 t | 3,5 % |
| Kasachstan | 2.400 t | keine Angabe | 2,8 % |
| Nordkorea | 2.000 t | 29.000 t | 2,4 % |
| Russland | 2.000 t | 400.000 t | 2,4 % |
| Bolivien | 1.700 t | keine Angabe | 2,0 % |
| Ruanda | 1.300 t | keine Angabe | 1,5 % |
| Australien | 1.000 t | 570.000 t | 1,2 % |
| Österreich | 840 t | 10.000 t | 1,0 % |
| Spanien | 800 t | 66.000 t | 0,9 % |
| Portugal | 700 t | 3.400 t | 0,8 % |
Deutschland taucht in dieser Tabelle nicht auf und spielt trotzdem eine tragende Rolle. Der Geologische Dienst nennt für die Jahre 2021 bis 2024 als Herkunftsländer amerikanischer Wolframimporte China mit 26 Prozent, Deutschland mit 14 Prozent, Bolivien und Vietnam mit je acht Prozent. Ein Land ohne eigene Mine ist zweitgrößter Lieferant der USA.
Die Erklärung liegt in der Verarbeitung. In Goslar betreibt H.C. Starck Tungsten mit rund 550 Beschäftigten an drei Standorten in Deutschland, Kanada und China eine der weltweit größten Anlagen für Wolframpulver, seit Dezember 2024 unter dem Dach von Mitsubishi Materials Europe. Der Großteil des Wolframs am Stammsitz stammt aus eigenem Recycling.
Die Preisbildung folgt keiner Börse. Anders als Kupfer oder Nickel wird Wolfram nicht an der London Metal Exchange gehandelt, sondern über bilaterale Verträge, bewertet von Preisagenturen wie Fastmarkets und Argus. Ein enger Markt ohne Terminkontrakte kennt keine Absicherung gegen Preissprünge.
Genau darin liegt die eigentliche Verwundbarkeit. Ein Maschinenbauer kann Kupfer für zwölf Monate hedgen, Wolfram nicht. Deshalb schlagen die 557 Prozent aus Peking fast ungebremst bis in die Kalkulation eines mittelständischen Lohnfertigers durch.
In welchen Produkten steckt Wolfram und was verschwindet ohne das Metall?

Wolfram sitzt in Fräsern, Bohrkronen, Kugelschreiberspitzen, Schweißelektroden, Röntgenröhren und Vibrationsmotoren von Smartphones. Ohne das Metall stünde als Erstes die spanende Fertigung still.
Der größte Block sind Zerspanungswerkzeuge aus Hartmetall, also aus rund 90 Prozent Wolframkarbid und etwa zehn Prozent Kobalt als Bindemittel. Jedes Blechteil, jede Bohrung und jedes Gewinde in einem Auto entstand an einer Schneide aus diesem Verbundwerkstoff.
Weniger offensichtlich ist der Alltag. Die Kugel in jedem Kugelschreiber ist eine geschliffene Wolframkarbidperle, weil Stahl nach wenigen hundert Metern Schrift ausschlägt. Im Smartphone erzeugt eine Unwucht aus Wolframlegierung die Vibration, weil die hohe Dichte auf kleinstem Raum genug Masse unterbringt.
Auch die Medizintechnik hängt am Metall. Anoden von Röntgenröhren bestehen aus Wolfram, ebenso Abschirmungen in der Strahlentherapie. Beim Schutzschild konkurriert allein abgereichertes Uran, was in einem Krankenhaus aus naheliegenden Gründen selten zur Debatte steht.
Die militärische Verwendung wächst am schnellsten. Wuchtgeschosse mit Wolframkern durchschlagen Panzerung, ohne den politischen Ärger von abgereichertem Uran zu verursachen. Branchenbeobachter beziffern den Zuwachs des militärischen Verbrauchs für 2026 auf zwölf Prozent.
Nun die Gegenprobe. Der US-amerikanische Geologische Dienst listet als Ersatzstoffe für Hartmetall Molybdänkarbid, Niobkarbid, Titankarbid, Keramiken, Cermets und Werkzeugstähle. Im selben Atemzug hält die Behörde fest, dass die meisten dieser Optionen den Wolframeinsatz nur verringern.
Diese Unterscheidung entscheidet über Lieferketten. Bei Kugelschreiberkugeln und Angelgewichten springt Keramik oder Blei ein, bei Vibrationsmotoren geht es notfalls größer. Bei Bohrkronen im Tunnelvortrieb und bei Elektroden für das Wolfram-Inertgas-Schweißen existiert schlicht kein gleichwertiger Ersatz.
Ein Lieferausfall träfe die Wirtschaft deshalb als Mengenproblem. Zuerst stockte der Werkzeugbau, kurz darauf jede Fertigung, die ohne diese Werkzeuge keine Toleranzen mehr einhält. Ähnlich verhält sich Hafnium in der Turbinenfertigung, nur mit deutlich kleinerem Abnehmerkreis.
Die Kipp-Logik trennt zwei Gruppen. Wo Keramik, Blei oder Titankarbid einspringen, kostet der Wechsel Standzeit, Qualität oder Bauraum, aber die Produktion läuft weiter. Bei Zerspanung, Bohrkronen und Schweißelektroden nennt der US-amerikanische Geologische Dienst zwar Ersatzstoffe, hält aber fest, dass die meisten davon den Wolframeinsatz nur verringern statt ihn zu ersetzen.
Wie setzt sich der Preis eines Hartmetallwerkzeugs zusammen?

Der reine Wolframwert in einem Kilogramm Hartmetall lag Anfang Juni 2026 bei rund 286 Euro. Deutsche Hersteller schlagen seit dem 1. Mai 2026 über 250 Euro Rohstoffteuerungszuschlag je Kilogramm auf, also weniger als den Rohstoff selbst kostet.
Die Kette beginnt im Bergwerk. Eine Tonneneinheit Konzentrat mit 65 Prozent Wolframtrioxid kostete in Rotterdam zu Beginn des Jahres 2025 rund 234 Euro und zum Jahresende rund 485 Euro. Für Ammoniumparawolframat stiegen die Notierungen im selben Zeitraum von 291 auf 594 Euro.
2026 beschleunigte sich die Bewegung. Der Preisverlauf des Händlers Molytun weist für Anfang Juni 2026 einen Durchschnitt von 2.686,86 Euro je Tonneneinheit aus, bei einer Spanne von 2.600 bis 2.774 Euro. Allein im Februar 2026 sprang die Notierung innerhalb von zehn Tagen um weitere 20 Prozent.
Aus diesen Zahlen lässt sich der Rohstoffanteil im fertigen Werkstoff ableiten. Ein Rechenbeispiel: 2.686,86 Euro geteilt durch 7,93 Kilogramm Wolfram je Tonneneinheit ergibt 338,82 Euro je Kilogramm Metall. Ein Kilogramm Hartmetall enthält bei 90 Prozent Wolframkarbid rund 0,845 Kilogramm Wolfram.
Multipliziert ergibt das 286 Euro reinen Rohstoffwert je Kilogramm Hartmetall. Die Werkzeughersteller verlangen aber nur gut 250 Euro Zuschlag, und zwar seit Mai 2026 gewichtsabhängig, weil der Hartmetallanteil je Werkzeugtyp schwankt. Die Differenz ist keine Großzügigkeit.
Die Differenz stammt aus dem Kreislauf. Wer die Hälfte seines Hartmetalls aus zurückgekauftem Schrott aufbereitet, zahlt für diese Hälfte nicht den Weltmarktpreis für Primärware. Der Zuschlag mischt also zwei Kostenwelten und liegt genau deshalb unter dem Wert der reinen Neuware.
Beim Endkunden kommt davon unterschiedlich viel an. Für Schneidwerkzeuge nennt die Fachpresse Preisanstiege von rund zehn bis 15 Prozent, für Verschleißteile je nach Produktgruppe und Liefermodell Aufschläge von 60 bis 80 Prozent. Ein Werkzeug enthält eben nur wenige Gramm Hartmetall, ein Verschleißteil oft ein ganzes Kilogramm.
Der Dollarkurs verstärkt oder dämpft den Effekt zusätzlich. Konzentrat und Ammoniumparawolframat werden in US-Dollar notiert, die Rechnung an den deutschen Betrieb kommt in Euro. Bei einem Referenzkurs von 1,1367 Dollar je Euro am 28. Juli 2026 wirkte die Währung zuletzt leicht entlastend.
Der Aufschlag bleibt unter dem reinen Rohstoffwert. Ein Werkzeughersteller, der jedes Kilogramm Hartmetall aus frischem Ammoniumparawolframat baute, verlöre bei diesem Zuschlag Geld. Die Lücke schließt der Kreislauf: Rund die Hälfte des in Europa eingesetzten Hartmetalls stammt aus Recycling und kostet weniger als Primärware. Auf den Endpreis schlagen sich davon 10 bis 15 Prozent bei Zerspanungswerkzeugen durch, bei Verschleißteilen je nach Produktgruppe 60 bis 80 Prozent.
Wer verdient an Wolfram und wer zahlt drauf?

Gewinner sind China als Preissetzer, westliche Neuproduzenten wie Almonty und alle Häuser mit hoher Recyclingquote. Verlierer sind der Zerspaner ohne eigenen Schrottkreislauf sowie Bergbauregionen, in denen der Handel bewaffnete Gruppen mitfinanziert.
Auf der Gewinnerseite steht zuerst der Staat, der die Lizenzen vergibt. Peking kassiert keinen Ausfuhrzoll, sondern kontrolliert die Menge und damit den Preis. Ein Instrument dieser Art erzeugt Marge bei den eigenen Verarbeitern, ohne einen Cent Steuergeld zu kosten.
Die zweite Gruppe sind Produzenten außerhalb Chinas. Almonty Industries nahm im Juli 2026 den kommerziellen Betrieb der Mine Sangdong in Südkorea auf und peilt in der zweiten Ausbaustufe 4.600 Tonnen Wolframkonzentrat im Jahr an. Das Projekt fährt bei 2.687 Euro je Tonneneinheit an statt bei 300, und diese Differenz trägt die gesamte Kalkulation.
Zur dritten Gruppe zählen die Recycler. Ceratizit meldete für das Geschäftsjahr 2024/25 eine Wolfram-Recyclingquote von über 90 Prozent, Gühring fertigt nach eigenen Angaben rund 65 Prozent seiner Werkzeuge aus recyceltem Hartmetall. Deren Einkaufspreis hängt am Schrottmarkt, nicht an Peking.
Die Verliererseite beginnt beim Lohnfertiger mit zwanzig Maschinen. Ein solcher Betrieb kauft Werkzeuge zu, gibt sie nach dem Verschleiß bestenfalls in den Rückkauf und verhandelt Stundensätze mit Kunden, die von Rohstoffteuerungszuschlägen nichts hören wollen. Zwischen Einkauf und Angebot liegen inzwischen Monate.
Der klassische Ressourcenfluch trifft die kleinen Förderländer. Ruanda meldete 2025 rund 1.300 Tonnen, obwohl im Land selbst nur ein Bruchteil davon abgebaut wird und Erz aus dem Kongo über die Grenze kommt. Der Handel finanziert dort seit Jahrzehnten bewaffnete Gruppen.
Deshalb steht Wolfram auf jeder Konfliktmineralienliste. Der amerikanische Dodd-Frank Act zählt es seit 2012 gemeinsam mit Zinn, Tantal und Gold zu den 3TG-Mineralen, die EU-Verordnung 2017/821 verpflichtet Importeure seit dem 1. Januar 2021 zu geprüften Sorgfaltspflichten.
Die Sorgfaltspflicht hat allerdings eine unangenehme Nebenwirkung. Je schwieriger der Nachweis sauberer Herkunft, desto attraktiver wird die bequeme Alternative, und die heißt oft China. Ein Regelwerk gegen Konfliktfinanzierung kann so die Abhängigkeit vom größten Anbieter verstärken.
Peking hat beim Wolfram gelernt, dass eine Exportquote vor der Welthandelsorganisation kippt, ein Genehmigungsverfahren aber nicht. 557 Prozent Preisanstieg seit Februar 2025 sind das Ergebnis von Verfahrensrecht, nicht von Geologie.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie mächtig ist die Wolfram-Lobby?

Die Wolframbranche lobbyiert kaum für Subventionen und fast ausschließlich für zwei Dinge: dass Schrott in Europa bleibt und dass Wolfram auf den strategischen Rohstofflisten steht. Beides gelang.
Seit 2023 führt die EU Wolfram unter den 34 kritischen und strategischen Rohstoffen des Critical Raw Materials Act. Diese Einstufung öffnet Genehmigungsprivilegien für Bergbau- und Verarbeitungsprojekte und schafft Zugang zu Förderinstrumenten. Die Einstufung erreichte die Branche ohne nennenswerten öffentlichen Widerstand.
Deutlich lauter wurde der Ton beim Schrott. Auf der European Cutting Tools Conference in Graz forderte die European Cutting Tools Association am 24. Juli 2026, die Rückführung von Hartmetall in den europäischen Kreislauf als Hebel für Versorgungssicherheit zu behandeln. Übersetzt heißt das: Exportbeschränkungen für Altwerkzeuge.
Hinter der Forderung steht ein handfestes Interesse. Stadler Raw Materials, eine Tochter der Ceratizit-Gruppe, gilt als Europas größter Sammler und Händler von Wolframschrott. Wer den Kreislauf kontrolliert, profitiert doppelt von jeder Barriere an der Außengrenze.
Die Argumentation ist trotzdem nicht falsch. Europäische Aufbereitungskapazitäten stoßen an Grenzen, während die weltweite Nachfrage nach Hartmetallschrott steigt und höhere Preise außerhalb Europas zahlt. Ein Kontinent, der seinen Schrott exportiert, importiert später dasselbe Wolfram teurer zurück.
In Deutschland läuft die Förderpolitik über klassische Zuschüsse. Bund und Land sagten H.C. Starck Tungsten in Goslar über 60 Millionen Euro für eine Anlage zum industriellen Schwarzmasse-Recycling zu, 70 Prozent aus dem Bundeshaushalt und 30 Prozent aus dem Landeshaushalt. Die Zielkapazität liegt bei 20.000 Tonnen Schwarzmasse im Jahr.
Auffällig bleibt, was die Branche nicht fordert. Kaum jemand verlangt strategische Reserven nach dem Vorbild der amerikanischen Rohstoffbevorratung, obwohl der US-Verteidigungssektor genau diesen Weg über den Defense Production Act geht. Eine deutsche Vorratslösung fehlt in der Debatte praktisch vollständig.
Hinter dem Schweigen steckt ein unangenehmer Grund. Eine staatliche Reserve würde offenlegen, wie dünn die Versorgungslage tatsächlich ist, und den Preis zusätzlich treiben. Schweigen ist für die Einkaufsabteilungen bis auf Weiteres billiger.
Wie kommen wir von chinesischem Wolfram los?

Recycling trägt in Europa bereits rund die Hälfte des Hartmetallbedarfs und ist damit der einzige Hebel, der heute schon wirkt. Neue Minen brauchen Jahre, Ersatzstoffe verringern den Bedarf nur.
Der Kreislauf funktioniert bei Wolfram besser als bei fast jedem anderen Technologiemetall. Hartmetallwerkzeuge kommen nach dem Verschleiß in sortenreinen Mengen zurück, weil Hersteller Rückkaufprogramme fahren und der Materialwert den Aufwand deckt. Nach Angaben der European Cutting Tools Association stammen rund 50 Prozent des in Europa eingesetzten Hartmetalls aus Recycling.
Vergleicht man diesen Wert mit den europäischen Zielvorgaben, ergibt sich ein bemerkenswertes Bild. Der Critical Raw Materials Act verlangt bis 2030 eine Recyclingquote von 25 Prozent bei strategischen Rohstoffen. Bei Wolfram liegt Europa damit rund doppelt so hoch wie gefordert.
An den anderen Zielen scheitert der Kontinent dagegen deutlich. Der Rechtsakt verlangt zehn Prozent Eigenförderung und höchstens 65 Prozent Bezug aus einem einzigen Land. Österreich, Spanien und Portugal förderten 2025 zusammen 2.340 Tonnen, während China allein 67.000 Tonnen förderte.
Neue Primärproduktion entsteht deshalb vor allem außerhalb Europas. Almonty fuhr im Juli 2026 die Mine Sangdong in Südkorea an, Kasachstan brachte Boguty in Betrieb, und in Nordamerika laufen Projekte in Nevada, New Brunswick und im Yukon. Von der Genehmigung bis zur ersten Tonne vergehen typischerweise mehrere Jahre.
Die Substitution bringt am wenigsten. Molybdänkarbid, Niobkarbid, Titankarbid, Keramiken und Cermets ersetzen Wolframkarbid nur in Teilanwendungen und kosten dabei Standzeit oder Bearbeitungsqualität. Der Geologische Dienst formuliert nüchtern, dass Substitution in vielen Fällen höhere Kosten oder Leistungsverluste nach sich zieht.
Realistisch bleibt damit eine gestaffelte Entlastung über das kommende Jahrzehnt. Bis neue Minen in befreundeten Ländern verlässlich liefern, trägt allein der Kreislauf die Versorgung, und erst danach senkt bessere Beschichtungstechnik den Materialeinsatz je Werkzeug spürbar. Einen Ausstieg wie bei Kobalt in der Batteriechemie wird es bei Wolfram nicht geben.
Der Grund liegt in der Physik. Kobalt lässt sich in einer Zellchemie durch Nickel und Mangan ersetzen, weil dort chemische Funktionen austauschbar sind. Bei 3.422 Grad Celsius Schmelzpunkt und einer Härte knapp unter Diamant gibt es dagegen schlicht kein zweites Element.
Was bedeutet der Wolfram-Schock für Deutschland?

Deutsche Betriebe zahlen seit dem 1. Mai 2026 über 250 Euro Rohstoffteuerungszuschlag je Kilogramm Hartmetall, Schneidwerkzeuge verteuerten sich um zehn bis 15 Prozent. Das erste deutsche Wolframbergwerk seit Jahrzehnten soll 2027 in Sachsen anfahren.
Der Zuschlag trifft die industrielle Mitte am härtesten. Ein Lohnfertiger mit 40 Beschäftigten verbraucht im Jahr eine niedrige dreistellige Zahl an Kilogramm Hartmetall, was allein an Zuschlägen einen fünfstelligen Betrag ergibt. Weitergeben lässt sich das nur bei laufender Neukalkulation.
Auf der Angebotsseite bewegt sich etwas. Im sächsischen Pöhla erteilte das Oberbergamt 2024 die Genehmigung für ein neues Erzbergwerk, in dem die Saxony Minerals & Exploration AG jährlich rund 400.000 Tonnen Erz auf Wolfram, Zinn, Zink, Flussspat und weitere Metalle abbauen will. Der Zugang erfolgt über eine zwei Kilometer lange Rampe.
Die Finanzierung wurde zum Nadelöhr. Nachdem die Betreibergesellschaft das Kapital nicht aufbringen konnte, will eine Investorengruppe aus Singapur das Projekt für rund 150 Millionen Euro übernehmen. Der Einstieg steht unter dem Vorbehalt einer Prüfung durch das Bundeswirtschaftsministerium.
Genau hier schließt sich der Kreis zum Ausgangspunkt. Eine Republik, die sich über chinesische Genehmigungsverfahren beklagt, entscheidet nun selbst per Genehmigungsverfahren über ausländisches Kapital in ihrer einzigen Wolframlagerstätte. Die Ironie ändert nichts an der Berechtigung der Prüfung.
Beim geplanten Produktionsstart 2027 entstünden 60 bis 70 Arbeitsplätze im Bergwerk und weitere 60 in der Aufbereitung in Mittweida. Gemessen an 85.000 Tonnen Weltförderung bliebe der Beitrag klein. Gemessen an null Tonnen deutscher Förderung wäre er ein Anfang.
Für die kommenden Monate sind drei Verläufe denkbar. Im optimistischen Fall entspannen zusätzliche Mengen aus Sangdong und Boguty den Markt, und der Preis fällt unter 2.000 Euro je Tonneneinheit. Chinesische Ausfuhren müssten dafür wieder in Richtung des früheren Niveaus zulegen.
Im realistischen Fall bleibt das Preisniveau hoch und schwankt stark, weil die Genehmigungspraxis in Peking unberechenbar bleibt. Im pessimistischen Fall weitet China die Kontrollen auf Hartmetallpulver und fertige Werkzeuge aus, dann geht es nicht mehr um Preise, sondern um Verfügbarkeit.
Für Unternehmer folgen daraus vier praktische Schritte: Rückkaufverträge für Altwerkzeuge abschließen, Hartmetallanteil je Bauteil in der Kalkulation getrennt ausweisen, Preisgleitklauseln in Kundenverträge aufnehmen und den Bestand kritischer Werkzeugtypen auf mindestens sechs Monate ausdehnen.
Die Forderung vom 24. Juli 2026 aus Graz bekommt vor diesem Hintergrund eine andere Färbung. Ein Kontinent, der bis 2027 auf sein erstes nennenswertes eigenes Wolfram wartet, hat außer dem Schrott in den eigenen Werkshallen schlicht nichts, worüber er selbst verfügt.
Verbraucher merken die Entwicklung vorerst kaum. Der Wolframanteil an einem Auto, einer Waschmaschine oder einem Werkzeugkoffer aus dem Baumarkt bleibt zu klein für spürbare Preiseffekte. Die Rechnung kommt später, über die Herstellkosten der deutschen Industrie.
Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe rund um Wolfram

Ammoniumparawolframat
Ammoniumparawolframat (APT) ist das weltweit gehandelte Zwischenprodukt der Wolframverarbeitung und dient als Referenzprodukt für die Preisbildung. Aus dem weißen Salz entstehen durch weitere Schritte Wolframoxid, Metallpulver und Wolframkarbid. Notiert wird es je Tonneneinheit Wolframtrioxid.
Cermet
Cermet bezeichnet einen Verbundwerkstoff aus keramischen Hartstoffen und einer metallischen Bindephase, meist auf Basis von Titankarbid und Titannitrid. Cermets gelten als teilweiser Ersatz für Hartmetall bei Schlichtbearbeitung, erreichen aber nicht dessen Zähigkeit bei schweren Schnitten.
Critical Raw Materials Act
Der Critical Raw Materials Act (CRMA) ist die EU-Verordnung zur Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen. Sie listet seit 2023 insgesamt 34 kritische und strategische Rohstoffe, darunter Wolfram, und setzt Zielwerte für 2030 bei Eigenförderung, Verarbeitung, Recycling und Lieferantenkonzentration.
Ferrowolfram
Ferrowolfram ist eine Vorlegierung aus Eisen und Wolfram mit einem Wolframgehalt zwischen 75 und 85 Prozent. Stahlwerke setzen sie zu, um Warmfestigkeit und Verschleißwiderstand von Werkzeug- und Schnellarbeitsstählen zu erhöhen. Sie wird je Kilogramm Wolframinhalt gehandelt.
Hartmetall
Hartmetall ist ein gesinterter Verbundwerkstoff aus rund 90 Prozent Wolframkarbid und etwa zehn Prozent Kobalt als Bindemittel. Trotz des Namens handelt es sich nicht um eine Legierung, sondern um in Metall eingebettete Hartstoffkörner. Der Werkstoff trägt den größten Teil der weltweiten Wolframnachfrage.
Konfliktmineral
Konfliktminerale sind Rohstoffe, deren Abbau und Handel bewaffnete Gruppen finanzieren können. Wolfram zählt gemeinsam mit Zinn, Tantal und Gold zur Gruppe 3TG. Importeure in die EU unterliegen seit 2021 geprüften Sorgfaltspflichten entlang der Lieferkette.
Preclusive Buying
Preclusive Buying bezeichnet den Aufkauf eines Rohstoffs zu Überpreisen mit dem alleinigen Ziel, ihn dem Gegner vorzuenthalten. Die Alliierten wandten das Verfahren im Zweiten Weltkrieg auf portugiesisches und spanisches Wolfram an. Der Begriff stammt aus den Akten des US-Außenministeriums.
Rohstoffteuerungszuschlag
Der Rohstoffteuerungszuschlag (RTZ) ist ein separat ausgewiesener Aufschlag auf Werkzeugpreise, der Schwankungen des Rohstoffpreises abbildet. Seit Mai 2026 rechnen viele Hersteller ihn gewichtsabhängig ab, weil der Hartmetallanteil je Werkzeugtyp stark schwankt.
Scheelit
Scheelit ist Calciumwolframat und neben Wolframit das wichtigste Wolframerz. Das Mineral fluoresziert unter ultraviolettem Licht bläulich, was die Prospektion erleichtert. Benannt ist es nach Carl Wilhelm Scheele, der 1781 die Wolframsäure nachwies.
Section 301
Section 301 bezeichnet den Abschnitt des US-Handelsgesetzes von 1974, der Strafzölle gegen als unfair eingestufte Handelspraktiken erlaubt. Ende 2024 erhöhten die Vereinigten Staaten auf dieser Grundlage die Zölle auf mehrere Wolframprodukte aus China auf 50 Prozent.
Sintern
Sintern ist ein Fertigungsverfahren, bei dem Pulver unter Druck und Hitze unterhalb des Schmelzpunkts zu einem festen Körper verbindet. Wolfram lässt sich wegen seines Schmelzpunkts von 3.422 Grad Celsius kaum gießen, weshalb nahezu alle Wolframprodukte gesintert werden.
Tonneneinheit
Die Tonneneinheit (metric ton unit, mtu) ist die Handelseinheit für Wolfram und entspricht zehn Kilogramm Wolframtrioxid. Sie enthält nach Angaben des US-amerikanischen Geologischen Dienstes 7,93 Kilogramm reines Wolfram. Die Einheit stammt aus dem historischen Erzhandel.
Wolframit
Wolframit ist ein Eisen-Mangan-Wolframat und bildet mit Scheelit die Grundlage der Weltförderung. Das dunkle, schwere Mineral tritt häufig gemeinsam mit Zinnstein auf, weshalb es historisch zuerst den Zinnschmelzern auffiel. Aus dieser Begleitung stammt der Name Wolfram.
Wolframkarbid
Wolframkarbid ist die Verbindung aus Wolfram und Kohlenstoff und erreicht eine Härte knapp unterhalb von Diamant. Sein Wolframanteil beträgt rund 94 Prozent der Masse. Als Hartstoffkomponente im Hartmetall bestimmt es Schneidleistung und Standzeit moderner Werkzeuge.
FAQ: Wolfram: Der härteste Rohstoff in Chinas Hand

Warum ist der Wolframpreis 2026 so stark gestiegen?
Am 4. Februar 2025 stellte das chinesische Handelsministerium den Export bestimmter Wolframverbindungen unter Genehmigungspflicht. Seither legte der Preis um 557 Prozent zu, die chinesischen Ausfuhren fielen um rund 40 Prozent. Hinzu kommen eine steigende Rüstungsnachfrage und geleerte Lager im Westen. Anfang Juni 2026 kostete eine Tonneneinheit Ammoniumparawolframat rund 2.687 Euro.
Wofür wird Wolfram hauptsächlich verwendet?
Etwa 65 Prozent des weltweit verarbeiteten Wolframs gehen in Hartmetallwerkzeuge für Zerspanung, Bergbau und Bohrtechnik. Der Rest verteilt sich auf Werkzeug- und Schnellarbeitsstähle, Superlegierungen, Schweißelektroden, Röntgenanoden, Strahlenschutz, Wuchtgeschosse und chemische Anwendungen. In den USA entfallen laut dem Geologischen Dienst rund 60 Prozent des Verbrauchs auf Hartmetall.
Welche Länder fördern das meiste Wolfram?
China förderte 2025 rund 67.000 der weltweit 85.000 Tonnen und damit 78,8 Prozent. Es folgen Vietnam mit 3.000 Tonnen, Kasachstan mit 2.400 Tonnen sowie Nordkorea und Russland mit je 2.000 Tonnen. In der EU fördern nur Österreich mit 840 Tonnen, Spanien mit 800 Tonnen und Portugal mit 700 Tonnen.
Gibt es Wolfram in Deutschland?
Deutschland fördert derzeit kein Wolfram. Im sächsischen Pöhla erteilte das Oberbergamt 2024 die Genehmigung für ein Bergwerk, das jährlich rund 400.000 Tonnen Erz auf Wolfram, Zinn und weitere Metalle verarbeiten soll. Der Produktionsstart ist für 2027 geplant. In Goslar betreibt H.C. Starck Tungsten eine der größten Wolframpulveranlagen der Welt.
Lässt sich Wolfram ersetzen?
Nur teilweise. Der US-amerikanische Geologische Dienst nennt Molybdänkarbid, Niobkarbid, Titankarbid, Keramiken, Cermets und Werkzeugstähle als mögliche Ersatzstoffe, hält aber fest, dass die meisten davon den Wolframeinsatz eher verringern als ersetzen. Bei Schweißelektroden und Bohrkronen für harte Gesteine existiert kein gleichwertiger Ersatz.
Wie hoch ist die Recyclingquote bei Wolfram?
Rund 50 Prozent des in Europa eingesetzten Hartmetalls stammen nach Angaben der European Cutting Tools Association aus Recycling. Ceratizit meldete für das Geschäftsjahr 2024/25 eine Wolfram-Recyclingquote von über 90 Prozent, Gühring fertigt etwa 65 Prozent seiner Werkzeuge aus recyceltem Hartmetall. Damit übertrifft Europa das EU-Recyclingziel von 25 Prozent bis 2030 deutlich.
Quellen
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Deutsche Rohstoffagentur DERA | Chinesische Exportkontrollen für weitere fünf Rohstoffe | https://www.deutsche-rohstoffagentur.de/DERA/SharedDocs/Meldungen/Themen/China/q1-25-news-exportkontrollen-rohstoffe.html | besucht am 29.07.2026
Molytun | Wolframpreisverlauf, Preise je Tonneneinheit und Marktanalyse | https://molytun.com/wolframpreisverlauf/ | besucht am 29.07.2026
Fertigungstechnik.de | Hartmetallschrott muss im europäischen Kreislauf bleiben | https://www.fertigungstechnik.de/2026/07/24/hartmetallschrott-muss-im-europaeischen-kreislauf-bleiben/ | besucht am 29.07.2026
DeviceMed | Wolfram treibt Werkzeugpreise in die Höhe | https://www.devicemed.de/wolfram-treibt-werkzeugpreise-in-die-hoehe-a-e7ab359472deb394a691550d3e8bdcbf/ | besucht am 29.07.2026
Tools in Motion | Dramatische Entwicklung am Hartmetallmarkt | https://tools-in-motion.de/news/dramatische-entwicklung-am-hartmetallmarkt/ | besucht am 29.07.2026
Cash Online | Wolfram wird zum Engpass-Rohstoff: Preisrally rückt den Markt ins Zentrum | https://www.cash-online.de/a/wolfram-wird-zum-engpass-rohstoff-preisrally-rueckt-den-markt-ins-zentrum-714133/ | besucht am 29.07.2026
Germany Trade and Invest | China führt Exportauflagen für kritische Metalle ein | https://www.gtai.de/de/trade/china/specials/china-fuehrt-exportauflagen-fuer-kritische-metalle-ein-1865700 | besucht am 29.07.2026
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie | Der europäische Critical Raw Materials Act | https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Artikel/Industrie/critical-raw-materials-act.html | besucht am 29.07.2026
H.C. Starck Tungsten | Millionen-Förderung für innovatives Batterie-Recycling | https://www.hcstarck.com/foerderung-innovatives-batterie-recycling/ | besucht am 29.07.2026
Sachwert Magazin | Rohstoff-Deal im Erzgebirge: 150 Millionen Euro für Wolfram-Projekt in Pöhla | https://sachwert-magazin.de/2026/04/23/wolfram-bergwerk-poehla-150-millionen-investor-singapur-rohstoffstrategie-europa/ | besucht am 29.07.2026
Logistik Heute | Neues Erzbergwerk in Sachsen soll 2027 Produktion aufnehmen | https://logistik-heute.de/news/rohstofflogistik-neues-erzbergwerk-sachsen-soll-2027-produktion-aufnehmen-180698.html | besucht am 29.07.2026
US Department of State, Office of the Historian | Foreign Relations of the United States 1944, Volume IV, Dokument 116 zu Wolframlieferungen aus Portugal | https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1944v04/d116 | besucht am 29.07.2026
MM MaschinenMarkt | Widia: Ein Werkstoff hart wie Diamant | https://www.maschinenmarkt.vogel.de/widia-ein-werkstoff-hart-wie-diamant-a-481485/ | besucht am 29.07.2026
IHK München und Oberbayern | Merkblatt: Die EU-Konfliktmineralien-Verordnung | https://www.ihk-muenchen.de/ihk/Umwelt/Konfliktmineralien_Merkblatt_2020.pdf | besucht am 29.07.2026
Europäische Zentralbank | Euro-Referenzkurse, Stichtag 28.07.2026 (1 Euro = 1,1367 US-Dollar) | https://www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/euro_reference_exchange_rates/ | besucht am 29.07.2026