Der Diamantpreis stürzt, und der härteste Stoff der Welt erlebt gerade seine weichste Stunde. Ein Einkaräter bester Qualität kostet heute rund ein Viertel weniger als vor drei Jahren. Schuld ist kein Krieg und keine Naturkatastrophe, sondern ein Konkurrent aus dem Labor.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenÜber Jahrzehnte galt der Diamant als sicherster Wertspeicher, den man am Finger tragen kann. Diese Gewissheit bröckelt, seit Steine aus der Fabrik dieselbe Härte, denselben Glanz und dieselbe chemische Formel zu einem Bruchteil des Preises liefern und den ganzen Markt ins Rutschen bringen. Wie konnte ein Stein, der Milliarden Jahre zum Wachsen braucht, so schnell an Wert verlieren?
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Einkaräter in Bestqualität fiel von 6.250 Euro (Mai 2022) auf 4.580 Euro (Dezember 2024), ein Minus von gut einem Viertel. Datenbasis ist eine Auswertung des Analysehauses Tenoris.
- Laborgezüchtete Diamanten mit identischer Struktur stürzten im selben Zeitraum von 3.120 auf 820 Euro und kosten in Deutschland heute oft unter 700 Euro.
- Russland fördert mit rund 37 Millionen Karat fast ein Drittel aller Rohdiamanten weltweit und ist seit 2024 mit einem G7-Importverbot belegt.
- Der Marktführer De Beers schrieb für 2025 einen Betriebsverlust von rund 450 Millionen Euro und legte seine älteste Mine für zwei Jahre still.
- Über 99 Prozent aller industriell genutzten Diamanten stammen längst aus dem Labor, nicht aus der Erde.
Bluff oder Wissen? Der Diamant-Check
1In welcher Tiefe entsteht ein natürlicher Diamant?Aufklappen ↓
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2Welcher Werbeslogan machte den Diamantring zur Verlobungsnorm?Aufklappen ↓
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3Welches Land fördert nach Menge die meisten Rohdiamanten?Aufklappen ↓
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4Wie hoch war 2024 der Anteil der Laborsteine bei US-Verlobungsringen?Aufklappen ↓
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5Aus welchem Stoff besteht ein Diamant chemisch?Aufklappen ↓
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Was ist ein Diamant und wie entsteht er?
Ein Diamant ist nichts anderes als reiner Kohlenstoff, dasselbe Element wie die Grafitmine im Bleistift, nur unter extremem Druck völlig neu geordnet. In rund 150 Kilometern Tiefe pressen Temperaturen um 1.100 Grad und ein Vielfaches des atmosphärischen Drucks die Atome in ihr berühmtes, extrem hartes Gitter.
Die meisten Steine sind zwischen einer und drei Milliarden Jahre alt und damit älter als fast alles Leben auf der Erde. An die Oberfläche gelangten diese Kristalle nur, weil vulkanische Schlote aus einem Gestein namens Kimberlit das Tiefenmaterial in wenigen Stunden nach oben rissen. Ohne solche seltenen Eruptionen läge der Rohstoff für immer unerreichbar im Erdmantel.
Bewertet wird jeder geschliffene Stein nach den vier C, die das Gemological Institute of America in den 1940er Jahren einführte: Karat für das Gewicht, Cut für den Schliff, Color für die Farbe und Clarity für die Reinheit. Diese vier Merkmale entscheiden, ob ein Karat wenige Hundert oder viele Tausend Euro wert ist. Die nach Wert reichste Mine der Welt liegt in Botswana, die größten bekannten Reserven schlummern in den Schächten Ostsibiriens.
Wer entdeckte den Diamanten und wie begann der Rausch?

Die ersten Diamanten der Geschichte kamen aus Indien, wo Menschen sie schon vor über zweitausend Jahren aus den Flusssanden von Golconda wuschen. Bis ins 18. Jahrhundert blieb der Subkontinent praktisch die einzige Quelle der Welt, danach übernahm für einige Jahrzehnte Brasilien.
Der eigentliche Rausch begann 1871 in Südafrika. Auf einer Farm bei Kimberley stießen Schürfer auf ein Diamantfeld, das Zehntausende Glücksritter anzog und bald das größte von Menschenhand gegrabene Loch der Erde hinterließ, das berüchtigte Big Hole. Aus dem Chaos konkurrierender Claims stieg ein Mann auf, der den Markt für ein Jahrhundert prägen sollte: Cecil Rhodes.
Rhodes kaufte über 17 Jahre hinweg jeden Rivalen auf und gründete 1888 den Konzern De Beers. Schon ein Jahr später kontrollierte das Unternehmen rund 90 Prozent der weltweiten Förderung und damit ein waschechtes Monopol. Diese Marktmacht wurde zur eigentlichen Geschäftsidee, wichtiger als jede einzelne Mine.
Deutschland spielte dabei die Rolle der Werkbank. In Idar-Oberstein, seit dem 16. Jahrhundert Zentrum der Edelsteinschleifer, entstand 1886 die erste Diamantschleiferei, und der Ort gilt bis heute als Welthauptstadt der Edelsteine. Geschliffen wurde hier, die Kontrolle über den Rohstoff aber lag stets anderswo.
Wie hat der Diamant die Weltkarte verändert?

Kaum ein Rohstoff hat so viele Kriege mitfinanziert wie der Diamant. In den 1990er Jahren bezahlten Rebellen in Sierra Leone, Angola und der Demokratischen Republik Kongo ihre Waffen mit geschmuggelten Steinen, den sogenannten Blutdiamanten. Ein leicht zu versteckender, überall handelbarer Stein wurde zur idealen Kriegswährung.
An diesem Punkt ähnelt die Geschichte des Diamanten der vieler anderer Bodenschätze Afrikas. Dieselbe Verbindung aus verborgenem Reichtum und offenem Elend prägt bis heute das Kongo-Dilemma beim Akku-Rohstoff Kobalt.
Um den Handel mit Blutdiamanten auszutrocknen, trat 2003 der Kimberley-Prozess in Kraft, ein staatliches Zertifizierungssystem für Rohdiamanten. Den Anteil der Konfliktsteine drückte das System nach eigenen Angaben von rund 15 auf etwa ein Prozent, doch die Lücken bleiben groß. Geschliffene Steine erfasst der Prozess gar nicht, und seine enge Definition zählt nur Rebellen, nicht staatliche Gewalt.
Der wichtigste geopolitische Konfliktstoff ist heute nicht Afrika, sondern Russland. Der weitgehend staatliche Konzern Alrosa förderte 2024 nach Zahlen des Kimberley-Prozesses rund 37 Millionen Karat, fast ein Drittel der Weltmenge, und füllt damit indirekt den russischen Staatshaushalt. Als Reaktion auf den Krieg gegen die Ukraine verhängten die G7-Staaten ab 2024 ein Importverbot für russische Diamanten.
Ganz anders verlief die Geschichte in Botswana. Das Land gründete mit De Beers das Gemeinschaftsunternehmen Debswana, sicherte sich über Steuern und Dividenden den Löwenanteil der Gewinne und baute davon Straßen, Schulen und Krankenhäuser. Rund 30 Prozent der Wirtschaftsleistung und etwa 80 Prozent der Exporterlöse hängen bis heute am Diamanten.
Russland liefert fast ein Drittel aller Rohdiamanten. Seit 2024 belegt ein G7-Importverbot russische Steine, was den Handel in Richtung Asien umleitet und Europas Versorgung neu ordnet.
Warum ist der Diamant für die Weltwirtschaft so wichtig?

Der Diamantmarkt ist kleiner, als sein Glanz vermuten lässt, aber extrem konzentriert. Weltweit wurden 2024 rund 118 Millionen Karat Rohdiamanten gefördert, deren Gesamtwert jedoch um zehn Prozent auf umgerechnet gut 10 Milliarden Euro fiel. Zwei Konzerne, Alrosa und De Beers, teilen sich mehr als die Hälfte der Weltförderung.
Zwischen dem rohen Stein und dem Ring im Schaufenster liegt eine gewaltige Wertsteigerung. Der weltweite Handel mit Diamantschmuck wird je nach Schätzung auf mehr als 300 Milliarden Euro im Jahr taxiert, ein Vielfaches des Rohwerts. Den größten Einzelmarkt bilden die USA, auf die grob ein Drittel bis die Hälfte der Nachfrage nach Natursteinen entfällt.
Wirtschaftlich noch bedeutsamer als der Schmuck ist der unscheinbare Industriediamant. Nach Daten des US Geological Survey stammen über 99 Prozent der industriell genutzten Diamanten aus dem Labor, gemessen in Milliarden Karat pro Jahr. Ohne diese harten Körner stünden Bohrtürme, Steinsägen und Präzisionsschleifereien still.
Deutschland besitzt keine eigenen Vorkommen und importiert jeden einzelnen Stein, ob für Schmuck oder Industrie. Die Wertschöpfung liegt im Schleifen, Handeln und Verarbeiten, nicht im Fördern. Diese Rolle macht die deutsche Industrie abhängig von einer Lieferkette, die über London, Antwerpen und Dubai läuft.
In welchen Produkten steckt Diamant und was verschwindet ohne ihn?

Die meisten Menschen kennen den Diamanten nur als Schmuckstein, dabei arbeitet er millionenfach unsichtbar in der Industrie. Bohrkronen für Öl und Bergbau, Trennscheiben auf jeder Baustelle, Sägeblätter für Beton und Granit, Schleifwerkzeuge in der Metallverarbeitung, überall sitzt der härteste bekannte Werkstoff.
Auch die Hochtechnologie greift auf den Stein zurück. Feine Diamantklingen zerteilen Halbleiterscheiben, Diamantskalpelle schneiden in der Augenchirurgie, und in Forschungslaboren pressen zwei geschliffene Steine Materie unter Drücke, wie sie im Erdkern herrschen. Der Diamant ist damit ein strategischer Werkstoff, nicht anders als die seltenen Erden in der Hochtechnologie.
Fiele der Nachschub aus, verschwänden diese Produkte nicht alle gleich schnell. Beim Schmuck steht reichlich Ersatz bereit, vom Laborstein bis zum Zirkonia, und bei der Bearbeitung von Eisen und Stahl springt seit Langem das künstliche Bornitrid ein, weil Diamant mit Eisen chemisch reagiert. Kaum ersetzbar bleibt der Stein dort, wo höchste Präzision zählt, beim Schneiden von Beton, Glas und Hartmetall.
Kipp-Logik: Beim Schmuck und bei der Eisenbearbeitung steht Ersatz bereit, etwa Zirkonia oder Bornitrid. Beim Schneiden von Beton, Glas und Hartmetall bleibt der Diamant nahezu unersetzlich.
Wie setzt sich der Preis eines Verlobungsrings zusammen?

Vom Preis eines Verlobungsrings landet nur ein kleinerer Teil beim eigentlichen Stein. Bei einem klassischen Ring mit einem Einkaräter für rund 5.000 Euro entfällt gut ein Viertel auf den Rohdiamanten, der Rest verteilt sich auf Schliff, Zwischenhandel, Fassung, Steuern und vor allem die Einzelhandelsmarge.
Der Schliff allein steigert den Wert eines Rohsteins erheblich, weltweit wächst der Rohwert von rund 15 auf etwa 25 Milliarden Euro, sobald die Steine poliert sind. Ein Zertifikat des Gemological Institute of America kostet je nach Größe zwischen 130 und 260 Euro und gilt als Echtheitsnachweis. Den größten Aufschlag nimmt jedoch der Einzelhandel, der seine Ware oft zum Doppelten oder Dreifachen des Einkaufspreises anbietet.
Der Ladenpreis reagiert dabei nur träge auf den Absturz am Rohmarkt. Während der Großhandelsindex von De Beers allein im ersten Halbjahr 2026 um 16 Prozent nachgab, sinken die Schaufensterpreise nur zögerlich. Händler sitzen auf teuer eingekauften Beständen und geben den Preisverfall nur langsam an die Kundschaft weiter.
Der Rohstein macht kaum ein Drittel aus, die größte Scheibe holt der Einzelhandel. Genau diese Marge federt den Absturz am Rohmarkt ab, weshalb der Ladenpreis langsamer fällt als der Großhandelspreis. Die Werte sind eine modellhafte Schätzung nach Branchendaten.
Wer verdient am Diamanten und wer zahlt drauf?

Am Diamanten verdient, wer den Zugang kontrolliert, nicht wer ihn aus dem Boden holt. Fördernationen wie Russland und Botswana, der Konzern De Beers und die Juweliere an den Endmärkten teilen sich die Gewinne, während die Menschen in den Minengräben oft leer ausgehen.
Ganz unten in der Kette stehen die Schürfer. In Sierra Leone gräbt fast eine halbe Million Menschen in Flussbetten nach Steinen, oft für umgerechnet rund zwei Euro am Tag, während einzelne Funde später das Zehntausendfache einbringen. Das Land zählt trotz seines Reichtums zu den ärmsten der Welt.
Botswana zeigt dagegen, dass Rohstoffreichtum nicht zwangsläufig in den Ressourcenfluch führt. Kluge Verträge und ein disziplinierter Staat machten aus einem der ärmsten Länder Afrikas eine stabile Mittelschicht-Ökonomie. Doch dieselbe Abhängigkeit, die den Aufstieg trug, wird im aktuellen Preissturz zur Gefahr.
Selbst der einstige Monopolist verliert inzwischen Geld. De Beers meldete für 2025 einen Betriebsverlust von rund 450 Millionen Euro, schloss seine Labordiamant-Marke Lightbox und legte die südafrikanische Venetia-Mine für zwei Jahre still.
De Beers hat ein Jahrhundert lang die Illusion verkauft, Diamanten seien selten. Der Preissturz von 2026 beweist das Gegenteil: Knapp war nie der Stein, knapp war immer nur die Erzählung.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie mächtig ist die Diamantlobby?

Die Macht der Diamantindustrie liegt weniger in Subventionen als in der Kunst der Vermarktung. Kein Werbespruch hat einen Markt so geprägt wie „A Diamond Is Forever“, den die Texterin Frances Gerety 1947 für die Agentur N.W. Ayer erfand und der den Diamantring erst zur Pflicht bei jeder Verlobung machte.
De Beers goss diese Erzählung über Jahrzehnte in gigantische Werbebudgets, die von wenigen Hunderttausend auf zweistellige Millionenbeträge pro Jahr kletterten. Parallel etablierte der Konzern gemeinsam mit dem Gemological Institute of America die vier C als Qualitätsmaßstab und machte die Bewertung selbst zum Verkaufsargument.
Heute führt die Branche einen Abwehrkampf gegen die eigene Fabrikware. Der Natural Diamond Council, ein Zusammenschluss der großen Produzenten, wirbt mit Kampagnen wie „Real. Rare. Responsible.“ dafür, dass nur der Naturstein echt und selten sei. Gegen den Preisvorteil der Laborsteine wirkt diese Botschaft allerdings zunehmend hilflos.
Wie kommt die Welt vom Naturdiamanten los?

Die Alternative zum geförderten Diamanten wächst längst in Fabrikhallen heran. In Reaktoren entstehen per Hochdruckverfahren oder chemischer Gasabscheidung Steine, die physikalisch und chemisch echte Diamanten sind, nur eben in Wochen statt in Milliarden Jahren gewachsen und für einen Bruchteil des Preises.
Der Siegeszug dieser Steine verlief rasant. Bei Verlobungsringen in den USA stieg ihr Anteil von gut fünf Prozent im Jahr 2019 auf über 45 Prozent im Jahr 2024. Im Großhandel brachen die Preise für Laborsteine zwischen 2020 und 2024 um rund 74 Prozent ein.
Neben der Fabrik gewinnt auch der Wiederverkauf an Bedeutung, denn geschliffene Diamanten nutzen sich nicht ab und lassen sich neu fassen. Für die Fördernationen bedeutet beides dasselbe: Die Nachfrage nach frisch geschürften Steinen dürfte kaum je wieder auf ihr altes Niveau steigen.
Was bedeutet der Diamantpreis-Sturz für Deutschland?

Für deutsche Käufer verwandelt der Preissturz den Diamanten vom Statussymbol zum Schnäppchen und zugleich zur schlechten Wertanlage. Ein Einkaräter in Bestqualität, im Mai 2022 noch 6.250 Euro teuer, kostete Ende 2024 nur noch 4.580 Euro, wie die Auswertung des Analysehauses Tenoris zeigt.
Noch drastischer traf der Verfall die Laborsteine, deren Einkaräter im selben Zeitraum von 3.120 auf 820 Euro fiel und in deutschen Shops heute oft für unter 700 Euro zu haben ist. Käufer bekommen so viel Stein fürs Geld wie nie, als Wertanlage aber taugt der Diamant kaum noch.
Anders als beim Gold als klassischem Wertspeicher fehlt dem Diamanten ein transparenter Börsenpreis, jeder Stein ist ein Unikat und schwer wiederzuverkaufen. Der Preisverfall trifft deutsche Juweliere hart, besonders die kleinen Häuser, deren Lager an Wert verlieren. Selbst das Schleiferzentrum Idar-Oberstein spürt, dass die alte Gleichung aus Seltenheit und Wert nicht mehr aufgeht.
Für die kommenden Monate zeichnen sich drei Wege ab. Im günstigen Fall stabilisiert sich der Naturmarkt in einer kleinen Luxusnische, im mittleren teilt sich der Markt dauerhaft in teure Natursteine und billige Laborware, im ungünstigen zieht der Preisverfall weite Teile der Branche in die Tiefe. Verbrauchern bleibt der nüchterne Rat, einen Diamanten als Schmuck zu kaufen und nicht als Geldanlage.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe rund um Diamanten

4C
4C steht für die vier Bewertungskriterien eines geschliffenen Diamanten: Carat (Gewicht), Cut (Schliff), Color (Farbe) und Clarity (Reinheit). Das Gemological Institute of America führte diesen Standard in den 1940er Jahren ein. Erst die Kombination der vier Merkmale ergibt den Preis eines Steins.
Alrosa
Alrosa ist der weitgehend staatliche russische Diamantkonzern und nach Menge der größte Förderer der Welt. Das Unternehmen stand 2024 für fast ein Drittel der globalen Rohdiamant-Produktion. Seit den G7-Sanktionen ist der Absatz russischer Steine in westliche Märkte stark erschwert.
Blutdiamant
Blutdiamant bezeichnet einen Rohdiamanten, dessen Verkauf bewaffnete Konflikte finanziert, vor allem in den afrikanischen Bürgerkriegen der 1990er Jahre. Der Begriff prägte die öffentliche Debatte und führte zum Kimberley-Prozess. Auch der Kinofilm Blood Diamond machte das Thema weltweit bekannt.
Brillant
Brillant ist die Bezeichnung für einen Diamanten im Brillantschliff mit 57 oder 58 Facetten, der das Licht besonders stark reflektiert. Umgangssprachlich meint das Wort fast immer diesen klassischen runden Schliff. Nicht jeder Diamant ist ein Brillant, aber jeder Brillant ist ein Diamant.
CVD-Verfahren
CVD-Verfahren steht für Chemical Vapour Deposition, die chemische Gasabscheidung. Dabei wächst ein Diamant aus einem kohlenstoffhaltigen Gas Schicht für Schicht auf einem Startkristall. Neben der Hochdruckmethode ist dies der wichtigste Weg, um Diamanten im Labor zu züchten.
De Beers
De Beers ist der 1888 von Cecil Rhodes gegründete Diamantkonzern, der den Weltmarkt über ein Jahrhundert lang dominierte. Lange kontrollierte das Unternehmen einen Großteil von Förderung und Verkauf. Heute wird De Beers vom Mutterkonzern Anglo American zum Verkauf gestellt.
Debswana
Debswana ist das Gemeinschaftsunternehmen des Staates Botswana und von De Beers, das die Diamantminen des Landes betreibt. Beide Seiten halten je die Hälfte der Anteile. Über Debswana fließt ein Großteil der botswanischen Staatseinnahmen.
HPHT-Verfahren
HPHT-Verfahren steht für High Pressure High Temperature und ahmt die natürlichen Entstehungsbedingungen nach. Unter hohem Druck und großer Hitze kristallisiert Kohlenstoff zu Diamant. Das Verfahren dient sowohl der Züchtung als auch der nachträglichen Farbveränderung von Steinen.
Karat
Karat ist die Gewichtseinheit für Edelsteine; ein Karat entspricht 0,2 Gramm. Bei Gold bezeichnet das gleich klingende Wort dagegen den Feingehalt, nicht das Gewicht. Der Preis eines Diamanten steigt mit dem Karatgewicht überproportional an.
Kimberley-Prozess
Kimberley-Prozess heißt das 2003 eingeführte staatliche Zertifizierungssystem, das den Handel mit Konfliktdiamanten eindämmen soll. Rohdiamanten dürfen nur mit einem Herkunftszertifikat gehandelt werden. Kritiker bemängeln die enge Definition und die vielen Schlupflöcher des Systems.
Kimberlit
Kimberlit ist das vulkanische Gestein, in dem Diamanten aus dem Erdmantel an die Oberfläche transportiert werden. Benannt ist das Gestein nach der südafrikanischen Stadt Kimberley. Die trichterförmigen Kimberlitschlote bilden die wichtigsten Fundstätten der Welt.
Labordiamant
Labordiamant bezeichnet einen im Labor gezüchteten Diamanten, der chemisch und physikalisch mit einem Naturstein identisch ist. Hergestellt wird er per HPHT- oder CVD-Verfahren. Sein Preis liegt deutlich unter dem eines vergleichbaren geförderten Diamanten.
FAQ: Diamant: Härtester Rohstoff, größter Mythos

Sind Labordiamanten echte Diamanten?
Ja, Labordiamanten sind chemisch und physikalisch identisch mit natürlichen Diamanten und bestehen aus reinem Kohlenstoff. Der einzige Unterschied liegt in der Entstehung: im Labor in wenigen Wochen statt in Milliarden Jahren im Erdmantel. Selbst Fachleute erkennen den Unterschied nur mit Spezialgeräten.
Warum fallen die Diamantpreise 2026?
Die Diamantpreise fallen, weil billige Laborsteine den Naturmarkt verdrängen, die Nachfrage in China schwächelt und Händler auf teuer eingekauften Beständen sitzen. Der Großhandelsindex von De Beers gab allein im ersten Halbjahr 2026 um 16 Prozent nach. Ein Naturdiamant mit einem Karat verlor seit 2022 rund ein Viertel seines Werts.
Sind Diamanten eine gute Geldanlage?
Diamanten gelten als schlechte Geldanlage, weil jeder Stein ein Unikat ist, kein transparenter Börsenpreis existiert und der Wiederverkauf schwierig bleibt. Anders als Gold hat ein Diamant keinen einheitlichen Marktpreis. Wer einen Diamanten kauft, sollte ihn als Schmuck betrachten, nicht als Investment.
Was ist der Unterschied zwischen Naturdiamant und Labordiamant?
Der Unterschied liegt allein in der Herkunft, nicht im Material: Ein Naturdiamant wuchs über Milliarden Jahre im Erdmantel, ein Labordiamant entsteht in Wochen per Hochdruck- oder Gasabscheidungsverfahren. Chemisch, optisch und in der Härte sind beide gleich. Der Laborstein kostet jedoch 60 bis 85 Prozent weniger.
Was ist ein Blutdiamant?
Ein Blutdiamant ist ein Rohdiamant, dessen Verkauf bewaffnete Konflikte finanziert, vor allem in afrikanischen Bürgerkriegen. Der Kimberley-Prozess soll solche Steine seit 2003 aus dem legalen Handel fernhalten. Kritiker halten das System wegen seiner Schlupflöcher aber für lückenhaft.
Wie viel kostet ein Karat Diamant?
Ein natürlicher Diamant mit einem Karat in guter Qualität kostet 2026 im Handel grob zwischen 4.500 und 6.000 Euro, je nach Schliff, Farbe und Reinheit. Ein vergleichbarer Laborstein liegt oft unter 700 Euro. Der Rohdiamantpreis pro Karat ist zuletzt stark gefallen.
Quellen
Kimberley Process Certification Scheme | Rough Diamond Statistics 2024 | https://www.kimberleyprocess.com/en/statistics | besucht am 27.07.2026
De Beers Group | Preliminary Financial Results for 2025 | https://www.debeersgroup.com/news-insights/latest-group-news/2026/preliminary-financial-results-for-2025 | besucht am 27.07.2026
De Beers Group | Production Report for the Second Quarter of 2026 | https://www.debeersgroup.com/news-insights/latest-group-news/2026/production-report-for-the-second-quarter-of-2026 | besucht am 27.07.2026
Blickpunkt Juwelier | Diamanten: Preisverfall und Aufstieg der Labordiamanten | https://blickpunktjuwelier.de/diamanten-preisverfall-und-aufstieg-der-labordiamanten/ | besucht am 27.07.2026
Gemological Institute of America | A Short History of the 4Cs | https://www.gia.edu/gia-news-research/diamond-quality-short-history-4cs | besucht am 27.07.2026
US Geological Survey | Mineral Commodity Summaries 2024: Diamond (Industrial) | https://pubs.usgs.gov/periodicals/mcs2024/mcs2024-diamond.pdf | besucht am 27.07.2026
Mining Weekly | De Beers loss widens to 511m amid ongoing diamond market challenges | https://www.miningweekly.com/article/de-beers-loss-widens-to-511m-amid-ongoing-diamond-market-challenges-2026-02-20 | besucht am 27.07.2026
Global Witness | Conflict Diamonds and the Kimberley Process | https://www.globalwitness.org/en/campaigns/conflict-diamonds/the-kimberley-process/ | besucht am 27.07.2026
Natural Diamond Council | Real. Rare. Responsible. Campaign | https://www.naturaldiamonds.com/press/ | besucht am 27.07.2026
Internationaler Währungsfonds | Management of Botswana Diamond Revenues | https://blog-pfm.imf.org/en/pfmblog/2024/07/management-of-botswana-diamond-revenues | besucht am 27.07.2026