Tabak steht 2026 vor dem größten Preissprung seit Jahren: Zum 1. September will das Bundesfinanzministerium die Tabaksteuer um knapp 15 Prozent anheben, ein zweiter Schritt folgt zum Jahreswechsel. Eine Schachtel, die heute rund 9,20 Euro kostet, klettert damit in vielen Läden über die Zehn-Euro-Marke.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKein anderer Rohstoff wird zugleich so hoch besteuert, so scharf bekämpft und so hartnäckig konsumiert. Rund 1,3 Milliarden Menschen greifen weltweit zu Tabak, obwohl die Weltgesundheitsorganisation dem Konsum jährlich mehr als acht Millionen Tote zurechnet. Diese Doppelrolle aus Genuss und Gift macht die Pflanze zum politisch umstrittensten Agrarrohstoff überhaupt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Tabaksteuer steigt 2026 in zwei Schritten um insgesamt rund 20 Prozent, die Standardschachtel überschreitet danach vielerorts zehn Euro. Der Gesetzentwurf ist noch nicht beschlossen.
- Schon heute kassiert der deutsche Staat rund 62,5 Prozent des Schachtelpreises, allein die Tabaksteuer macht 46,58 Prozent aus.
- China dominiert den Markt: Der Staatskonzern China National Tobacco produziert etwa 44 Prozent aller Zigaretten der Welt, mehr als die vier westlichen Multis zusammen.
- Weltweit rauchen die Menschen mehr als 5,4 Billionen Zigaretten pro Jahr, gewachsen auf einer Ernte von rund 6,4 Millionen Tonnen Rohtabak.
- Schweden zeigt mit einer Raucherquote von 3,7 Prozent, dass der Ausstieg aus der brennenden Zigarette möglich ist, wenn auch über umstrittene Wege.
Bluff oder Wissen? Der Tabak-Check
1Woher stammt der Name des Nervengifts Nikotin?Aufklappen ↓
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2Welches Land förderte 2024 am meisten Rohtabak?Aufklappen ↓
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3Wie viel vom Preis einer deutschen Schachtel geht an den Staat?Aufklappen ↓
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4Welcher Konzern produziert die meisten Zigaretten der Welt?Aufklappen ↓
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5Welches Land gilt seit 2024 als praktisch rauchfrei?Aufklappen ↓
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Was ist Tabak und wie entsteht das Nervengift der Pflanze?
Tabak ist das getrocknete Blatt der Gattung Nicotiana, meist der Art Nicotiana tabacum, einem Nachtschattengewächs und damit engem Verwandten von Kartoffel und Tomate. Die Pflanze bildet in ihren Blättern das Nikotin als natürliches Abwehrgift gegen Fraßinsekten. Was Raucher als Kick empfinden, ist im Ursprung ein Insektizid.
Anders als Erdöl oder Kupfer wächst dieser Rohstoff in einer einzigen Saison. Vom Setzling bis zur Ernte vergehen nur rund drei bis vier Monate, danach folgt die entscheidende Trocknung. Erst sie verwandelt das grüne Blatt in ein lagerfähiges, aromatisches Handelsgut.
Die Trocknungsart prägt die Sorte und den Charakter. Der helle Virginia-Tabak reift in beheizten Scheunen, der Burley trocknet an der Luft, der würzige Orient-Tabak in der Sonne. Diese drei Grundtypen bilden bis heute das Rückgrat fast jeder Zigarettenmischung.
Angebaut wird die Pflanze rund um den Globus, doch die Schwerpunkte liegen klar. China erntete 2024 nach Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO rund 2,1 Millionen Tonnen, gefolgt von Indien mit 758.000 und Brasilien mit 744.000 Tonnen. Zusammen tragen diese drei Länder mehr als die Hälfte der Welternte von etwa 6,4 Millionen Tonnen.
Wer entdeckte Tabak und wie begann der weltweite Rausch?

Lange bevor Europa von der Pflanze wusste, rauchten und kauten die indigenen Völker Amerikas Tabak in Ritualen. Bei den Maya galt der Rauch als Draht zu den Göttern, als heilige Opfergabe und Heilmittel zugleich. Der Konsum war Zeremonie, nicht Gewohnheit.
Mit Christoph Kolumbus kam das Blatt 1492 nach Europa, als ihm Einheimische auf den Karibikinseln getrocknete Tabakblätter schenkten. Zunächst blieb die Neuheit ein Kuriosum. Erst der französische Gesandte Jean Nicot machte sie 1560 am Hof salonfähig, indem er Königin Katharina von Medici Tabak als Wundermittel gegen Migräne empfahl.
Nach ihm heißt bis heute das Nikotin, und aus der vermeintlichen Medizin wurde ein Massenlaster. Über Jahrhunderte blieb das Drehen einer Zigarette Handarbeit, teuer und langsam. Die eigentliche Zeitenwende brachte 1880 eine Maschine.
Der Amerikaner James Bonsack baute eine Rollmaschine, die pro Tag so viele Zigaretten fertigte wie zuvor Dutzende Arbeiterinnen. James Buchanan Duke setzte im Städtchen Durham in North Carolina auf die Erfindung und drückte die Stückkosten radikal. Seine American Tobacco Company wuchs zum Monopol, das der Oberste Gerichtshof der USA 1911 als Trust zerschlug. In Deutschland stieg parallel Reemtsma aus Hamburg zum größten Zigarettenhersteller Europas auf.
Wie hat Tabak die Weltkarte verändert?

Tabak war nie nur ein Genussmittel, sondern von Beginn an ein Instrument der Macht. Die englische Kolonie Virginia überlebte im 17. Jahrhundert überhaupt nur, weil das Blatt sich in Europa verkaufen ließ. Aus dem Anbau erwuchs eine Plantagenwirtschaft, die auf verschleppten Sklaven aus Afrika ruhte.
Getrockneter Tabak diente in den Kolonien zeitweise sogar als Währung, mit der Siedler Steuern und Löhne zahlten. Wie schon beim Kakao zog Europa den Reichtum aus fremden Böden und ließ die Arbeit von Unfreien verrichten. Der Wohlstand floss nach London und Amsterdam, die Lasten blieben in Übersee.
Heute hat sich das Machtzentrum verschoben. Der chinesische Staat hält mit der China National Tobacco Corporation das größte Tabakmonopol der Geschichte und finanziert über dessen Gewinne einen spürbaren Teil seines Haushalts. Rauchen ist dort Staatsgeschäft, nicht nur Privatsache.
Dagegen steht seit 2005 das erste völkerrechtliche Gesundheitsabkommen der Weltgeschichte, die Tabakrahmenkonvention der WHO. Mehr als 180 Staaten haben sie ratifiziert und sich zu Werbeverboten, Warnhinweisen und höheren Steuern verpflichtet. Selten standen sich ein einzelner Rohstoff und die organisierte Staatengemeinschaft so offen gegenüber.
Wo Rohtabak geerntet wird (2024)
Wer die Zigaretten dreht: die eigentliche Macht
Beim Anbau verteilt sich der Markt auf viele Böden, bei der Herstellung ballt sich die Macht bei wenigen Staaten und Konzernen. Genau dort entsteht die politische Schlagkraft der Branche.
Warum ist Tabak für die Weltwirtschaft so wichtig?

Die nüchternen Zahlen sind gewaltig. Weltweit rauchen die Menschen jedes Jahr mehr als 5,4 Billionen Zigaretten, und rund 1,3 Milliarden Erwachsene konsumieren in irgendeiner Form Tabak. Kein legales Suchtmittel erreicht auch nur annähernd diese Verbreitung.
Der Handel folgt einer klaren Hierarchie. Unter den großen Genussmitteln vom Tee bis zum Kaffee ist keines so tödlich und zugleich so lukrativ. Vier westliche Konzerne, Philip Morris International, British American Tobacco, Japan Tobacco und Imperial Brands, teilen sich außerhalb Chinas den Löwenanteil des Weltmarkts.
Für Deutschland ist die Pflanze fast reine Importsache. Der heimische Anbau verschwand nach dem Auslaufen der EU-Beihilfen praktisch vollständig, das Rohmaterial kommt heute aus Brasilien, Indien oder Afrika. Die Wertschöpfung liegt in der Verarbeitung, nicht auf dem Acker.
Zugleich trägt der Rohstoff eine gigantische Schattenrechnung. Die Weltgesundheitsorganisation rechnet dem Tabak jährlich über acht Millionen Tote zu, mehr als sieben Millionen durch direkten Konsum, rund 1,3 Millionen durch Passivrauch. Rund 80 Prozent aller Konsumenten leben in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.
In welchen Produkten steckt Tabak und was verschwindet ohne ihn?

Für die meisten Menschen ist Tabak gleichbedeutend mit der Zigarette, doch das Blatt steckt in einer ganzen Produktfamilie. Zigarre, Pfeifentabak, Kau- und Schnupftabak nutzen das Blatt klassisch, dazu kommt der lange verbreitete schwedische Snus zum Unterlippen-Konsum.
In den letzten fünfzehn Jahren hat sich das Sortiment stark verändert. Die E-Zigarette verdampft ein Liquid, der erhitzte Tabak in Geräten wie dem IQOS verglimmt das Blatt bei niedriger Temperatur, und Nikotinbeutel kommen ganz ohne Tabakblatt aus. Der Markt verschiebt sich vom Verbrennen zum Verdampfen.
Interessant wird die Kipp-Frage, was bei einem Ausfall der Ernte verschwände. Die klassische Zigarette braucht zwingend das Tabakblatt, ein technischer Ersatz fehlt. Ohne Rohtabak stünden alle Glimmstängel der Welt still.
Doch der Wirkstoff selbst ist längst nicht mehr an die Pflanze gebunden. Nikotin lässt sich synthetisch herstellen, weshalb Beutel und viele Liquids auch ohne einen einzigen Acker auskommen. Der Genuss überlebt den Rohstoff, das Verbrennen nicht. Genau diese Trennung entscheidet über die Zukunft der Branche.
Fällt die Ernte aus, steht jede brennende Zigarette still, denn für das Blatt fehlt im Verbrennen jeder Ersatz. Das Nikotin selbst überlebt den Ausfall trotzdem: In Beuteln und vielen Liquids stammt der Wirkstoff aus dem Labor. Der Rauch braucht die Pflanze, der Rausch nicht mehr.
Wie setzt sich der Preis einer Schachtel Zigaretten zusammen?

In Deutschland bezahlt jeder Griff zur Schachtel vor allem den Staat. Anfang 2026 kostete eine Standardpackung mit zwanzig Zigaretten im Schnitt 9,20 Euro. Der Rohstoff Tabak selbst ist darin der kleinste denkbare Posten.
Den größten Brocken kassiert die Tabaksteuer. Sie setzt sich aus einem festen Betrag je Zigarette und einem prozentualen Anteil am Verkaufspreis zusammen und macht laut Statista rund 46,58 Prozent des Schachtelpreises aus. Die Mehrwertsteuer schlägt weitere 15,97 Prozent obendrauf.
Zusammen streicht der Fiskus damit rund 62,5 Prozent jeder Packung ein. Für Hersteller, Großhandel und den Kiosk an der Ecke bleibt der sogenannte Wirtschaftsanteil von etwa 37,45 Prozent, aus dem sämtliche Kosten und Gewinne gedeckt werden. Der Einkauf des Rohtabaks ist darin fast eine Randnotiz.
Diese Kalkulation ist politisch gewollt. Über den Preis soll der Konsum sinken, zugleich fließen jährlich Milliarden in den Haushalt. Genau diese Zwickmühle aus Lenkung und Einnahme prägt jede Debatte über die nächste Steuererhöhung.
Rund 62,5 Prozent jeder Schachtel gehen als Steuer an den Staat. Der eigentliche Rohstoff Tabak ist im Wirtschaftsanteil nur ein kleiner Bruchteil. Beim meistbesteuerten Genussmittel der Welt zahlt der Kunde vor allem Politik.
Wer verdient an Tabak und wer zahlt drauf?

Die Gewinner des Tabakgeschäfts sitzen an den Enden der Kette. Der chinesische Staat, die vier westlichen Konzerne und die Finanzminister der Verbraucherländer teilen sich verlässliche Milliardenerlöse. Für sie ist die Pflanze eine der stabilsten Geldquellen überhaupt.
Ganz unten stehen die Bauern. In Malawi hängt die halbe Volkswirtschaft am Blatt: Tabak macht rund 11 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und über 60 Prozent der Exporterlöse aus, weshalb das Land seinen Hauptrohstoff selbst „grünes Gold“ nennt. Trotzdem bleibt die Bevölkerung bettelarm.
Diese Abhängigkeit ist ein Lehrstück über den Ressourcenfluch. Weil die niedrigen Erzeugerpreise viele Familien zwingen, auf die Arbeit ihrer Kinder zu setzen, dokumentiert das US-Arbeitsministerium in Malawis Tabakanbau seit Jahren Kinderarbeit. Das Muster gleicht dem im Kaffeehandel, wo die Erzeuger den kleinsten Anteil behalten.
Am Ende zahlt eine dritte Gruppe drauf, die in keiner Bilanz auftaucht. Die Rede ist von den Konsumenten, deren Gesundheit die Rechnung begleicht, und von den Sozialsystemen, die die Folgekosten schultern. Der Gewinn ist privat, der Schaden gesellschaftlich.
Kein Rohstoff der Welt wird so hoch besteuert und zugleich so hartnäckig verteidigt wie Tabak. Der deutsche Staat kassiert an jeder Schachtel über sechzig Prozent und finanziert mit diesem Geld ausgerechnet die Folgekosten des Rauchens mit.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie mächtig ist die Tabaklobby?

Über Jahrzehnte war die Tabakindustrie die Blaupause erfolgreicher Interessenpolitik. In den USA bestritt der Verband Tobacco Institute jahrelang die Gesundheitsgefahren, obwohl die eigenen Labore längst Bescheid wussten. Diese Verzögerungstaktik kostete Millionen Menschen das Leben, bevor 1998 ein historischer Vergleich die Konzerne zur Kasse bat.
In Deutschland zeigt sich die Macht der Branche an einem einzigen Datum. Als letztes Land der Europäischen Union verbot die Bundesrepublik erst 2022 die Tabakwerbung auf Plakaten, gestaffelt folgten 2023 die Tabakerhitzer und 2024 die E-Zigaretten. Jahrzehntelang hatte die Lobby jedes strengere Gesetz ausgebremst.
Heute hat sich das Schlachtfeld verschoben. Der Kampf dreht sich um Schockbilder, um einheitliche Verpackungen und um die Frage, wie streng die neuen Verdampferprodukte reguliert werden. Die Konzerne inszenieren sich dabei gern als Wegbereiter der rauchfreien Zukunft, während sie am klassischen Geschäft festhalten.
Wie kommt die Welt vom Tabak los?

Der Ausstieg aus der brennenden Zigarette läuft, aber auf sehr verschiedenen Wegen. Schweden gilt seit 2024 als praktisch rauchfrei, weil die tägliche Raucherquote auf 3,7 Prozent gefallen ist. Den Umschwung trug vor allem der massenhafte Wechsel zum Snus, den der Staat gezielt niedriger besteuert als die Zigarette.
Japan wiederum hat seinen Zigarettenabsatz halbiert, seit sich der erhitzte Tabak durchgesetzt hat. Diese Strategie der Schadensminderung ist umstritten, weil auch die neuen Produkte Nikotin liefern und langfristige Folgen noch offen sind. Anders als beim Tee wandelt sich beim Tabak nicht nur der Geschmack, sondern der Konsum entscheidet über Leben und Tod.
Andere Länder setzen auf das harte Verbot. Neuseeland beschloss 2022 als weltweit erstes Land ein Generationenverbot, das Tabakverkäufe an alle nach 2009 Geborenen untersagt hätte, kassierte das Gesetz 2024 aber wieder ein. Großbritannien verfolgt ein ähnliches Modell weiter, während die Industrie auf synthetisches Nikotin setzt, das die Pflanze überflüssig macht.
Was bedeutet die Tabaksteuer 2026 für Deutschland?

Damit schließt sich der Kreis zum Aufhänger. Zum 1. September 2026 will das Bundesfinanzministerium die Tabaksteuer um knapp 15 Prozent anheben, ein zweiter Schritt von gut fünf Prozent folgt zum Jahreswechsel, macht zusammen rund 20 Prozent. Für die 20er-Schachtel bedeutet allein der erste Schritt einen Aufschlag von etwa 1,18 bis 1,33 Euro.
Für die Verbraucher rückt damit die psychologische Grenze in Sicht. Eine Packung, die heute meist zwischen acht und neun Euro kostet, liegt danach vielerorts über zehn Euro. Gedacht ist die Erhöhung als Lenkungsinstrument, das den Konsum drücken soll.
Doch die Rechnung geht nicht sauber auf. Trotz höherer Sätze erwartet das Bundesfinanzministerium für 2026 ein Minus von 4,2 Prozent bei den Tabaksteuereinnahmen, ein Zeichen, dass die Belastungsgrenze näher rückt. Zugleich wächst der Schwarzmarkt: Die konsumierte Schmuggel- und Fälschungsware stieg auf 1,9 Milliarden Zigaretten, der Steuerausfall kletterte auf 486 Millionen Euro.
Drei Szenarien sind für die kommenden Monate denkbar. Im optimistischen Fall sinkt die Raucherquote spürbar, ohne dass der Schmuggel explodiert. Realistisch dürfte ein Teil der Raucher schlicht auf günstigere Kanäle und Nachbarländer ausweichen, im pessimistischen Fall füttert die Erhöhung vor allem den Schwarzmarkt. Wer aufhören möchte, findet in der Steuererhöhung immerhin einen konkreten Anlass, und Unternehmen im Handel sollten die Margen ihrer Tabakregale neu kalkulieren.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe rund um Tabak

Burley
Burley ist ein luftgetrockneter Tabaktyp mit hohem Nikotingehalt und wenig Eigenzucker. In Zigarettenmischungen sorgt er für Kraft und die gute Aufnahme von Aromen, weshalb er neben Virginia zu den wichtigsten Rohstoffen der Industrie zählt.
China National Tobacco
Die China National Tobacco Corporation ist das staatliche Tabakmonopol der Volksrepublik China. Mit rund 44 Prozent der Weltproduktion stellt sie mehr Zigaretten her als alle westlichen Konzerne zusammen und finanziert einen Teil des chinesischen Staatshaushalts.
Erhitzter Tabak
Erhitzter Tabak bezeichnet Produkte, die echtes Tabakblatt nicht verbrennen, sondern in einem Gerät auf niedrigere Temperaturen bringen. Bekanntestes Beispiel ist der IQOS. Der Ansatz gilt als Schadensminderung, liefert aber weiterhin Nikotin und ist gesundheitlich nicht unbedenklich.
Kipp-Logik
Die Kipp-Logik beschreibt in dieser Reihe die Frage, welche Produkte bei einem Ausfall des Rohstoffs ersatzlos wegfielen. Beim Tabak trifft das die brennende Zigarette, während Nikotinbeutel dank synthetischem Wirkstoff auch ohne die Ernte weiterexistieren.
Nicotiana tabacum
Nicotiana tabacum ist die botanische Bezeichnung des Virginischen Tabaks, der weltweit am häufigsten angebauten Tabakart. Die Pflanze gehört zu den Nachtschattengewächsen und bildet Nikotin als natürliches Abwehrgift gegen Fraßfeinde.
Nikotin
Nikotin ist der wichtigste Wirkstoff des Tabaks, ein stark abhängig machendes Alkaloid. Benannt nach dem Diplomaten Jean Nicot, wirkt das Alkaloid im Gehirn anregend und beruhigend zugleich. Heute gelingt die Herstellung auch synthetisch, unabhängig von der Pflanze.
Nikotinbeutel
Nikotinbeutel sind kleine weiße Kissen für die Oberlippe, die Nikotin ganz ohne Tabakblatt enthalten. Sie zählen zu den am schnellsten wachsenden Produkten der Branche und verschieben den Markt weg vom klassischen Rohstoff.
Ressourcenfluch
Der Ressourcenfluch beschreibt das Paradox, dass rohstoffreiche Länder oft ärmer bleiben als erwartet. Malawi zeigt das Muster: Die extreme Abhängigkeit vom Tabak fesselt die Wirtschaft an schwankende Weltmarktpreise und begünstigt Armut und Kinderarbeit.
Snus
Snus ist ein feuchter, portionierter Tabak für die Oberlippe, traditionell in Schweden verbreitet. Weil er nicht verbrennt, gilt er als weniger schädlich als die Zigarette und gilt als ein Grund für Schwedens niedrige Raucherquote.
Tabakrahmenkonvention
Die Tabakrahmenkonvention ist der erste völkerrechtliche Vertrag der Weltgesundheitsorganisation, in Kraft seit 2005. Mehr als 180 Staaten verpflichten sich darin zu Werbeverboten, Warnhinweisen und höheren Steuern auf Tabakprodukte.
Tabaksteuer
Die Tabaksteuer ist eine Verbrauchsteuer auf Tabakwaren, in Deutschland aus einem festen und einem prozentualen Anteil zusammengesetzt. Sie macht rund 46,58 Prozent des Schachtelpreises aus und dient zugleich der Lenkung und der Staatsfinanzierung.
Virginia-Tabak
Virginia-Tabak ist ein in beheizten Scheunen getrockneter, heller Tabaktyp mit hohem Zuckergehalt und mildem Aroma. Er bildet das Rückgrat der meisten Zigarettenmischungen und ist nach der historischen englischen Kolonie Virginia benannt.
FAQ: Tabak: Der umstrittenste Rohstoff der Welt

Warum werden Zigaretten 2026 teurer?
Zum 1. September 2026 will das Bundesfinanzministerium die Tabaksteuer um knapp 15 Prozent anheben, ein zweiter Schritt von gut fünf Prozent folgt zum Jahreswechsel. Zusammen sind das rund 20 Prozent. Eine 20er-Schachtel verteuert sich allein im ersten Schritt um etwa 1,18 bis 1,33 Euro und liegt danach vielerorts über zehn Euro.
Wie viel Steuer steckt in einer Schachtel Zigaretten?
Rund 62,5 Prozent des Schachtelpreises gehen an den Staat. Die Tabaksteuer allein macht etwa 46,58 Prozent aus, die Mehrwertsteuer weitere 15,97 Prozent. Für Hersteller, Handel und den eigentlichen Rohtabak bleibt nur der Wirtschaftsanteil von rund 37,45 Prozent.
Welches Land produziert den meisten Tabak?
Beim Rohtabak liegt China vorn und erntete 2024 rund 2,1 Millionen Tonnen, etwa ein Drittel der Welternte, vor Indien und Brasilien. Bei den fertigen Zigaretten dominiert der chinesische Staatskonzern China National Tobacco mit rund 44 Prozent der Weltproduktion.
Ist Tabak für die Herstellung von Nikotin noch nötig?
Nicht mehr zwingend. Nikotin lässt sich inzwischen synthetisch im Labor herstellen. Nikotinbeutel und viele Liquids für E-Zigaretten kommen deshalb ohne Tabakblatt aus. Die brennende Zigarette und erhitzter Tabak brauchen die Pflanze dagegen weiterhin.
Warum gilt Schweden als rauchfrei?
Schweden hat die tägliche Raucherquote auf 3,7 Prozent gedrückt und gilt damit als praktisch rauchfrei. Der Hauptgrund ist der breite Umstieg auf Snus, einen Tabak für die Oberlippe, den der Staat deutlich niedriger besteuert als Zigaretten.
Wie viele Menschen sterben weltweit an Tabak?
Die Weltgesundheitsorganisation rechnet dem Tabak jährlich mehr als acht Millionen Todesfälle zu. Über sieben Millionen davon gehen auf direkten Konsum zurück, rund 1,3 Millionen auf Passivrauch. Weltweit konsumieren etwa 1,3 Milliarden Menschen Tabak.
Quellen
Weltgesundheitsorganisation | Tobacco Fact Sheet | https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/tobacco | besucht am 27.07.2026
Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen | Tobacco Production Statistics | https://www.fao.org/faostat/ | besucht am 27.07.2026
Statista | Preiszusammensetzung einer Schachtel Zigaretten in Deutschland 2026 | https://de.statista.com/statistik/daten/studie/215574/umfrage/preiszusammensetzung-einer-schachtel-zigaretten-in-deutschland/ | besucht am 27.07.2026
Biallo | Tabaksteuer 2026: Zweite Erhöhung kommt | https://www.biallo.de/verbraucherschutz/news/tabaksteuer-doppelerhoehung-2026-wann-kommt-der-zweite-preisschlag-und-was-tun/ | besucht am 27.07.2026
STOP Exposetobacco | China National Tobacco Corporation Global Expansion | https://exposetobacco.org/resource/china-national-tobacco-corporation/ | besucht am 27.07.2026
US Department of Labor | Child and Forced Labor in the Malawi Tobacco Supply Chain | https://www.dol.gov/sites/dolgov/files/ILAB/Supply-Chain-Malawi-Tobacco-508.pdf | besucht am 27.07.2026
Ecigator | Sweden Becomes World’s First Smoke-Free Country | https://ecigator.com/news/sweden-first-smoke-free-country-snus/ | besucht am 27.07.2026
Deutscher Bundesdrogenbeauftragter | Bundesrat beschließt Verbot der Tabakaußenwerbung | https://www.bundesdrogenbeauftragter.de/presse/detail/bundesrat-beschliesst-verbot-der-tabakaussenwerbung/ | besucht am 27.07.2026