Tee: Wer trinkt, wer pflückt, wer kassiert?

Michael Dobler
Autor Dr. Web
16 Min. Lesezeit
Tee: Wer trinkt, wer pflückt, wer kassiert?

Der Tee in Ihrer Tasse stammt aus einer Lieferkette, die heute fragiler ist als je zuvor. In Darjeeling fällt zu wenig Regen, in Kenia verbrennt zu viel Sonne die Blätter, in China ersäuft die Ernte im Starkregen.

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Kaffee und Kakao haben 2025 Rekordpreise erreicht. Das drittwichtigste Genussmittel der Welt steht vor demselben Schock.

Die Geschichte dieses Blatts erklärt ein Paradox. Ausgerechnet die Länder, die den Tee anbauen, verdienen am wenigsten an ihm.

Das Wichtigste in Kürze

  • China erntet über 40 Prozent des weltweiten Tees und hält damit eine Dominanz, die schon im 18. Jahrhundert ganze Imperien in Abhängigkeit getrieben hat.
  • Deutschland importierte zuletzt mehr als 46.000 Tonnen Tee im Wert von rund 209 Millionen Euro, der Großteil aus Sri Lanka, Indien und China.
  • Der Weltmarktpreis lag 2023 bei durchschnittlich 2,74 US-Dollar je Kilogramm, ein Bruchteil dessen, was die fertige Tasse im Handel kostet.
  • Die Teepflanze wächst nur in engen klimatischen Korridoren, weshalb der Klimawandel die Anbaugebiete direkt bedroht.
  • Opiumkriege, Boston Tea Party und ein britischer Botanik-Spion haben gemeinsam die Weltkarte des Teehandels gezeichnet, deren Strukturen bis heute nachwirken.

Kaffee oder Tee?

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Wie gut kennen Sie die Geschichte des Tees?
Zehn Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Aus welcher Pflanze entstehen Schwarztee, Grüntee, Oolong und Weißtee? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Alle echten Teesorten stammen von Camellia sinensis. Den Unterschied macht nicht die Pflanze, sondern der Grad der Oxidation nach der Ernte.
2 Was entscheidet, ob aus dem Blatt Grüntee oder Schwarztee wird? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Grüner Tee wird vor der Oxidation erhitzt, schwarzer Tee oxidiert vollständig. Oolong liegt dazwischen. Die Verarbeitung entscheidet, nicht die Sorte.
3 Welches Land erntet heute über 40 Prozent des weltweiten Tees? Aufklappen ↓
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Richtig: C. China dominiert die Welternte mit über 40 Prozent, gefolgt von Indien und Kenia. Diese Dominanz reicht historisch bis ins China-Monopol des 18. Jahrhunderts zurück.
4 Womit bezahlten die Europäer den chinesischen Tee zunächst fast ausschließlich? Aufklappen ↓
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Richtig: B. China wollte fast nur Silber, das in gewaltigen Mengen nach Osten abfloss. Dieses Handelsdefizit trieb Großbritannien später in den Opiumschmuggel.
5 Was war der eigentliche Auslöser des Ersten Opiumkriegs? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Großbritannien finanzierte den Tee-Import mit Opiumschmuggel nach China. Als China 1839 eingriff, antwortete London mit Kanonenbooten.
6 Was geschah 1773 bei der Boston Tea Party? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Siedler warfen die Teeladung dreier Schiffe ins Hafenbecken, aus Protest gegen die Teesteuer ohne Mitspracherecht. Der Vorfall gilt als Funke der Amerikanischen Revolution.
7 Wer schmuggelte 1848 Tausende Teepflanzen aus China nach Indien? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Der schottische Botaniker Robert Fortune drang verkleidet in verbotene Anbaugebiete vor. Sein Diebstahl beendete das chinesische Monopol und legte das Fundament für die Plantagen in Assam und Darjeeling.
8 An welchen Handelsplätzen orientiert sich der Teepreis traditionell? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Anders als Öl oder Gold wird Tee nicht an einer großen Börse gehandelt. Der Preis orientiert sich an den Auktionen in Mombasa, Colombo und Kalkutta.
9 Wie viel von einem Euro für Markentee erreicht ungefähr die Plantage? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Selten mehr als zehn Cent landen bei Rohtee, Erzeugerland und Pflückern. Den größten Anteil verschlingen Markenaufschlag, Verpackung und Handel im Verbraucherland.
10 Warum bedroht der Klimawandel den Teeanbau besonders stark? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Tee wächst nur in engen klimatischen Korridoren. Unregelmäßiger Regen, Dürre und Starkregen treffen die Anbaugebiete direkt, ähnlich wie bereits bei Kaffee und Kakao zu beobachten.

Wie entsteht aus einem einzigen Blatt das Lieblingsgetränk der Welt?

Grüner Teetrieb mit zwei Blättern und einer Knospe auf weißem Hintergrund mit Schatten
Alle Teesorten stammen von der Camellia-sinensis-Pflanze. Die Behandlung nach der Ernte bestimmt die Sorte: Grüntee wird erhitzt, Schwarztee oxidiert vollständig, Oolong liegt dazwischen

Hinter Schwarztee, Grüntee, Oolong und Weißtee steckt eine einzige Pflanze: Camellia sinensis. Den Unterschied macht nicht die Sorte, sondern die Behandlung der Blätter nach der Ernte.

Grüner Tee wird vor der Oxidation erhitzt. Schwarzer Tee oxidiert vollständig, Oolong liegt dazwischen.

Aus demselben Strauch entsteht so eine Geschmackspalette von grasig-frisch bis malzig-dunkel. Diese Logik findet sich bei kaum einem anderen Genussmittel so radikal, denn beim Wein entscheidet die Rebsorte, beim Tee fast nur die Verarbeitung.

Die Pflanze stellt klare Ansprüche an ihren Standort. Sie braucht Höhenlagen, gleichmäßige Niederschläge und milde Temperaturen ohne Frost.

Genau diese Bedingungen finden sich nur in einem schmalen Gürtel der Tropen und Subtropen. Hochlagen in China, im indischen Assam, in den Bergen von Sri Lanka und im kenianischen Hochland bilden das Rückgrat der Weltproduktion.

Die besten Qualitäten wachsen langsam und hoch. Darjeeling aus dem Himalaya-Vorland gilt als der „Champagner unter den Tees“, weil die dünne Höhenluft das Wachstum bremst und die Aromen verdichtet.

Wer machte aus einem Bauerngetränk einen Weltrausch?

Alte chinesische Teebox aus dunklem Holz mit Metallbeschlägen und Quaste vor weißem Hintergrund
Eine Kiste wie diese löste 1773 in Boston eine Revolution aus.

Tee wurde in China schon vor über tausend Jahren getrunken, lange bevor Europa überhaupt davon wusste. Buddhistische Mönche schätzten ihn als Wachhalter bei der Meditation.

Nach Europa kam das Getränk erst im 17. Jahrhundert über die Handelsschiffe der Niederländer. Die Portugiesen hatten zuvor den Seeweg nach Asien erschlossen und damit die Tür geöffnet.

In England wurde Tee zur nationalen Obsession. Die Britische Ostindien-Kompanie sicherte sich das Geschäft und machte das Blatt zur wichtigsten Importware des Empire.

Der Haken lag im Bezahlen. China wollte für seinen Tee fast ausschließlich Silber, und das floss in gewaltigen Mengen nach Osten ab.

Diese einseitige Abhängigkeit erzeugte ein Handelsdefizit, das London zunehmend bedrohlich fand. Aus diesem Ungleichgewicht ist eine der dunkelsten Episoden der Handelsgeschichte entstanden.

Wie hat Tee die Weltkarte verändert?

Alte Weltkarte als Schriftrolle mit Hanfseil gebunden und getrocknetem Blatt auf Weiß
Sucht, Diebstahl und Zwangsarbeit haben die heutige Landkarte des Teehandels gezeichnet.

Tee ist nie nur ein Getränk gewesen. Das Blatt hat Grenzen verschoben, Kriege ausgelöst und einen ganzen Subkontinent in eine Plantagenökonomie verwandelt.

Wie führte eine Tasse Tee in den Opiumkrieg?

Um den Silberabfluss zu stoppen, suchte die Ostindien-Kompanie eine Ware, die sich in China verkaufen ließ. Die Wahl fiel auf Opium aus den Mohnfeldern Britisch-Indiens.

Britische Händler schmuggelten das Rauschmittel in immer größeren Mengen ins Land. Millionen Chinesen wurden abhängig, und das Silber floss nun zurück nach Westen.

Als die chinesische Regierung 1839 hart durchgriff und Opiumbestände vernichten ließ, antwortete London mit Kanonenbooten. Der Erste Opiumkrieg endete 1842 mit einer Demütigung Chinas.

China musste Häfen öffnen und Hongkong abtreten. Eine Sucht nach Tee hatte über den Umweg einer zweiten Sucht ein Weltreich in die Knie gezwungen.

Was geschah wirklich bei der Boston Tea Party?

Auf der anderen Seite des Globus löste dasselbe Blatt eine Revolution aus. Die britische Krone besteuerte den Tee in ihren amerikanischen Kolonien und beharrte auf dem Monopol der Ostindien-Kompanie.

1773 enterten aufgebrachte Siedler in Boston drei Schiffe und warfen die gesamte Teeladung ins Hafenbecken. Dieser Protest gegen Steuern ohne Mitspracherecht gilt als Funke der Amerikanischen Revolution.

Ein Getränk wurde so zum Symbol des Widerstands. Die heutige Tea-Party-Bewegung in den USA beruft sich bis heute auf diesen Moment.

War der größte Teediebstahl der Geschichte ein Botaniker?

Die Briten wollten ihre Abhängigkeit von China beenden und beschlossen, den Tee selbst anzubauen. Dafür brauchten sie die Pflanzen und das streng gehütete Herstellungsgeheimnis, beides exklusiv in chinesischer Hand.

Die Ostindien-Kompanie schickte 1848 den schottischen Botaniker Robert Fortune auf eine Mission, die jeden Spionagethriller schlägt. Er verkleidete sich als chinesischer Händler, rasierte den Kopf und drang in verbotene Anbaugebiete vor.

Fortune schmuggelte Tausende Teepflanzen und Setzlinge sowie erfahrene Teemacher nach Indien. Für das fünffache Jahresgehalt vollzog er einen der folgenreichsten Akte der Industriespionage überhaupt.

Sein Diebstahl legte das Fundament für die Plantagen in Assam und Darjeeling. China verlor sein Monopol, und Indien wurde binnen Jahrzehnten zur Teemacht.

Wer pflückte den Tee des Empire?

Die neuen Plantagen brauchten billige Arbeitskraft in gewaltigem Umfang. Die Kolonialverwaltung holte Hunderttausende Arbeiter unter Vertragsknechtschaft, dem System der Indentur.

Diese Menschen lebten faktisch unfrei und schufteten unter brutalen Bedingungen. Die ethnischen Spannungen in Sri Lanka, die später in einen Bürgerkrieg mündeten, wurzeln zum Teil in dieser Verpflanzung von Arbeitskräften.

Die Landkarte des heutigen Teehandels ist also kein Zufall. Sie ist das direkte Erbe von Sucht, Diebstahl und kolonialer Zwangsarbeit.

Warum hängt der Welthandel an drei Auktionshäusern?

Ein Holzhammer und ein Haufen getrockneter Teeblätter vor weißem Hintergrund
In Mombasa, Colombo und Kalkutta entscheidet sich, was die Welt für Tee zahlt.

Der globale Teepreis entsteht nicht an einer großen Börse wie bei Öl oder Gold. Er orientiert sich an den Verkäufen in drei historischen Handelsplätzen: Mombasa, Colombo und Kalkutta.

Die Mengen sind beachtlich. Die weltweite Erntemenge erreichte zuletzt eine Größenordnung von mehreren Millionen Tonnen pro Jahr, kultiviert auf rund 5,3 Millionen Hektar.

China dominiert die Produktion mit über 40 Prozent, gefolgt von Indien und Kenia. Kenia hat sich dabei zum wichtigsten Exporteur von Schwarztee entwickelt, weil die heimische Produktion kaum im Land bleibt.

Deutschland importierte zuletzt mehr als 46.000 Tonnen im Wert von rund 209 Millionen Euro. Der Großteil dieser Lieferungen kam aus Sri Lanka, Indien und China.

Der durchschnittliche Weltmarktpreis lag 2023 bei 2,74 US-Dollar je Kilogramm. Beim ECB-Referenzkurs vom 5. Juni 2026 von 1,1640 Dollar je Euro entspricht das rund 2,35 Euro je Kilogramm Rohtee.

Kennzahl Wert Bezug
Größter Produzent China über 40 % der Welternte
Wichtigste Exporteure Kenia, China Schwarztee bzw. Gesamtmenge
Anbaufläche weltweit rund 5,3 Mio. Hektar tropische und subtropische Hochlagen
Weltmarktpreis 2023 2,74 US-Dollar/kg rund 2,35 Euro/kg
Deutsche Importe über 46.000 Tonnen rund 209 Mio. Euro
Hauptlieferanten Deutschlands Sri Lanka, Indien, China nach Importwert

Diese Struktur ähnelt jener anderer Agrarrohstoffe. Wer die Parallelen sucht, findet sie in unserer Stoffgeschichte zur Baumwolle, die ein fast identisches Muster aus Kolonialerbe und Zwangsarbeit zeigt.

Was steckt in Tee außer Wasser und Blatt?

Weiße Cremedose und grünes Blatt auf weißem Grund
Grüntee-Extrakt steckt längst in Creme, Zahnpasta und Energydrink.

Tee landet längst nicht nur in der Tasse. Die Extrakte der Pflanze stecken in einer überraschenden Bandbreite von Alltagsprodukten.

Grüntee-Extrakt findet sich in Kosmetik, Zahnpasta und Nahrungsergänzungsmitteln. Das enthaltene Koffein macht ihn zudem zum Rohstoff für Energydrinks und Schlankheitsprodukte.

Die Gerbstoffe der Pflanze, die Tannine, werden zum Färben und Gerben genutzt. Selbst in der Lederverarbeitung spielte Tee historisch eine Rolle.

Produktkategorie Konkretes Beispiel Genutzter Bestandteil
Kosmetik Anti-Aging-Cremes Grüntee-Polyphenole
Getränkeindustrie Eistee, Energydrinks Koffein, Aroma
Nahrungsergänzung Diätkapseln Grüntee-Extrakt
Mundpflege Zahnpasta Fluorid-Tannin-Kombination
Aromatherapie Duftöle ätherische Verbindungen

Der größte Teil der Welternte fließt dennoch in das klassische Heißgetränk. Die Nebenverwendungen wachsen jedoch schneller als der Grundmarkt.

Wie setzt sich der Preis einer Tasse Tee zusammen?

Aufgeschnittener Earl-Grey-Teebeutel mit verschütteten Teeblättern und Etikett auf weißem Grund
Von einem Euro im Laden erreicht die Plantage selten mehr als zehn Cent.

Eine Tasse Tee kostet im Supermarkt nur wenige Cent. Diese Rechnung verschleiert, wie wenig vom Geld jemals beim Erzeuger ankommt.

Bei einem typischen Beutel Schwarztee macht der eigentliche Rohstoff nur einen Bruchteil des Endpreises aus. Den größeren Anteil verschlingen Verarbeitung, Verpackung, Markenaufschlag und Handel.

Das folgende Szenario zeigt die grobe Aufteilung bei einer Packung Markentee im deutschen Einzelhandel. Die Werte sind eine modellhafte Annäherung, keine Herstellerangabe.

Preisbestandteil Ungefährer Anteil Wer kassiert
Rohtee ab Plantage 10 bis 15 % Erzeugerland, Pflücker
Verarbeitung, Mischung 15 bis 20 % Verarbeiter
Verpackung, Logistik 15 bis 20 % Zulieferer, Spediteure
Markenaufschlag, Marketing 25 bis 30 % Markenkonzern
Handelsmarge, Mehrwertsteuer 20 bis 30 % Einzelhandel, Staat

Die Schieflage ist offensichtlich. Von einem Euro im Laden erreicht die Plantagenarbeiterin in Assam oder Kenia selten mehr als zehn Cent.

Wer verdient am Tee und wer zahlt drauf?

Digitale Holzwaage zeigt 12,87g mit Teeblättern und Goldmünze
Die Gewinne sammeln sich am Ende der Kette, die Risiken am Anfang.

Die Wertschöpfung beim Tee folgt einem bekannten Muster. Die Gewinne konzentrieren sich am Ende der Kette, die Risiken am Anfang.

Pflückerinnen auf den Plantagen verdienen vielerorts Hungerlöhne und arbeiten unter Bedingungen, die an die Kolonialzeit erinnern. Frauen tragen dabei die Hauptlast der Ernte, weil ihre Finger als geschickter gelten.

Die Erzeugerländer sitzen in einer klassischen Rohstofffalle. Sie liefern den billigen Rohstoff und importieren teure Markenprodukte zurück, ein Mechanismus, den Ökonomen vom Erdöl bis zum Kakao kennen.

Norwegen hat diese Falle bei seinen Rohstoffen umschifft, andere Länder sind daran zerbrochen. Bei kritischen Rohstoffen zeigt sich dasselbe Muster, wie unsere Stoffgeschichte zu den Seltenen Erden ausführt.

Ein Markenkonzern wie Teekanne verdient mit Aroma und Verpackung mehr als ganze Plantagenregionen mit dem Anbau, und kein Fairtrade-Siegel hat daran bisher strukturell etwas geändert.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Fairtrade-Initiativen versuchen, den Erzeugern einen größeren Anteil zu sichern. Die Wirkung bleibt begrenzt, solange der Markenaufschlag die eigentliche Gewinnquelle ist.

Wie mächtig ist die Tee-Industrie?

Eine hellblaue Pappschachtel und getrocknete Teeblätter vor weißem Hintergrund
Der Markenaufschlag ist die eigentliche Gewinnquelle der Tee-Industrie.

Der Welthandel mit Tee wird von wenigen großen Konzernen kontrolliert. Diese Unternehmen sitzen in den Verbraucherländern, nicht in den Anbaugebieten.

In Deutschland dominiert Teekanne den Markt mit einem Umsatz von über 307 Millionen Euro im letzten Geschäftsjahr. International haben Konsumgüterriesen über Jahrzehnte ganze Markenportfolios aufgebaut.

Die Branche vermarktet ihr Produkt geschickt als gesund, natürlich und nachhaltig. Dieses Framing lenkt von den Arbeitsbedingungen auf den Plantagen ab.

Zertifizierungssiegel spielen dabei eine doppelte Rolle. Sie verbessern reale Bedingungen, dienen den Konzernen aber zugleich als Marketinginstrument, das höhere Preise rechtfertigt.

Wie übersteht Tee den Klimawandel?

Verwelktes und frisches Blatt im Kontrast auf weißem Grund
Dürre und Starkregen bedrohen die engen Korridore, in denen Tee überhaupt wächst.

Die Teepflanze reagiert empfindlich auf jede Abweichung vom gewohnten Klima. Bereits kleine Verschiebungen bei Regen und Temperatur bedrohen die etablierten Anbaugebiete.

In Darjeeling und Sri Lanka kämpfen die Erzeuger mit immer unregelmäßigeren Niederschlägen. In China schadet zu viel Regen der Ernte, in Kenia verbrennt die Sonne die Blätter.

Die Branche sucht nach Auswegen. Forscher entwickeln hitzeresistente Sorten, und einige Plantagen verlagern den Anbau in höhere, kühlere Lagen.

Auch die Reststoffe der Produktion rücken in den Fokus. Teesatz und Schnittabfälle lassen sich zu Dünger, Verpackung oder Biogas verarbeiten, ein noch junger Zweig der Kreislaufwirtschaft.

Ein vollständiger Ausstieg aus den klimatisch bedrohten Regionen bleibt unrealistisch. Die geeigneten Flächen sind schlicht zu knapp, ein Problem, das auch andere Naturrohstoffe wie Holz kennen.

Was bedeutet die Tee-Klimakrise für Deutschland?

Dampfende Teetasse mit angehängtem Preisschild (€14.50 p. Stk.) auf weißem Grund
Steigende Weltmarktpreise erreichen die deutschen Regale mit kurzer Verzögerung.

Deutschland ist als großer Importeur direkt betroffen. Steigende Weltmarktpreise erreichen die deutschen Regale mit kurzer Verzögerung.

Für Verbraucher bedeutet das spürbar teureren Tee in den kommenden Jahren. Für teeverarbeitende Unternehmen steigt der Druck auf Einkaufspreise und Lieferketten.

Die folgenden drei Szenarien skizzieren mögliche Entwicklungen bis 2030. Sie sind eine redaktionelle Einordnung, keine gesicherte Prognose.

Szenario Annahme Folge für Deutschland
Optimistisch Anpassung gelingt, neue Sorten greifen Preise stabil, leichte Verteuerung
Realistisch Wetter bleibt volatil, Ernten schwanken spürbar höhere Preise, mehr Mischtees
Pessimistisch Mehrere Ernten fallen gleichzeitig aus Tee wird zur teuren Nische, Qualitätsverlust

Unternehmen sollten ihre Beschaffung breiter aufstellen und Lieferantenbeziehungen frühzeitig sichern. Wer auf Tee als Produkt setzt, sollte schon heute über alternative Bezugsquellen und Sorten nachdenken.

Verbraucher müssen den Tee deshalb nicht aufgeben. Ein bewusster Blick auf Herkunft und Siegel hilft, die Erzeuger zu stützen und die eigene Versorgung abzusichern.

Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe rund um Tee

Ein Trieb mit grünen Blättern wächst aus einem aufgeschlagenen alten Buch auf weißem Grund
Vierzehn Begriffe, die den Weg vom Blatt zur Tasse erklären.

Camellia sinensis

Camellia sinensis ist die botanische Bezeichnung der Teepflanze. Aus ihren Blättern entstehen je nach Verarbeitung alle echten Teesorten von Grüntee bis Schwarztee.

Oxidation

Die Oxidation beschreibt die enzymatische Reaktion der Teeblätter mit Sauerstoff nach dem Pflücken. Der Grad der Oxidation entscheidet über Farbe, Aroma und Sorte des fertigen Tees.

Assam

Assam ist eine Region im Nordosten Indiens und das größte zusammenhängende Teeanbaugebiet der Welt. Der dort gewonnene kräftige Schwarztee bildet die Basis vieler Mischungen.

Darjeeling

Darjeeling bezeichnet ein Hochland-Anbaugebiet im indischen Himalaya-Vorland. Der dortige Tee gilt wegen seines feinen Aromas als besonders hochwertig und teuer.

Ostindien-Kompanie

Die Ostindien-Kompanie war eine britische Handelsgesellschaft mit eigenen Armeen und staatsähnlicher Macht. Sie kontrollierte über Jahrhunderte den Tee- und Opiumhandel zwischen Asien und Europa.

Opiumkriege

Die Opiumkriege waren zwei militärische Konflikte zwischen Großbritannien und China im 19. Jahrhundert. Auslöser war der britische Opiumschmuggel zur Finanzierung des Teehandels.

Indentur

Die Indentur war ein System der Vertragsknechtschaft, unter dem Arbeiter für Jahre unfrei auf Plantagen schuften mussten. Die Kolonialmächte ersetzten damit die abgeschaffte Sklaverei.

Tannine

Tannine sind die Gerbstoffe im Tee, die für den herben Geschmack sorgen. Sie werden auch industriell zum Gerben von Leder und zum Färben genutzt.

Camellia-Gürtel

Der Camellia-Gürtel bezeichnet die schmale klimatische Zone in Tropen und Subtropen, in der Tee gedeiht. Hochlagen mit gleichmäßigem Regen bilden die idealen Bedingungen.

Mombasa-Auktion

Die Mombasa-Auktion im kenianischen Hafen ist einer der wichtigsten Handelsplätze für Schwarztee. Die dort erzielten Preise prägen den afrikanischen Teemarkt.

Orthodoxer Tee

Orthodoxer Tee entsteht durch schonende, traditionelle Verarbeitung mit ganzen Blättern. Das Gegenstück ist die maschinelle CTC-Methode für Massenware.

CTC-Methode

Die CTC-Methode steht für Crush, Tear, Curl und zerkleinert die Blätter maschinell. Das Verfahren liefert kräftigen, schnell ziehenden Tee für Beutel und Mischungen.

Resource Curse

Der Resource Curse beschreibt das Paradox, dass rohstoffreiche Länder oft ärmer bleiben. Die Abhängigkeit vom Rohstoffexport bremst andere Wirtschaftszweige aus.

Fairtrade

Fairtrade ist ein Zertifizierungssystem, das Erzeugern Mindestpreise und Sozialprämien sichern soll. Die strukturelle Wirkung bleibt begrenzt, weil der Markenaufschlag im Verbraucherland verbleibt.

 

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Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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