
Baumwolle: Was steckt wirklich in Ihrem T-Shirt?
Michael Dobler
Autor Dr. WebBaumwolle ist der Stoff, auf dem die Industrielle Revolution gebaut wurde. Heute trägt fast jeder Mensch auf der Welt täglich etwas aus dieser Pflanze. Gleichzeitig liefert Xinjiang, die abgeschottete Provinz im Nordwesten Chinas, rund ein Fünftel der weltweiten Baumwollernte. Inmitten eines industriellen Systems der Unterdrückung. Was mit dem Begriff „nachhaltiger Rohstoff“ beschönigt wird, hat eine Geschichte, die von Sklavenmärkten in Mississippi über ausgetrocknete Seen in Usbekistan bis zu giftigen Billigkleidern im Atacama-Wüstenstaub reicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Baumwolle macht rund 40 Prozent aller weltweit verarbeiteten Textilfasern aus und ist nach wie vor der wichtigste Naturrohstoff der Modeindustrie.
- Für ein einziges Kilogramm Rohbaumwolle werden im Durchschnitt rund 10.000 Liter Wasser verbraucht. Aus einem Kilogramm lassen sich vier T-Shirts herstellen.
- Die Provinz Xinjiang in China produziert heute etwa 20 Prozent der weltweiten Baumwolle. Für die Ernte werden nachweislich Angehörige muslimischer Minderheiten als Zwangsarbeiter eingesetzt.
- Der Aralsee, einst viertgrößter Binnensee der Welt, ist zu mehr als 90 Prozent ausgetrocknet. Ursache: sowjetischer Baumwollanbau mit gigantischen Bewässerungssystemen.
- Shein stellt täglich 6.000 bis 9.000 neue Designs online. Jeden Tag erreichen rund 400.000 Pakete von Shein und Temu Deutschland, per Luftfracht.
STEHT DIESE GESCHICHTE.
Wie entsteht Baumwolle und warum ist sie so besonders?

Die Baumwollpflanze gehört zur Gattung Gossypium und wächst ausschließlich in tropischen und subtropischen Regionen zwischen dem 45. nördlichen und dem 35. südlichen Breitengrad. Was wir als Baumwolle kennen, ist der Samenmantel der Pflanze: feine Zellulosehaare, die die Samenkapseln umhüllen und nach der Reife aufplatzen. Jede Faser besteht zu fast 90 Prozent aus Zellulose.
Das Besondere an Baumwolle ist ihre Kombination aus Weichheit, Atmungsaktivität, Saugfähigkeit und Färbbarkeit. Wolle wärmt besser, Seide glänzt mehr, Leinen hält länger. Keine andere Naturfaser lässt sich so vielfältig verarbeiten, so günstig erzeugen und so einfach reinigen. Baumwolle erträgt Kochwäsche. Baumwolle lässt sich bedrucken, besticken, zu Denim weben oder zu feinstem Batist spinnen.
Die Pflanze stellt dabei extreme Ansprüche an das Wasser. In der Wachstumsphase braucht sie viel davon, in der Reifephase schadet Feuchtigkeit. Das führt dazu, dass großflächiger Anbau oft in eigentlich trockenen Regionen mit künstlicher Bewässerung stattfindet. Die ökologischen Konsequenzen davon kann man bis heute auf Satellitenbildern sehen.
Weltweit wurden 2024 rund 72 Millionen Tonnen Baumwolle geerntet. Die größten Produzenten sind China und Indien, gefolgt von Brasilien, den USA, Pakistan und Australien. Die gesamte Anbaufläche liegt bei über 28 Millionen Hektar. Zum Vergleich: Deutschland hat rund 35 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche.
Wann wurde Baumwolle zum Rohstoff der Macht?

Die Geschichte der Baumwolle ist mindestens 7.000 Jahre alt. Im heutigen Indien und Pakistan, im mexikanischen Hochland und im Küstenbereich Perus haben Menschen die Pflanze unabhängig voneinander domestiziert. In Indien war Baumwolle bereits um 3000 vor Christus ein Handelsgut, indische Stoffe galten in der Antike als das Feinste, was man tragen konnte.
Europa entdeckte Baumwolle durch die arabischen Händler und später durch die Kolonialmächte. In England kleideten sich die Menschen bis ins 17. Jahrhundert vor allem in Wolle und Leinen. Baumwolle war teuer und exotisch. Das änderte sich durch eine Reihe technologischer Erfindungen, die sich gegenseitig beschleunigten.
1764 entwickelte der englische Weber James Hargreaves die Spinning Jenny, eine Spinnmaschine, die mehrere Fäden gleichzeitig drehen konnte. Wenige Jahre später folgte Richard Arkwrights wasserradbetriebene Spinnmaschine. Diese Maschinen machten Baumwollstoff radikal günstiger. Der Bedarf explodierte. Und mit dem Bedarf an Baumwolle wuchs der Bedarf an Menschen, die sie ernteten.
1793 erfand der Amerikaner Eli Whitney die Cotton Gin, eine Egreniermaschine, die Baumwollfasern maschinell von den Samenkörnern trennte. Nach Whitneys Erfindung konnte ein einziger Mensch das Dreißigfache der vorherigen Tagesleistung verarbeiten. Die Plantagen brauchten nicht weniger, sondern mehr Arbeitskräfte für die Ernte. Fast zwei Millionen Sklaven arbeiteten Mitte des 19. Jahrhunderts auf über 74.000 Baumwollplantagen in den amerikanischen Südstaaten.
In Deutschland wurde Baumwolle erst im 19. Jahrhundert zum Schlüsselrohstoff. Die Textilindustrie erwirtschaftete 1897 rund 36 Prozent mehr als die Kohle und 45 Prozent mehr als Eisen und Stahl zusammen. Rohbaumwolle kam aus den amerikanischen Südstaaten über Bremen, das zum wichtigsten Rohbaumwollumschlagplatz Kontinentaleuropas wurde.
Wie hat Baumwolle die Weltkarte neu gezeichnet?

Baumwolle ist keine Pflanze. Baumwolle ist Politik. Wer verstehen will, warum bestimmte Länder arm geblieben sind, warum bestimmte Grenzen so verlaufen wie sie verlaufen, und warum Zwangsarbeit im 21. Jahrhundert kein historisches Phänomen ist, muss die Baumwollgeschichte kennen.
Die East India Company, gegründet 1600, war das erste multinationale Unternehmen der Geschichte. Ihr ursprüngliches Geschäftsmodell war einfach: indische Baumwollstoffe kaufen und in Europa und Afrika zu vielfachem Preis verkaufen. Indische Weber waren die besten der Welt. England ließ diesen Wettbewerb nicht zu. Hohe Einfuhrzölle und direkte Verbote schützten die englische Textilindustrie. Das British Empire machte Indien zum Rohstofflieferanten und zum Absatzmarkt für englische Fertigwaren. Mahatma Gandhis Spinnrad war kein nostalgisches Symbol. Gandhi webte seine eigene Baumwolle, weil der Boykott englischer Stoffe die Grundlage der Unabhängigkeitsbewegung war.
In den amerikanischen Südstaaten entstand das „Cotton Kingdom“. Senator James Henry Hammond erklärte 1858 vor dem US-Senat: „Cotton is king.“ Fast zwei Millionen versklavte Menschen ernteten die Pflanze, die Europa reich machte. Der amerikanische Sezessionskrieg von 1861 bis 1865 war in seinem Kern ein Krieg um Baumwolle und die Frage, wer die Arbeit dafür leisten soll. Rund 620.000 Menschen starben.
In Zentralasien zwang Stalin ab den 1930er Jahren die Sowjetrepubliken, riesige Baumwollmonokultur-Flächen anzulegen. Der Aralsee wurde als „nutzloser Verdampfer“ bezeichnet. Das Wasser der Zuflüsse wurde über tausende Kilometer Kanäle auf die Felder abgeleitet. Der See, mit 68.000 Quadratkilometern so groß wie Bayern, begann zu schrumpfen. Heute sind über 90 Prozent des Wassers verschwunden. Zurück geblieben ist eine Salzwüste namens Aralkum, geprägt von Pestizidrückständen aus dem Baumwollanbau.
Die USA subventionieren ihre Baumwollfarmer massiv: Zwischen 1995 und 2020 erhielten amerikanische Baumwollproduzenten Subventionen von über 35 Milliarden US-Dollar. Diese Subventionen drücken den Weltmarktpreis und machen es afrikanischen Kleinbauern unmöglich, kostendeckend zu produzieren. Die Welthandelsorganisation verurteilte die US-Subventionen 2004 als illegal. Geändert hat sich wenig.
In Xinjiang kontrolliert China heute rund ein Fünftel der Weltproduktion. Satellitenanalysen zeigen, dass in bestimmten Hochpreisregionen wie Kashgar rund 96 Prozent der Baumwollfelder von Menschen statt von Maschinen geerntet wurden. Selbst gut aufgestellte Marken können auf den unteren Lieferkettenebenen nicht vollständig ausschließen, dass Xinjiang-Fasern eingeflossen sind, weil Baumwollfasern in Spinnereien aus verschiedenen Ursprungsländern vermischt werden. Im März 2026 erklärte Uniqlo-Gründer Tadashi Yanai gegenüber der BBC, seine Marke verwende keine Baumwolle aus Xinjiang. In chinesischen sozialen Medien war der Hashtag dazu zeitweise auf Platz zwei der meistgeklickten Themen.
„Die Baumwollpflanze ist harmlos, solange niemand weiß, wie viel Macht darin steckt. Sobald jemand es weiß, ist sie gefährlicher als Öl.“ — Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was steckt alles in Baumwolle außer Kleidung?

Das Offensichtliche sind T-Shirts, Jeans, Unterwäsche, Handtücher, Bettwäsche. Was die meisten Menschen nicht wissen: Baumwolle findet sich in weit mehr Produkten.
Baumwollsamenöl ist ein Speiseöl, das in der Lebensmittelindustrie weit verbreitet ist. Chips, Kekse und Margarine enthalten oft Baumwollsamenöl, ohne dass der Begriff auf der Zutatenliste auffällt. Der Samen macht rund 60 Prozent des Gewichts der Baumwollkapsel aus, die Faser nur 40 Prozent.
Medizinische Produkte wie Verbandsmaterial, Wattepads, chirurgische Fäden und Tampons bestehen fast ausschließlich aus Baumwolle. Krankenhäuser gehören zu den größten Baumwollverbrauchern weltweit.
Nitrocellulose, auch Schießbaumwolle genannt, entsteht aus chemisch behandelter Baumwollfaser. Lacke, Tintenstrahldrucker-Tinten und Sprengstoffzusätze nutzen diesen Stoff. Das Banknotenpapier der Deutschen Bundesbank besteht zu 75 Prozent aus Baumwollfasern. Die Faser im 100-Euro-Schein in Ihrer Brieftasche ist Baumwolle.
| Produktkategorie | Baumwollanteil | Bemerkung |
|---|---|---|
| T-Shirt (100 % Baumwolle) | ca. 150–200 g Rohfaser | meist konventionell angebaut |
| Jeans (Denim) | ca. 500–800 g Rohfaser | inkl. Webverlust |
| Banknote (100 EUR) | ca. 0,8 g Baumwollfaser | 75 % Baumwolle, 25 % Leinen |
| Verbandsmull (1 Rolle) | ca. 10–15 g Rohfaser | medizinische Qualität |
| Baumwollsamenöl (1 l) | aus ca. 3 kg Samenkapsel | Nebenprodukt der Fasergewinnung |
Wie setzt sich der Preis eines Baumwollprodukts zusammen?

Ein Baumwoll-T-Shirt für 4,99 Euro bei Shein. Was steckt darin? Der Rohstoffanteil macht bei einem typischen Billig-T-Shirt weniger als 0,50 Euro aus. Der Baumwollweltmarktpreis lag Anfang 2026 bei rund 1,50 bis 1,80 Euro pro Kilogramm. Für ein T-Shirt mit einem Gewicht von etwa 170 Gramm braucht man knapp 300 Gramm Rohfaser. Rohstoffkosten also: rund 0,45 Euro.
Die Verarbeitung umfasst Spinnen, Weben, Bleichen, Färben, Schneiden und Nähen. In Bangladesch verdient eine Näherin im Durchschnitt rund 95 Euro pro Monat. Auf ein T-Shirt entfallen je nach Lohnkosten zwischen 0,30 und 0,80 Euro.
Der Endpreis von 4,99 Euro enthält keine kostendeckende Bezahlung irgendjemandes entlang der Kette. Möglich ist er nur, weil externe Kosten nicht eingepreist werden: keine Wasserkosten für den Baumwollanbau, keine Gesundheitskosten für die Pestizidbelastung der Farmer, keine Entsorgungskosten für die weggeworfene Kleidung.
Wer verdient an Baumwolle und wer zahlt drauf?

Die Gewinner sind eindeutig: Großhandelskonzerne, internationale Markenhersteller, Plattformen wie Shein und Temu sowie Intermediäre im Rohstoffhandel. China kontrolliert rund 20 Prozent der Produktion und noch größere Anteile der Verarbeitung.
Die Verlierer sind strukturell festgelegt. Kleinbauern in Burkina Faso, Mali oder Tansania konkurrieren gegen subventionierte US-Farmen. Näharbeiterinnen in Bangladesch verdienen 95 Euro pro Monat. Verbraucher kaufen für 4,99 Euro ein Shirt und glauben, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Die versteckten Kosten trägt jemand anderes.
Der Ressourcenfluch trifft Usbekistan mit besonderer Wucht. Das Land produziert massenhaft Baumwolle, ist aber nach wie vor eines der ärmsten Länder Zentralasiens. Monokultur erschöpft die Böden. Die Wertschöpfung findet in den Verarbeitungsländern statt. Der bekannteste Kollateralschaden ist der Aralsee: einst viertgrößter Binnensee der Welt, heute zu über 90 Prozent ausgetrocknet. Studien mehrerer US-Universitäten zeigten, dass der durch die Baumwolle erwirtschaftete Umsatz die Verluste durch den Kollaps der Fischereiwirtschaft bei weitem nicht ausgleichen konnte.
Was bedeutet die aktuelle Lage für Deutschland?

Täglich erreichen rund 400.000 Pakete von Shein und Temu Deutschland, fast alle per Luftfracht. In Deutschland konsumieren Menschen jährlich etwa 1,56 Millionen Tonnen Textilien, rund 19 Kilogramm pro Person. Fast alles wird importiert, ein erheblicher Teil landet nach kurzer Nutzung im Abfall.
Für deutsche Unternehmen bedeutet das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ein regulatorisches Risiko: Wer die eigene Baumwolllieferkette nicht kennt, handelt auf dünnem Eis. Das EU-Lieferkettengesetz erweitert diese Pflichten schrittweise. Frankreich hat 2025 als erstes EU-Land ein Gesetz gegen Ultra-Fast-Fashion verabschiedet, das Umweltabgaben von mindestens 5 Euro pro Artikel vorsieht und ab 2026 schrittweise in Kraft tritt. Verstöße gegen das geplante Werbeverbot für Ultra-Fast-Fashion-Influencer können mit bis zu 100.000 Euro Bußgeld geahndet werden.
Für Verbraucher gilt: Der Preis eines T-Shirts spiegelt nie die wahren Kosten wider. Kleidung länger tragen, reparieren, tauschen. Qualität ist keine moralische Kategorie, sondern eine ökonomische Entscheidung.
Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zu Baumwolle

Aralkum
Aralkum bezeichnet die Wüste, die nach dem Austrocknen des östlichen Teils des Aralsees entstanden ist. Seit 2009 ist dieser Teil des einst viertgrößten Sees der Welt vollständig trocken. Die Salzwüste ist geprägt von Pestiziden und chemischen Rückständen aus dem jahrzehntelangen Baumwollanbau der Sowjetzeit und verbreitet giftige Staubwolken über die umliegenden Regionen.
Baumwollballen
Ein Baumwollballen ist die internationale Standardverpackungseinheit für Rohbaumwolle. An den US-Börsen entspricht ein Ballen rund 218 Kilogramm. Baumwolle wird weltweit in Ballen gehandelt, transportiert und an den Terminbörsen als Kontrakt gehandelt.
Better Cotton Initiative (BCI)
Die Better Cotton Initiative ist ein Zertifizierungssystem für nachhaltig produzierte Baumwolle, das auf Verbesserungen bei Wasserverbrauch, Pestizideinsatz und Arbeitsbedingungen setzt. Über 2.000 Unternehmen sind Mitglied. Die BCI hat die Zertifizierung von Xinjiang-Baumwolle 2020 ausgesetzt.
Byssinose
Byssinose ist eine Berufskrankheit, die durch langfristiges Einatmen von Baumwollstaub entsteht. Die Zellulosefasern akkumulieren in der Lunge und verursachen chronische Atemwegsentzündungen. Betroffen sind vor allem Arbeiterinnen und Arbeiter in Baumwollspinnereien.
Cotton Gin
Die Cotton Gin ist eine 1793 von Eli Whitney erfundene Maschine, die Baumwollfasern mechanisch von den Samenkörnern trennt. Die Erfindung steigerte die Verarbeitungsleistung um das Dreißigfache und war Hauptantrieb der Expansion von Sklavenplantagen im amerikanischen Süden.
Denim
Denim ist ein robustes Köperbindungsgewebe aus Baumwolle, das ursprünglich für Arbeitshosen entwickelt wurde. Der Name leitet sich von der französischen Stadt Nîmes ab. Moderne Jeans enthalten oft Elastan-Anteile, was das Recycling der Fasern erschwert.
Egrenierung
Egrenierung bezeichnet den industriellen Prozess, bei dem Baumwollfasern von den Samenkörnern getrennt werden. Nicht egrenierte Rohbaumwolle hat ein deutlich höheres Gewicht als die Fasern allein.
Faser-zu-Faser-Recycling
Faser-zu-Faser-Recycling bezeichnet die vollständige Wiedergewinnung von Textilfasern aus Altkleidern zur Herstellung neuer Garne und Stoffe. Derzeit werden weniger als ein Prozent aller Kleidungsstücke auf diese Weise recycelt, weil Mischgewebe aus Baumwolle und Elastan schwer zu trennen sind.
Gossypium
Gossypium ist die botanische Gattung der Baumwollpflanzen. Die wirtschaftlich bedeutsamste Art ist Gossypium hirsutum (Upland-Baumwolle, rund 90 Prozent der Weltproduktion).
King Cotton
King Cotton bezeichnet den mythischen Status der Baumwolle als wirtschaftliches und politisches Machtzentrum des amerikanischen Südens vor dem Bürgerkrieg. Der Begriff geht auf eine Rede des US-Senators James Henry Hammond aus dem Jahr 1858 zurück.
Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG)
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ist ein deutsches Gesetz, das seit 2023 Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern verpflichtet, Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden in ihren globalen Lieferketten zu identifizieren und zu beheben.
Nitrocellulose
Nitrocellulose entsteht durch chemische Behandlung von Baumwollfasern mit Salpetersäure. Das hochreaktive Material wird in Lacken, Tinten und Sprengstoffzusätzen eingesetzt.
Spinning Jenny
Die Spinning Jenny ist eine 1764 von James Hargreaves entwickelte mechanische Spinnmaschine, die erstmals mehrere Fäden gleichzeitig spinnen konnte. Sie gilt als eine der ersten industriellen Maschinen überhaupt.
Xinjiang
Xinjiang ist eine autonome Region im Nordwesten Chinas, in der rund 85 Prozent der chinesischen und etwa 20 Prozent der weltweiten Baumwolle produziert werden. Die Provinz steht international in der Kritik wegen dokumentierter Zwangsarbeit von muslimischen Minderheiten, insbesondere der Uiguren.
FAQ: Baumwolle
Woher stammt die Baumwolle in meinen Kleidern?
Das ist schwer zu sagen, und das ist das eigentliche Problem. Baumwollfasern werden in Spinnereien aus verschiedenen Ursprungsländern vermischt. Selbst Marken, die aktiv aus Xinjiang aussteigen wollen, können auf den unteren Lieferkettenebenen nicht vollständig ausschließen, dass diese Fasern eingeflossen sind. Zertifizierungen wie GOTS oder Better Cotton geben Orientierung, decken aber nur einen kleinen Teil des Marktes ab.
Ist Bio-Baumwolle wirklich nachhaltiger?
Teilweise. Bio-Baumwolle verzichtet auf synthetische Pestizide und Dünger, was den Boden und die Gesundheit der Farmer schützt. Allerdings ist der Wasserverbrauch oft höher, weil der Ertrag pro Hektar geringer ist. Der Anteil an der Weltproduktion liegt unter einem Prozent.
Was hat der Aralsee mit meiner Kleidung zu tun?
Der Aralsee trocknete aus, weil die Sowjetunion ab den 1950er Jahren das gesamte Wasser der Zuflüsse für Baumwollbewässerung abgeleitet hat. Heute ist der östliche Teil zu einer Salzwüste geworden. Usbekistan produziert noch immer Baumwolle, die in globale Lieferketten eingespeist wird.
Warum darf Baumwolle aus Xinjiang in Deutschland noch verkauft werden?
Deutschland hat kein eigenständiges Importverbot für Xinjiang-Baumwolle. Die USA haben ein solches Verbot seit 2021. Die EU arbeitet an einer Verordnung gegen Produkte aus Zwangsarbeit. Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verpflichtet Unternehmen zur Sorgfalt, enthält aber kein direktes Produktverbot.
Wie viel Wasser steckt in einem T-Shirt?
Für die Produktion eines einzigen Kilogramms Rohbaumwolle werden im Durchschnitt rund 10.000 Liter Wasser benötigt. Für ein T-Shirt mit rund 300 Gramm Rohfaserbedarf entspricht das etwa 2.700 Litern Wasser. Genug, um eine Person für zweieinhalb Jahre mit Trinkwasser zu versorgen.
Quellen
Statista / USDA Foreign Agricultural Service – Erntemenge der führenden Anbauländer von Baumwolle weltweit 2024/25 – https://de.statista.com/statistik/daten/studie/187494/umfrage/produktion-von-baumwolle-im-jahr-2010-2011-nach-laendern/ – besucht am 30.03.2026
Fluter / Bundeszentrale für politische Bildung – Die blutige Geschichte der Baumwolle – https://www.fluter.de/baumwolle-geschichte-sklaverei-globalisierung – besucht am 30.03.2026
Bundeszentrale für politische Bildung – Sklaverei und Sklavenhandel – https://www.bpb.de/themen/kolonialismus-imperialismus/postkolonialismus-und-globalgeschichte/219137/sklaverei-und-sklavenhandel/ – besucht am 30.03.2026
Bundeszentrale für politische Bildung – Der Geist von King Cotton – https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/266275/der-geist-von-king-cotton/ – besucht am 30.03.2026
Vertical52 / NDR / Funk – Baumwolle: Steckt in deinem T-Shirt Zwangsarbeit? (Satellitenanalyse Xinjiang) – https://vertical52.org/de/stories/baumwolle – besucht am 30.03.2026
Zenith Magazine – Das Geschäft mit der blutigen Baumwolle – https://magazin.zenith.me/de/wirtschaft/risiko-von-zwangsarbeit-xinjiang-baumwolle-wohl-kleidung-deutscher-marken – besucht am 30.03.2026
NZZ – Xinjiang: Pekings Vorgehen stellt westliche Firmen vor Probleme – https://www.nzz.ch/pro/asien/xinjiang-pekings-vorgehen-stellt-westliche-firmen-vor-probleme-ld.1603759 – besucht am 30.03.2026
SWI Swissinfo – Verzicht auf Baumwolle aus Xinjiang – leichter gesagt als getan – https://www.swissinfo.ch/ger/wirtschaft/mammut-outdoor-fairtrade-uiguren-zwangsarbeit_verzicht-auf-baumwolle-aus-xinjiang-leichter-gesagt-als-getan/48042934 – besucht am 30.03.2026
National Geographic Deutschland – Zentralasien: Es war einmal ein See – https://nationalgeographic.de/umwelt/2017/11/zentralasien-es-war-einmal-ein-see/ – besucht am 30.03.2026
WirtschaftsWoche / LiveEO – Wie der Aralsee zur menschengemachten Katastrophe wurde – https://www.wiwo.de/technologie/wirtschaft-von-oben/wirtschaft-von-oben-38-aralsee-wie-der-aralsee-zur-menschengemachten-katastrophe-wurde/25583934.html – besucht am 30.03.2026
Engagement Global – Baumwolle – https://www.engagement-global.de/de/stoffgeschichten-baumwolle – besucht am 30.03.2026
Deutsche Umwelthilfe – Fast Fashion – https://www.duh.de/informieren/ressourcen-und-abfall/fast-fashion/ – besucht am 30.03.2026
Europäisches Parlament – Fast Fashion: EU-Gesetze für einen nachhaltigeren Textilkonsum – https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20201208STO93327/fast-fashion-eu-gesetze-fur-einen-nachhaltigeren-textilkonsum – besucht am 30.03.2026
GLOBAL 2000 – Mode mit Nebenwirkung: Temu & Shein im Test 2025 – https://www.global2000.at/publikationen/temu-shein-im-test – besucht am 30.03.2026
Qivive Rechtsanwälte – Gesetzesentwurf gegen Ultra Fast Fashion in Frankreich – https://www.qivive.com/de/wissen/publikationen/gesetzesentwurf-gegen-ultra-fast-fashion-frankreich – besucht am 30.03.2026
Textile Network – Cotton Rankings 2025 – https://textile-network.de/de/Themenseite-Baumwolle – besucht am 30.03.2026
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