Drei Monate vor Plan ging Infineons Smart Power Fab in Dresden im Juli 2026 in Betrieb, die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte.[1] Die eigentliche Neuigkeit folgt zwei Monate später: Das Werk erreicht die Vollauslastung doppelt so schnell wie jede frühere Erweiterung. Der Hebel steckt nicht in der Anlagentechnik, sondern in der Software dahinter.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Fünf Milliarden Euro Investition, rund 1.000 neue Stellen, weltgrößte Fab für Leistungshalbleiter.
- Doppeltes Tempo: Vollauslastung in zwei bis drei Jahren statt der bislang üblichen Dauer.
- Digitaler Zwilling: Gebäude und Maschinenpark vorab durchgeplant, KI stützt die Anlagenfreigabe.
- Werksverbund: Dresden, Villach und Kulim teilen sich Aufträge als ein virtuelles Werk.
Wie halbiert ein digitaler Zwilling die Hochlaufzeit?

Vorab simuliert. Infineon plante Gebäude und Maschinenanordnung mit einem digitalen Zwilling, lange bevor der erste Reinraum stand. KI-Algorithmen übernehmen anschließend die Freigabe von Anlagen und Prozessen, die früher wochenlange manuelle Abnahme kostete.
Weniger Blindflug. Diese Vorabplanung fehlt in vielen deutschen Fabriken, ein Muster, das der Beitrag Die deutsche Industrie verschläft den digitalen Zwilling beschreibt. Wo das Layout erst im Bau reift, verliert eine Fab Monate, die Infineon nun einspart.
Was ist die One Virtual Fab?
Ein Netz statt Insel. Betriebsvorstand Alexander Gorski verbindet Dresden mit den Werken in Villach und im malaysischen Kulim zu einer One Virtual Fab. Standardisierte Werkzeuge, Prozesse und Software plus Echtzeit-Zwillinge lassen Aufträge zwischen den Standorten wandern, etwa von Österreich nach Sachsen.
Last nach Bedarf. So füllt sich das neue Werk aus dem bestehenden Verbund, statt auf eigene Kundschaft zu warten. Der Ansatz trifft auf einen Markt, den Infineons Rekordquartal am KI-Strombedarf illustriert.
Die eigentliche Fabrik steht in der Software. Den digitalen Zwilling zu beherrschen entscheidet künftig darüber, wer ein Werk in der halben Zeit füllt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für die deutsche Industrie?
Chip-Souveränität. Die Fab liefert 300-Millimeter-Leistungshalbleiter für E-Autos, Ökostrom und KI-Rechenzentren, also genau die Bauteile, um die der EU Chips Act ringt. Dresden festigt den Anspruch, Europas Abhängigkeit von asiatischer Fertigung zu senken, ein Faden, der auch die Debatte um Chinas Leistungshalbleiter in der Top 10 durchzieht.
Methode zum Mitnehmen. Für den Mittelstand liegt der Nutzwert weniger in der Milliardensumme als im Vorgehen: erst den digitalen Zwilling bauen, dann die Halle. Prüfen Sie vor der nächsten Investition, ob Ihr Anlagenbauer einen digitalen Zwilling mitliefert. Verlangen Sie eine Simulation der Hochlaufkurve als Teil des Angebots.
Quelle
[1] Infineon Technologies: „Smart Power Fab Dresden“
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