Thyssenkrupp Steel hat nach eigenen Angaben rund 4.000 der geplanten 11.000 Stellen bereits abgebaut oder an andere Arbeitgeber übertragen. Auf seinem Kapitalmarkttag in London nannte der Duisburger Stahlhersteller zugleich ein Ergebnisziel von mindestens 1,2 Milliarden Euro, dreimal so viel wie im vergangenen Geschäftsjahr. Rund 7.000 Stellen stehen noch aus.

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Der Stellenabbau bei Thyssenkrupp Steel ist gut zu einem Drittel umgesetzt. Diese Zwischenbilanz zog das Management am 28. September auf einem Capital Market Day in London, wo Vorstandschefin Marie Jaroni Investoren die Mittelfristziele der Stahlsparte vorstellte.[1] Ein Zieljahr für die neuen Zahlen nannte das Unternehmen nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Von rund 11.000 Stellen, die bis 2030 wegfallen oder an Dritte gehen sollen, sind rund 4.000 umgesetzt.
  • Das Ziel lautet mindestens 1,2 Milliarden Euro bereinigtes EBITDA bei mindestens 11 Prozent Marge. Im Geschäftsjahr 2024/25 waren es 384 Millionen Euro.
  • Mehr als 800 Millionen Euro sollen aus eigenen Maßnahmen kommen, über die Hälfte davon ist vertraglich vereinbart.
  • Die Trennung vom Hüttenwerk HKM ist seit dem Sommer vollzogen.

Wo steht der Abbau der 11.000 Stellen?

Stahlcoil mit orangefarbenem Streifen und Infofahne auf weißem Hintergrund
Umbauplan: 5.000 Stellen in Produktion und Verwaltung bis 2030 gestrichen, 6.000 weitere ausgelagert. Versandmenge sinkt auf 8,7–9 Millionen Tonnen, Weiterverarbeitungswerk Kreuztal-Eichen schließt

Zwei Wege. Den Umbau hatte der Vorstand im November 2024 vorgestellt: Rund 5.000 Stellen sollen bis 2030 in Produktion und Verwaltung wegfallen, weitere 6.000 an externe Dienstleister oder mit verkauften Geschäften an neue Eigentümer gehen. Die Versandmenge sinkt auf 8,7 bis 9 Millionen Tonnen, das Weiterverarbeitungswerk in Kreuztal-Eichen im Siegerland soll schließen.[2] Wie sich die 4.000 umgesetzten Stellen auf beide Wege und die Standorte verteilen, sagt die neue Mitteilung nicht.

Ohne Kündigungen. Den Rahmen setzt der Sanierungstarifvertrag mit der IG Metall, abgeschlossen Ende 2025. Der Vertrag gilt bis zum 30. September 2030 und schließt betriebsbedingte Kündigungen aus.[3] Der Abbau läuft deshalb über Abfindungen, Altersteilzeit und eine Transfergesellschaft sowie über Ausgliederungen. Plan und Einigung mit der Gewerkschaft liegen hinter dem Unternehmen, jetzt läuft die Umsetzung.

Woher sollen die 1,2 Milliarden Euro kommen?

Eigene Hebel. Im Geschäftsjahr 2024/25 erzielte die Sparte Steel Europe ein bereinigtes EBITDA von 384 Millionen Euro.[4] Den größten Teil der Lücke sollen Restrukturierung, Kostenprogramme und die HKM-Trennung schließen, zusammen mehr als 800 Millionen Euro. „Unsere Mittelfristziele basieren zu einem großen Teil auf Maßnahmen, die wir selbst in der Hand haben“, sagte Finanzvorstand Philipp Conze.[1] Das Duisburger Hüttenwerk gehört inzwischen vollständig zu Salzgitter, das dort auf einen Elektrolichtbogenofen umstellen will.

Rückenwind aus Brüssel. Den Rest erwartet das Unternehmen vom Markt. Seit Juli 2026 gelten neue EU-Quoten und Zölle, die laut Thyssenkrupp mehr als 80 Prozent des europäischen Flachstahlmarkts erfassen und die Preise stützen.[1] Für das Elektroband des Konzerns setzt die EU zusätzlich auf Mindestpreise gegen Importe aus China. Diesen Teil kann der Vorstand ebenso wenig steuern wie die Nachfrage seines wichtigsten Kunden, der Autoindustrie.

Thyssenkrupp Steel: Zwischenstand des Umbaus
Umgesetzte und offene Stellen, Ergebnisziel und die Stationen seit dem Zukunftskonzept
Rund 11.000 Stellen fallen bis 2030 weg oder gehen an Dritte
rund 4.000 umgesetzt
rund 7.000 offen
5.000 + 6.000
Stellen fallen weg bzw. gehen an externe Dienstleister oder neue Eigentümer
384 Mio. €
bereinigtes EBITDA der Sparte Steel Europe im Geschäftsjahr 2024/25
≥ 1,2 Mrd. €
bereinigtes EBITDA als Mittelfristziel, Marge mindestens 11 Prozent, ohne Zieljahr
> 800 Mio. €
sollen eigene Maßnahmen beitragen, mehr als die Hälfte ist vertraglich vereinbart
November 2024
Vorstand legt das Zukunftskonzept mit 11.000 Stellen vor
Ende 2025
Sanierungstarifvertrag mit der IG Metall, ohne betriebsbedingte Kündigungen
Sommer 2026
Trennung vom Duisburger Hüttenwerk HKM vollzogen
28.09.2026
Capital Market Day: rund 4.000 Stellen umgesetzt
30.09.2030
Ende der Laufzeit des Sanierungstarifvertrags

Thyssenkrupp Steel rechnet die Verdreifachung des Ergebnisses zu großen Teilen aus weniger Personal und weniger Tonnen vor. Für Duisburg zählt deshalb, wie viele der 7.000 offenen Stellen tatsächlich wegfallen und wie viele nur den Arbeitgeber wechseln.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Umbau für Duisburg und die Stahlkette an der Ruhr?

Verbund bröckelt. Weil Thyssenkrupp Steel für eine Verlängerung der Roheisenlieferung deutlich höhere Preise verlangte, beendet ArcelorMittal im September 2027 die Stahlerzeugung in Duisburg-Ruhrort. Laut IG Metall fallen dort rund 550 von etwa 800 Stellen weg. Bei der Konzerntochter Bilstein stehen laut einem noch nicht beschlossenen Plan bis zu 180 Stellen in Ennepetal und Essen zur Disposition.

Eigentümer offen. Jindal Steel International hat Ende August ein unverbindliches Angebot für zunächst 60 Prozent der Stahlsparte vorgelegt. Laut Mitteilung bleibt eine Verselbstständigung mit möglicher Minderheitsbeteiligung der Thyssenkrupp AG das Ziel.[1] Dienstleister rund um das Duisburger Werk sollten mit Ausschreibungen für ausgelagerte Aufgaben rechnen. Einkäufer aus Auto- und Hausgeräteindustrie verhandeln künftig mit einem Lieferanten, der nach eigenem Leitsatz „Wert vor Volumen“ stellt, und sollten Rahmenverträge für Premiumgüten früh absichern.

Quellen

[1] thyssenkrupp Steel: Capital Market Day: thyssenkrupp Steel bekräftigt Strategie und nennt Mittelfristziele (28.09.2026)

[2] thyssenkrupp Steel: thyssenkrupp Steel stellt wesentliche Eckpunkte für industrielles Zukunftskonzept vor (25.11.2024)

[3] thyssenkrupp Steel: thyssenkrupp Steel schließt mit der IG Metall Sanierungstarifvertrag ab

[4] thyssenkrupp AG: Geschäftsbericht 2024/2025

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