Der Stoßdämpferhersteller thyssenkrupp Bilstein plant, an seinen Standorten Ennepetal und Essen bis zu 180 Stellen zu streichen, vor allem in Forschung und Entwicklung. Ein Teil dieser Aufgaben soll ins Ausland wandern. Beschlossen ist noch nichts: Die Geschäftsführung muss die Umsetzung erst mit dem Betriebsrat verhandeln.

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Die Belegschaft erfuhr von den Plänen bereits Anfang September, am 24. September berichtete die WDR-Lokalzeit Dortmund darüber.[1] Für die Beschäftigten ist es die zweite Abbaurunde in kurzer Folge. Im vergangenen Jahr fielen bei Bilstein schon rund 100 Stellen weg.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • In Ennepetal und Essen sollen bis zu 180 Stellen wegfallen, der Schwerpunkt liegt auf Forschung und Entwicklung.
  • Die Fertigung am Stammsitz Ennepetal soll laut Unternehmen unberührt bleiben, einen Teil der Entwicklungsarbeit will Bilstein ins Ausland verlagern.
  • Der Plan ist angekündigt, aber nicht beschlossen. Betriebsrat und IG Metall haben einen externen Berater und rechtlichen Beistand eingeschaltet.
  • Für Ennepetal ist es binnen eines halben Jahres die zweite Ankündigung eines Stellenabbaus in dreistelliger Höhe.

Warum spart Bilstein ausgerechnet an der Entwicklung?

Ein Falken-Stoßdämpfer mit einem orangen Anhänger, auf dem „»Ausland?«“ steht
Bilstein verlagert Entwicklung nach Osteuropa und Asien, um Ingenieurkosten zu senken und im Preiswettbewerb zu bestehen

Kostendruck statt Produktverlust. Die Geschäftsführung begründet die Pläne mit anhaltendem Wettbewerbs- und Kostendruck.[2] Anders als Kupplungen oder Abgasanlagen braucht jedes Elektroauto Stoßdämpfer, durch die Antriebswende verliert Bilstein also kein Produkt. Unter Druck steht der Preis je Bauteil. Ingenieursstunden kosten in Osteuropa und Asien deutlich weniger als im Ruhrgebiet, und Bilstein fertigt bereits im rumänischen Sibiu und in Shanghai.[6] Wohin die Entwicklungsaufgaben wandern sollen, hat das Unternehmen nicht genannt.

Konzern im Umbau. Das 1873 gegründete Familienunternehmen ging 1988 an die Hoesch AG und gehört seitdem zum heutigen thyssenkrupp-Konzern.[3] Die Autosparte kündigte schon im März 2025 an, rechnerisch 1.800 ihrer knapp 31.300 Stellen weltweit zu streichen.[4] Parallel baut Vorstandschef Miguel López thyssenkrupp zur Finanzholding um, deren Sparten sich selbst finanzieren müssen. Für Bilstein zählt damit vor allem die eigene Marge.

Wie reagieren Betriebsrat und IG Metall?

Vertrauen verloren. Betriebsratschef Binali Ateser sagt, das Vertrauen in Bilstein sei verloren. Bevor sie verhandeln, haben der Betriebsrat und die IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper einen externen Berater und rechtlichen Beistand eingeschaltet. Das Unternehmen verweist darauf, dass es die konkrete Umsetzung mit den Mitbestimmungsgremien berät.[2] Beim Aktionstag der IG Metall am 21. September protestierten bundesweit rund 175.000 Beschäftigte gegen Stellenabbau in der Autoindustrie.

Bilstein: Stellenabbau in Ennepetal und Essen
Was geplant ist und wo das Verfahren steht
bis zu 180
Stellen sollen in Ennepetal und Essen wegfallen, vor allem in Forschung und Entwicklung
rund 100
Stellen strich Bilstein bereits in der Abbaurunde des Vorjahres
1.800
Stellen weltweit will die thyssenkrupp-Autosparte seit März 2025 abbauen, bei knapp 31.300 Beschäftigten
rund 400
Stellen fallen in Ennepetal zusätzlich mit der Schließung von Bharat Forge CDP bis Ende 2027 weg
Anfang SeptemberGeschäftsführung informiert die Belegschaft
JetztBetriebsrat und IG Metall bereiten Verhandlungen vor
OffenBeschluss, Interessenausgleich und Sozialplan

Bei Bilstein soll die Entwicklung gehen, die Fertigung vorerst bleiben. Ein Werk ohne eigene Ingenieure verliert auf Dauer das Argument, mit dem es den nächsten Auftrag gewinnt.

— Michael Dobler, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Abbau für Ennepetal?

Zweiter Einschnitt. Im April kündigte der indische Schmiedekonzern Bharat Forge an, sein Werk CDP in Ennepetal mit rund 400 Stellen zu schließen. Produziert wird dort noch bis Mitte 2027.[5] Auch dort holten sich Betriebsrat und IG Metall zuerst Berater und Anwälte, bevor sie mit dem Arbeitgeber sprachen.

Entwicklung wandert ab. Bilstein folgt einem Muster, das sich durch die Industrie zieht. Stihl verlegt die Mähroboter-Entwicklung nach China, Valeo zieht Entwickler aus Ebern ab. Zulieferer im Ennepe-Ruhr-Kreis sollten die Verhandlungen bei Bilstein genau verfolgen: Ob Entwicklungsarbeit am Standort bleibt, zeigt, welchen Preis ein Konzern heute noch für deutsche Ingenieursstunden zahlt.

Quellen

[1] WDR Lokalzeit Dortmund: Ennepetaler Traditionsunternehmen Bilstein will bis zu 180 Stellen streichen (24.09.2026)

[2] AD HOC NEWS: IG Metall: 175.000 Beschäftigte protestieren gegen Stellenabbau an 280 Orten (25.09.2026)

[3] Bilstein: Geschichte

[4] dpa via autohaus.de: Thyssenkrupp: Stellenabbau in der Autosparte (06.03.2025)

[5] IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper: Bharat Forge CDP in Ennepetal soll geschlossen werden (09.04.2026)

[6] Wikipedia: ThyssenKrupp Bilstein (Produktionsstandorte)

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