Leapmotor will die 12-Volt-Batterie aus seinen Elektroautos streichen und das Bordnetz ab 2027 direkt aus dem Fahrakku versorgen. Der chinesische Hersteller zielt damit auf das Bauteil, das laut ADAC 2025 für 45,4 Prozent aller Pannen verantwortlich war. Offen bleibt, wie Warnblinker und Notruf nach einem Unfall weiter Strom bekommen.

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Die 12-Volt-Batterie entfällt bei Leapmotor mit der Akkugeneration CTC 3.0, die der Hersteller am 16. September auf seinem Technologietag vorstellte.[1] Auf derselben Bühne zeigte Leapmotor auch die Fahrzeugarchitektur LEAP 5.0 mit einem Weltmodell-Assistenzsystem für günstige Elektroautos. Die ersten Serienmodelle mit dem neuen Akku sollen 2027 folgen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Steuergeräte, Licht und Sicherheitssysteme hängen bei CTC 3.0 an Zellen im Fahrakku, eine separate Bleibatterie entfällt.
  • Leapmotor verspricht für das Bordnetz die siebenfache Speicherkapazität und lebenslange Wartungsfreiheit.
  • Leapmotor gibt die zugehörigen Patente für die gesamte Branche frei.
  • Wie die Notstromversorgung nach einem Unfall funktioniert, hat der Hersteller bisher nicht erklärt.

Warum braucht ein Elektroauto überhaupt eine 12-Volt-Batterie?

Alte Starterbatterie (»Ruhestand«) und modernes Elektroauto-Batteriemodul nebeneinander
Schütze trennen den Hochvoltakku vom parkenden E-Auto. Sie benötigen Strom zum Schließen, den die Bordbatterie liefert. Ist diese leer, bleibt das Auto mit vollem Akku liegen

Schütze trennen den Hochvoltakku vom Fahrzeug, sobald das Auto abgestellt ist. Diese elektromechanischen Schalter brauchen zum Schließen selbst Strom, und den liefert bisher die kleine Batterie. Ist dieser Speicher leer, bleibt ein E-Auto mit vollem Fahrakku stehen.

Pannenursache Nummer eins. Der ADAC rückte 2025 zu rund 3,7 Millionen Pannen aus, 45,4 Prozent davon gingen auf eine schwache oder defekte Starterbatterie zurück.[2] Auch bei Elektroautos steckt laut ADAC hinter etwa jeder zweiten Panne die Starterbatterie. Das Bordnetz eines E-Autos bleibt im Stand teilweise aktiv, etwa für Software-Updates und den App-Fernzugriff, und zehrt dabei an der Bleibatterie.

Wie löst Leapmotor das Problem?

Gleiche Zellen versorgen bei CTC 3.0 beide Spannungsebenen. Hoch- und Niedervoltteil teilen sich Kühlung und Batteriemanagement.[1] Chinesische Fachmedien berichten, dass die Steuerelektronik einzelne Zellen reihum für das Bordnetz heranzieht, damit der Ladezustand im ganzen Akku gleich bleibt.

Offene Flanke. Nach einem Aufprall trennen die Schütze den Hochvoltakku, damit Rettungskräfte keinen Stromschlag riskieren. Türentriegelung, Warnblinker und der automatische Notruf eCall, in der EU seit 2018 für neue Fahrzeugtypen Pflicht, brauchen dann weiter Strom. Wie Leapmotor diese Versorgung bei geöffneten Schützen absichert, hat der Hersteller nicht im Detail erklärt. Wie heikel ein ausgefallenes Bordnetz an der Tür wird, zeigte ein Tesla-Rückruf in China: Nach einem Aufprall finden Insassen den mechanischen Notöffner in der Türverkleidung nur schwer.

Die 12-Volt-Batterie in Zahlen
Zwei Werte aus der ADAC-Pannenstatistik, zwei Angaben von Leapmotor zu CTC 3.0.
45,4 %
aller ADAC-Panneneinsätze 2025 gingen auf eine schwache oder defekte Starterbatterie zurück
jede 2.
Panne eines Elektroautos verursacht laut ADAC ebenfalls die kleine Batterie
7-fach
mehr Speicherkapazität für das Bordnetz verspricht Leapmotor mit Zellen aus dem Fahrakku
2027
sollen die ersten Serienmodelle ohne separate 12-Volt-Batterie vorgestellt werden

Keine andere Komponente lässt so viele Autos liegen wie die 12-Volt-Batterie, Leapmotor nimmt sich also ein Alltagsärgernis vor. Überzeugen wird die Lösung erst mit einem offengelegten Notstromkonzept für den Crashfall.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Europa und die Werkstätten?

Tesla ersetzte die Bleibatterie ab 2021 schrittweise durch einen kleinen Lithium-Ionen-Akku, behielt aber ein eigenes Bauteil für das Bordnetz. Leapmotor legt beide Spannungsebenen in ein gemeinsames Batteriegehäuse und will mit der Freigabe der Patente andere Autobauer zum Nachziehen bewegen.[1]

Europa wartet. Hierzulande verkauft Leapmotor seine Autos über Leapmotor International, ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem Stellantis 51 Prozent hält. Gebaut wird ab Oktober auch in Spanien. Die aktuellen Europamodelle fahren noch mit klassischer 12-Volt-Batterie, einen Termin für CTC 3.0 auf dem europäischen Markt nennt der Hersteller nicht.

Fuhrparkleiter sollten beim nächsten Leasingvertrag klären, ob eine Störung im Niedervoltteil künftig unter die Akkugarantie fällt. Bei Leapmotor-Modellen mit CTC 3.0 entfällt für Werkstätten und Pannendienste der Batterietausch als Routineauftrag, dafür rückt der Fahrakku stärker in den Mittelpunkt der Diagnose. Wie lange dieser Akku durchhält, zeigt unser Überblick zur Akku-Degradation beim E-Auto.

Quellen

[1] Stellantis Media (Leapmotor): „Leapmotor launches two innovations at the 2026 Leapmotor Tech Day“ (Pressemitteilung, September 2026)

[2] ADAC: „ADAC Pannenstatistik 2026: Die Gewinner und Verlierer“ (23. April 2026)

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