Schaeffler senkte am 31. Juli 2026 die Mittelfristziele für 2028 und strich damit rund drei Milliarden Euro aus der eigenen Umsatzplanung. Der Kurs des Autozulieferers aus Herzogenaurach verlor am selben Tag zeitweise 18 Prozent.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenHinter dem Schnitt steckt kein schwaches Quartal, sondern eine Neubewertung des Elektroauto-Markts.[1] Schaeffler räumte ein, dass die eigene Sparte E-Mobility auch 2028 rote Zahlen schreiben dürfte, und richtet den Konzern deshalb konsequent auf Marge statt Wachstum aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Umsatzziel für 2028 fällt von 27 bis 29 auf 24 bis 26 Milliarden Euro.
- Die Sparte E-Mobility soll 2028 nur noch 6,25 bis 7,25 Milliarden Euro umsetzen, nach zuvor 8,25 bis 9 Milliarden, und dabei eine Marge zwischen minus 4 und 0 Prozent erreichen.
- Das Margenziel der Gruppe bleibt bei 6 bis 8 Prozent, der freie Cashflow bei 400 bis 600 Millionen Euro.
- Die Aktie verlor am Tag der Meldung bis zu 18 Prozent.
Warum senkt Schaeffler ausgerechnet das Umsatzziel?

Der Rückzieher kommt von den Kunden. Schaeffler begründete den Schnitt mit deutlich gesunkenen Markterwartungen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Der Hochlauf der Elektromobilität, auf den der Konzern seine Planung gebaut hatte, fällt flacher aus als kalkuliert. Der Löwenanteil der Kürzung entfällt deshalb auf die Sparte E-Mobility, deren Umsatzziel um rund zwei Milliarden Euro sinkt.
Mit dem Zukauf von Vitesco hatte sich Schaeffler 2024 zum Antriebsspezialisten fürs E-Auto umgebaut und teuer auf die Elektromobilität gesetzt. Diese Wette geht langsamer auf als geplant. Für 2028 traut sich der Konzern in der Sparte nur noch eine Marge zwischen minus 4 und 0 Prozent zu, nach zuvor mindestens null Prozent. Das Elektrogeschäft bleibt damit auf Jahre ein Zuschussgeschäft.
Schaeffler gesteht ein, dass die teuer erkaufte E-Mobilität auch 2028 noch Verluste einfährt. Sein Margenziel hält der Konzern nur, weil er sich vom eigenen Wachstumsversprechen verabschiedet.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie hält Schaeffler die Marge trotz Umsatzverlust?
Weniger Umsatz bei gleicher Marge klingt nach einem Widerspruch. Schaeffler löst das Rätsel über den Produktmix: Die gestrichenen Milliarden stammen fast vollständig aus der defizitären E-Mobility. Ein schrumpfendes Verlustgeschäft hebt rechnerisch die Durchschnittsmarge, ohne dass ein Cent mehr hereinkommt.
Zusätzlich hob der Konzern die Ziele der profitablen Sparten an. Der Antriebs- und Fahrwerksbereich soll 2028 eine Marge von 10,5 bis 12,5 Prozent erreichen, das Ersatzteilgeschäft sogar 14 bis 16 Prozent, jeweils einen halben Punkt mehr als bisher. Ähnlich hat sich Continental mit dem Verkauf von ContiTech auf sein rentables Kerngeschäft zurückgezogen. So bleibt das Gruppenziel von 6 bis 8 Prozent stehen, obwohl der Umsatz sinkt.
Weniger Umsatz, gehaltene Marge: die Kennzahlen der Kurskorrektur
Was heißt der Rückzug für die deutschen Zulieferer?
Schaeffler steht mit dem gedämpften Ausblick nicht allein. Bei Volkswagen rettet der Elektroboom die Bilanz ebenso wenig, ZF streicht Tausende Stellen in der Verwaltung, und Forvia Hella baut den Scheinwerfer zum margenstärkeren Digitalprodukt um. Die deutsche Zulieferindustrie korrigiert überall dieselbe Annahme: dass der E-Auto-Hochlauf schnell und profitabel kommt.
Am Standort Deutschland trifft der gedämpfte Ausblick auf eine paradoxe Nachfrage: Die E-Auto-Neuzulassungen legten im Juni um 78 Prozent zu, doch die Auftragsbücher der Zulieferer spiegeln diesen Schwung nicht. Während Schaeffler seine Werke mit humanoiden Robotern in die Schlagzeilen bringt, entscheidet über die Bilanz weiter das schlichte Verhältnis von Stückzahl und Marge. Entscheider im Zuliefer- und Maschinenbau kalkulieren deshalb besser mit einem langsameren, margengetriebenen Hochlauf als mit den Wachstumsversprechen von 2024.
Quelle
[1] Schaeffler AG: „Anpassung Mittelfristziele 2028“ (Ad-hoc-Mitteilung, 31. Juli 2026)
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