Der französische Autozulieferer OPmobility erwägt, die Fertigung von Karosserie-Außenteilen aus dem hessischen Sterbfritz an andere deutsche Standorte zu verlagern. Rund 460 Stellen in Deutschland würden damit wegfallen. Beschlossen ist der Schritt noch nicht, zuerst stehen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern an.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenOPmobility, bis 2024 unter dem Namen Plastic Omnium bekannt, veröffentlichte die Pläne am Mittwochabend zusammen mit gesenkten Zielen für das laufende Jahr.[1] Für 2026 erwartet der Konzern jetzt ein operatives Ergebnis von 430 bis 450 Millionen Euro und einen freien Cashflow von mehr als 220 Millionen Euro. In Frankreich sollen an drei Standorten weitere 310 Stellen wegfallen.
Das Wichtigste in Kürze
- OPmobility erwägt, die Produktion des Werks in Sterbfritz (Gemeinde Sinntal, Main-Kinzig-Kreis) auf andere deutsche Werke zu verteilen.
- Rund 460 Stellen in Deutschland und 310 in Frankreich sollen wegfallen, die Restrukturierung kostet 2026 voraussichtlich 120 bis 130 Millionen Euro.
- Neue Fertigungskapazität baut der Konzern vor allem in Nordamerika und Asien auf.
- Eine Stellungnahme von Betriebsrat oder IG Metall lag bis Donnerstagvormittag nicht vor.
Was plant OPmobility in Sterbfritz?

Das Werk in Sterbfritz, einem Ortsteil der Gemeinde Sinntal im Main-Kinzig-Kreis, fertigt Außenteile für Autokarosserien. Die Produktion soll nach den Plänen auf andere deutsche Werke übergehen, welche, lässt OPmobility offen.[1] Wie viele Menschen in Sterbfritz arbeiten, veröffentlicht der Konzern ebenfalls nicht. Die rund 460 Stellen entsprechen gut einem Prozent der weltweit 38.100 Beschäftigten.
Der Plan steht auf der Stufe der Ankündigung. OPmobility will das Vorhaben im Dialog mit den Arbeitnehmervertretern und nach dem Recht des jeweiligen Landes umsetzen. In Deutschland sieht das Betriebsverfassungsgesetz für die Verlegung eines Betriebs Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan vor. Wohin dieser Weg führen kann, zeigt Speyer. Dort vereinbarten TE Connectivity und der Betriebsrat kürzlich das Ende der Produktion, bis Ende 2028 fallen rund 630 Stellen weg.
Warum bleibt die Fertigung in Deutschland, aber nicht in Sterbfritz?
OPmobility begründet die Pläne mit Überkapazitäten und einem starken Rückgang der Autoproduktion. Die Werke sollen dadurch besser ausgelastet werden.[1] Kunststoff-Außenteile entstehen auf großen Spritzgießmaschinen und durchlaufen anschließend die Lackierung. Diese Anlagen kosten Geld, auch im Stillstand. Bündelt ein Zulieferer die Aufträge zweier schwach ausgelasteter Werke an einem Standort, spart er einen großen Teil der Fixkosten des zweiten.
Anders als bei mehreren Verlagerungen dieser Wochen bleibt die Fertigung in Deutschland: Semikron Danfoss etwa will Teile seiner Flensburger Produktion in die Slowakei verlagern. Wachstum sucht OPmobility außerhalb Europas. Neue Kapazität entsteht vor allem in Nordamerika und Asien.
Dieselbe Begründung lieferte Plastic Omnium schon 2012. Damals kündigte der Konzern wegen anhaltender Überkapazitäten in Westeuropa an, die Stoßfängerfertigung im thüringischen Eisenach mit rund 200 Beschäftigten aufzugeben.[2] Vierzehn Jahre später steht mit Sterbfritz ein Werk in Hessen zur Disposition.
Was bedeutet der Schritt für die Region und die Zulieferer?
Die Pläne treffen eine Branche, die seit Jahren Personal abbaut. Nach dem EY-Industriebarometer, das auf Daten des Statistischen Bundesamts beruht, arbeiteten im zweiten Quartal 2026 in der deutschen Autoindustrie 5,8 Prozent weniger Menschen als im Vorjahresquartal. Seit 2019 fielen rund 142.400 Stellen weg.[3] Anfang Oktober wurde bekannt, dass Nidec die Fertigung in Bietigheim-Bissingen schließen will. In Sonneberg plant der Kunststoffteile-Hersteller MoldTecs, 124 von rund 330 Stellen zu streichen.
Sterbfritz verliert nicht gegen Osteuropa, sondern gegen die Auslastung der eigenen Schwesterwerke. Gegen fehlende Autos hilft kein Lohnverzicht.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zulieferer und Dienstleister des Werks in Sterbfritz, von der Logistik bis zur Instandhaltung, sollten ihre Verträge jetzt auf Laufzeiten und Kündigungsfristen prüfen. Mehr Klarheit über Zielwerke und Zeitplan könnte der 21. Oktober bringen, an dem OPmobility den Umsatz des dritten Quartals vorlegt.
Quellen
[1] OPmobility: „OPmobility adjusts its roadmap and 2026 objectives to address the transformation of the automotive market“ (07.10.2026)
[2] Plastic Omnium: „Plastic Omnium to adjust its automotive production base in Germany“ (23.11.2012)
[3] EY: „Deutsche Industrie stabilisiert sich beim Umsatz, doch der Arbeitsplatzabbau beschleunigt sich“ (14.08.2026)
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