Semikron Danfoss will laut shz in Flensburg rund 90 Stellen in der Industrie-Sparte abbauen und Teile der Fertigung in die Slowakei verlagern. Der Schnitt trifft ausgerechnet das Geschäft, mit dem der Mutterkonzern Danfoss wachsen will. Die zum Verkauf stehende Automotive-Sparte mit knapp 400 Beschäftigten bleibt außen vor.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Hersteller von Leistungselektronik Semikron Danfoss baut in Flensburg zum zweiten Mal binnen zwei Jahren Personal ab. Im Herbst 2024 fielen am Standort bereits rund 200 Stellen weg, damals mit Verweis auf die Autokrise.[3] Diesmal verlässt zusätzlich ein Teil der Produktion das Land.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Schleswig-Holsteinischem Zeitungsverlag (shz) sollen in der Flensburger Industrie-Sparte rund 90 Arbeitsplätze wegfallen, Teile der Produktion gehen in die Slowakei.
- Die Automotive-Sparte mit knapp 400 Beschäftigten ist nicht betroffen, Danfoss will dieses Geschäft verkaufen.
- Im März zählte der Standort laut NDR rund 650 Beschäftigte, bei Semikron Danfoss bleiben sollte rund ein Drittel davon.
Was plant Semikron Danfoss in Flensburg?

Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag meldete den Abbau am Montagnachmittag.[1] Die Slowakei zählt zu den acht Ländern, in denen Semikron Danfoss produziert, darunter auch China, Indien und die USA. Weltweit beschäftigt der Hersteller mehr als 3.500 Menschen.[7]
Die Zahl wiegt am Standort schwer. Im März arbeiteten in Flensburg laut NDR rund 650 Menschen, zwei Drittel davon sollten mit der Automotive-Sparte zum künftigen Käufer wechseln.[2] Bei Semikron Danfoss verbleiben damit rechnerisch gut 200 Beschäftigte, von denen nun rund zwei von fünf ihre Stelle verlieren würden. Michael Schmidt von der IG Metall hatte damals erklärt, ein weiterer Stellenabbau sei derzeit nicht geplant.[2]
Der Abbau steht auf der Stufe der Ankündigung. Offen sind bislang der Zeitplan und die Frage, ob Geschäftsführung und Betriebsrat schon über einen Sozialplan verhandeln.
Warum zieht die Fertigung in die Slowakei?
Naheliegend ist der Lohnabstand. Im verarbeitenden Gewerbe kostete eine Arbeitsstunde 2025 in Deutschland laut Eurostat 49,50 Euro, in der Slowakei 19,30 Euro, also weniger als 40 Prozent davon.[6] Mercedes beziffert die Faktorkosten im ungarischen Kecskemét auf rund 70 Prozent unter deutschem Niveau und nutzt das Gefälle im Streit um seine deutschen Werke.
Flensburg folgt einem Muster aus Nürnberg, dem Firmensitz. Dort kündigte Semikron Danfoss im Oktober 2025 einen Interessenausgleich mit Beschäftigungsgarantie nach wenigen Monaten wieder auf, rund 1.350 Beschäftigte waren damals noch übrig.[4] Produktionslinien sollten nach China und in die Slowakei gehen, die Belegschaft fürchtete bei einer Kundgebung den Verlust von bis zu 150 Arbeitsplätzen.[5]
Den Rahmen setzt der Eigentümer. Im März übernahm Danfoss alle Anteile am früheren Gemeinschaftsunternehmen und erklärte industrielle Antriebe, erneuerbare Energien, Energiespeicher und Rechenzentren zu den Wachstumsfeldern.[8] Wie gefragt Leistungshalbleiter für Rechenzentren sind, zeigt Infineon mit Chips für einen Festkörpertransformator im KI-Rechenzentrum. Neue Kapazitäten entstehen auch in Asien: Infineon fertigt Leistungsmodule für Industrie und Energiewende künftig auch in einem neuen Werk in Thailand.
Danfoss will mit Rechenzentren und Energiespeichern wachsen, in Flensburg fallen trotzdem 90 Industrie-Stellen weg. Die Fertigung zieht dorthin, wo die Industriestunde 19,30 Euro kostet.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Abbau für Flensburg?
Für den Standort hängt viel am Verkauf der Automotive-Sparte. Deren Geschäftsführung sagte im September bei einer gemeinsamen Kundgebung mit der IG Metall zu, vorerst keine Stellen abzubauen.[3] Den Käufer hat Semikron Danfoss bislang nicht genannt.
Personalverantwortliche in Schleswig-Holstein können sich auf Bewerbungen aus der Elektronikfertigung einstellen: In Flensburg suchen bald bis zu 90 Beschäftigte eine neue Stelle. Lieferanten des Werks sollten früh klären, welche Aufträge mit der Fertigung in die Slowakei wandern. In der Debatte um den Standort Deutschland zeigt der Fall, dass auch Wachstumsbranchen ihre Fertigung nach Kosten verteilen.
Quellen
[1] shz: „Semikron Danfoss verlagert Teile der Produktion in die Slowakei“ (05.10.2026)
[2] NDR: „Semikron Danfoss: Fabrik in Flensburg steht wohl vor Verkauf“ (30.03.2026)
[3] NDR: „Flensburg: Vorerst kein Stellenabbau bei Semikron-Danfoss Automotive“ (21.09.2026)
[4] Nürnberger Nachrichten: „Bei Semikron Danfoss droht neuer Job-Abbau: Keine Beschäftigungsgarantie mehr für Nürnberg“ (27.10.2025)
[5] Nürnberger Nachrichten: „Protest bei Semikron Danfoss: Nürnberger Beschäftigte befürchten Abbau von bis zu 150 Jobs“ (29.10.2025)
[6] Eurostat: „Labour cost levels by NACE Rev. 2 activity“ (Datensatz lc_lci_lev, verarbeitendes Gewerbe, Stand 2025)
[7] Semikron Danfoss: „Company“ (Unternehmensseite, abgerufen am 06.10.2026)
[8] Danfoss (Presseportal): „Danfoss übernimmt den Weltmarktführer für Leistungselektronik Semikron Danfoss vollständig“ (11.03.2026)
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