Der Sondermaschinenbauer Paul Köster baut im laufenden Insolvenzverfahren 90 Stellen ab, 212 Arbeitsplätze in Medebach sollen erhalten bleiben. Für die Betroffenen plant das Familienunternehmen eine Transfergesellschaft. Ein Insolvenzplan soll die Sanierung abschließen, die Gläubiger müssen ihm noch zustimmen.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

„Wir nutzen die Eigenverwaltung früh und bewusst“, erklärte Geschäftsführer Christopher Köster im Juni, als die Paul Köster GmbH beim Amtsgericht Arnsberg ein Insolvenzverfahren beantragte.[1] Am 30. September erfuhr die Belegschaft auf einer Betriebsversammlung, was die Sanierung kostet. Von gut 300 Stellen im Sauerland fallen 90 weg.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Paul Köster streicht 90 Stellen, 212 bleiben am Stammsitz Medebach, alle Ausbildungsverhältnisse laufen weiter.
  • Beim Insolvenzantrag im Juni beschäftigte der Sondermaschinenbauer rund 320 Menschen.
  • Ein Insolvenzplan soll in den kommenden Wochen folgen, nach derzeitiger Planung endet das Verfahren in Eigenverwaltung im Januar 2027.
  • Maschinenbauer in Nordrhein-Westfalen erhielten von Januar bis August real 9 Prozent weniger Aufträge als im Vorjahreszeitraum.

Wie weit ist die Sanierung bei Paul Köster?

Infusionsständer mit Infusionsbeutel „AUTO“ und eine orangefarbene Steuerbox mit Kabelführung
Paul Köster beantragte am 8. Juni Insolvenz in Eigenverwaltung. Seit 1. September läuft das Verfahren, die Geschäftsführung arbeitet unter Aufsicht des Sachwalters weiter

Am 8. Juni beantragte Paul Köster wegen drohender Zahlungsunfähigkeit die Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Gericht bestellte Rechtsanwalt Marco Kuhlmann von KKN Rechtsanwälte zum vorläufigen Sachwalter.[1] Seit dem 1. September ist das Verfahren eröffnet, die Geschäftsführung führt den Betrieb unter Aufsicht des Sachwalters weiter.

Den Abbau teilte die Düsseldorfer Kanzlei KebekusPartner mit, deren Anwälte Paul Köster als Generalbevollmächtigte durch das Verfahren begleiten. Weil Paul Köster auch in den kommenden Jahren mit deutlich weniger Umsatz rechnet, sollen die Kosten sinken.[2] Einzelheiten zur Transfergesellschaft kündigte das Unternehmen für die folgenden Tage an.

Der Stellenabbau ist angekündigt, die Sanierung aber nicht abgeschlossen. Über den Insolvenzplan stimmen die Gläubiger ab, danach muss das Amtsgericht ihn bestätigen. Für Kündigungen gilt im Verfahren eine Frist von maximal drei Monaten zum Monatsende (§ 113 InsO), ein Sozialplan darf höchstens zweieinhalb Monatsverdienste je betroffenem Beschäftigten umfassen.[5] Beide Grenzen machen den Abbau für das Unternehmen billiger als außerhalb der Insolvenz.

Warum trifft die Krise der Autoindustrie einen Maschinenbauer im Sauerland?

Paul Köster baut Sondermaschinen für Dichtheitsprüfung, Montage und Automation, ein erheblicher Teil davon geht an die Autoindustrie. Viele Anlagen entstehen für eine bestimmte Fertigungslinie eines einzelnen Kunden. Verschiebt ein Autobauer oder Zulieferer sein Projekt, lässt sich die Lücke nicht kurzfristig mit anderen Aufträgen füllen.

Als Auslöser nennt das Unternehmen einen plötzlichen Auftragseinbruch, Preisdruck, gestiegene Kosten und mehrere Kundeninsolvenzen in den vergangenen zwei Jahren.[1] Die Krise der Zulieferer reicht so bis zu ihren Ausrüstern. Wie tief die Einschnitte bei insolventen Mittelständlern der Autobranche gehen, zeigt auch Sonneberg: Dort will der Autozulieferer MoldTecs 124 von rund 330 Stellen abbauen.

Die Zahlen des VDMA zeigen, dass Nordrhein-Westfalen dem Bundesschnitt hinterherläuft. Von Januar bis August bestellten Kunden bei NRW-Maschinenbauern real 9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, bundesweit lag der Auftragseingang 4 Prozent darüber. Im August fiel das Minus in NRW mit 22 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat besonders hoch aus.[3]

Paul Köster in Medebach: Sanierung mit Stellenabbau
Was die Insolvenz die Belegschaft kostet und warum die Aufträge fehlen
90
Stellen fallen weg, die Betroffenen sollen in eine Transfergesellschaft wechseln
212
Arbeitsplätze bleiben in Medebach, beim Insolvenzantrag im Juni beschäftigte das Unternehmen rund 320 Menschen
minus 9 %
Auftragseingang im NRW-Maschinenbau von Januar bis August 2026, real gegenüber dem Vorjahreszeitraum
plus 4 %
Auftragseingang im Maschinenbau bundesweit im selben Zeitraum
Wo das Verfahren heute steht
8. Juni 2026
Paul Köster beantragt die Insolvenz in Eigenverwaltung.
1. September 2026
Das Amtsgericht Arnsberg eröffnet das Verfahren.
30. September 2026
Die Belegschaft erfährt vom Abbau von 90 Stellen.
Januar 2027
Mit einem Insolvenzplan soll das Verfahren enden.

Paul Köster baut Anlagen für Fertigungslinien, die die Autoindustrie derzeit nicht bestellt. In Medebach kostet diese Flaute 90 Arbeitsplätze.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen

Was bedeutet der Abbau für Medebach und die Region?

Für eine Stadt mit knapp 8.000 Einwohnern sind 90 Industriearbeitsplätze ein spürbarer Verlust. In Südwestfalen häufen sich die Einschnitte: Warsteiner streicht 125 von 725 Stellen am Stammsitz, in Wickede prüfen Wettbewerber den Kauf des insolventen Rohrherstellers Prinz-Mayweg.

Personalverantwortliche in der Region sollten früh Kontakt zur Transfergesellschaft aufnehmen. Die Arbeitsagentur zahlt dort bis zu zwölf Monate Transferkurzarbeitergeld,[4] in dieser Zeit können andere Betriebe die Beschäftigten kennenlernen und einstellen. Mittelständler mit ähnlicher Kundenstruktur sehen an Paul Köster, was der frühe Antrag bei drohender Zahlungsunfähigkeit bringt: Die Geschäftsführung bleibt im Amt. Wie stark die Standortkosten solche Entscheidungen prägen, beleuchtet unsere Analyse „Standort Deutschland: Ist da noch was zu retten?“.

Quellen

[1] Paul Köster GmbH: „Paul Köster GmbH stellt Antrag auf Eigenverwaltung, Geschäftsbetrieb läuft weiter“ (08.06.2026)

[2] Radio Sauerland: „90 Mitarbeiter bei Köster in Medebach müssen gehen“ (01.10.2026)

[3] VDMA Nordrhein-Westfalen: „Auftragseingang im Maschinenbau NRW: Schlechte Zahlen im August“, Nr. 10/2026 (Oktober 2026)

[4] Bundesministerium der Justiz: § 111 SGB III, Transferkurzarbeitergeld

[5] Bundesministerium der Justiz: § 123 InsO, Umfang des Sozialplans

Mehr Newshunger?

4,3 16 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?