Die Warsteiner-Brauerei will an ihrem Stammsitz im Sauerland bis Ende 2026 rund 125 Vollzeitstellen streichen. Die Haus Cramer Gruppe begründet den Schritt mit dem schrumpfenden Biermarkt, obwohl Warstein gerade die Produktion der Brauereien in Herford und Paderborn übernimmt.

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„Extrem erstaunt und schockiert“ zeigte sich Isabell Mura, stellvertretende Landesbezirksvorsitzende der Gewerkschaft NGG, über den Stellenabbau bei Warsteiner.[1] Erst vor wenigen Monaten handelte die NGG mit dem Unternehmen einen Sozialtarifvertrag aus, der nach Muras Worten den Standort Warstein sichern sollte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Warsteiner streicht in Warstein bis Ende 2026 rund 125 Vollzeitstellen in Produktion, Verwaltung und Vertrieb; am Standort arbeiten derzeit rund 725 Menschen.
  • Etwa 50 Stellen entfallen über Ruhestand und auslaufende befristete Verträge, für die übrigen verhandelt das Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretern.
  • Im Mai kündigte die Gruppe bereits das Aus der Brauerei Herford und den geplanten Verkauf der Brauerei Paderborn an, betroffen waren dort 211 Beschäftigte.
  • An der Entalkoholisierungsanlage, einem eigenen Windrad und dem Marken-Relaunch hält Warsteiner fest.

Warum baut Warsteiner am Stammsitz Stellen ab?

Grüner Getränkekasten mit braunen Flaschen und einem Anhänger mit der Zahl „-125“
Deutscher Bierabsatz in zehn Jahren um 19 Prozent gesunken, Pils im Handel um 21 Prozent. Brauereien reagieren mit Kostensparmassnahmen

Schrumpfender Markt. Laut der Mitteilung vom 23. September sank der Bierabsatz in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren um 19 Prozent, bei Pils im Handel um 21 Prozent. „Angesichts der in den letzten zehn Jahren branchenweit gesunkenen Absatzmengen sind diese zusätzlichen Maßnahmen zur Kostensenkung unvermeidlich“, erklärte Bodo Joachim Wendenburg, CEO und Chief Restructuring Officer der Haus Cramer Gruppe.[2] Das Statistische Bundesamt bestätigt den Trend: 2025 fiel der Absatz um 6,0 Prozent auf 7,8 Milliarden Liter, das stärkste Minus seit Beginn der Zeitreihe 1993.[3]

Jede sechste Stelle. Gemessen an den rund 725 Beschäftigten in Warstein fällt etwa jede sechste Stelle weg.[4] Warsteiner rechnet allerdings in Vollzeitstellen, die Zahl der betroffenen Menschen kann deshalb höher liegen. Das Vorhaben steht auf der Stufe der Ankündigung: Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern begannen in dieser Woche, eine Einigung mit dem Betriebsrat steht noch aus.[2]

Wie passt der Abbau zur Verlagerung nach Warstein?

Drei Brauereien, ein Standort. Am 7. Mai kündigte die Gruppe an, den Braubetrieb in Herford in der zweiten Jahreshälfte einzustellen und für Paderborn einen Käufer zu suchen. Ohne Käufer endet die Produktion dort bis Ende 2026. Betroffen waren 98 Beschäftigte in Herford und 113 in Paderborn. Warstein soll zum zentralen Produktions- und Logistikstandort der Gruppe in Nordrhein-Westfalen werden, ein Teil der Belegschaft aus Herford und Paderborn sollte dort unterkommen.[5]

Auslastung statt Aufbau. Genau diesen Widerspruch greift die NGG auf: Die Produktionsanlage aus Herford wird nach Warstein verlegt, zugleich soll der Standort mit weniger Personal auskommen.[1] Sudhaus, Abfüllung und Mehrweglogistik verursachen hohe Fixkosten, die bei sinkender Menge je Hektoliter steigen. Legt Warsteiner drei Standorte zusammen, verteilen sich diese Kosten auf mehr Hektoliter je Anlage, und die Konzentration spart zusätzlich Personal in Verwaltung und Vertrieb. Nach derselben Rechnung geben bundesweit Braustätten auf, das Brauereisterben erfasst alle Größenklassen: 2025 zählte das Statistische Bundesamt noch 1.415 Brauereien, 53 weniger als im Vorjahr.[6]

Warsteiner bündelt und baut ab
Die Haus Cramer Gruppe konzentriert die NRW-Produktion in Warstein und streicht dort Stellen
125
Vollzeitstellen fallen bis Ende 2026 in Warstein weg, bei rund 725 Beschäftigten am Standort
50
Stellen davon entfallen über Ruhestand und auslaufende befristete Verträge
211
Beschäftigte in Herford (98) und Paderborn (113) betraf die Entscheidung vom Mai 2026
−18,9 %
weniger Bier setzten deutsche Brauereien 2025 ab als 2015

Die Zusage vom Mai, Beschäftigte aus Herford und Paderborn in Warstein zu übernehmen, klang nach Aufbau. Tatsächlich zielt die Konsolidierung auf mehr Hektoliter pro Sudhaus und weniger Beschäftigte pro Hektoliter.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Abbau für Warstein und die Branche?

Investitionen bleiben. Warsteiner baut 2026 eine Entalkoholisierungsanlage und setzt damit auf alkoholfreies Bier, eines der wenigen wachsenden Segmente im Biermarkt. Ein eigenes Windrad soll ab Frühjahr 2027 mindestens die Hälfte des Strombedarfs der Brauerei decken.[4] Der Relaunch der Marke Warsteiner startet noch 2026.[2]

Widerstand angekündigt. NGG und Betriebsrat wollen sich gegen den Abbau wehren, der Sozialtarifvertrag soll in den Verhandlungen die zentrale Rolle spielen.[1] Zu den 211 Beschäftigten in Herford und Paderborn kommen nun rund 125 Vollzeitstellen in Warstein hinzu: Binnen fünf Monaten trifft der Umbau drei Standorte der Gruppe. In derselben Woche kündigten auch Evonik und Mubea Stellenabbau in Deutschland an. Getränkehändler und Gastronomen in Ostwestfalen sollten Lieferwege und Konditionen früh klären: Herford stellt den Braubetrieb ein, für Paderborn ist ein Käufer offen. Für Betriebe im Sauerland bedeutet der Abbau ein Angebot an ausgebildeten Brauern und Anlagenführern.

Quellen

[1] Soester Anzeiger: „Extrem schockiert“: Gewerkschaft äußert sich zum Stellenabbau bei der Warsteiner Brauerei (23.09.2026)

[2] Haus Cramer Gruppe, Mitteilung via about-drinks: Haus Cramer Gruppe plant weiteren Abbau von rund 125 Arbeitsplätzen bis Ende 2026 (23.09.2026)

[3] Statistisches Bundesamt: 6,0 % weniger Bier im Jahr 2025 abgesetzt (02.02.2026)

[4] Soester Anzeiger: Warsteiner Brauerei streicht mehr als 100 Stellen (23.09.2026)

[5] Haus Cramer Gruppe, Mitteilung via about-drinks: Haus Cramer Gruppe schließt Herford und verkauft Paderborn (07.05.2026)

[6] Statistisches Bundesamt: Zahl der Brauereien auf 1 415 im Jahr 2025 gesunken (2026)

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