Das Hofbrauhaus Wolters beendet die Bierproduktion in Braunschweig zum 31. Dezember 2026. Für die insolvente Brauerei fand sich kein Investor, rund 90 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit. Über die Marke Wolters verhandeln die Sanierer noch, über das Sudhaus nicht mehr.

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Auf einer Betriebsversammlung am Montagnachmittag erfuhren die rund 90 Beschäftigten der Brauerei Wolters in Braunschweig, dass ihr Betrieb nach 399 Jahren schließt.[1] Seit dem Sommer suchte das Unternehmen im Insolvenzverfahren einen Käufer für die Produktion. Mit der Mitteilung an die Belegschaft steht nun der Stilllegungsbeschluss, bis Jahresende läuft der Betrieb weiter.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Brauerei Wolters stellt die Produktion am 31. Dezember 2026 ein, rund 90 Arbeitsplätze fallen weg.
  • Die Investorensuche im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung scheiterte.
  • Über den Erhalt der Marke laufen weiter Gespräche mit Interessenten.
  • Laut Gewerkschaft NGG verliert Braunschweig nach der Oettinger-Schließung binnen eines Jahres 220 Arbeitsplätze in der Bierproduktion.

Warum fand sich kein Käufer für die Brauerei?

Bierflasche mit Anhänger und kleinem Leitkegel
Hofbrauhaus Wolters meldet Insolvenz an. Das Unternehmen führt schwache Verkäufe und gestiegene Kosten für Energie, Produktion und Logistik als Gründe auf

Sanierung gescheitert. Am 19. Juni beantragte das Hofbrauhaus Wolters beim Amtsgericht Braunschweig ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung und begründete den Schritt mit schwachem Absatz und stark gestiegenen Kosten für Energie, Produktion und Logistik. Anfang Juli bestellte das Gericht Torsten Gutmann von der Kanzlei Pluta zum vorläufigen Sachwalter.[2] Eigentümerin ist seit 2021 die Volksbank BraWo. „Der Restrukturierungsprozess hat nicht die Wendung genommen, die wir uns für alle Beteiligten gewünscht haben“, sagte Kimon Phillip Kantis von der Kanzlei Eckert, die das Verfahren für das Unternehmen führt.[1]

Marke vor Sudhaus. In der Brauwirtschaft wiederholt sich ein Muster: Käufer interessieren sich für Markenrechte und Rezepturen, kaum aber für eine Braustätte mit zu viel Kapazität. Laut dem Branchenportal Getränke News lag der Ausstoß von Wolters zuletzt unter 400.000 Hektolitern, gegenüber 570.000 im Jahr 1995. Mit jedem fehlenden Hektoliter verteilen sich die festen Kosten für Sudhaus, Abfüllanlage und Mehrweglogistik auf weniger Flaschen. Die drweb-Analyse zum Brauereisterben rechnet diesen Fixkosteneffekt vor. Die Haus Cramer Gruppe zieht daraus die Konsequenz, holt die Produktion aus Herford und Paderborn nach Warstein und streicht dort dennoch 125 von 725 Stellen.

Was bedeutet die Schließung für Braunschweig?

Zweiter Verlust. Oettinger hatte seine Braunschweiger Brauerei bereits im Frühjahr 2026 geschlossen und die Produktion nach Oettingen und Mönchengladbach verlagert. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zählt 130 Stellen bei Oettinger und 90 bei Wolters. NGG-Geschäftsführerin Katja Derer kritisiert das Tempo, weil das Insolvenzverfahren erst am 1. September eröffnet wurde: „Wenn innerhalb eines Monats aus einer Sanierungsperspektive eine Stilllegungsabsicht wird, muss die Frage erlaubt sein, was sich in dieser kurzen Zeit grundlegend verändert hat.“[3]

Sozialplan offen. Ob die Belegschaft Abfindungen erhält oder in eine Transfergesellschaft wechselt, haben Unternehmen und Sachwalter bislang nicht mitgeteilt. Oberbürgermeister Thorsten Kornblum nannte den Tag „extrem schmerzhaft“ für die Beschäftigten und ihre Familien.

Braunschweig verliert seine zweite Brauerei binnen eines Jahres
Wegfallende Stellen in der Bierproduktion, Ausstoß von Wolters und der Weg von der Insolvenz zur Schließung
220 Stellen in der Braunschweiger Bierproduktion fallen weg (Zählung der NGG)
Oettinger: 130
Wolters: 90
rund 90
Beschäftigte der Brauerei Wolters verlieren zum Jahresende ihre Arbeit
< 400.000 hl
Ausstoß von Wolters zuletzt, nach 570.000 Hektolitern im Jahr 1995
−6,0 %
Bierabsatz in Deutschland 2025, stärkster Rückgang seit Beginn der Zeitreihe 1993
19.06.2026
Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Braunschweig
03.07.2026
Torsten Gutmann (Pluta) wird vorläufiger Sachwalter
01.09.2026
Eröffnung des Insolvenzverfahrens laut NGG
28.09.2026
Belegschaft erfährt vom Ende der Produktion
31.12.2026
Letzter Produktionstag nach 399 Jahren

Für das Sudhaus fand sich kein Käufer, für die Marke vielleicht schon. Der Wert einer Regionalbrauerei steckt zunehmend im Namen auf dem Etikett und immer weniger in der Anlage dahinter.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was sollten Gastronomen und Lieferanten jetzt tun?

Lieferungen klären. Bis zum 31. Dezember braut Wolters weiter. Gastronomen und Händler mit Liefervereinbarungen sollten klären, bis wann Fassbier und Flaschenware kommen und welcher Lieferant ab Januar einspringt. Offene Pfandbeträge für Leergut und Fässer gehören auf dieselbe Liste. Mälzereien, Druckereien und Logistiker melden Forderungen aus der Zeit vor der Verfahrenseröffnung beim Sachwalter zur Insolvenztabelle an.

Schrumpfender Markt. Deutsche Brauereien setzten 2025 laut Statistischem Bundesamt rund 7,8 Milliarden Liter Bier ab, 6,0 Prozent weniger als im Vorjahr.[4] Mit gestiegenen Baukosten begründete Haribo am Montag den Stopp seines geplanten Maoam-Werks in Neuss. Brauereien mit sinkendem Absatz sollten ihre Auslastung früh gegen die Fixkosten rechnen und Lohnbrau-Partnerschaften prüfen, solange die Liquidität noch Spielraum lässt.

Quellen

[1] regionalheute.de: Insolvenzverwalter bestätigt: Braunschweiger Brauerei stellt Betrieb ein (29.09.2026)

[2] PLUTA Rechtsanwalts GmbH: Weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Unternehmensgruppe Wolters eingeleitet (06.07.2026)

[3] regionalheute.de: Aus für Brauerei Wolters: NGG kritisiert „Vollbremsung“ (29.09.2026)

[4] Statistisches Bundesamt: 6,0 % weniger Bier im Jahr 2025 abgesetzt (02.02.2026)

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