Haribo baut das geplante Maoam-Werk in Neuss-Holzheim nicht. Rund 300 Millionen Euro wollte der Süßwarenhersteller dort investieren, bis zu 100 zusätzliche Stellen sollten entstehen. Stattdessen modernisiert Haribo das alte Werk an der Jülicher Landstraße, das der Konzern 2024 selbst als nicht erweiterbar beschrieben hatte.

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Am Montag teilte die Konzernleitung Bürgermeister Reiner Breuer laut Rheinischer Post persönlich mit, dass Haribo den Werksneubau in Neuss nach fast zehn Jahren Planung endgültig aufgibt. Die rund 350 Arbeitsplätze im bestehenden Maoam-Werk sollen erhalten bleiben.[1] Für die Stadt endet damit eines ihrer größten geplanten Industrieprojekte, bevor der erste Bagger rollte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Haribo stoppt den Neubau eines Maoam-Werks für rund 300 Millionen Euro auf 14 Hektar im Neusser Gewerbegebiet Holzheim.
  • Bis zu 100 zusätzliche Stellen entstehen damit voraussichtlich nicht, die rund 350 bestehenden Arbeitsplätze bleiben.
  • Als Gründe nennt Haribo gestiegene Baukosten und die schlechtere Planbarkeit großer Industrieprojekte.
  • Nach dem Grundstücksbeschluss des Stadtrats vom Juni 2024 folgte kein Spatenstich mehr, der für 2025 angepeilte Baubeginn verstrich.

Was hat Haribo in Neuss entschieden?

Ein Riegel vor einem Modellbauwerk mit einem Schild „BAUSTOPP“ auf weißem Grund
Haribo stoppt geplante Fabrik wegen gestiegener Baukosten und Planungsunsicherheiten durch globale Krisen. Stattdessen sollen bestehende Standorte ausgebaut werden

Absage nach Prüfung. Haribo begründet den Stopp mit mehreren Belastungen zugleich: Globale Krisen hätten die Baukosten steigen lassen und große Investitionsprojekte ließen sich deutlich schlechter planen als früher. Gefallen sei die Entscheidung erst nach einer umfassenden Prüfung, betont das Unternehmen laut WDR.[1] Statt eines Neubaus will Haribo bestehende Standorte weiterentwickeln, darunter das Neusser Maoam-Werk, in dem seit den 1980er-Jahren Kaubonbons vom Band laufen. Die Anlage soll schrittweise modernisiert werden.

Stufe Grundstücksbeschluss. Auf dem Weg von der Absichtserklärung zur Produktion blieb das Projekt früh stehen. Im Mai 2024 kündigte Haribo den Neubau an: 14 Hektar, rund 300 Millionen Euro, Baubeginn möglicherweise 2025, Produktionsstart um 2028.[2] Ende Juni 2024 stimmte der Neusser Stadtrat dem Verkauf der Fläche zu. Für zwei große Gewerbehallen, ein Verwaltungsgebäude und einen Verladehof leitete die Stadt eine Änderung des Bebauungsplans ein.[3] Der für 2025 angepeilte Baubeginn verstrich ohne Spatenstich.

Warum rechnet sich der Neubau für Haribo nicht mehr?

Teurer Aufschub. Die Summe von 300 Millionen Euro stammt aus dem Frühjahr 2024. Seitdem sind Industriebauten weiter teurer geworden: Die Neubaupreise für gewerbliche Betriebsgebäude lagen im Mai 2026 laut Statistischem Bundesamt 5,0 % über dem Vorjahresmonat.[4] Mit jedem Jahr in Planung und Genehmigung bekommt ein Bauherr für dasselbe Budget weniger Halle. Seit dem verpassten Baubeginn 2025 wird die Lücke zwischen Budget und Baupreis stetig größer.

Alte Grenzen. Die jetzt gewählte Ausweichlösung hatte Haribo vor zwei Jahren selbst verworfen. Die Anlage an der Jülicher Landstraße sei nicht erweiterbar, für einen Um- oder Ausbau fehle der Platz, stand in der Ankündigung von 2024. Um 2030 sollte der Neubau das alte Werk mit etwa doppelter Kapazität ablösen und zusätzlich Haribo-Fruchtgummi nach Neuss holen.[2] Von der Verdopplung und der Fruchtgummi-Fertigung ist in der aktuellen Stellungnahme keine Rede. Die Modernisierung sichert damit die bestehende Produktion, das geplante Wachstum in Neuss fällt vorerst weg.

Haribo in Neuss: Neubau gestoppt, Altwerk bleibt
Was geplant war, was bleibt und wie weit das Projekt kam
rund 300 Mio. €
geplante Investition in das neue Maoam-Werk, Stand der Ankündigung im Mai 2024
14 Hektar
Gewerbefläche in Neuss-Holzheim, etwa fünf Kilometer vom heutigen Werk entfernt
bis zu 100
zusätzliche Stellen, die mit dem Neubau entstehen sollten und nun voraussichtlich ausbleiben
rund 350
Arbeitsplätze im Maoam-Werk an der Jülicher Landstraße, die laut Haribo erhalten bleiben
Ende 2023
Ingenieurbüro prüft das Grundstück in Holzheim
Mai 2024
Haribo kündigt das Werk an, Produktionsstart um 2028
Juni 2024
Stadtrat stimmt dem Verkauf der Fläche zu
2025
geplanter Baubeginn, nie erfolgt
28.09.2026
Haribo gibt den Neubau auf und modernisiert das Altwerk

Haribo hat 2024 selbst begründet, warum das alte Maoam-Werk in Neuss nicht wachsen kann, und setzt nun genau darauf. Die 350 Stellen sind damit vorerst gesichert, die 100 neuen stehen nur auf dem Papier von 2024.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet die Absage für Neuss und den Standort?

Kein Förderfall. Die Intel-Chipfabrik in Magdeburg und die Northvolt-Batteriefabrik in Heide gelten als Symbole gescheiterter Ansiedlungen, beide Vorhaben waren mit hohen Staatshilfen verbunden. Beim Haribo-Werk in Neuss ist von Fördergeld nichts bekannt, hier scheitert ein privat kalkuliertes Projekt an den Baukosten. Der Debatte über die Deindustrialisierung in Deutschland liefert die Absage ein weiteres Beispiel, diesmal ohne Subventionsstreit. Haribo selbst hat seine deutsche Produktion schon einmal verkleinert: Ende 2020 schloss der Konzern sein einziges ostdeutsches Werk in Wilkau-Haßlau mit rund 150 Beschäftigten.

Fläche wieder frei. Für Neuss bleibt ein Gewerbegebiet mit direktem Anschluss an die A46,[2] das die Stadt eigens für produzierende Betriebe entwickelt hat.[3] Die Wirtschaftsförderung muss die 14 Hektar nun neu vermarkten. Der Standort zieht weiterhin Industrie an: Am bisherigen Autozulieferer-Standort von Rheinmetall baut der Konzern gemeinsam mit ICEYE eine Fertigung für Radarsatelliten auf. Dass große Werksprojekte auch fertig werden, zeigte zuletzt Deutsche Aircraft mit der neuen Endmontage in Leipzig.

Budgets neu rechnen. Für Dienstleister und Zulieferer aus dem Rhein-Kreis Neuss entfällt die zusätzliche Wertschöpfung, die Haribo 2024 in Aussicht gestellt hatte. Als Auftragsquelle bleibt die Modernisierung im Bestandswerk, deren Umfang Haribo bislang nicht beziffert. Unternehmen mit eigenen Bauvorhaben sollten Kalkulationen aus den Jahren 2023 und 2024 gegen die aktuellen Baupreise prüfen und Preisgleitklauseln verhandeln, solange der Vertrag noch nicht unterschrieben ist.

Quellen

[1] WDR: Haribo stoppt Neubaupläne für Werk in Neuss (29.09.2026, mit Stellungnahme von Haribo)

[2] Haribo: Neues Süßwaren-Werk in Neuss geplant (Pressemitteilung, 27.05.2024)

[3] Stadt Neuss: Neues Haribo-Werk in Neuss-Holzheim (Planungsseite zur Änderung des Bebauungsplans)

[4] Statistisches Bundesamt: Baupreise für Wohngebäude im Mai 2026: +5,0 % gegenüber Mai 2025 (Pressemitteilung, Juli 2026)

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